Stiftungen und Stipendien

Studierende oder Promovierende mit Kindern oder Pflegeverantwortung können meist – wenn überhaupt – in sehr geringem Umfang einer Erwerbsarbeit nachgehen. Stipendien bieten hier eine willkommene Möglichkeit, Familie und Studium in Einklang zu bringen und dabei finanziell relativ unabhängig planen zu können.

Dem allgemeinen Vernehmen nach sind Stipendien vor allem an Leistungskriterien orientiert. Für Studierende mit Kindern stellt das ein erhebliches Problem dar, da rein formal bestrachtet ihr Lebenslauf in der Regel mit dem ihrer Kommiliton*innen nicht mithalten kann, sofern die Kinder während des Studiums geboren sind. Dabei gibt es auch Stipendien, die sich nicht in erster Linie an Studienleistungen und linear-biografischen Errungenschaften orientieren. Nur waren diese bisher nicht ganz leicht zu finden.
Wir möchten daher an dieser Stelle unter anderen auf das Portal mystipendium hinweisen.
Die Suchmaschine berücksichtigt über 30 unterschiedliche Kriterien (auch zum Familienstand), um passende Stipendien ausfindig zu machen. Sie ist mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt mit der "Hochschulperle" des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft.


 

Spezielle Angebote für Eltern

Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung

Die Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, begabten Frauen mit Kindern den Berufsweg zur Wissenschaftlerin zu erleichtern. Gefördert werden hervorragende Doktorandinnen in einem Fach der experimentellen Naturwissenschaften und der Medizin.
Nächster Bewerbungstermin: 30. November 2018.


Regelungen der anerkannten Begabtenförderwerke

In Deutschland gibt es 12 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Bildungswerke. Für sie gelten die einheitlichen Richtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Eine Übersicht über die Werke und deren spezifische Angebote finden Sie hier.

Neben der Graduiertenförderung gehört auch die Studienförderung zu den Aufgaben der Stiftungen, d. h. alle Begabtenförderwerke vergeben in unterschiedlichem Umfang auch Studienstipendien. Nähere Informationen sind bei den Stiftungen direkt erhältlich.

Im Folgenden werden einige für alle Begabtenförderwerke geltende Regelungen vorangestellt.

  • Unterbrechung des Stipendiums
      Die Möglichkeit, das Stipendium wegen Schwangerschaft oder Kindererziehung zu unterbrechen, ist insbesondere im  
      Hinblick auf die Dauer bei allen Begabtenförderwerken unterschiedlich geregelt. Ein Anspruch auf Unterbrechung 
      besteht nicht, sondern die Stiftungen treffen auf Antrag Einzelfallentscheidungen aufgrund der individuellen
      Begründung.
      Die Konrad-Adenauer-Stiftung ermöglicht eine Unterbrechung für maximal ein Jahr.
      Die Richtlinien der Friedrich-Naumann-Stiftung sehen eine Stipendienunterbrechung in der Regel nicht vor. Wenn eine
      Stipendiatin wegen einer Schwangerschaft die Forschungsarbeit aussetzt, könnte das Stipendium jedoch
      gegebenenfalls für drei Monate unterbrochen werden.
      Auch bei der Heinrich-Böll-Stiftung bedarf die Unterbrechung des Stipendiums eines individuellen Antrags und einer
      Begründung. In der Regel bewilligt das Studienwerk eine Unterbrechung wegen Schwangerschaft und Kindererziehung
      bis zu einem halben Jahr.

  • Verlängerung der Förderungsdauer
      Die Verlängerung der Förderungsdauer wegen einer Schwangerschaft oder der Erziehung von Kindern handhaben die
      Stiftungen unterschiedlich.
      Die Konrad-Adenauer-Stiftung erkennt eine Schwangerschaft bzw. die Erziehung von Kindern zwar grundsätzlich als 
      Verlängerungsgrund an, gewährt eine Verlängerung aber nur im Rahmen der maximalen Regelförderungsdauer von
      drei Jahren.
      Unter Hinweis auf eine Änderung der Richtlinieninterpretation für die Förderwerke gewährt die Heinrich-Böll-Stiftung 
      eine Verlängerung ebenfalls nur noch innerhalb der Höchstförderungszeit von drei Jahren.
      Wird ein Kind während der Laufzeit eines Stipendiums geboren, kann bei der Friedrich-Naumann-Stiftung die restliche
      Laufzeit um ein Jahr verlängert werden, wobei die zeitliche Obergrenze von vier Jahren nicht überschritten werden
      darf.
      Bei der Hanns-Seidel-Stiftung ändert die Geburt eines Kindes prinzipiell nichts an der bewilligten Förderungsdauer.

  • Elternzeit und Stipendium
      Ob ein Stipendium auch während der Inanspruchnahme von Elternzeit aufrechterhalten wird, hängt in der Regel
      davon ab, ob die kontinuierliche Arbeit an der Dissertation sichergestellt ist. Auch hier führen die Stiftungen eine 
      Einzelfallprüfung durch.
      Wenn die lückenlose Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit nicht gewährleistet ist, storniert die Hanns-Seidel-
      Stiftung das Stipendium entsprechend der gesetzlichen Höchstdauer der Elternzeit für maximal drei Jahre.

  • Förderung von studierenden Eltern, die ein Stipendium erhalten
      Zusätzlich zu dem Grundstipendium kann ein Familienzuschlag in Höhe von 155 € im Monat gezahlt werden, wenn 
      das Einkommen des Ehegatten nach Abzug der darauf entfallenden Einkommen und Kirchensteuer sowie der
      steuerlich anerkannten Vorsorgeaufwendungen oder ein Stipendium des Ehegatten 11.045 € im Jahr nicht übersteigt
      oder mindestens für ein im Haushalt lebendes Kind das Personensorgerecht besteht. Erhält der Ehegatte des
      Stipendiaten oder der Stipendiatin ein Stipendium nach diesen Bestimmungen oder Leistungen nach anderen
      Vorschriften, deren Zielsetzung der gesetzlichen Ausbildungsförderung oder diesen Bestimmungen entspricht, kann
      der Familienzuschlag nur einmal gewährt werden. Der Familienzuschlag wird auch während der vorlesungsfreien Zeit
      gewährt.

Unabhängig von diesen Leistungen erhalten Stipendiatinnen oder Stipendiaten, die mit mindestens einem eigenen Kind, das das 10. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, in einem Haushalt leben, eine monatliche Kinderbetreuungspauschale von 113 Euro für das erste Kind. Diese erhöht sich um jeweils 85 Euro für jedes weitere Kind. Dies gilt nur, wenn nicht der andere Elternteil bereits einen Kinderbetreuungszuschlag bezieht.

Anstelle einer Verlängerung des Förderzeitraums wegen Schwangerschaft oder Kinderbetreuung können auf Antrag des Stipendiaten oder der Stipendiatin Geldzahlungen bis zur Höhe der zu erwartenden Stipendienleistung (einschließlich Zuschlägen) gewährt werden, um besonderen Betreuungsbedarf abzudecken. Die Option kann auch für einen Teil des schwangerschafts- oder betreuungsbedingten Verlängerungszeitraums oder für die erhöhte Auslandsförderung im ersten Auslandsjahr in Anspruch genommen werden. Die familienbezogene Verwendung der Mittel ist nachzuweisen.