FB 10 | Niederländisch | Veranstaltungsreihe Niederländische Sprache und Kultur AKTUELL

Wintersemester 2020-2021

Anläßlich des 200. Geburtstags von MULTATULI (Eduard Douwes Dekker) am 2. März 2020  steht das Jahr 2020 im Zeichen dieses außergewöhnlichen niederländischen Autors, der 1887 in Ingelheim am Rhein verstarb. Sein Roman Max Havelaar ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch noch heute modern. Jedoch mussten die ursprünglich fürs SoSe 2020 geplanten Vorträge coronabedingt ins WS 20/21 verschoben werden. Die Vorträge werden mittwochs (18-20 Uhr) in November online über Zoom-Videokonferenz gehalten werden. 

Zoom-Meeting beitreten
https://uni-frankfurt.zoom.us/j/92677522655?pwd=UWx1WUZWY3FYaFNweWIzQTMxMkVmQT09

https://kurzelinks.de/12re 

Meeting-ID: 926 7752 2655
Kenncode: 354086
Schnelleinwahl mobil
+496938079883,,92677522655#,,,,,,0#,,354086# Deutschland

1) Prof. Philip VERMOORTEL (Brussel/Leuven): De onsterfelijke Multatuli. Zijn stijl, zijn denken, zijn leven. (Der unsterbliche Multatuli. Sein Stil, sein Denken, Sein Leben) (Vortrag auf Niederländisch) Mittwoch, 4. November 2020 (18-20 Uhr)

Diesen Vortrag können Sie sich ansehen unter: https://youtu.be/2Kv-pS7H7YA

Philip Vermoortel promovierte 1991 an der KU Leuven mit einer Dissertation über die Parabel bei Multatuli und hat seitdem zahllose Veröffentlichungen über diesen faszinierenden Autor publiziert, z.B. Multatuli in Vlaanderen (1987) oder De schrijver Multatuli (1995). Jüngst veröffentlichte er ein "Who is who?" über die Personen, die in Multatulis Schlüsselroman "Max Havelaar" eine Rolle spielten. Vermoortel gehörte der Redaktion der Zeitschriften Dietsche Warande & Belfort und Over Multatuli an, er ist Ehrenvorstandsmitglied des Vereins Multatuli Genootschap und Mitglied der Maatschappij voor Letterkunde in Leiden. Inzwischen ist er emeritiert an der KU Leuven und veröffentlicht vor allem über Literatur des 19. Jahrhunderts. Seine Schriften wurden mehrfach ausgezeichnet.

Obwohl Multatuli (Pseudonym von Eduard Douwes Dekker) vor 200 Jahren geboren wurde und vor 133 Jahren gestorben ist, ist er noch immer einer der faszinierendsten niederländischen Schriftsteller. Seine Sprache ist unverändert gut lesbar und verständlich, seine Ideen bleiben aktuell, sein Leben liest sich wie ein Roman. Im Vortrag wird auf drei Aspekte seiner Persönlichkeit eingegangen und anhand zahlreicher Beispiele veranschaulicht, wieso er sowohl als Schriftsteller, wie auch als Denker und Mensch zu den „Unsterblichen“ gehört.

2) Prof. dr. Jacqueline BEL (Vrije Universiteit Amsterdam):‘t Komt alles uit dat ‘verwenschte pak’ van Sjaalman. Van Max Havelaar tot Woutertje Pieterse (Es kommt alles aus diesem verfluchten Paket von Shawlmanm. Von Max Havelaar bis Woutertje Pieterse) (Vortrag auf Niederländisch) Mittwoch, 11. November 2020 (18-20 Uhr)

Dr. Jacqueline Bel hat seit dem 2. März 2020 (Multatulis 200. Geburtstag) den Multatuli-Lehrstuhl der VU Amsterdam inne. Sie ist Professorin für moderne niederländische Literatur, veröffentlichte 2015 Bloed en rozen, Geschiedenis van de Nederlandse literatuur 1900-1945 ("Blut und Rosen. Geschichte der niederländischen Literatur 1900-1945") als Band 6 der von der Taalunie herausgegebenen Reihe über die Literaturgeschichte der Niederlande und Flandern. 2018 erschien, in Zusammenarbeit mit Rick Honings und Jaap Grave, Multatuli nu. Nieuwe perspectieven op Eduard Douwes Dekker. ("Multatuli jetzt. Neue Perspektiven auf Eduard Douwes Dekker")

Multatuli oftewel Eduard Douwes Dekker maakt in zijn werk regelmatig gebruik van lijsten. Zijn bekendste lijst staat in de Max Havelaar, of de koffiveilingen der Nederlandsche Handelmaatschappy, Multatuli’s beroemde roman uit 1860: het gaat om ‘het pak van Sjaalman’, een opsomming van 147 sterk uiteenlopende onderwerpen die variëren van ‘Over de koffikultuur te Menado’, ‘Over het maken van azyn’, ‘Over den Emile van Zola’, ‘Over het recht van opstand by onderdrukking’, of ‘Over de GEMÜTLICHKEIT der Duitschers’.
Een andere bekende lijst in Multatuli’s werk wordt gevormd door de reeks Ideeën, die Multatuli tussen 1862 en 1877 publiceerde in zeven delen. Een van die Ideeën luidt  bijvoorbeeld:  ‘Van de maan af gezien, zyn wy allen even groot’. Andere Ideeën zijn weer langer vormen soms samen een hele (zij het onvoltooide) roman Woutertje Pieterse.
Die lijsten roepen de volgende vragen op: Wat doet ‘het pak van Sjaalman’ in de Max Havelaar? In hoeverre hangt deze lijst samen met Multatuli’s andere werk, in het bijzonder Woutertje Pieterse? En is de lijst bruikbaar als onderzoeksinstrument?

3) Hans Dieter SCHREEB (Autor, Berlin): MillionenstudienMultatuli und die Spielbank Wiesbaden (Vortrag auf Deutsch)  Mittwoch, 18.11.2020 - 18-20 Uhr

Hans Dieter Schreeb ist ein ungewöhnlich vielseitiger Autor. Ursprünglich Journalist war er, zusammen mit seinem Partner Hans-Georg Thiemt, über Jahrzehnte einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren für ARD und ZDF. Es folgte eine Phase, in der er vor allem Romane schrieb. 
In den letzten zwanzig Jahren hat er sich auf das Schreiben von Theaterstücken und Musicals verlegt. Sein Musical Zeppelin (Musik Ralph Siegel) sollte  2020 im Festspielhaus Füssen in Premiere gehen.

Als gebürtiger Wiesbadener, der auch einige Bücher über diese Stadt veröffentlicht hat, stieß Hans Dieter Schreeb auf Multatuli, der von 1870 bis 1879 in Hessens Hauptstadt lebte und dort ein regelmäßiger Besucher der Spielbank war.

Ausgangspunkt für Schreebs Buch Millionenstudien. Multatuli und die Spielbank Wiesbaden (2004) sind Multatulis gleichnamige Millioenenstudiën aus dem Jahr 1872 und 1900 von W. Spohr ins Deutsche übersetzt. Es sind Skizzen und Essays, die ursprünglich für eine niederländische Tageszeitung geschrieben wurden. Fein ironisch kommentiert Multatuli darin seine Beobachtungen. H.D. Schreeb wählte einige der besten Stücke aus und versah sie mit einer Einleitung und Kommentar. Der Leser erfährt viel über Wahrscheinlichkeitsrechnung, Roulettespiel und Spielsysteme, macht aber auch Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Typen von Spielbankbesuchern und – besucherinnen. 

4) Holger WARNK (Univ. Frankfurt, Dept. South-East-Asien-Studies) : Spuren eines Lehrers: Multatuli in Pramoedya Ananta Toers "Buru-Tetralogie" (Vortrag auf Deutsch) Mittwoch, 25.11.2020 - 18-20 Uhr

Holger Warnk studierte Historische Ethnologie und Südostasienwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt und an der University of London. Er ist Bibliothekar in der Frankfurter Bibliothek der Südostasienwissenschaften, Mitglied im Direktorium des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien der Goethe-Universität und Lehrbeauftragter für Südostasienkunde an den Universitäten Passau und Köln.

Viele indonesische Schriftsteller, Akademiker und Intellektuelle der ersten Generation nach der Unabhängigkeit (1945) waren durch ihre Schulausbildung in der Kolonialzeit in der Lage, niederländische Literatur zu lesen. Insbesondere Multatuli stellte hier eine große Anregung für die nationalistischen indonesischen Autoren der 1950er bis -70er Jahre dar.

Wie kaum ein anderer moderner indonesischer Schriftsteller hat Pramoedya Ananta Toer (1925-2006) in seinem literarischen und auch in seinem wissenschaftlichen Werk auf Multatulis Max Havelaar Bezug genommen. Insbesondere in Pramoedyas Spät- und wohl auch Hauptwerk, der sog. „Buru-Tetralogie“ (1980-1988) spielt Multatuli eine zentrale Rolle, die in diesem Vortrag herausgearbeitet wird.

Die Buru-Tetralogie entstand während Pramoedya Ananta Toers langjähriger Haftzeit unter dem Suharto-Regime und ist auch ins Deutsche sowie zahlreiche andere Sprachen übersetzt worden. Mehrmals war der Autor für den Literaturnobelpreis nominiert.


2021

02.02.2021 (18-20 Uhr): im Rahmen der von den "Kleinen Fächern" organisierten online-Ringvorlesung im WS 20/21 zum Thema "Rassismus, Kolonialismus, Dekolonialisierung, Restitution" wird die Surinamische Schriftstellerin Cynthia McLeod  über Life in the slavery Society Suriname in the 18th century sprechen.

Cynthia McLeod (°1937 in Surinam) hat etliche, gut recherchierte historische Romane über die ehemalige niederländische Kolonie Surinam geschrieben und so zur Geschichte ihres Landes beigetragen. Mit Hoe duur was de suiker? (Wie teuer war der Zucker?"), das das Leben eines auf der Zuckerrohrplantage schuftenden Sklaven gegen den Preis für den Zucker in Europa aufrechnet, wurde sie bekannt. Der Roman wurde verfilmt und auf Englisch und Deutsch übersetzt.

Viel Erfolg kannte auch ihre Studie und ihr Roman über Elisabeth Samson, eine im Surinam des 18. Jhs. frei geborene schwarze Surinamerin. Cynthia McLeod setzt sich für den Erhalt des historischen Hauses dieser damals reichsten Frau in der Hauptstadt Paramaribo ein.