FB 10 | Niederländisch | Veranstaltungsreihe Niederländische Sprache und Kultur AKTUELL

Sommersemester 2019

Prof. em. Wannie CARSTENS (Univ. NWU Potchefstroom, Süd-Afrika) hält am 29.4.19 um 19 Uhr einen Vortrag auf Afrikaans über moderne Afrikaanse Literatur (Raum: Seminarhaus R. 3.105)

Prof. em. Wannie CARSTENS (Univ. NWU Potchefstroom, Süd-Afrika) hält am 30.4.19 um 16 Uhr einen Vortrag auf Englisch über die Verwandtschaft zwischen den Sprachen Afrikaans und Niederländisch (Raum: Seminarhaus R. 3.103)

Der mittlerweile emeritierte Professor Wannie Carstens aus Süd-Afrika, Spezialist für die Sprache „Afrikaans“, ist Verfasser und Co-Autor zahlreicher wissenschaftlicher Standardwerke über diese Sprache, u.a. Norme vir Afrikaans (2018, 6. Druck), Afrikaanse Tekslinguistiek, Die Storie van Afrikaans: uit Europa en van Afrika u.v.a.

Bis 2017 war er Professor für Afrikaanse Sprachwissenschaft an der Nordwest-Universität Potchefstroom. Nachdem er sich sein Leben lang in zahlreichen Gremien und Akademien für die Afrikaanse Sprache in Süd-Afrika eingesetzt hat, versucht er seit seiner Emeritierung im Ausland das Interesse für diese Sprache „aus Europa und für Afrika“ zu wecken. 2018 war er im Frühjahr Gastdozent für Afrikaanse Sprachwissenschaft an der Universität Leiden (Niederlande), im Herbst 2018 an der Universität Gent (Belgien). 2019 hält er auf Einladung des Niederlandistenverbands Vorträge über Afrikaanse Sprache, Literatur und Kultur an den Instituten für niederländische Philologie der Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sowie an einigen Universitäten in Ost-Europa.

Am 29. und 30. April 2019 wird Prof. W. Carstens an der Goethe-Universität zwei Vorträge halten, davon einer auf Afrikaans (wer Niederländisch versteht, versteht auch Afrikaans) und einer auf Englisch. Wo kommt die Sprache her, welche Übereinstimmungen gibt es mit Niederländisch, welchen Stellenwert hat die Sprache im heutigen Süd-Afrika? Diese und viele andere Fragen werden von ihm beantwortet. Dazu wird er an beiden Tagen vorab eine allgemeine Einführung in das Thema Afrikaans geben.

                                    

Zwei junge Dichterinnen aus Flandern (Carmien Michels) und den Niederlanden (Kira Wuck) am Donnerstag, 23. Mai 2019 - 19 Uhr (Teil 1)(zweisprachig) Campus Westend - Casinogebäude, 1. Stock, raum 1.812

Moderne Lyrik kann erfrischend sein – das beweisen die jungen Dichterinnen Kira Wuck (°1978) und Carmien Michels (°1990), die beide auch hervorragende Performerinnen sind und bedeutende Poetry Slams gewonnen haben.

Kira Wucks Gedichte sind von einer tiefen Melancholie und einem Hauch Absurdität geprägt. Isolation, Einsamkeit und gestörte Zweisamkeit sind wiederkehrende Motive, verfremdet durch bizarre Bilder und gelegentlich komische Beschreibungen. Für ihr Debüt Finse meisjes (2012) („Finnische Mädchen“) erhielt die niederländische Tochter einer Finnin und eines Indonesiers viel positive Kritik und mehrere literarische Preise und Nominierungen. 2018 erschien ihr zweiter Band De zee heeft honger („Das Meer hat Hunger“). Im Sommer 2019 bringt der Verlag Edition Virgines eine breite Auswahl ihrer Gedichte in deutscher Übersetzung heraus. (Übersetzer: Stefan Wieczorek).

Die am Könliglichen Konservatorium in Antwerpen ausgebildete „Wortkünstlerin“ Carmien Michels ist ein Tausendsassa. Neben Gedichten hat sie zwei Romane veröffentlicht, schreibt u.a. Texte für Radio, Theater und Audioguides. Sie engagiert sich in vielen Projekten, Passion und Engagement sind typisch für ihre vielseitigen Arbeiten. Erst 2017 erschien ihr erster Gedichtband We komen van ver („Wir kommen von weit her“), der sehr positiv empfangen wurde und sowohl persönliche  als gesellschaftskritische Gedichte enthält. Einige ihrer Gedichte erschienen auf Deutsch in der Literaturzeitschrift „Krautgarten“.

Zwei junge Dichterinnen aus den Niederlanden (Hagar Peeters) und Flandern (Charlotte van den Broeck) am Donnerstag, 6. Juni 2019 - 19 Uhr (Teil 2)(zweisprachig) Campus Westend - IG-Farben-Bau, Raum 251 im Erdgeschoss

Hagar Peeters (°1972) und Charlotte van den Broeck (°1991) sind zwei der wichtigsten Vertreterinnen der poetischen Landschaft im niederländischsprachigen Raum.

1999 erschien Hagar Peeters erster Gedichtband: Genoeg gedicht over de liefde vandaag („Für heute reicht’s mit Gedichten über die Liebe”). Seitdem hat sie weitere Bände veröffentlicht, wovon Koffers zeelucht (2003, „Koffer voller Meeresluft“) mehrfach ausgezeichnet wurde. Bereits vor diesen Veröffentlichungen war Peeters eine gefeierte Performancedichterin mit sicherem Gespür für die Balance zwischen Inhalt und Präsentation. Der Sprachrythmus und die prägnanten Reime erinnern manchmal an Rap, inhaltlich versteht es Hagar Peeters, ernste Themen heiterironisch zu verpacken. Ein Dichter-Kollege meinte, Hagar Peeters habe die Poesie sexy gemacht. Häufiges Thema ist die nicht-romantische Liebe, die von ihr analysiert und seziert wird. In anderen Gedichten setzt sie sich mit gesellschaftskritischen Fragen auseinander.

Charlotte van den Broeck hat 2016 zusammen mit Arnon Grünberg die Frankfurter Buchmesse mit dem Länderschwerpunkt Flandern und die Niederlande offiziell eröffnet. Die 25-jährige Belgierin beeindruckte das Publikum durch ihre Professionalität und Souveränitat. Ihre Gedichte wiederum berühren durch ihren Ernst. Bislang hat Van den Broeck zwei Gedichtbände veröffentlicht. Ihr Debüt Kameleon (2015, „Chamäleon“), wofür sie den Herman de Coninck-Debütpreis erhielt, ist eine Suche nach der weiblichen Identität einer jungen Frau, gekenn- zeichnet durch einen auffälligen Bild- und Wortgebrauch. Nachtroer (2017 „Nachtruder“), so benannt nach einem Antwerpener Nachtshop, vertieft das Herumirren einer Suchenden. Charlotte van den Broeck, die u.a. die Ausbildung Wortkunst am Antwerpener Konservatorium besuchte, trägt ihre Gedichte mit einer beschwörenden Stimme professionell vor, als würden sie in dem Augenblick entstehen und als wäre ihre Stimme für diese Gedichte geschaffen – oder umgekehrt.

Am 7. Juni 2019 um 19 Uhr liest die Dichterin und Autorin Hagar PEETERS aus ihrem Roman "Malva" (über die Tochter Pablo Nerudas) (dts./ndl.) Campus Westend - Casinogebäude, 1. Stock, Raum 1.812

Im Jahr 2015 hat die Lyrikerin Hagar Peeters ihren ersten Roman veröffentlicht, für den sie mit dem Fintro Literaturpreis sowie mehreren Nominierungen ausgezeichnet wurde. Der Roman Malva ist die ungewöhnliche, leicht skurrile Geschichte der gleichnamigen Tochter Pablo Nerudas, deren Existenz er immer verheimlicht hat. Das Mädchen litt an der häufig als „Wasserkopf“ bezeichneten Erkrankung Hydrocephalus. Neruda hatte 1930 im heutigen Jakarta eine Niederländerin geheiratet, 1934 kam das gemeinsame Kind zur Welt. In Nerudas Autobiografie findet sich weder ein Hinweis auf diese erste Frau noch auf sein einziges Kind, das 1943 bei einer Pflegefamilie in den Niederlanden verstarb. Im Roman ist die tote Malva die Ich-Person, die allwissend aus dem Jenseits kommentiert. So gehandicapt Malva im richtigen Leben war – sie konnte weder sprechen noch laufen-, so agil und witzig ist sie nun. Begleitet wird sie von Weggefährten wie Oskar Matzerath aus der Blechtrommel, Arthur Millers Sohn Daniel, der das Downsyndrom hatte und ebenfalls vom Vater versteckt wurde, sowie Lucia Joyce, der schizophrenen Tochter von James Joyce. Die kleine Malva versucht zu verstehen, wieso ihr Vater, der sich stets für die Unterdrückten in aller Welt eingesetzt hatte, für sie keinen Gedanken, kein Gedicht und keinen Cent übrig hatte. Dass Hagar Peeters Malva als Sujet ihres Romans ausgewählt hat, hat ganz persönliche Gründe. Ihr eigener Vater, ein bekannter niederländischer Publizist, hatte Hagars Mutter im Stich gelassen und weilte zum Zeitpunkt der Geburt seiner Tochter in Chile, wo er auch an der Beerdigung Nerudas teilnahm. Die Schicksale beider Töchter werden auf originelle Art miteinander verwoben und führen zu einem äußerst lesenswerten, ungewöhnlichen Roman. Ein Roman, nach dessen Lektüre man den Dichter Pablo Neruda mit ganz anderen Augen sieht