FB 10 | Niederländisch | Veranstaltungsreihe Niederländische Sprache und Kultur

Wintersemester 2021/22

Im Wintersemester 2021/22 steht die Goethe-Ringvorlesung des Instituts für deutsche Literatur und ihre Didaktik im Zeichen der niederländischen Literatur und den niederländisch-deutschen Literaturbeziehungen

Do. 18-20 Uhr – Hörsaalzentrum HZ 6 - Campus Westend

Am 21. Oktober findet für Studierende eine Online-Informationsveranstaltung per Zoom-Meeting statt: https://kurzelinks.de/hgsi - Meeting-ID: 929 7251 5258 - Kenncode: 455942

ACHTUNG: laut Informationen der Goethe-Universität (https://www.uni-frankfurt.de/87366821/Corona___Allgemeine_Hinweise_und_Informationen#veranstaltung) können die Veranstaltungen nur von Studierenden mit Goethe-Card  und Angehörigen der Goethe-Universät besucht werden, Externe erhalten keinen Zugang zu den Universitätsgebäuden. Es gilt außerdem die 3G-Regelung. Externe Interessenten können per Zoommeeting alle Veranstaltungen digital besuchen. Der Link ist der obige: https://kurzelinks.de/hgsi - Meeting-ID: 929 7251 5258 - Kenncode: 455942

  1. 28. Oktober 2021 - Prof. Dr. Bernd BASTERT (RU Bochum): Literaturflüsse. Niederländisch-deutsche Kulturkontakte während des Mittelalters als Forschungsfeld und Forschungsaufgabe
  2. 04. November 2021 - Prof. Dr. Stephan JOLIE (JGU Mainz): »das êrste rîs in tiutischer zungen« Heinric van Veldeke, die Minnesänger und die Erfindung der europäischen Gesellschaftsidee
  3. 11. November 2021 - Prof. Dr. Christina LECHTERMANN (RU Bochum): »Eyn nyderlender is geyn swaab« Der Marien-Lieder-Zyklus des Bruder Hans vom Niederrhein
  4. 18. November 2021 - Prof. Dr. Robert SEIDEL (GU Frankfurt): Daniel Heinsius, Martin Opitz und Sibylla Schwarz. Der Einfluss der Niederlande auf die Entwicklung der deutschen Barocklyrik
  5. 25. November 2021 - Jan HABERMEHL (JGU Mainz): “ergerlyke boeckjens”. Niederländische Schelmenromane des späten 17. Jahrhunderts und ihre deutschen Übertragungen
  6. 2. Dezember 2021 - Prof. Dr. Maria-Theresia LEUKER-PELTIES (Univ. Köln): Rumphius’ Naturkunde. Wissen und Macht in einem kolonialen Kontext. (NUR ALS ZOOMMEETING!)
  7. 9. Dezember 2021 - Prof. Dr. Ralf GRÜTTEMEIER (Univ. Oldenburg): F. Bordewijk, sein Roman Karakter (1938) und die niederländische Literatur der Zwischenkriegszeit
  8. 16. Dezember 2021 - Prof. Dr. Philip VERMOORTEL (Univ. Leuven/Brüssel): Multatuli und Kolonialismus, vom Beschützer zum Befreier (NUR ALS ZOOMMEETING!)
  9. 13. Januar 2022 - Prof. Dr. Heinz EICKMANS (Univ. Duisburg-Essen): Andere Länder, andere Titel. Buchtitel und Buchumschläge im niederländisch-deutschen Literaturtransfer
  10. 20. Januar 2022 -  Prof. Dr. Lut MISSINNE (WWU Münster) : Louis Paul Boon, Der Kapellekensweg oder der 1. illegale Roman von Boontje
  11. 27. Januar 2022 -  Prof. Dr. Jan KONST (FU Berlin) : Louis Ferron und das "Dritte Reich"
  12. 3. Februar 2022 -  Dr. Stefan Wieczorek (Übersetzer und Literaturwissenschaftler, Aachen): Niederländische Poesie der Gegenwart. Poetologien, Debatten und Übersetzungsstrategien.
  13. 10. Februar 2022 -  Laurette ARTOIS (GU Frankfurt)  : Tendenzen in der niederländischsprachigen Gegenwartsprosa
  14. 17. Februar 2022 -  Ilja Leonard PFEIJFFER (niederländischer Autor): „Grand Hotel Europa" (ORT: ROMANFABRIK - 20 UHR)

28. Oktober 2021 -Prof. Dr. Bernd BASTERT (RU Bochum): Literaturflüsse. Niederländisch-deutsche Kulturkontakte während des Mittelalters als Forschungsfeld und Forschungsaufgabe. Das Gebiet zwischen den beiden großen Flüssen Rhein und Maas war - schon lange vor den Maastrichter Verträgen - ein einheitlicher, durch keine hindernden Grenzen geteilter Wirtschafts- und Kulturraum, der über die natürlichen Grenzen der Flüsse weit hinausstrahlte und europäische Bedeutung besaß. An Beispielen aus der Kunstgeschichte, vor allem aber aus der Literatur des Mittelalters sollen diese, ganz wesentlich von den heutigen Niederlanden ausgehenden Einflüsse nachgezeichnet und deren Bedeutung insbesondere für die Literatur des deutschsprachigen Raums zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert dargestellt sowie Konturen möglicher Forschungsfelder entworfen werden.

04. November 2021 - Prof. Dr. Stephan JOLIE (JGU Mainz): »das êrste rîs in tiutischer zungen« Heinric van Veldeke, die Minnesänger und die Erfindung der europäischen Gesellschaftsidee. Die höfisch-ritterliche Kultur, die sich im 12. Jahrhundert von Frankreich aus über das ganze prä-nationale Europa verbreitet, ist von grundlegender Bedeutung für die europäische Kultur- und Gesellschaftsidee, noch in unserem vielfach post-nationalen Europa.  Es ist ein Kulturtransfer von immenser Internationalität und staunenswerter Vielsprachigkeit, insbesondere was die Zirkulation literarischer Formen und Motive betrifft. Der niederländisch-flandrisch-brabantische Kulturraum spielt dabei eine zentrale Rolle – wie an jenem Heinrich, genannt „aus Veldeke“, an seinen Werken und Wirkungen signifikant sichtbar wird.

11. November 2021 - Prof. Dr. Christina LECHTERMANN (RU Bochum): »Eyn nyderlender is geyn swaab« Der Marien-Lieder-Zyklus des Bruder Hans vom Niederrhein. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts entsteht am Niederrhein im Gebiet zwischen Köln und Kleve ein Zyklus von sieben Marienliedern. Ihr Verfasser, ein broeter Hanze, weist sich im Gestus des lyrischen Ich als ein Konvertit aus, der nach einem langen erfülltem Weltleben und nach einer ausgesprochen glücklichen Ehe in einen (ungenannten) Orden eingetreten ist. Sein Text gibt sich dabei als Grenzgänger zu erkennen: Dem Ideal einer dichterischen Hoch­sprache verpflichtet, setzt er seine Verse über weite Strecken in die Stro­phen­form des „Jüngeren Titurel“ und gibt Wolfram von Eschen­bach, Neidhart, Boppe und Frauenlob als seine Vorbilder an. Doch er etabliert sehr eigene Stilmerkmale und die verdanken sich nicht zuletzt dem sprach­lichem Grenzgebiet in dem er entsteht. Das lyrische Ich bringt diese Spannung auf die Formel, dass trotz der genannten Vorbilder, ein nyderlender bei aller An­strengung doch eben nie so ganz wie ein Schwabe klingen könne. Der Vortrag will den Zyklus vorstellen und wirft dabei einen kleinen Seitenblick auf die Mariendichtung in der Grenzregion Niederrhein.


18. November 2021 - Prof. Dr. Robert SEIDEL (GU Frankfurt)
: Daniel Heinsius, Martin Opitz und Sibylla Schwarz. Der Einfluss der Niederlande auf die Entwicklung der deutschen Barocklyrik. Die deutschsprachige Literatur der Barockzeit stand in engem Austausch sowohl mit der zeitgenössischen lateinischsprachigen wie auch der italienischen, französischen, englischen und niederländischen Literatur. Die Bedeutung etwa des Italieners Petrarca ("Petrarkismus") oder der französischen Poetengruppe "La Pléiade" für die deutschsprachige Lyrik ist im allgemeinen Bewusstsein besonders präsent, nicht weniger bedeutend sind jedoch die Einflüsse, die von den poetologischen Konzepten und den Texten niederländischer Autoren des frühen 17. Jahrhunderts ausgingen. Der Vortrag fokussiert sich auf den aus Gent stammenden Autor Daniel Heinsius (1580–1655), dessen Nederduytsche Poemata von 1616 im deutschen Kulturraum weithin rezipiert wurden. Nicht nur Martin Opitz (1597–1639), ein früher 'Kulturpolitiker' und Reformer der deutschsprachigen Poesie, sondern auch viele andere Autor/-innen ließen sich von Heinsius' Werken anregen. Mit Sibylla Schwarz (1621–1638) soll neben Opitz eine in vieler Hinsicht exzeptionelle Lyrikerin aus der Peripherie des deutschen Sprachraums vorgestellt werden. Es geht im Vortrag einerseits um metrische Grundentscheidungen, die speziell von der niederländischen auf die deutsche Poetik übertragen wurden, andererseits auch um Prozesse der Adaptation konkreter lyrischer Texte.

25. November 2021 - Jan HABERMEHL (JGU Mainz): “ergerlyke boeckjens”. Niederländische Schelmenromane des späten 17. Jahrhunderts und ihre deutschen Übertragungen. Meine Vorlesungssitzung widmet sich dem anonym veröffentlichten niederländischen Studentenroman De Leidsche Straat-Schender, Of de Roekelooze Student, dessen autodiegetischer Erzähler sehr genaue Kenntnisse einer Amsterdamer ‚Literaturszene’ der 1680er Jahre besitzt und diese pointiert narrativiert. Im Roman verbindet sich ein hoher Grad an poetologischer Selbstreferenzialität mit den materiellen Bedürfnissen und ökonomischen Bedingungen des zeitgenössischen niederländischen Buchmarkts sowie insbesondere mit den Lebensumständen eines bedeutenden Druckers und Herausgebers sogenannter libertärer Literatur, Timotheus ten Hoorn. Zudem werfe ich einen kontrastierenden Seitenblick auf die unter dem Titel Der ruchlose Student erschienene gekürzte deutsche Übersetzung des Romans aus dem Jahr 1681.

2. Dezember 2021 - Prof. Dr. Maria-Theresia LEUKER-PELTIES (Univ. Köln): Rumphius’ Naturkunde. Wissen und Macht in einem kolonialen Kontext. Der aus dem hessischen Wölfersheim stammende Georg Everhard Rumphius (1627-1702) war im Dienst der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) fast 50 Jahre lang auf Ambon in den Molukken stationiert. Neben seiner Tätigkeit als Kaufmann im Gewürzhandel widmete er sich dem Studium der lokalen Flora und Fauna. Die von ihm mit Unterstützung durch lokale Informanten und Mitarbeiter der VOC verfassten naturgeschichtlichen Darstellungen, die Amboinsche Rariteitkamer (Amsterdam 1705), eine Beschreibung von Muscheln, Schalentieren und Mineralien Ambons und seiner Umgebung, sowie das sechsbändige Amboinsche Kruid-boek (Ambonesisches Pflanzenbuch, Amsterdam etc. 1741 – 45), versammeln erstmals naturkundliches Wissen über diese Region und dokumentieren die Anfänge der Etablierung kolonialer Machtstrukturen durch die Niederländer in Südostasien.

9. Dezember 2021 - Prof. Dr. Ralf GRÜTTEMEIER (Univ. Oldenburg): F. Bordewijk, sein Roman Karakter (1938) und die niederländische Literatur der Zwischenkriegszeit. F. Bordewijk (1884-1965) gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller der Niederlande des 20. Jahrhunderts und sein Roman Karakter (1938), der bereits zweimal ins Deutsche übersetzt wurde (zuletzt Charakter, 2004), als sein bedeutendster. Im Vortrag wird Karakter in das Schreiben von Bordewijk insgesamt eingeordnet und zugleich dazu genutzt, das niederländische literarische Feld der Zwischenkriegszeit zu charakterisieren.

16. Dezember 2021 - Prof. Dr. Philip VERMOORTEL (Univ. Leuven/Brüssel): Multatuli und Kolonialismus, vom Beschützer zum Befreier. Zunächst wird der Schriftsteller Eduard Douwes Dekker (1820-1887), besser bekannt unter seinem Pseudonym Multatuli, vorgestellt, sowie sein bekanntestes Werk Max Havelaar (1860). Aus diesem Roman und aus anderen Werken des Autors leiten wir seinen Blick auf die niederländische Politik in der damaligen Kolonie Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien ab, und auf den Kolonialismus generell. Anschließend wird tiefer auf die Art und Weise eingegangen, wie in Indonesien auf Max Havelaar reagiert wurde und welchen Einfluss das auf die Entwicklungen hatte, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu der Unabhängigkeit geführt haben.

13. Januar 2022 - Prof. Dr. Heinz EICKMANS (Univ. Duisburg-Essen): Andere Länder, andere Titel. Buchtitel und Buchumschläge im niederländisch-deutschen Literaturtransfer. Der Himmel meines Großvaters ist der blumige deutsche Titel eines Romans des flämischen Autors Stefan Hertmans, dessen betont sachlicher Originaltitel im Niederländischen Oorlog en terpentijn (Krieg und Terpentin) lautet. Das Beispiel lässt die Problematik und die Bedeutung der Übersetzung von Buchtiteln für den interkulturellen Austausch erahnen. Titel und Umschläge gehören zu den Elementen eines Buches, die gezielt Interesse und Aufmerksamkeit wecken sollen. Dies gilt gerade auch für Bücher, die aus anderen Sprachen und Kulturen importiert werden. Beide – Titel und  Umschlag – bilden in gewisser Weise Aushängeschilder, deren Wirkung von den Verlagen genau kalkuliert wird. Dies führt bei übersetzten Büchern in sehr vielen Fällen zu einer Abkehr vom Originaltitel und in den meisten Fällen zu einer Abkehr vom Originalumschlag.Der Vortrag beschreibt an Beispielen von Übersetzungen niederländischer und flämischer Literatur die unterschiedlichen Formen der Titelübersetzung von der „wörtlichen“ Übersetzung bis zur Titelinnovation, d.h. dem Ersatz durch einen völlig neuen, vom Original abweichenden Titel. Nicht weniger bedeutsam als die Übersetzung des Buchtitels ist die graphische Gestaltung des Buchumschlags, die im interkulturellen Transfer bisher kaum vergleichend untersucht worden ist. Auch die Unterschiede in der Umschlaggestaltung, die sich in der Regel an den Normen des jeweiligen nationalen literarischen Feldes ausrichtet, sollen verglichen und systematisiert werden.

20. Januar 2022 - Prof. Dr. Lut MISSINNE (WWU Münster): Der Kapellekensweg oder der erste illegale Roman von Boontje - De Kapellekensbaan of de 1ste illegale roman van Boontje (1953, dt.: Der Kapellekensweg) stammt aus der Feder des flämischen Schriftstellers Louis Paul Boon (1912–1979) und bildet mit Zomer te Ter-Muren (1956, dt.: Sommer in Ter-Muren) eine zweiteilige Buchreihe. Der Kapellekensweg, vom Autor „eine Pfütze, ein Meer, ein Chaos“ genannt, ein „Roman, in den du alles holterdipolter reinkippst“, ist einer der großen Klassiker der niederländischsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Die Haupthandlung spielt sich im 19. Jahrhundert ab, zur Zeit des aufkommenden Sozialismus, und handelt von der zehnjährigen Ondine, die in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufwächst und vom sozialen Aufstieg träumt. Ihre Bemühungen, ihr Scheitern und auch der Entstehungsprozess des Romans selbst werden von einer Gruppe von Freunden kommentiert, zusätzlich wird ein Pastiche auf den mittelalterlichen „Vos Reynaerde“ in den Text gewoben. Der Roman wurde mit dem Wort „onfatsoenlijk” – unverschämt – bedacht, und wurde mit seiner wirbelnden Sprache und seinem Reichtum an Wortspielen und volkstümlichen Redensarten bereits drei Mal ins Deutsche übersetzt.

 27. Januar 2022 -  Prof. Dr. Jan KONST (FU Berlin) : Louis Ferron und das "Dritte Reich": Der Zweite Weltkrieg ist aus dem imposanten Œuvre von Louis Ferron (1942-2005) nicht wegzudenken. Seine fünf Deutschlandromane gehören zum wichtigsten was in der niederländischen Literatur über das Gewaltregime Adolf Hitlers geschrieben wurde. Als unehelicher Sohn einer niederländischen Mutter und eines Wehrmachtsoldaten fand der aus Haarlem stammende Autor in seiner Herkunft den eigentlichen Antrieb für seine literarischen Werke. Aus tiefer Verbundenheit zu seinem "Vater-"land nimmt er die Leser*innen mit in die Unterwelt der deutschen Geschichte und untersucht was in den 1930er un 1940er Jahren alles falsch gelaufen ist.

3. Februar 2022 -  Dr. Stefan Wieczorek (Übersetzer und Literaturwissenschaftler, Aachen)Niederländische Poesie der Gegenwart. Poetologien, Debatten und Übersetzungsstrategien. Gegenwartspoesie ist in den Niederlanden und Flandern sehr viel sichtbarer als im deutschsprachigen Raum. Das liegt insbesondere daran, dass sie das Medium des gedruckten Buches verlässt und neue Aufführungspraktiken erprobt, wie etwa Poesie im öffentlichen Raum (straatpoëzie) oder beispielsweise das sozial-literarische Projekt „Das Einsame Begräbnis“. Es sind also nicht in erster Linie dichtungstheoretische Konzepte, die die niederländische Gegenwartspoesie prägen, sondern Performativität, Oralität, Urbanität. Die (zunächst niederländische) Debatte um Amanda Gormans Gedicht „The Hill We Climb“ führte zu einem übersetzungstheoretischen und übersetzungspraktischen Diskurs, der grundlegende Fragen zu Strategien und Prämissen der Übertragung von Poesie aufwirft.

10. Februar 2022 - Laurette ARTOIS (GU Frankfurt)  : Tendenzen in der niederländischsprachigen Gegenwartsprosa. In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren lassen sich einige Tendenzen in der niederländischsprachigen Prosa beobachten, die man grenzüberschreitend sowohl in den Niederlanden als auch in Flandern feststellen kann. Ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich einige dieser Entwicklungen skizzieren, mich dabei beschränkend auf Werke, die auch in deutscher Übersetzung vorliegen, von Gerbrands Bakker Boven is het stil aus 2006 ( „Oben ist es still“ -2010) bis Marieke Lucas Rijnevelds Mijn lieve gunsteling (2020) („Mein kleines Prachttier“ – 2021) oder Lale Güls Ik ga leven (2021) („Ich werde leben“ – 2022).

17. Februar 2022 -  Ilja Leonard PFEIJFFER (niederländischer Autor): „Grand Hotel Europa" (ORT: ROMANFABRIK - 20 UHR - 7,- erm. 4,- Euro Eintritt)   Der niederländische promovierte Altphilologe, Dichter und Schriftsteller Ilja Leonard Pfeijffer (°1968) hatte in den Niederlanden bereits einige Romane und Gedichtbände herausgebracht, bevor er 2008 nach Genua (Italien) übersiedelte, wo er ein neues, anonymes Leben anfing. La Superba, wie Genua auch genannt wird, beflügelte wohl seine Fantasie, denn seitdem erschienen etwa acht Theaterwerke, fünf Poesiebände und ca. zehn Prosawerke. Zwei große Romane mit internationaler Anerkennung sind in Italien entstanden und auf Genua, bzw. Venedig inspiriert: La Superba (2013)(auf Deutsch: Das schönste Mädchen von Genua, 2016) und „Grand Hotel Europa“ (2018), unter dem gleichen Titel 2020 auf Deutsch erschienen. Dieser über 550 Seiten dicke Roman thematisiert den Verfall des Kontinents Europa, das nur noch in der Vergangenheit zu leben scheint, im Gegensatz zu den „jungen“ Kontinenten Afrika und Asien. Der Protagonist, der dem Autor auffallend ähnlich ist, wechselt seine Kritik an den Massentourismus, der den Untergang von Venedig, La Serenissima, besiegelt ab mit der Geschichte eines jungen afrikanischen Flüchtlings, die erstaunliche Parallelen zu Vergils „Aeneis“ aufzeigt. Subtil und virtuos webt der Autor außerdem noch eine rührende Liebesgeschichte durch seinen kulturkritischen Roman, der durch barocke Sprache, virtuosen Stil und eine gesunde Portion Selbstironie besticht. Moderation: Laurette Artois