FB 10 | Niederländisch | Veranstaltungsreihe Niederländische Sprache und Kultur AKTUELL

Sommersemester 2020 (bitte kontrolieren Sie immer die Daten, die aufgrund des aktuellen Coronavirus geändert werden können)

Anläßlich des 200. Geburtstags von MULTATULI (Eduard Douwes Dekker) am 2. März 2020  steht das Sommersemester im Zeichen dieses außergewöhnlichen niederländischen Autors, der 1887 in Ingelheim am Rhein verstarb. Sein Roman Max Havelaar ist sowohl inhaltlich als auch stilistisch noch heute modern.

Mittwoch, 29. April 2020 - Campus Westend, PEG-Gebäude, Raum 1.G 192

18.30 – 19.15 Uhr: Hans Dieter SCHREEB : MillionenstudienMultatuli und die Spielbank Wiesbaden (Vortrag auf Deutsch mit anschließender Diskussion)

Hans Dieter Schreeb ist ein ungewöhnlich vielseitiger Autor. Ursprünglich Journalist war er, zusammen mit seinem Partner Hans-Georg Thiemt, über Jahrzehnte einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren für ARD und ZDF. Es folgte eine Phase, in der er vor allem Romane schrieb.
In den letzten zwanzig Jahren hat er sich auf das Schreiben von Theaterstücken und Musicals verlegt. Sein Musical Zeppelin (Musik Ralph Siegel) hat im November 2020 im Festspielhaus Füssen Premiere.

Als gebürtiger Wiesbadener, der auch einige Bücher über diese Stadt veröffentlicht hat, stieß Hans Dieter Schreeb auf Multatuli, der von 1870 bis 1879 in Hessens Hauptstadt lebte und dort ein regelmäßiger Besucher der Spielbank war.

Ausgangspunkt für Schreebs Buch Millionenstudien. Multatuli und die Spielbank Wiesbaden (2004) sind Multatulis gleichnamige Millioenenstudiën aus dem Jahr 1872 und 1900 von W. Spohr ins Deutsche übersetzt. Es sind Skizzen und Essays, die ursprünglich für eine niederländische Tageszeitung geschrieben wurden. Fein ironisch kommentiert Multatuli darin seine Beobachtungen. H.D. Schreeb wählte einige der besten Stücke aus und versah sie mit einer Einleitung und Kommentar. Der Leser erfährt viel über Wahrscheinlichkeitsrechnung, Roulettespiel und Spielsysteme, macht aber auch Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Typen von Spielbankbesuchern und – besucherinnen.

                                  19.30 - 20.00 Uhr: Pause mit Umtrunk (Multatuliwein)

20.00 – 20.45 Uhr: Prof. Philip VERMOORTEL (Brussel/Leuven): De onsterfelijke Multatuli (Der unsterbliche Multatuli) (Vortrag auf Niederländisch mit anschließender Diskussion)

Philip Vermoortel promovierte 1991 an der KU Leuven mit einer Dissertation über die Parabel bei Multatuli und hat seitdem zahllose Veröffentlichungen über diesen faszinierenden Autor publiziert, z.B. Multatuli in Vlaanderen (1987) oder De schrijver Multatuli (1995). Jüngst veröffentlichte er ein "Who is who?" über die Personen, die in Multatulis Schlüsselroman "Max Havelaar" eine Rolle spielten. Vermoortel gehörte der Redaktion der Zeitschriften Dietsche Warande & Belfort und Over Multatuli an, er ist Ehrenvorstandsmitglied des Vereins Multatuli Genootschap und Mitglied der Maatschappij voor Letterkunde in Leiden. Inzwischen ist er emeritiert an der KU Leuven und veröffentlicht vor allem über Literatur des 19. Jahrhunderts. Seine Schriften wurden mehrfach ausgezeichnet.

Obwohl Multatuli (Pseudonym von Eduard Douwes Dekker) vor 200 Jahren geboren wurde und vor 133 Jahren gestorben ist, ist er noch immer einer der faszinierendsten niederländischen Schriftsteller. Seine Sprache ist unverändert gut lesbar und verständlich, seine Ideen bleiben aktuell, sein Leben liest sich wie ein Roman. Im Vortrag wird auf drei Aspekte seiner Persönlichkeit eingegangen und anhand zahlreicher Beispiele veranschaulicht, wieso er sowohl als Schriftsteller, wie auch als Denker und Mensch zu den „Unsterblichen“ gehört.

 

Dienstag, 2. Juni 2020 - Campus Westend, IG-Farben-Bau, Raum 411 (EG)

18.30 – 19.15 Uhr: Holger WARNK (Univ. Frankfurt, Dept. South-East-Asien-Studies) : Spuren eines Lehrers: Multatuli in Pramoedya Ananta Toers "Buru-Tetralogie" (Vortrag auf Deutsch mit anschließender Diskussion)

Holger Warnk studierte Historische Ethnologie und Südostasienwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt und an der University of London. Er ist Bibliothekar in der Frankfurter Bibliothek der Südostasienwissenschaften, Mitglied im Direktorium des Interdisziplinären Zentrums für Ostasienstudien der Goethe-Universität und Lehrbeauftragter für Südostasienkunde an den Universitäten Passau und Köln.

Viele indonesische Schriftsteller, Akademiker und Intellektuelle der ersten Generation nach der Unabhängigkeit (1945) waren durch ihre Schulausbildung in der Kolonialzeit in der Lage, niederländische Literatur zu lesen. Insbesondere Multatuli stellte hier eine große Anregung für die nationalistischen indonesischen Autoren der 1950er bis -70er Jahre dar.

Wie kaum ein anderer moderner indonesischer Schriftsteller hat Pramoedya Ananta Toer (1925-2006) in seinem literarischen und auch in seinem wissenschaftlichen Werk auf Multatulis Max Havelaar Bezug genommen. Insbesondere in Pramoedyas Spät- und wohl auch Hauptwerk, der sog. „Buru-Tetralogie“ (1980-1988) spielt Multatuli eine zentrale Rolle, die in diesem Vortrag herausgearbeitet wird.

Die Buru-Tetralogie entstand während Pramoedya Ananta Toers langjähriger Haftzeit unter dem Suharto-Regime und ist auch ins Deutsche sowie zahlreiche andere Sprachen übersetzt worden. Mehrmals war der Autor für den Literaturnobelpreis nominiert.

                                  19.30 - 20.00 Uhr: Pause mit Umtrunk (Multatuliwein)

20.00 – 20.45 Uhr: Prof. Rick HONINGS (Univ. Leiden): De populairste man in Holland (Der beliebteste Mann in Holland). Multatuli als "Celebrity" (Vortrag auf Niederländisch mit anschließender Diskussion)

Rick Honings ist außerordentlicher Professor für moderne niederländische Literatur an der Universität Leiden. Seine Forschungsgebiete umfassen die Literatur und Kultur des 19. Jahrhunderts. Zu seinen Veröffentlichungen zählen unter anderem die Literaturgeschichte Romantici en revolutionairen. Literatuur en schrijverschap in Nederland in de 18e en 19e eeuw (2019, Romantiker und Revolutionäre. Literatur und Schriftstellertum in den Niederlanden im 18. und  19. Jahrhundert. Zusmmen mit Lotte Jensen) und  De dichter als idool. Literaire roem in de negentiende eeuw (2016, Der Dichter als Idol. Literarischer Ruhm im 19. Jahrhundert). Derzeit arbeitet Honings an einem Forschungsprojekt zum Thema „Voicing the Colony. Travelers in the Dutch East Indies 1800-1945“.

Als Eduard Douwes Dekker 1860 unter dem Pseudonym Multatuli seinen Roman Max Havelaar veröffentlichte, wurde er mit einem Schlag berühmt. Mit dieser Anklageschrift gegen die Ausbeutung der Javanischen Bevölkerung und seinem Plädoyer für die Wiederherstellung seiner eigenen Ehre lenkte er die Aufmerksamkeit auf sein literarisches Können. Obwohl seine Leser ihn, nach eigenem Bekunden, recht wenig interessierten („Publiek, ik veracht u met grote innigheid“, Publikum, ich verachte Sie mit großer Innigkeit), musste Multatuli sich, mehr als jeder andere niederländische Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, mit seinen Bewunderern auseinandersetzen. Rick Honings wird in seinem Vortrag insbesondere auf zwei Aspekte von Multatulis „Celebrity- Status eingehen: auf sein öffentliches Image und auf die Fankultur um ihn herum.