Pressebereich der Paul Ehrlich-Stiftung

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Festakt zur diesjährigen Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preisverleihung würdigt undogmatisches Denken der Preisträger

FRANKFURT am MAIN. Die beiden Proteinforscher Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich wurden am 14.03. in der Frankfurter Paulskirche mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2019 geehrt. Der Erfolg der beiden sei ein gelungenes Lehrstück dafür, wie Wissenschaft voranschreiten könne, sagte Professor Thomas Boehm, Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung, in seiner Eröffnungsrede. Hartl und Horwich hätten das notwendige Wissen, die geistige Vorstellungskraft und die intellektuelle Freiheit besessen, das Problem der Proteinfaltung jenseits des damals gültigen Dogmas radikal neu zu denken und es in ebenso unerwarteter Weise zu lösen“, so Boehm weiter. In den 1980er Jahren waren Wissenschaftler der Ansicht, dass die korrekte Proteinfaltung allein über die Abfolge der Bausteine in der Proteinkette zustande kommt. Hartl und Horwich haben gezeigt, dass dies zwar grundsätzlich richtig ist, die Proteine wegen des dichten Gedränges in der Zelle aber Hilfe brauchen. Diese erhalten sie in Form kleiner Faltungsmaschinen, sogenannter Chaperone oder Chaperonine. Falsch gefaltete Proteine sind ein wichtiges Merkmal vieler neurodegenerativer Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz oder der Parkinson-Krankheit.

Die Preisträger hätten mit ihren Entdeckungen erneut bewiesen, zu welchen Entdeckungen undogmatisches Denken und produktiver Zweifel führen können und wie unverzichtbar eine Grundlagenforschung sei, deren Nutzen sich oft erst nach langer Zeit offenbare, sagte Boehm in seiner Rede. „Wir sollten diese Lektion nicht vergessen, wenn wir über den Sinn einer stabilen und dauerhaften Forschungsförderung nachdenken“.

Auch Professor Peter Walter von der Universität Kalifornien in San Francisco und Mitglied im Stiftungsrat würdigte in seiner Laudatio die kritische Neugierde der beiden Preisträger. Entdeckungen seien oft von Überraschungen begleitet, sagte Walter in seiner Ansprache. Diese ergäben sich zumeist in Form von Paradoxien – von experimentellen Beobachtungen, die im Kontext des aktuellen Denkens keinen Sinn ergäben. Während die meisten Forscher dazu neigen würden, Informationen, die nicht zu den vorgefassten Vorstellungen passen, zu ignorieren, böten sie den Neugierigen große Chancen, erklärte Walter weiter. „So sind Hartl und Horwich in das Gebiet der Proteinreifung eingestiegen“. An der Festveranstaltung nahmen Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst teil, Stefan Majer, Stadtrat der Stadt Frankfurt und Professor Dr. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Ehrenpräsident der Paul Ehrlich-Stiftung.

Dr. Dorothee Dormann vom Biomedizinischen Centrum der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde für ihre grundlegenden Arbeiten zur Entstehung der Amyotrophen Lateralsklerose und der Frontotemporalen Demenz mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis geehrt. Dormann hat gezeigt, dass diese völlig unterschiedlichen Erkrankungen markante Gemeinsamkeiten bei der Krankheitsentstehung haben. Dabei spielt der Ausschluss zweier Proteine aus dem Zellkern eine wichtige Rolle. Bei zellulärem Stress lagern sich die ausgesperrten Proteine in sogenannten Stress-Granula ab. Dort bilden sie tropfenähnliche Strukturen, die sich mit der Zeit nicht mehr auflösen, sondern zusammen mit anderen Eiweißen stabile Ablagerungen bilden. Diese Ablagerungen sind ein wichtiges Merkmal beider Erkrankungen. Dormann hofft mit ihrer Forschung, neue Anknüpfungspunkte für die Therapie zu finden. Professor Karlheinz Plate vom Edinger-Institut am Universitätsklinikum Frankfurt machte in seiner Laudatio deutlich, wie zielstrebig sich Dormann internationale Anerkennung erarbeitet habe und verwies darauf, dass die Zeitschrift „Capital“ sie 2014 in die Liste der Eliteforscher unter 40 Jahren aufgenommen habe. Dormann leitet derzeit eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis wird seit 1952 verliehen. Bisher wurden 127 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet. 23 Preisträger wurden auch mit dem Nobelpreis geehrt. Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt am Main e.V. Sie unterstützt die Goethe-Universität jährlich mit rund einer Million Euro und ist damit ein eindrucksvolles Beispiel bürgerschaftlichen Engagements. Mit mehr als 1600 aktiven Mitgliedern ist die Freundesvereinigung zudem eine der größten und lebendigsten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.


Weitere Informationen
Pressetexte und Hintergrundinformationen, Fotos der Preisträger und Fotos der Veranstaltung sind unter www.paul-ehrlich-stiftung.de zur kostenfreien Verwendung hinterlegt. Den ausführlichen Lebenslauf, ausgewählte Veröffentlichungen und die Publikationsliste der Preisträger erhalten Sie bei Dr. Hildegard Kaulen, Telefon:+49 06122/52718, Email: h.k@kaulen.wi.shuttle.de



Die Preisträger 2018

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Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2018 an Anthony Cerami und David Wallach verliehen, Tim J. Schulz erhielt Nachwuchspreis

Anthony Cerami und David Wallach wurden für ihre Forschung zum Botenstoff TNF und dessen Wirkung im Entzündungsgeschehen ausgezeichnet. Die Abkürzung TNF steht für Tumor-Nekrose-Faktor.
Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis ging in diesem Jahr an Professor Dr. Tim J. Schulz (38) vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke in Potsdam. Der Biochemiker Schulz wurde für seine Arbeiten zur Funktion von weißen und braunen Fettzellen geehrt.


Die Preisträger 2017

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Prof. Chang und Prof. Moore

Chang und Moore wurden für ihre Arbeiten zu Tumorviren geehrt. Wer nach neuen Tumorviren sucht, muss nach deren Genen Ausschau halten, nicht nach den Viruspartikeln. Die diesjährigen Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter Preisträger sind mit dieser Strategie zweimal fündig geworden.
Volker Busskamp wurde für anwendungsorientierte neurobiologische Forschung mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet. Der Preisträger wird für seinen Beitrag zur Gentherapie der Retinitis pigmentosa und für die Entwicklung künstlicher Nervenzell-Schaltkreise geehrt. Retinitis pigmentosa ist eine erblich bedingte Form der Blindheit.


Die Preisträger 2016

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Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna erhalten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2016

Charpentier und Doudna werden für Arbeiten ausgezeichnet, die zur Entwicklung der programmierbaren Genschere CRISPR-Cas9 geführt haben. Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter Nachwuchspreis ging an Dr. Claus-Dieter Kuhn. Er beschäftigt sich mit Ribonukleinsäuren, die nicht in Eiweiße übersetzt werden, sondern andere Aufgaben bei der Steuerung zellulärer Prozesse übernehmen.

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Die Preisträger 2015

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Prof. James P. Allison und Prof. Carl H. June sowie Prof. Raja Atreya

Die beiden amerikanischen Immuntherapeuten James P. Allison und Carl H. June wurden mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2015 ausgezeichnet.

Prof. Raja Atreya erhält die Auszeichnung für ein neuartiges Diagnostikum, mit dem sich vorhersagen lässt, ob Patienten mit Morbus Crohn von einer Therapie mit einem TNF-α-Antagonisten profitieren werden. Dieses Diagnostikum bietet die Möglichkeit, die Behandlung dieser schwerwiegenden Erkrankung besser zu individualisieren.

Hintergrundinformationen zu Allison und June
Hintergrundinformationen zu Atreya