Gastprofessur 2006

 

 

 

Prof. Dr. Clemens Mendonca (Pune/Indien)

Vorlesung:

Christliche Spiritualität im indischen Kontext. Der Beitrag einer Minderheitenreligion zum interreligiösen Lernen

Termine Themen
Mittwoch, 18.10.2006 Indien – ein multikultureller und multireligiöser Kontext
Mittwoch, 25.10.2006 Religiöse, soziale und ökologische Bewegungen in Indien
Mittwoch, 01.11.2006 Zur Auffassung von Leben in den asiatischen Religionen und im Christentum
Mittwoch, 08.11.2006 Die Feier des Lebens in den indischen Religionen
Mittwoch, 15.11.2006 Der Beitrag der asiatischen Kirchen zur Weltkirche
Mittwoch, 22.11.2006 Mission – ein dialogischer Ansatz von Geben und Empfangen
Mittwoch, 29.11.2006 Gerechtigkeit als missionarische Aufgabe. Die Selbst-Entdeckung der indischen Frau
Mittwoch, 06.12.2006 Mit und von den anderen Religionen lernen: Interreligiöse Bildung und Erziehung
Mittwoch, 13.12.2006 „Vom Geist gesandt“: Spiritualität als Kontemplation in Aktion

 

Mittwochs, 16-18h, Campus Westend NG 1.741b

Seminar Theologie interkulturell – Begleitseminar zur Gastvorlesung

Prof. Dr. Clemens Mendonca – Prof. Dr. Thomas Schreijäck
Interreligiöse Bildung und Erziehung im Kontext Indiens. Herausforderungen, Ansätze und Erfahrungen

Dienstags, 14-16h, Campus Westend, Nebengebäude, Raum 1.731 (Beginn 24.10.2006)
Studientag am 09.12., 10-17h

Im multireligiösen Kontext Indiens ist das Christentum eine Religion der Minderheit. Die meisten Inder sind Hindus, doch im weltweiten Vergleich steht Indien an dritter Stelle der Länder mit muslimischer Bevölkerung. Hinzu kommt als eine besondere Herausforderung im indischen Kontext, dass die gesellschaftliche Ordnung bis heute durch das Kastenwesen bestimmt ist. So leben die Dalits, die mehrheitlich dem Christentum angehören, als eine aus der Gesellschaft ausgegrenzte Gruppe.

Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen zu befördern und Kompetenzen dafür in Bildungs- und Erziehungsprozessen zu erwerben.

Das Seminar bietet die Möglichkeit, die Themen der Vorlesungsreihe zu vertiefen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Problemen und den Chancen des interreligiösen hinduistisch-christlichen Dialogs. Ansätze zum Erwerb von Kommunikations- und Handlungskompetenzen werden vorgestellt und auch mit Blick auf globale Herausforderungen diskutiert


Oberseminar Theologie interkulturell

Prof. Dr. Clemens Mendonca – Prof. Dr. Thomas Schreijäck
Impulse aus Indien zum interreligiösen und interkulturellen Dialog

Montags, 16-19h, Campus Westend, Nebengebäude, Raum 1.731
Einzeltermine am 06.11., 27.11. und 11.12.

Das Oberseminar thematisiert neuere Forschungsansätze im Bereich des interreligiösen und interkulturellen Dialogs im pluralistischen Kontext Indiens, die auch mit Blick auf die Weltkirche von Bedeutung sind.

Es richtet sich vorrangig an Postgraduierte im IPP „Religion im Dialog“ und wird in deutscher und englischer Sprache durchgeführt.


Zur Person der Gastprofessorin


Unsere diesjährige Gastprofessorin Dr. Clemens Mendonca ist im Jahr 1949 in Mangalore/Südindien, der Hauptstadt des Distrikts Dakshina Kannada (Südkanara), etwa 300 km westlich von Bangalore und knapp 20 km nördlich der Grenze zu Kerala, geboren. Ihr Geburtsort stand ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter portugiesischer, nach kurzen Unterbrechungen ab Beginn des 19. Jahrhunderts unter britischer Kolonialherrschaft, bis Indien im Jahr 1947 unabhängig wurde.

Im Jahr 1966 trat Sr. Clemens in die Kongregation der Sankt Anna-Schwestern (Sisters of St. Ann) ein, eine aktive Ordensgemeinschaft, die sich insbesondere der Erziehung und Ausbildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen widmet.

Ihre akademische Laufbahn begann sie 1976 mit dem Studium der Katholischen Theologie am St. Peter’s Pontifical Institute of Theology in Bangalore. Im Jahr 1980 erwarb sie dort den Bachelor of Theology. Nach zehnjährigem Dienst in der Pastoral ihrer Ordensgemeinschaft setzte sie ihr Theologiestudium am Pontifical Institute of Philosophy and Theology Jnana Deepa Vidyapeeth in Pune fort und schloss es mit dem Master’s Degree in Theology im Jahr 1993 ab. In den Jahren 1997 bis 2001 absolvierte sie ein Postgraduiertenstudium an der Eberhard Karls-Universität in Tübingen. Die Promotion erfolgte an der Katholisch-theologischen Fakultät im Fach Religionspädagogik mit einer Arbeit zur Interreligiösen Bildung in Indien unter dem Titel: „Dynamics of Symbol and Dialogue: Interreligious Education in India. The Relevance of Raimon Panikkar’s Intercultural Challenge“ (Münster-Hamburg-London 2002 = Tübinger Perspektiven zur Pastoraltheologie und Religionspädagogik 13).

Prof. Dr. Mendonca lebt und arbeitet in Pune, wegen seiner Universitäten und Fachschulen auch das „Oxford Indiens“ genannt, der kulturell bedeutendsten Stadt des Unionsstaats Maharashtra am Rande der Dekkan-Ebene. Wie überall in den Großstädten Indiens zeigen sich auch hier die Folgen der Globalisierung. Softwarehäuser, Pharmafirmen und Industrieparks meist ausländischer Investoren entstehen in ebenso rasanter Geschwindigkeit wie sich Slums ausbreiten, und traditionelle Lebensweisen werden mit (post)modernen Lifestyles konfrontiert.

Inmitten dieses multikulturellen und multireligiösen Klimas voller Gegensätze ist unsere Gastprofessorin Mitglied der Ashirvad Community in Pune, einer Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe macht, als Brückenbauerin für gegenseitiges Verständnis und Versöhnung von Menschen, Religionen und Kulturen zu wirken, indem sie auf eine Kultur des Dialogs hinarbeitet.

Seit dem Jahr 1993 ist sie Geschäftsführende Direktorin des Institute for the Study of Religion in Pune, einer Forschungseinrichtung im Bereich des interreligiösen Dialogs und der interreligiösen Zusammenarbeit. Darüber hinaus wurde sie vor zwei Jahren in das Sekretariat der Asiatischen Bischofskonferenz FABC-OEIA berufen. Sie ist dort als Beraterin in der Abteilung für ökumenische und interreligiöse Fragen tätig und bringt ihre reiche Erfahrung im kirchlich-theologischen Kontext Asiens ein.