Die deutsche und italienische Wissenschaft des Judentums im 19. Jahrhundert im Spiegel der deutsch-jüdischen und italienisch-jüdischen Publizistik

Forschungsprojekt zur Promotion von Francesca Paolin

Die Untersuchung richtet das Hauptaugenmerk auf das Beziehungsgeflecht innerhalb der jüdischen Publizistik zwischen deutsch-jüdischen und italienisch-jüdischen Gelehrten verschiedener Ausrichtungen sowie die Gründe für diese wechselseitigen Vernetzungen. Fokussiert wird hierbei hauptsächlich der Zeitraum von 1820 bis 1870. Es interessiert im Besonderen die Frage, ob und inwiefern von einer produktiven und realen Kooperation und kurzum von einer konstruktiven Diskussion über jüdische Bildungsvorstellungen, jüdische Kultur und „Theologie“ mittels der wissenschaftlichen Presse gesprochen werden kann. In dieser Hinsicht konzentriert sich die Arbeit auf den Kreis von Gelehrten des Lombardo-Venezianischen Königreiches rund um Samuel David Luzzatto (1800-1865) und auf die Lehranstalt von Padua – das Collegio rabbinico –, das fünfundzwanzig Jahre vor dem Breslauer Seminar gegründet wurde und unter der Ägide von Luzzatto und Lelio delle Torre zukünftige Rabbiner ausbildete. Diese Studie bietet – unter anderem durch das Beispiel des Collegio rabbinico – eine breitere Perspektive auf die Vernetzungen jener Gelehrten mit den deutschen Glaubensgenossen.

Das Dissertationsprojekt zielt in erster Linie darauf ab, die innerjüdischen, kulturellen und religiösen Diskurse zu rekonstruieren, die in dem zu untersuchenden Zeitraum auf den Seiten der bedeutenden deutsch- und italienisch-jüdischen Periodika sowie in den Predigten, Reden und Neuerscheinungen geführt wurden. Dadurch sollen einerseits das Streben nach Aktualität und Universalität des jüdischen Wissens und andererseits die reellen Bedingungen transnationaler Verbindungen und Kontaktaufnahmen betont und miteinander konfrontiert werden, um die gemeinsamen Interessen und Absichten, neue Anhaltspunkte, aber auch Widersprüche innerhalb dieser Vernetzungen von Intellektuellen der Wissenschaft des Judentums aufzuzeigen. Unter Rückgriff auf die Methodik der Netzwerkforschung sollen zum einen in auf Kultur- und Wissenstransfer ausgerichteter Sichtweise – trotz der verschiedenen Ausprägung und Bedeutung beider Strömungen – die Beziehungen und Verflechtungen zwischen der deutschen Wissenschaft des Judentums und der italienischen Chochmat Ysrael und zum anderen in komparatistischer Perspektive die Unterschiede und Abgrenzungsbemühungen der regionalen Ausformungen der Wissenschaft des Judentums anhand der deutsch-jüdischen und der italienisch-jüdischen Publizistik beleuchtet werden.


Gefördert durch das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk


Ansprechpartner am Fachbereich: Francesca Paolin und Prof. Dr. Christian Wiese

Laufzeit: 2011-2014