Dr. Michael Strugala

Dr. Michael Strugala studierte Elektrotechnik an der Universität Dortmund und kam 1982 als Doktorand mit dem neu berufenen Informatikprofessor Klaus Waldschmidt an die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität nach Frankfurt, wo er 1988 als einer der ersten in der Frankfurter Informatik promovierte.

Nach seinem Eintritt in die Robert Bosch GmbH war er seit 1988 in verschiedenen Entwicklungsaufgaben verantwortlich tätig. Heute leitet Herr Strugala im Geschäftsbereich Car Multimedia der Robert Bosch GmbH das Projekt Car-2-x-Communication und Connected Vehicle. Das Projekt erarbeitet und bewertet mit den Geschäftsbereichen der Robert Bosch GmbH  Geschäftsideen für vernetzte Lösungen und Anwendungen im Umfeld vernetzter Fahrzeuge.

Welche Bedeutung hatte Ihre Studienzeit für Sie aus heutiger Sicht?
Ich möchte zwischen der Zeit als Student der Elektrotechnik und der Zeit als wissenschaft-licher Mitarbeiter an der Goethe-Universität unterscheiden. Während die erste doch sehr stark durch die „Wissensaneignung“ auf Basis eines straff durchgeplanten Lehrplans geprägt war, war gerade die Zeit in Frankfurt mit dem Aufbau des Lehrstuhls, der Gestaltung der Lehr- und Übungsveranstaltungen und der eigenen wissenschaftlichen Arbeit an der Universität und in einem bundesweiten Verbundprojekt unvergleichlich viel abwechslungs-reicher und für die Entwicklung der eigenen Erfahrungen wichtig. Bedeutend waren für mich beide Phasen, allein auf das Studium hätte ich mich aus heutiger Sicht aber nicht beschrän-ken wollen.

Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?
Ich hatte die Gelegenheit, durch eine Studienarbeit an der Fertigstellung eines Labyrinth-Roboters im Rahmen eines IEEE-Wettbewerbs (Micro-Mouse Contest 1982) mitzuwirken und stellvertretend für die anderen Kommilitonen mit dem Techniker des Lehrstuhls den Roboter im Wettbewerb in Finnland starten zu lassen. Das Erlebnis beginnend mit den Konzeptüberlegungen über die Tücken der Umsetzung bis zur Anwendung im Wettbewerb war für mich eine eindrucksvolle Erfahrung des Übergangs von der Theorie zur Praxis. Dieses Erlebnis wiederholte sich dann noch verschiedene Male in anderen thematischen Zusammenhängen während meiner wissenschaftlichen Arbeit an der Goethe-Universität.

Was war Ihre liebste Freizeitbeschäftigung während Ihres Studiums?
Erwartungsgemäß – und klischeegerecht - habe ich als Elektrotechniker einige Zeit mit dem Basteln von Elektronik und dem Bau von Lautsprecherboxen verbracht, was mit intensivem Sammeln und Tauschen von Langspielplatten angesagter Rock-Musik einherging. Nachdem ich im Studium zu Hause gewohnt hatte, habe ich später in Frankfurt intensiver mein Umfeld erkundet und meine Freiräume gelebt. Neben Sport und Photographie war ich viel im Umfeld von Frankfurt unterwegs.

Wo trafen Sie sich mit Ihren Kommiliton|innen außerhalb der Universitätsveranstal-tungen?
Wenn es mal zu viele Vorlesungen wurden, haben wir uns in der Mensa zum Doppelkopf getroffen. Und später an der Goethe-Universität - auch wenn das jetzt nach Werbung klingt - trafen wir uns regelmäßig mit den Mitarbeitern der anderen Informatik-Lehrstühle im „Dr.Flotte“.

Wo wohnten Sie während Ihres Studiums?
Ganz unspektakulär und sehr pragmatisch zu Hause.

Was war ihr wichtigster akademischer oder beruflicher Erfolg?
Natürlich war für mich die Promotion nach Studium und Assistententätigkeit ein persönlicher Erfolg, der eine Lebensphase beschloss und eine neue Phase eröffnete. Nachdem ich dann im Laufe meiner beruflichen Laufbahn in sehr unterschiedlichen Technikfeldern – Halbleiterentwicklung, Telekommunikation, Navigation, Sicherheitssysteme – tätig sein konnte, ist für mich die Erkenntnis sehr wertvoll geworden, durch ingenieursmäßiges Denken erfolgreich, nutzbringend und auch schnell zwischen diesen Feldern wechseln zu können.

Welche Eigenschaft sollten Hochschullehrer beziehungsweise Studierende mitbringen?
Hochschullehrer sollten versuchen, die konzeptionelle, wissenschaftliche Analyse und Arbeit mit der kreativen Umsetzung zu verbinden, dadurch Neugier wecken und das Erfolgserlebnis eines umgesetzten Konzeptes zu vermitteln. Studierende sollten bereit sein, sich sowohl ein Wissensfundament zu schaffen – was anstrengend sein kann – als auch die Flexibilität und Neugier haben, Neues auszuprobieren – was durchaus überraschende und unerwartete Situationen erzeugen kann. In jedem Fall sollten Studierende nicht glauben, dass Lernen nach dem „Abschluss abgeschlossen“ ist.

Was würden Sie heute Studierenden raten, um beruflich erfolgreich zu sein?
Unsere Berufswelt ist heute sehr international, da beginnt der Ratschlag schon vor dem Studium. Mehrsprachigkeit und Offenheit mit verschiedenen Menschen zusammenzu-arbeiten ist eine Grundlage, die in der Schule gelegt und im Studium begleitend weiter-gepflegt werden sollte. Wie die Schule, schafft das Studium einen natürlich erweiterten Bausatz von Wissen und Fähigkeiten, der im Beruf in verschiedenen inhaltlichen und interkulturellen Zusammenhängen immer wieder neu zusammengesetzt werden muss. Das erfordert Bereitschaft zum Lernen und Flexibilität in der Aufgabe und im Einsatzfeld. Bei alledem sollte die Arbeit der persönlichen Neigung entsprechen, denn das hilft auch einmal „Durststrecken“ zu überstehen.

Wie sieht für Sie die Universität der Zukunft aus?
Eine Universität der Zukunft ist immer auch mit der Berufswelt der Zukunft verbunden und steht nicht isoliert als akademische Instanz. Daher ist meine sehr persönliche Vision auch gekoppelt mit dem Erleben der Berufswelt.

Wenn wir also in der Berufswelt von der Notwendigkeit lebenslangen Lernens ausgehen, wenn wir von der Erfahrung älterer Mitarbeiter verstärkt partizipieren wollen oder müssen und wenn in Firmen Mitarbeitern die Möglichkeit eines halbjährigen oder ganzjährigen Sabbaticals mit Wiedereinstieg eingerichtet wird, dann muss eine Hochschule der Zukunft auch die Möglichkeit bieten, in zeitlich angepasster Form das Wissen dieser Mitarbeiter aufzufrischen oder an geänderte Themenfelder anzupassen. Die Hochschule wird damit in angemessenem Verhältnis nicht mehr nur für die Studierenden um die Zwanzig sondern auch für die Berufstätigen um die Vierzig zur Bildungsinstitution.

Wenn Sie einen anderen Beruf gewählt hätten – wofür hätten Sie sich entschieden?
Die Frage stellt sich mir so nicht. Ich hätte meinen Beruf wieder gewählt.

Die Frage ist eher, ob nicht im Laufe einer mehr als 30-jährigen Berufszeit Erfahrungen und Erkenntnisse reifen, die eine Ergänzung und Modifikation einer eingangs gewählten beruflichen Ausrichtung sinnvoll machen.

Wie lautet heute Ihr Wahlspruch oder Arbeitsmotto?
„Authentisch bleiben“ und „Ausweichen ist nicht nachhaltig erfolgreich“

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