Münzen und die Dynamik der Macht: Der westliche Mittelmeerraum 500 – 100 v. Chr.

Roms Verwandlung von einem peripher gelegenen Dorf zur einzig übrig gebliebenen Großmacht im west­lichen Mittelmeerraum lief Hand in Hand mit dem ersten vereinheitlichten Münzsystem der Welt.

Um 500 v. Chr. begannen einige griechische Poleis, Münzen hauptsächlich in Silber und Bronze zu schlagen. Gewicht, Größe und Gestaltung der Münzen variierten je nach Prägeort und ihr Verbreitungsgebiet blieb verhältnismäßig eingeschränkt. Über Zweck und Verwendung der griechischen Münzen ist fast nichts bekannt. Zu dieser Zeit basierte der berühmte phönizische Handel – wie andere Handel auch – auf Güter­tausch, während die verschiedenen italischen Völker (wie auch das sich gerade entwickelnde Rom) in eingeschränkter Form abgewogene Bronze für Transaktionen nutzten.

Um 100 v. Chr. gab Rom regelmäßig Silbermünzen zu einem festgelegten Standard heraus, dem häufig ein Satz Bronzenominale beigeordnet war. Diese Münzen zirkulierten großräumig im gesamten westlichen Mit­telmeerraum und waren nun Bestandteil des täglichen Lebens.

Das von der Volkswagen Stiftung für den Zeitraum 2010 – 2014 finanzierte Forschungsprojekt untersucht diesen Übergangsprozess. Basierend auf einem interdisziplinären Ansatz ist es das Ziel herauszufinden, wie das Münzwesen übernommen und von den beteiligten Parteien – die italischen Völker (inkl. Rom), Kar­thago, die Poleis der Magna Graecia und Siziliens – genutzt wurde. Als Hypothese liegt zugrunde, dass die Adaption und der Gebrauch der Münze im Kontext sich ständig verändernder Machtverhältnisse in der Region verstanden werden kann. Im Ringen um die Hegemonie im westlichen Mittelmeerraum war das Münzwesen ein wichtiges Werkzeug, um verschiedenste Zugriffsmöglichkeiten auf Macht zu finanzieren und um sich entwickelnde Identitäten wie auch wechselnde Loyalitäten darzustellen, sowie die Kontrolle über unterworfene Gebiete leichter zu kontrollieren. Gleichzeitig mit der Entwicklung zu einem Instrument der Macht wurde die Münze ein Element des täglichen Lebens in einem Umfang, der größer als je zuvor war.

Momentan arbeiten drei Personen an diesem Projekt, jeweils mit einem eigenen Unterprojekt:

  • Prof. Dr. Fleur Kemmers, Projektleiterin, untersucht die Adaption und den Gebrauch der Münzen vor und nach der Einführung des römischen Denarsystems.
  • Dr. Thomas Birch, Postdoktorand, Archäometrische Unter­suchungen zur Herkunft der Metallquellen von Münzen.
  • Andreas Murgan M.A., Doktorand, forscht zu Funktionen und Gebrauch ungemünzten Metalls.
  • Ulrike Wolf M.A., Doktorandin, analysiert die Verbindung(en) zwischen Münzikonographie und Machtver­hältnissen verschiedener Münzen herausgebender Authoritäten.

Ehemalige Mitarbeiter

  • Dr. Clare Rowan, Postdoktorandin, untersuchte archäologische und historische Belege über den Zugriff auf und die Kontrolle über Rohmetallressourcen.


Coinage and the Dynamics of Power: the Western Mediterranean 500-100 BC

Rome’s transition from peripheral town to the only major power left in the Western Mediterranean went hand in hand with the development of the world’s first unified coinage system.

In 500 BC, some of the Greek poleis in the Western Mediterranean had just started to mint coins, mainly of silver and sporadically bronze. The weight, size and design of the coins differed per polis and coins had a restricted circulation area. Almost nothing is known of the way these coins were used. At that time the famous Phoenician trade was – like other trades – based on barter and the various Italian peoples (including the developing city of Rome) used weighed bronze in a limited number of transactions.

By 100 BC Rome minted silver coins of a fixed standard on a regular basis, frequently accompanied by a set of denominations in bronze. These coins circulated widely in the entire Western Mediterranean and had become part of daily life.

This research project, funded by the Volkswagen Foundation for the period 2010-2014 focuses on the intervening process. Based on an interdisciplinary approach the aim is find out how coinage was adapted and used by the main players in the field – the Italian peoples (including the Romans), Carthage and the poleis of Magna Graecia and Sicily. The hypothesis is that this adaptation and use might be understood in the context of the constantly changing balance of power in the area. In the struggle over hegemony in the western Mediterranean, coinage was an important instrument to finance the various bids for power, to display developing identities and shifting loyalties and to facilitate control over subjugated areas. Yet, at the same time as becoming an instrument of the powers that be, coinage became an element of everyday life for a far greater number of people than ever before.

Currently, three people are working on this project, each with his or her own subproject:

  • Prof. Dr. Fleur Kemmers, project leader, focuses on the adaption and use of coinage both before and after the introduction of the Roman denarius-system.
  • Dr. Thomas Birch, postdoctoral researcher, archaeometric investigator re­searching the provenance of bullion for coins
  • Andreas Murgan M.A., PhD-researcher, addresses the functions and use of uncoined metal.
  • Ulrike Wolf M.A., PhD-researcher, analyses the connection(s) between coin iconography and the power relations of different minting authorities.

Former researcher

  • Dr. Clare Rowan, postdoctoral researcher, dealed with archaeological and historical evidence for the access to and control over bullion resources.