Biographienreihe: "Gründer, Gönner und Gelehrte"

Die Goethe-Universität nahm ihren 100. Geburtstag zum Anlass, sich herausragender Persönlichkeiten in ihrer Geschichte zu erinnern. Die Biographienreihe „Gründer, Gönner und Gelehrte“ wendet sich an ein historisch interessiertes Publikum. Die gut lesbaren und bebilderten Bände präsentieren ebenso Persönlichkeiten der Gründerjahre der Universität vor und nach 1914 wie die Generation des Wiederaufbaus nach 1945, aber auch Vordenker und Akteure der bildungsbewegten 1960er Jahre. In den vorgestellten Lebensbildern spiegelt sich zugleich die wechselvolle deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert.

Ralf Roth: 

Wilhelm Merton. Ein Weltbürger gründet eine Universität. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität.

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
189 Seiten, Frankfurt 2010.

Beschreibung: Wilhelm Merton, geboren als William Moses, Jude, Großhändler, Konzernlenker mit globalen Ambitionen und weltweitem Einfluss, Mäzen und Philanthrop, Sozialreformer, Konvertit sowie Großbürger mit liberaler Gesinnung ist eine der spektakulärsten Persönlichkeiten Frankfurts in Wilhelminischer Zeit. Er mied die Politik und beeinflusste doch nachhaltig das politische Klima dieser Stadt. Sein Institut für Gemeinwohl war Sammelstelle und Ideenschmiede der deutschen Sozialreform. Er war nicht nur maßgeblich an der Gründung der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und der Frankfurter Universität beteiligt, sondern setzte auch deren Öffnung zu den modernen Sozialwissenschaften durch. Mit seinem Engagement schuf er das Klima, in dem unter anderem Max Horkheimers und Teodor W. Adornos Institut für Sozialforschung aufblühte und sich zur weltberühmten Frankfurter Schule ausbilden konnte. 

Autoreninformation: Prof. Dr. Ralf Roth lehrt Neuere Geschichte am Historischen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt und ist Research Fellow des Royal Holloway College an der University of London. Er hat zahlreiche Aufsätze zur Sozial- und Kulturgeschichte sowie zur Stadtgeschichte und dem europäischen Verkehrs- und Kommunikationsnetzwerk veröffentlicht.

Karin Reich und Horst Schmidt-Böcking: 

Otto Stern. Physiker, Querdenker, Nobelpreisträger.

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
197 Seiten, Frankfurt 2011. 

Beschreibung: Otto Stern, Quantenphysiker und Nobelpreisträger, gehört der Gründergeneration der jungen Frankfurter Universität an und begründet ihren frühen Weltruhm in der Physik. Der Mitarbeiter Albert Einsteins und geniale Experimentator kann 1914 für Frankfurt gewonnen werden. Er entwickelt hier die Molekularstrahlmethode - den Weg zur Entschlüsselung des inneren Bauplans des Atoms und legt damit die Grundlagen der modernen Quantenphysik. 1933 als Jude aus Deutschland vertrieben, wird er 1943 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet und stirbt hochgeehrt 1969 in Berkeley/USA. Kernspintomographie, Maser und Laser, Atomuhr u.a. wären ohne Otto Stern nicht denkbar. 2014 feiert die Goethe-Universität Frankfurt am Main ihren 100. Geburtstag. Mit dieser Biographienreihe erinnert sie an die Menschen, die ihre Geschichte prägten: ihre Gründer, Gönner und Gelehrten. 

Autoreninformation: Karin Reich: Karin Reich, Mathematikhistorikerin, geb. 1941 in München, war von 1995 bis zu ihrem Ruhestand Professorin am Institut für Geschichte der Naturwissenschaft, Mathematik und Technik an der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Naturwissenschaften im 16., 19. und 20. Jahrhundert, insbesondere Melanchthon, Gauß sowie die Geschichte der Mathematik und der theoretischen Physik in Hamburg. 

Horst Schmidt-Böcking: Horst Schmidt-Böcking, Physiker, geb. 1939, war von 1982 bis 2004 Professor für Atomphysik an der Goethe-Universität Frankfurt. Für die Entwicklung des COLTRIMS-Reaktionsmikroskopes, das auf der von Otto entwickelten Molekularstrahlmethode aufbaut, wurde ihm 2008 der Davisson-Germer-Preis der American Physical Society und 2010 die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft verliehen.

Monika Groening:

Leo Gans und Arthur von Weinberg. Mäzenatentum und jüdische Emanzipation.

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
198 Seiten, Frankfurt 2012. 

Beschreibung: Leo Gans (1843 - 1935) und Arthur von Weinberg (1860 - 1943), Ehrenbürger der Stadt Frankfurt, geniale Erfinder und erfolgreiche Unternehmer, entstammten einer der ältesten jüdischen Familien Frankfurts. Sie waren Begründer der Cassella, der größten Azofarbenfabrik der Welt. Als Naturwissenschaftler und Mäzene sorgten sie dafür, dass der Physikalische Verein und die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft als selbstständige Einrichtungen in die neue Universität integriert wurden. Der Lebensweg von Leo Gans und Arthur von Weinberg wurde geprägt von den politischen Veränderungen währen des Kaiserreichs und des Terrorregimes unter Hitler. Der nach der Gründung des Deutschen Reiches auch in Frankfurt wieder aufflammende Antisemitismus beeinflusste ihr Leben auf tragische Weise. Nach Aufgabe sämtlicher Ehrenämter starb Leo Gans 1935 einen Tag vor Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze in Frankfurt. Arthur von Weinberg wurde deportiert und starb 1943 im KZ Theresienstadt. 

Autoreninformation: Monika Groening studierte Bayerische und Mittelalterliche Geschichte sowie Staatsphilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seither ist sie als freischaffende Historikerin tätig. Sie veröffentlichte Arbeiten auf dem Gebiet der Staats- und Wirtschaftspolitik zur Zeit der Aufklärung, der Geschichte des Bürgertums im 19. Jahrhundert und der jüdischen Geschichte.

Roman Köster und Birgit Wörner: 

Henry Oswalt. Bildungsbürger und Mäzen. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
165 Seiten, Frankfurt 2013. 

Beschreibung: Bildungsbürger und Mäzen Der aus dem Bürgertum der Stadt stammende Rechtsanwalt und Ökonom ist eine Schlüsselfigur in der Gründungsphase der Universität sowie in den ersten beiden Jahrzehnten ihres Bestehens. Als juristischer Kopf der Gründerriege beriet er den in der Sache politisch federführenden Oberbürgermeister Franz Adickes. Als die Universität nach dem Ersten Weltkrieg und in der Weltwirtschaftskrise vor dem Aus stand, mobilisierte Oswalt erneut die Stadtgesellschaft. Ihm ist es zu verdanken, dass die Vereinigung von Freunden und Förderern der Frankfurter Goethe-Universität seit 1918 besteht und sie tatkräftig unterstützt. In seiner Biographie spiegelt sich allerdings mehr, als nur die Anfänge der Universität: Exemplarisch erzählt sie vom Assimilierungswillen des jüdischen Bürgertums und seinem Aufstieg in der deutschen Gesellschaft. Einblicke in das Familienleben beleuchten zudem bürgerliche Werte, ihre Kontinuität und ihren Wandel in der Zeit vom 19. zum 20. Jahrhundert. 

Autoreninformation: Roman Köster: Roman Köster, geb. 1975, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte an der Universität der Bundeswehr München. Publikationen u.a. zur Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre in der Weimarer Republik. 

Birgit Wörner: Birgit Wörner, Historikerin und Lehrerin, geb. 1969 in Reutlingen, wurde mit einer Arbeit über „Werte und Lebenspraxis des Frankfurter Wirtschaftsbürgertums 1870 bis 1930“ an der Goethe-Universität Frankfurt promoviert. Sie erhielt 2001 den Johan Philipp von Bethmann-Studienpreis für ihre Forschungen zur Frankfurter Stadtgeschichte.

Heinz Grossekettler: 

Fritz Neumark. Finanzwissenschaftler und Politikberater.

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
167 Seiten, Frankfurt 2013. 

Beschreibung: Volkswirtschaftler und Universitätsgründer Fritz Neumark (1900-1991) war einer der Wissenschaftler, welche die Goethe-Universität 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft verlassen mussten. Er nahm einen Ruf nach Istanbul an, wo Atatürk ein modernes, säkularisiertes Staatswesen aufbaute. Neumark gewann als Professor rasch großes Renommee und engagierte sich für Reformen der Universitätsausbildung und der Verwaltung sowie die Modernisierung der türkischen Einkommensteuer. 1952 nach Frankfurt zurückgekehrt, wurde er zu einem der bedeutendsten europäischen Finanzwissenschaftler und Politikberater. 

Autoreninformation: Von 1963 bis 1968 Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz. In den Semesterferien (jeweils nach Kurzausbildung) wiederholt Praktika als Assistent des Gelddisponenten einer Privatbank und als Hilfs-Lohnsteuersachbearbeiter beim Finanzamt Mainz. 1968 Ablegung der Prüfung zum Diplom-Volkswirt, anschließend Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Finanzwissenschaft der Universität Mainz, unterbrochen von einem Auslandssemester als Stipendiat in Paris und Brüssel. 1972 Promotion, 1975 nach weiterer Tätigkeit bei Prof. Dr. Otto Gandenberger, dem Doktor- und Habilitationsvater, Habilitation mit der Venia für "Volkswirtschaftslehre einschließlich Finanzwissenschaft". Quelle

Anne I. Hardy: 

Friedrich Dessauer. Röntgenpionier, Biophysiker und Demokrat.

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
215 Seiten, Frankfurt 2013. 

Beschreibung: Röntgen-Pionier, Biophysiker und Demokrat Die Röntgenstrahlen waren die aufregendste Entdeckung seiner Jugend. Schon als 14-Jähriger baute der von allem Technischen begeisterte Friedrich Dessauer einen Röntgenapparat in seinem Zimmer nach. Seinen Wert für die medizinische Diagnostik erkannte er in den ersten Semestern seiner Studienzeit, als er an das Krankenbett seines älteren Bruders gerufen wurde und die Ärzte eine tödliche Krankheit diagnostizierten. Er brach sein Studium ab und gründete noch minderjährig er eine Firma für Röntgenapparate. Erst mit 34 Jahren holte er seine Promotion nach und gründete bald darauf an der Universität Frankfurt ein Institut, aus dem das heutige Max Planck Institut für Biophysik hervorgegangen ist. 

Autoreninformation: Anne I. Hardy, geb. 1965, arbeitete nach dem Physikstudium als freie Wissenschaftsjournalistin, hauptsächlich für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sie promovierte in Wissenschaftsgeschichte und wechselte anschließend in die Medizingeschichte an der Universität Heidelberg. Seit 2005 ist sie Referentin für Wissenschaftskommunikation an der Goethe-Universität. 2002 erschien von ihr und Lore Sexl die Biographie der Physiker Lise Meitner.

Gerhard R. Koch: 

Theodor W. Adorno. Philosoph, Musiker, pessimistischer Aufklärer. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
190 Seiten, Frankfurt 2013. 

Beschreibung: Theodor W. Adorno (1903 - 1969) gehört zu den bedeutendsten Philosophen und Soziologen des 20. Jahrhunderts. Seine Gedanken waren auch und besonders für die Frankfurter Goethe-Universität, an der er lehrte, höchst prägend, gilt er doch neben Max Horkheimer als Begründer und Hauptvertreter der "Frankfurter Schule" bzw. "Kritischen Theorie". Gerhard R. Koch verfolgt in seiner Biografie Leben und Werk des Denkers auf anschauliche Weise und setzt Akzente dort, wo er das Schaffen des Musikkritikers, Musiktheoretikers und Komponisten Adorno würdigt.

Autoreninformation: Gerhard R. Koch, geb. 1939 in Bonn, hat in Frankfurt studiert und hat prägende Eindrücke durch Adorno erfahren. Seit den 1960er Jahren wirkt er als Musikjournalist, hauptsächlich für die Frankfurter Allgemeine, deren Musikredakteur er von 1976 bis 2003 war. Koch hat seit 2011 einen Lehrauftrag an der Universität Wien für neue Musik. Er erhielt den Johann Heinrich Merck-Preis für Essay und literarische Kritik der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt.

Lothar Gall: 

Franz Adickes. Oberbürgermeister und Universitätsgründer. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
141 Seiten, Frankfurt 2013. 

Beschreibung: Oberbürgermeister und Universitätsgründer Der renommierte Frankfurter Historiker Lothar Gall, selbst langjährig an der Goethe-Universität lehrend, widmet sich in seinem Buch "Franz Adickes" sorgfältig diesem herausragenden Frankfurter Bürgermeister an der Schwelle des Umbruchs zur modernen bürgerlichen Gesellschaft in Deutschland. Der Werdegang und die großen Verdienste von Franz Adickes (1846-1915), der zwischen 1891 und 1912 Oberbürgermeister Frankfurts war, kommen hier ausführlich zur Sprache - fundiert, umfassend und zugleich mit Blick fürs Detail zeigt ihn diese Biografie als Repräsentanten des liberalen Bürgertums, als auf sozialen Frieden bedachten Kommunalpolitiker und als geschickten Universitätsgründer. In seiner Amtszeit vollzog Frankfurt den Aufstieg zur Großstadt: Mit Adickes' Namen sind nicht nur Stadterweiterung und Modernisierung der städtischen Infrastruktur, sondern zugleich die Reform des Sozial- und Bildungswesens verbunden. Doch Höhepunkt seines Wirkens ist die Gründung der Frankfurter Universität - für deren Einrichtung Bürger der Stadt rund 20 Millionen Mark an privaten Mitteln aufbrachten. Höchste Zeit also, diese einflussreiche Frankfurter Persönlichkeit und ihre Verdienste um die Begründung einer Stiftungsuniversität in Frankfurt am Main endlich angemessen zu würdigen.

Autoreninformation: Lothar Gall, geboren 1936 in Lötzen/Ostpreußen, ist Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Frankfurt/M., Präsident der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Herausgeber der "Historischen Zeitschrift". Er ist u. a. Träger des Leibniz-Preises und des Balzan-Preises. Quelle

Bernhard Streck:

Leo Frobenius. Afrikaforscher, Ethnologe, Abenteurer. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
218 Seiten, Frankfurt 2014. 

Beschreibung: Leo Frobenius (1873 - 1938) war eine schillernde, ambivalente und doch faszinierende Persönlichkeit: Schulabbrecher und Autodidakt, Abenteurer und Afrika-Entdecker, Schwärmer und Schwindler, Ethnologe und Kulturphilosoph, Irrationalist und Antimodernist, Monarchist und Ideenspender für ein neues Afrika-Bild. Er war getrieben von der Vorstellung, sich mit aller Kraft gegen Modernisierung und Rationalisierung stemmen zu müssen. Und in Afrika schien er in den Mythen, Masken und Malereien all das zu finden, was in Europa an Wert verlor. Trotz seiner nicht unumstrittenen Reputation setzten die Frankfurter Gegenmodernisten und Wertkonservativen um den Altphilologen Walter F. Otto und den Gräzisten Karl Reinhardt durch, dass Frobenius Mitte der 1920er Jahre einen vergüteten Lehrauftrag an der Universität bekam. Außerdem fand er mit seinen umfangreichen Sammlungen, erworben während zahlreichen Afrika-Expeditionen, freundliche Aufnahme in der Stadt am Main, Mäzene finanzierten sein Institut für Kulturmorphologie und 1934 wurde er Direktor des "Völkermuseum". 

Autoreninformation: Bernhard Streck, geb. 1945, hat in Basel und Frankfurt Ethnologie, Soziologie und Psychologie studiert und bei Eike Haberland, einem der "wissenschaftlichen Enkel" von Leo Frobenius, promoviert. Nach verschiedenen Forschungsaufenthalten in Ost- und Nordostafrika lehrte er an den Universitäten Gießen, Berlin (FU), Mainz und Heidelberg. Von 1994 bis 2010 leitete er das 1914 gegründete Institut für Ethnologie der Universtität Leipzig. Seine zahlreichen Veröffentlichungen betreffen die völkerkundliche Fachgeschichte, die Ethnographie des Sudan, die Tsiganologie sowie die Religionsethnologie.

Janus Gudian: 

Ernst Kantorowicz. Der ‚ganze Mensch' und die Geschichtsschreibung. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
219 Seiten, Frankfurt 2014. 

Beschreibung: Janus Gudian, ausgewiesener Kenner des porträtierten Historikers, zeichnet in seiner Biographie das Leben und Wirken von "Ernst Kantorowicz" nach. Deutsch-national gesinnter Jude, Kriegsfreiwilliger im und Freikorpskämpfer nach dem Ersten Weltkrieg, "Jünger" des Dichters Stefan George, Professor für mittelalterliche Geschichte in Frankfurt am Main, Berkeley und Princeton: Wie kaum ein anderer steht Ernst H. Kantorowicz (1895-1963) für die Ambivalenzen im "Zeitalter der Extreme". Dies nimmt auch auf Kantorowicz' Leben Einfluss, das von zahlreichen Brüchen geprägt ist, die ihn wiederholt dazu zwangen, sich neu zu erfinden.

Autoreninformation: Janus Gudian ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seine Interessenschwerpunkte sind Historiographiegeschichte, Wissenschaftsgeschichte der Moderne sowie politische Theologie. Derzeit ist er Bearbeiter der von Johannes Fried, Robert E. Lerner, Ernst Osterkamp und Ulrich Raulff herausgegebenen Editionen der Briefe Ernst H. Kantorowicz'. Quelle

Rolf Wiggershaus: 

Max Horkheimer. Begründer der ‚Frankfurter Schule'. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
206 Seiten, Frankfurt 2014. 

Beschreibung: Rolf Wiggershaus widmet sich dem neben Theodor W. Adorno wohl bekanntesten Kopf einer kritischen Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie. Max Horkheimer, schon deutlich vor dem Zweiten Weltkrieg einer der führenden Intellektuellen der "geistigen Linken" in der Blütezeit der Frankfurter Universität, wurde zu einem prominenten Opfer ihrer "Säuberung", konnte seine Arbeit im Exil jedoch fortsetzen. Die Entwicklungen der frühen 30er Jahre antizipierend, gelang es ihm durch kluges Handeln, das Frankfurter Institut für Sozialforschung und mit ihm die Aktivitäten einer ganzen Forschergruppe in die USA zu überführen. Er verstand es, "europäische Ideen" im pragmatischen amerikanischen Forschungskontext Geltung zu verschaffen - mit nachhaltiger Wirkung. Nicht nur deshalb trug er auf besondere Weise zum Ruhm Frankfurts und seiner Universität bei. 

Autoreninformation: Rolf Wiggershaus studierte Philosophie, Soziologie und Germanistik in Tübingen und Frankfurt am Main. Seit den 1970er Jahren ist er als Funkautor, Buchautor und Dozent tätig. Thematische Schwerpunkte sind einerseits Geschichte und Theorie der "Frankfurter Schule" und ihres Umkreises, andererseits Untersuchungen zum Verhältnis von Natur und Gesellschaft.

Volker Caspari und Klaus Lichtblau: 

Franz Oppenheimer. Ökonom und Soziologe der ersten Stunde. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
'207 Seiten, Frankfurt 2014. 

Beschreibung: Franz Oppenheimer (1864 - 1943), Deutschlands erster Soziologie-Professor, hatte einen außergewöhnlichen Lebensweg: Der Sohn eines jüdischen Predigers studierte erst in Berlin Medizin. Als Arzt in seiner durch die Industrialisierung rasant wachsenden Heimatstadt wurde er unmittelbar mit dem sozialen Elend konfrontiert. Bald begann er, sich mit sozialen Fragen und ihren ökonomischen Bedingtheiten auseinanderzusetzen - zunächst als Journalist, dann als Nationalökonom. 1919 stiftete der Kaufmann Karl Kotzenberg (1866 - 1940) an der jungen Frankfurter Universität extra für Oppenheimer einen Lehrstuhl für Soziologie und Theoretische Nationalökonomie. Seine zehn Frankfurter Jahre waren sehr produktiv, aber auch konfliktreich: Der streitbare Wissenschaftler, der sich selbst als Eigenbrötler, Sonderling und Außenseiter beschrieb, stritt vehement für seine Vorstellungen eines "liberalen Sozialismus", seinen "dritten Weg" zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Einige seiner Ideen setzte sein berühmter Schüler Ludwig Ehrhard (1897 - 1977) später mit der Sozialen Marktwirtschaft um.

Autoreninformation: Prof. Dr. Volker Caspari lehrt und forscht seit 1995 als Nationalökonom an der TU Darmstadt. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der Wirtschaftstheorie. Caspari, der bei Prof. Dr. Betram Schefold promoviert sowie sich am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften habilitiert hat, ist seit 2007 assoziiertes Mitglied im Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Außerdem engagiert er sich seit 1994 im Ausschuss für die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften im Verein für Sozialpolitik. 

Prof. Dr. Klaus Lichtblau hat seit 2004 die Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Geschichte und Systematik sozial-wissenschaftlicher Theoriebildung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität inne. Seine Forschungsschwerpunkte sind die soziologische Theorie sowie die Geschichte der Sozial- und Kulturwissenschaften in Deutschland. Er war verantwortlicher Leiter des Jubiläumskongresses zum 100-jährigen Bestehen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Jahre 2010 und gibt seit mehreren Jahren die Schriftenreihe "Klassiker der Sozialwissenschaften" heraus.

Berenike Seib: 

Moritz Schmidt-Metzler. Mediziner, Netzwerker, Wegbereiter. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 
168 Seiten, Frankfurt 2015. 

Beschreibung: Moritz Schmidt-Metzler (1838-1907) gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten der Frankfurter Gesellschaft um 1900. Aus der Kaufmannsfamilie "Tee-Schmidt" stammend, heiratete er 1863 Mathilde Metzler, deren Namen er fortan führte. Er folgte dem Vorbild seines Vaters und studierte Medizin. Als Laryngologe erwarb er sich weit über die Grenzen Frankfurts hinaus einen Namen. Doch auch im gesellschaftlichen Leben in der Mainmetropole und bei der Gründung der Frankfurter Universität spielte er eine entscheidende Rolle. Er leistete als Vorsitzender der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung wesentliche Vorarbeit für die Gründung der Universität und stellte wichtige Weichen für die Zukunft der Senckenbergischen Einrichtungen. Sein Hauptverdienst ist die räumliche Konzentration von Einrichtungen, die später zur Keimzelle der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität werden sollten. 

Autoreninformation: Berenike Seib, (geb. 1981), studierte Geschichte und Germanistik an der TU Darmstadt. Seit 2008 arbeitet sie in der Unternehmenskommunikation des Bankhauses Metzler. Neben ihrer Arbeit im Veranstaltungsmanagement betreut sie das historische Archiv des 1674 gegründeten Bankhauses und forscht zur Geschichte von Bank und Familie. In zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen bringt sie Kunden und Mitarbeitern des Bankhauses die 340-jährige Geschichte der Metzlers nahe. Quelle

Jörg Lesczenski: 

Heinrich Roessler. Naturwissenschaftler, Unternehmer, Demokrat. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
158 Seiten, Frankfurt 2015. 

Beschreibung: Heinrich Roessler (1845-1924) studierte u. a. bei Friedrich Wöhler in Göttingen, wo er auch 1866 in Chemie promoviert wurde. Einer alteingesessenen Patrizierfamilie entstammend, markiert dieses Jahr einen tiefen Einschnitt, da seine Familie unter preußischer Hegemonie das Recht zur Münzprägung in Frankfurt verlor. Roessler entwickelte im Jahr 1870 ein Verfahren zur Ausfällung von Silber aus schwefelsaurer Silbersulfatlösung, die beim Lösen von alten Silbermünzen entsteht, mit Eisen statt mit dem teuren Kupfer. Das Verfahren war so vorteilhaft, dass es auch in den Scheideanstalten von München, Paris und London genutzt wurde. Zur Finanzierung des Ankaufs von Metall und Produktionseinrichtungen gründete er 1872 eine Aktiengesellschaft, die seinen Namen weltberühmt machen sollte: die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt (Degussa AG).

Autoreninformation: Jörg Lesczenski wurde 1966 in Gelsenkirchen geboren, schloss das Studium der Geschichte, Politik und Soziologie in Bochum ab, und schrieb seine Promotion 2006 über August Thyssen. Von 1993 bis 2005 war er als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen, von 1999 bis 2003 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie dem „Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung“ der Ruhr-Universität Bochum tätig. Ab 2004 Leitung des Projekts „Widerstand in Bottrop in der NS-Zeit“ mit anschließender Tätigkeit im Stadtarchiv Bottrop und Publikation über Widerstand und Resistenz in Bottrop 1933–1945. Seit Oktober 2006 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Goethe-Universität Frankfurt a. M. Bereits im Februar 2006 begann Lesczenski im Auftrag der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte mit der Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte der Messer Group GmbH. Quelle

Claudia Becker und Wulf Raeck: 

Guido Freiherr von Kaschnitz-Weinberg. Gelehrter zwischen Archäologie und Politik.

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
204 Seiten, Frankfurt 2016. 

Beschreibung: Herausragende Fachkompetenz, intellektuelle Selbstständigkeit und persönliche Integrität - dies zeichnete den international anerkannten Archäologen Guido von Kaschnitz-Weinberg (1890-1958) aus. An die Goethe- Universität Frankfurt wurde er 1940 trotz seiner kritischen Haltung zum Nationalsozialismus berufen, die er mit seiner Ehefrau, der Schriftstellerin Marie-Luise Kaschnitz, teilte. Aufgrund seiner persönlichen und fachlichen Reputation wurde ihm nach dem Zweiten Weltkrieg die politisch heikle Mission übertragen, die Wiedereröffnung des deutschen Archäologischen Instituts in Rom vorzubereiten und dieses zu leiten. Claudia Becker und Wulf Raeck zeichnen nun zum ersten Mal die Biografie des Archäologen nach. Blickpunktkapitel über die vom ihn mit entwickelte Strukturforschung sowie über das Ehepaar Kaschnitz vervollständigen ein vielfältiges und bemerkenswertes Mosaik zu Leben und Werk des Guido von Kaschnitz-Weinberg. 

Autoreninformation: Claudia Becker: Claudia Becker, geboren 1969, studierte nach dem Abitur mit musischem Schwerpunkt Geschichte, Kunstgeschichte und Öffentliches Recht an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Gefördert als Stipendiatin des Josef-Buchmann-Fellowship-Funds entstand die vorliegende Dissertation. Während des Studiums war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei kulturellen Institutionen und als Journalistin tätig. Claudia Becker lebt und arbeitet als Historikerin und Journalistin in Frankfurt am Main. Quelle

Wulf Raek: Wulf Raeck (* 1950) ist ein deutscher Klassischer Archäologe. Er studierte an der Universität Bonn, der Universität Hamburg sowie der Universität Göttingen Klassische Archäologie, Alte Geschichte, Klassische Philologie und Kunstgeschichte. Er wurde 1980 mit der Arbeit Zum Barbarenbild in der Kunst Athens im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. in Bonn promoviert und war anschließend 1980/81 als Inhaber des Reisestipendiums des Deutschen Archäologischen Instituts im Mittelmeerraum unterwegs. Nach der Rückkehr nach Deutschland wurde Raeck Assistent am Institut für Klassische Archäologie der Universität München. Dort habilitierte er sich 1987 mit der Arbeit Modernisierte Mythen. Zum Umgang der Spätantike mit klassischen Bildthemen und wurde dort Akademischer Rat. 1994 wurde er auf den nach der Wende wieder eingerichteten Lehrstuhl für Klassische Archäologie an die Universität Greifswald berufen. Zwei Jahre später wechselte er auf den Lehrstuhl der Universität Frankfurt. Quelle

Otto Ernst Kempen: 

Hugo Sinzheimer. Architekt des kollektiven Arbeitsrechts und Verfassungspolitiker.

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
174 Seiten, Frankfurt 2017. 

Beschreibung: Hugo Sinzheimer (1875 - 1945), Sohn eines jüdischen Textilfabrikanten, gestaltete die Rechtswirklichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts aktiv mit: Als Anwalt in Frankfurt vertrat er streikende Arbeitnehmer und Gewerkschaften, als SPD-Mitglied der Nationalversammlung wirkte er an der Weimarer Verfassung mit und setzte seine Vorstellungen des Koalitions- und Tarifrechts weitgehend durch, die bis heute im Grundgesetz und im Tarifrecht Bestand haben. Der mittlerweile 16. Band aus der Reihe "Gründer, Gönner und Gelehrte" der Goethe-Universität. 

Autoreninformation: Otto Ernst Kempen (Jahrgang 1942) war Honorarprofessor an der Goethe-Universität und Inhaber des Lehrstuhls für Arbeitsrecht, Verfassungsrecht und Politikwissenschaft an der Akademie der Arbeit, deren Direktor er von 1977 bis 2009 war. Er begleitete aktiv die tarifliche und gesetzliche Arbeitsrechtsentwicklung (u. a. Tarifeinheitsgesetz 2015).

Ernst-August Seyfarth: 

Albrecht Bethe. Naturforscher, Mediziner und liberaler Patriot. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 
185 Seiten, Frankfurt 2018. 

Beschreibung: Der Naturforscher und Mediziner Albrecht Bethe (1872-1954), Vater des Physik-Nobelpreisträgers Hans Bethe, gilt als Nestor der Physiologie in Deutschland, sein besonderes Interesse galt der vergleichenden Verhaltens- und Neurobiologie. Er war der erste Lehrstuhlinhaber für Physikalische Physiologie an der 1914 gegründeten Frankfurter Universität, wo er fast 40 Jahre lehrte und forschte.

Autoreninformation: Der Zoologe und Neurobiologe Ernst-August Seyfarth (geb. 1946) beschäftigte sich bereits als Doktorand in München mit Bethes wissenschaftlichen Arbeiten. Das Interesse an Albrecht Bethe blieb lebendig: In den vergangenen Jahren recherchierte er intensiv für die nun vorliegende Biographie. Ab 1975 war Seyfarth am (damaligen) Zoologischen Institut der Goethe-Universität wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab 1998 bis zu seinem Ruhestand 2009 außerplanmäßiger Professor. Forschungsaufenthalte führten ihn wiederholt in die USA und nach Kanada (dort auch Gastprofessuren) sowie nach Australien und Mittelamerika.

Notker Hammerstein:

Kurt Riezler. Der Kurator und seine Universität. 

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
221 Seiten, Frankfurt 2019.

Beschreibung: Mit Kurt Riezler (1882-1955) im Amt des Kurators (1928 bis 1933) erlebte die Frankfurter Universität eine intellektuelle Blüte. Souverän und weltgewandt verfolgte er das Ziel, Frankfurt zu einem Zentrum der deutschen Universitätskultur zu machen. Herausragende Gelehrte wie Paul Tillich, Max Wertheimer oder Ernst Kantorowicz konnten dank Riezlers Engagement berufen werden. 

Autoreninformation: Prof. Dr. Notker Hammerstein (Jahrgang 1930) war von 1973 bis 1999 Professor für Mittlere und Neuere Geschichte am Historischen Seminar der Goethe-Universität und langjähriger Leiter des Universitätsarchivs. Er ist ausgewiesener Kenner der Frankfurter Universitätsgeschichte von den Anfängen bis heute. Seine Forschungsinteressen liegen vor allem auf dem Gebiet der Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte sowie der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.

Dorothea Wippermann: 

Richard Wilhelm. Der Sinologe und seine Kulturmission in China und Frankfurt.

Gründer, Gönner und Gelehrte.
Biographienreihe der Goethe-Universität. 

Herausgegeben von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
281 Seiten, Frankfurt 2020.

Beschreibung: Richard Wilhelm (1873-1930) ging 1899 als protestantischer Missionar nach Tsingtau im "Deutschen Schutzgebiet Kiautschou". Er hat - wie er selbst schrieb - nie einen Chinesen getauft, studierte konfuzianische und daoistische Klassiker und übersetzte sie ins Deutsche. 1924 kam er als bekannter Sinologe nach Frankfurt, gründete das China-Institut und wurde als erster Professor für Sinologie an die junge Universität berufen. Der Theologe, der unterstützt von chinesischen Gelehrten seine sinologischen Kenntnisse erworben hatte, lehrte zuvor ab 1922 deutsche Literatur und Philosophie an der Peking Universität. Wilhelm hat mit seinen bis heute beliebten Übersetzungen deutschen Intellektuellen und Bildungsbürgern seiner Zeit die chinesische Kultur und Philosophie nahegebracht und ein positives Chinabild befördert. Auch mehr als 120 Jahre nach seiner Ankunft in China gelingt es ihm noch, Deutsche und Chinesen zusammenzubringen: In der anhaltenden Auseinandersetzung mit seiner China-Darstellung lebt er als Kulturvermittler fort.

Autoreninformation: Dorothea Wippermann studierte Sinologie in Köln, Trier und Nanjing und ist seit 2001 Professorin für Sprache und Kultur Chinas an der Goethe-Universität. Zu ihren fachlichen Schwerpunkten gehören die chinesisch-westliche Transkulturalität und die chinesisch-deutsche Übersetzung. Seit 2004 beschäftigt sie sich mit ihrem berühmten Vorgänger in der Frankfurter Sinologie, damals organisierte sie eine internationale Konferenz zur Geschichte der Frankfurter China-Forschung und dem Wirken Richard Wilhelms.