Herzlich willkommen zur Tagung

Sich selbst vermessen.

Self-Tracking in Sport und Alltag

27. bis 28. Juni 2014
Tagung des Instituts für Sportwissenschaften
Abteilung Sozialwissenschaften des Sports
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Tagungsprogramm

Seit einigen Jahren machen kleine, am Körper zu tragende technische Geräte (gadgets) und Smartphone- Apps, die alltägliche Verhaltensweisen und sportliche Leistungen auf neue Art vermessen, von sich reden. Sie ermöglichen es, Daten über Schritte, Schlafphasen, Nahrungsaufnahme, soziale Kontakte oder Blut- und Stimmungswerte zu produzieren, zu archivieren und zu interpretieren. Mehr noch: Die so aufbereiteten Daten können einer (virtuellen) Community zugänglich gemacht werden, was zu Vergleich, Wettbewerb und statistischen Berechnungen sowie zu einer spezifischen Community-Bildung anregt. Self-tracking, so der Name dieser technisch vermittelten, erlebten, dokumentierten und kommunizierten Praxis der Selbstvermessung, transformiert alltägliches Verhalten, emotionale und körperliche Zustände sowie leibliche Erfahrungsweisen in Daten und Zahlen. Self-tracking bündelt Technik, Wissen, Körper und Praxis in eine Lebens-Form, die von der Quantified-Self-Bewegung prägnant als knowledge through numbers bezeichnet wird.

Dieses Potential ruft Faszination und Beunruhigung hervor, da mit ihm, so die dieser Tagung zugrunde liegende These, vielfältige Transformationen einher gehen. Wie alle Technologien sind auch diese Apparaturen und ihre Praktiken Teil bestimmter sozio-materiellen assemblages von Macht, Wissen, Materialitäten, Körpern, habituellen Routinen etc., die ihnen Bedeutung verleihen und einen bestimmten Gebrauch nahe legen. Zugleich modifizieren die Technologien dieses Arrangement, ermöglichen neue Beziehungen, erweitern Handlungs- und Verhaltensspielräume und produzieren neue Gemeinschaften, neue Subjektivitäten und neue Körper. Sie rahmen damit die Weise, wie wir über uns selbst, über (gesundheitliche und sportliche) Risiken, über die Zukunft denken, und wie sich Handlungsmacht und Verantwortlichkeiten sozial verteilen. Darüber hinaus verwischen diese assemblages diverse Grenzziehungen: Zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, Alltag und Sport, Körper und Technik, Lifestyle und Gesundheitsprävention, Experten und Laien, Wettbewerb und Spiel.

Self-Tracking ist bislang vor allem ein Thema des Feuilleton, wissenschaftlich hingegen – sieht man von einigen medizinsoziologischen Arbeiten im angelsächsischen Raum ab – ist es noch kaum erforscht. Die Tagung möchte daher zu interdisziplinären Auseinandersetzungen mit dem Phänomen jenseits des medizinischen Feldes anregen und Forscherinnen und Forscher im deutschsprachigen Raum versammeln, die sich mit der Quantified-Self-Bewegung und den Praktiken des Self-Tracking in Sport und Alltag auseinandersetzen.