„Wer macht wen und was wie zum Fall? − Rekonstruktionen zur Fallkonstitution und Kooperation sonder- und sozialpädagogischer Professioneller in inklusiven Schulen“ (FallKo)

Willkommen auf der FallKo-Projekthomepage (Standort Frankfurt) 

   

Das Projekt FallKo (Wer macht wen und was wie zum Fall? Rekonstruktionen zur Fallkonstitution und Kooperation sonder- und sozialpädagogischer Professioneller in inklusiven Schulen) wird im Rahmen der Richtlinie zur Förderung der Forschung zu Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte für inklusive Bildung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 01.10.2017 bis zum 30.09.2020 gefördert (Förderkennzeichen 01NV1705A).

Qualitativ-rekonstruktiv gehen wir in diesem Forschungsprojekt der Fragestellung nach, wie sonder- und sozialpädagogische Professionelle in Schulen Fälle konstituieren, bearbeiten und darauf bezogen miteinander kooperieren.

Als Verbundprojekt untergliedert es sich in die Standorte Frankfurt am Main und Kassel. Prof’in Dr. Mirja Silkenbeumer leitet das Frankfurter Teilprojekt und koordiniert das Gesamtprojekt. Gastprofessorin Dr. Nina Thieme leitet das am Institut für Sozialwesen des Fachbereichs Humanwissenschaften der Universität Kassel angesiedelte Teilprojekt.

Eine kurze Projektdarstellung, sowie Angaben zu projektbezogenen Publikationen und Vorträgen finden Sie auf der folgenden Seite.

Projektteam

Projektteam am Standort Goethe-Universität Frankfurt am Main: Prof. Dr. Mirja Silkenbeumer, Dr. Hannah Schott-Leser, Janina Hornung, Julia Becher (wissenschaftliche Mitarbeiterinnen), Ines Birkner, Leonora Freudenreich, Tabea Trendel, Kathrin Weiser (studentische Mitarbeiter_innen).

Projektteam am Standort Universität Kassel: Gastprofessorin Dr. Nina Thieme, Jessica Wäscher und Timo Christ (studentische Mitarbeiter_innen).


Projektdarstellung

Das professionalisierungstheoretische Erkenntnisinteresse des Projekts FallKo richtet sich auf Prozesse der Fallkonstitution und ‑bearbeitung in der Kooperation zwischen Sozialpädagog_innen und Sonderpädagog_innen (mit Regelschullehrkräften und ggf. weiteren beruflichen Akteur_innen) in der Schule im Anspruch von Inklusion.  Sozial- und sonderpädagogischen Fachpersonen obliegen je spezifische, aber auch sich überschneidende berufliche Zuständigkeiten für bestimmte Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche hinsichtlich der Bearbeitung von Lern-, Entwicklungs- und Orientierungskrisen von Schüler_innen, die auf schulische Sozialisationsprozesse und Krisen erzieherischer Praxis verweisen. Damit verbunden stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Jugendhilfe und Schule wie nach berufs- und organisationskulturell gerahmten Relevanzsetzungen in solchen Prozessen der Markierung, Deutung und Bearbeitung von Krisen, in denen strukturelle Logiken des Schulischen und des Unterrichts zum Tragen kommen und reguliert werden (müssen).

An je zwei Grund- und Gesamtschulen werden im Zeitraum eines Schuljahres Prozessverläufe der Fallbearbeitung mittels audiographierter Gespräche (u.a. Teamgespräche, Fallbesprechungen, pädagogische Konferenzen, Eltern- und Schüler_innengespräche) erhoben. In einer mehrwöchigen ethnographischen Phase werden dichte Beschreibungen der auf Zusammenarbeit gerichteten Interaktionen, insbesondere der sonder- und sozialpädagogischen Akteur_innen sowie der Interaktionen zwischen diesen Fachpersonen und Schüler_innen erstellt.

Kontrastiv zu den Erhebungen in Schulen beziehen wir fallbezogene Gespräche aus mobilen Unterstützungsdiensten (Beratungs- und Förderzentren) in die Untersuchung mit ein, um Prozesse der gemeinsam und arbeitsteilig gestalteten Fallarbeit von Sozial- und Sonderpädagog_innen unter anderen organisationalen und institutionellen Rahmenbedingungen in den empirischen Blick zu bekommen.

Mit diesem Forschungsprojekt streben wir über material gesättigte und typologisch ausdifferenzierte Rekonstruktionen an, einen Beitrag zum Verständnis von Strukturproblemen der gemeinsamen Fallarbeit, insbesondere von Sozial- und Sonderpädagog_innen, sowie damit verbundener pädagogischer (Neu-)Ordnungen in schulischen bzw. unterrichtlichen Settings,  zu leisten. Methodologisch folgt das Projekt den rekonstruktionslogischen Verfahren der Objektiven Hermeneutik (Standort Frankfurt am Main) und einer Sozialwissenschaftlichen Hermeneutik (Standort Kassel).

Die Ergebnisse des Projekts werden für eine kasuistisch ausgerichtete Lehrer_innenbildung und die universitäre Lehre in sozialpädagogischen Studiengängen aufbereitet.


Publikationen

Thieme, Nina (erscheint 2018): Vermittlung und Hilfe. Zuständigkeiten der Lehrer/innenprofession und der Profession Sozialer Arbeit. In: Lernende Schule 81, Themenschwerpunkt „Multiprofessionelle Kooperation“.

Kunze, Katharina/Silkenbeumer, Mirja (erscheint 2017): Selbst- und Fremdpositionierungen in der Kooperation unterschiedlicher pädagogischer Berufsgruppen an inklusiven Schulen. In: Walm, Maik/Häcker, Thomas/Radisch, Falk/Krüger, Anja (Hrsg.): Empirisch-pädagogische Forschung in inklusiven Zeiten – Konzeptualisierung, Professionalisierung, Systementwicklung. Bad Heilbrunn.

Silkenbeumer, Mirja/Thieme, Nina/Kunze, Katharina (2017): Kooperation in multiprofessionellen Handlungskontexten. Zur Frage beruflicher Zuständigkeit/en Sozialer Arbeit. In: Thieme, Nina/Silkenbeumer, Mirja (Hrsg.): Die herausgeforderte Profession. Soziale Arbeit in multiprofessionellen Handlungskontexten. 14. Sonderheft der Zeitschrift neue Praxis, 35-42.

Thieme, Nina/Silkenbeumer, Mirja (2017): Herausforderungen Sozialer Arbeit in multiprofessionellen Handlungskontexten. In: Dies. (Hrsg.): Die herausgeforderte Profession. Soziale Arbeit in multiprofessionellen Handlungskontexten. 14. Sonderheft der Zeitschrift neue Praxis, 3-12.

Thieme, Nina/Silkenbeumer, Mirja (Hrsg.) (2017): Die herausgeforderte Profession. Soziale Arbeit in multiprofessionellen Handlungskontexten. 14. Sonderheft der Zeitschrift neue Praxis.

Silkenbeumer, Mirja/Kunze, Katharina/Bartmann, Silke (2017): Teil- und zugleich Allzuständigkeit? Rekonstruktionen zu Zuständigkeitsfigurationen und Positionierungen pädagogischer Berufsgruppen in der Organisation Schule. In: Neuhaus, Lukas/Käch, Oliver (Hrsg.): Professionalität im Kontext von Institution und Organisation. Weinheim, S. 130-157.


Vorträge 

Silkenbeumer, Mirja: Kooperation pädagogischer Berufsgruppen als „Gelingensbedingung von Inklusion“? − Erkenntnisse und Reflexionsangebote aus der Forschung (16. Oktober 2017, Essener Werkstattgespräch „Inklusion durch Kooperation − Jugendhilfe und Schule vor neuen Herausforderungen“, Universität Duisburg-Essen in Kooperation mit der Stadt Essen).

Silkenbeumer, Mirja/Thieme, Nina: Rekonstruktionen zur Konstitution von Fällen im Kontext interprofessioneller Kooperation (19. Mai 2017, Jahrestagung der Kommission Sozialpädagogik der Sektion Sozialpädagogik und Pädagogik der Frühen Kindheit der DGfE, Vechta, im Rahmen der gemeinsam angebotenen Arbeitsgruppe „Zur gemeinsamen Ermöglichung und Sicherung von Teilhabe im Handlungsfeld Schule? Oder: Wie Professionelle der Sozialen Arbeit und Sonderpädagog/inn/en im Kontext schulischer Inklusion zusammenarbeiten“).

Thieme, Nina: „Und da trägt er natürlich, weil er auffällig anders ist, ne, da trägt er natürlich noch anders dabei.“ Rekonstruktive Vergewisserungen zur performativen (Re-) Produktion von Differenz durch Professionelle der Sozialen Arbeit und Lehrkräfte im Rahmen einer gemeinsamen Teamsitzung im Ganztag (23. März 2017, Tagung „Bewegte Ordnung(en)“, Dortmund).

Thieme, Nina: Zur Fallkonstitution in Teamgesprächen zwischen Professionellen der Sozialen Arbeit und Lehrer/inne/n im Ganztag (15. September 2016, Tagung „Pädagogische Teamgespräche. Methodische und theoretische Zugänge“, Hildesheim).

Silkenbeumer, Mirja/Thieme, Nina: Wer macht wen und was wie zum Fall? Zur Fallkonstitution durch sonder- und sozialpädagogische Professionelle im Kontext interprofessioneller Kooperation in inklusiven Schulen (28. Juni 2016, Kolloquium am Institut für Sozialwesen des Fachbereichs Humanwissenschaften der Universität Kassel).