Die Solidarität der „Gemeinschaftsfremden“: Zur gegenseitigen Wahrnehmung der Verfolgtengruppen im Nationalsozialismus

Forschungsprojekt von PD Dr. Stefan Vogt

Das Projekt zielt darauf, die Frage nach dem Verhältnis zwischen den verschiedenen Opfergruppen im Nationalsozialismus aus der Perspektive der Verfolgten selbst zu analysieren. Wie haben Juden, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, so genannte „Asoziale“ und als „lebensunwert“ ge­brandmarkte Kranke und Behinderte die auf die jeweils anderen Gruppen zielende Ideologie und Verfolgungspraxis der Nationalsozialisten wahrgenommen, und welche Formen der gegen­seitigen Unterstützung und Solidarität gab es? Das Projekt konzentriert sich dabei aus systemati­schen Grün­den auf die Gruppen der rassistisch und antisemitisch Verfolgten. Es will so auch einen Beitrag dazu leisten, die Wechselbeziehungen zwischen Rassismus und Antisemitismus in der national­sozialisti­schen Ideologie und Praxis zu untersuchen. Es geht davon aus, dass die Verfolgung und Ermordung der Juden durch das nationalsozialistische Deutschland im umfassenderen Kontext der gegen „Andere“ gerichtete Gewaltgeschichte der europäischen Moderne gesehen werden kann, ohne die Singularität der gegen die Juden gerichteten Vernichtungspolitik zu relativieren, und dass die Analyse der Perspektive der Verfolgten hierzu einen wichtigen Beitrag leisten kann.