Prof. Dr. Gisela Welz

Sprechzeiten im Wintersemester 2017/2018 (ab 26.10.2017):
Donnerstags, 16:00 bis 17:30 Uhr.
Nur nach Voranmeldung im Hiwi-Zimmer

QIS-LSF

Professorin für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Jump to the English version

Gisela Welz schloss 1984 ihr Studium der Kulturanthropologie und Europäischen Ethnologie, Historischen Ethnologie und Amerikanistik an der Universität Frankfurt mit dem Magister Artium ab und promovierte 1990 mit einer stadtethnographischen Studie über die Restrukturierung von Brooklyn, N.Y. („Street Life. Alltag in einem New Yorker Slum“, Frankfurt a. M. 1991) Von 1989 bis 1996 war sie als Wissenschaftliche Assistentin am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen tätig, wo sie sich 1996 mit einer Forschung zur Repräsentation von Migranten und ethnischen Minderheiten in Museen und Festivals habilitierte („Inszenierungen kultureller Vielfalt“, Berlin 1996). 1998 wurde sie als Nachfolgerin von Prof. Dr. Ina-Maria Greverus auf den Lehrstuhl am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie berufen. Forschungs- und Lehraufenthalte verbrachte Gisela Welz an der New York University (1992/1993), an der University of California in Los Angeles (1996), als Heisenbergstipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität zu Berlin (1997), als Erasmus-Gastdozentin an der Universität von Zypern (2004) und dem ISCTE Lissabon (2007) sowie als Simon Visiting Professor am Department of Social Anthropology der University of Manchester (2009).

Ein vollständiges Verzeichnis der Veröffentlichungen finden Sie hier.

Aktuelle Publikationen

  • Gisela Welz. 2015. European Products. Making and Unmaking Heritage in Cyprus. New York: Berghahn Books. Ausgezeichnet mit dem PROSE-Award 2016 als bestes Buch in der Sparte Anthropologie; Bericht zur Preisvergabe bei "Aktuelles aus der Goethe-Universität Frankfurt"
  • Gisela Welz. 2015. Ethnology. In: James D. Wright (editor-in-chief), International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences, 2nd edition, Vol. 8. Oxford: Elsevier, pp. 198-202.
  • Gisela Welz. 2014. Standards und die Herstellung des Ökonomischen. Am Beispiel geschützter Herkunftsangaben für regionale Lebensmittelprodukte. In: Klein, Inga und Sonja Windmüller (Hg.): Kultur der Ökonomie. Zur Materialität und Performanz des Wirtschaftlichen. Bielefeld: transcript Verlag, S. 175-189.
  • Nils Grube und Gisela Welz. 2014. Inszenierte Vielfalt. Kulturanalysen neuer Veranstaltungsformate. In: Zeitschrift für Volkskunde, 110. Jg. 2014, Heft I: S.65-90.
  • Gisela Welz. 2014. Mobilität. In: Özkan Ezli und Gisela Staupe (Hg.): Das neue Deutschland. Von Migration und Vielfalt. Konstanz: Konstanz University Press, S.101-104.

Schwerpunkte in Lehre und Forschung

Urbane Praktiken

Städtische Wandelprozesse sind ein langfristiges Forschungsinteresse von Gisela Welz, die zahlreiche ethnographische Untersuchungen über Raumaneignung und soziale Praktiken in urbanen Kontext durchgeführt hat. Die Inszenierung von “Vielfalt” als Gegenstand von Kulturpolitik und Stadtmarketing gehört ebenso zu ihren Arbeitsthemen wie Stadtplanung und Infrastrukturentwicklung. Intensiv hat sie sich mit methodologischen Fragen der Ethnographie und der Herstellung der Stadt als epistemischen Ort der Anthropologie beschäftigt.

Governance und Expertenwissen

Wissensbasierte Regierungstechniken werden vor allem im Zusammenhang der europäischen Integration immer wichtiger. Die Arbeitsgruppe um Gisela Welz beschäftigt sich mit Wissensherstellung und -transfer anhand von Politikfeldern wie der Umwelt- und Energiepolitik, Klimagerechtigkeit und nachhaltige Regionalentwicklung. Dabei geht es um die Wirkungsweise von Standards und Messinstrumenten ebenso wie um die Plausibilitätsherstellung wissenschaftlicher Expertise und deren Effekte.

Kultur und Ökonomie

Globale wirtschaftliche Vernetzung, z.B. in Form von weltumspannenden Wertschöpfungsketten, ist Gegenstand von Studien zu Lebensmittelproduktion und -konsum. Auch die Inwertsetzung von traditionalen kulturellen Artefakten und Ausdrucksformen, Konflikte um Eigentumsrechte sowie die Kritik an der fortschreitenden Privatisierung von Gemeingütern sind wichtige Forschungsgegenstände. “Knappheit” und “Überfluss”, verstanden als gesellschaftlich produzierte und politisch umstrittene Größen, verweisen zudem auf grundsätzliche anthropologische Anliegen im Zusammenhang mit der “Ökonomie des Menschen”.

Langfristprojekt: Europäische Integration und griechisch-zyprische Gesellschaft

Seit den 1990er Jahren forschte Gisela Welz gemeinsam mit ihrem Mann, dem Berliner Europäischen Ethnologen Stefan Beck, in einem EU-Mitgliedsland im östlichen Mittelmeer, der Republik Zypern. Stefan Beck, der im März 2015 unerwartet und viel zu früh verstarb, hatte zahlreiche Publikationen zur Medical Anthropology vorgelegt. Auf Zypern führte Gisela Welz 1999-2001 in Kooperation mit Petra Ilyes ein Lehrforschungsprojekt mit Studierenden durch, das sich mit den kulturellen und gesellschaftlichen Effekten von Globalisierung und europäischer Integration in Zypern beschäftigte. Nach dem EU-Beitritt Zyperns 2004 wurde in einem weiteren Lehrforschungsprojekt mit dem Titel Neue Europäer (2005-06) untersucht, welche Auswirkungen die europäische Integration für das Alltagsleben in der Republik Zypern hat. 2006 gab sie gemeinsam mit Yiannis Papadakis (University of Cyprus) und Nicos Peristianis (University of Nicosia) das Buch Divided Cyprus heraus. Aktuell erscheint eine Monographie, die die „Herstellung“ von Kulturerbe als einen Europäisierungsprozess sichtbar macht.

Aktuelle Kooperationen

2015 begann Gisela Welz eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Historikern und Human Computer Interaction-Spezialisten an der Universität Leicester in Großbritannien die zu digitalen Ressourcen und nahrungskulturellem Erbe forschen und mit Partnern aus Belgien, Italien und Island kooperieren. An der Goethe Universität in Frankfurt ist sie außerdem Mitglied des Arbeitskreises Frankfurt Kitchen STS und arbeitet mit Kollegen aus der Soziologie und Humangeographie zusammen, die ein reges Interesse an den theoretischen Debatten und methodologischen Herausforderungen der Science and Technology Studies teilen.

Abgeschlossene Drittmittelprojekte

2004-2007

Urbanisierung als kulturelles Projekt: Stadtumbau im Großraum Lissabon (Projektleitung, 36 Monate, gefördert von der DFG)

2006-2008

Die Ortsmonographie als Wissensformat (Projektleitung, 24 Monate, gefördert von der DFG). Teilprojekt des Paketantrag-Forschungsverbunds „Volkskundliches Wissen und gesellschaftlicher Wissenstransfer“ in Zusammenarbeit mit Instituten der Universitäten Kiel, Tübingen, Göttingen und der Humboldt-Universität Berlin.

2008-2010

Volkskundliche Gemeindeforschung in Deutschland im 20. Jahrhundert. (Projektleitung, 24 Monate, gefördert von der DFG)

2010-2013

Kulturinszenierungen. Inwertsetzung von ethnisch-kultureller Vielfalt im Kontext urbaner Umstrukturierungsprozesse (Projektleitung gemeinsam mit Prof. Dr. Kira Kosnick, 36 Monate, gefördert von der DFG). Teilprojekt des Paketantrags „Neuordnung des Städtischen im neoliberalen Zeitalter“

English-language version

Prof. Dr. Gisela Welz is Professor of Cultural Anthropology and European Ethnology at Goethe University Frankfurt.

Gisela Welz was trained as a cultural anthropologist and European ethnologist at Frankfurt University (M.A. 1984) and received her Dr. phil. in 1990. Her doctoral thesis was an ethnographic study of urban restructuring in Brooklyn, NY. („StreetLife. Alltag in einem urbanen Slum“, Frankfurt 1991). She held teaching positions in Frankfurt (1985-89) and Tuebingen (1989-96), where she received her postdoctoral degree (Habilitation) in Empirical Cultural Studies for a book on the cultural politics of urban diversity („Inszenierungen kultureller Vielfalt“, Berlin 1996). She was appointed as professor at Goethe University Frankfurt in 1998 and became the successor of Prof. Dr. Ina-Maria Greverus. She worked as a Visiting Scholar at New York University 1992/93, was a Visiting Professor at the University of California Los Angeles in 1996, a Heisenberg Research Fellow of the German Research Council DFG at Humboldt University Berlin 1997/98. Short-term teaching as visiting professor brought her to the University of Cyprus (2004), ISCTE Lisbon (2007) and the University of Manchester (2009). She conducted research in the United States, Cyprus and Portugal. Much of her fieldwork and the MA and PhD projects that she supervises are based in fieldwork in Germany, especially in the Rhein Main metropolitan area. See here for a complete list of publications.

Research and Teaching Areas

Social Practices in Cities

Initially trained as an urban anthropologist, the ethnography of urban everyday life remains one of my vibrant research interests until today. The social fabric of urban neighbourhoods and the agency of architecture and infrastructure figure prominently in my work. I aspire to contribute to the development of research methodologies in urban anthropology and to critically inquire into the constitution of the city as an epistemic space for the social sciences. In my recent studies, I am closely observing processes of urban change, especially when “cultural diversity” is being re-framed as a resource in city branding and the valorisation of urban spaces.

Governance and Knowledge

Recent projects inquire into the knowledge practices that undergird Europe‘s political integration. Knowledge production and dissemination is a governance technology that can be observed in most policy areas of the European Union. My team and I am particularly interested in how scientific knowledge, technology transfer and expert modelling play out in the implementation of environmental policies, sustainable development, renewable energies, climate justice and food safety. Here, knowledge controversies and contested truth claims give rise to the emergence of new publics and transnational alliances.

Culture and Economy

The globalization of the economy has become an important research concern in recent years. I have been particularly interested in standardisation of both products and the processes of production. More recently, I have been exploring food quality certifications and geo-labels along these lines. My research on the production of heritage engages with issues of the commodification of culture, the implementation of property regimes and the privatization of commons. Also, I am interested in how scarcity and excess are socially constructed and politically contested, and how these tie in with a foundational anthropological concern with the human economy.

Recent publications

  • Gisela Welz. 2015. European Products. Making and Unmaking Heritage in Cyprus. New York: Berghahn Books. Winner of the PROSE-Award 2016 in the category Anthropology.
  • Gisela Welz. 2015. Ethnology. In: James D. Wright (editor-in-chief), International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences, 2nd edition, Vol. 8. Oxford: Elsevier, pp. 198-202.
  • Gisela Welz. 2014. Standards und die Herstellung des Ökonomischen. Am Beispiel geschützter Herkunftsangaben für regionale Lebensmittelprodukte. In: Klein, Inga und Sonja Windmüller (eds): Kultur der Ökonomie. Zur Materialität und Performanz des Wirtschaftlichen. Bielefeld: transcript Verlag, pp. 175-189.
  • Nils Grube und Gisela Welz. 2014. Inszenierte Vielfalt. Kulturanalysen neuer Veranstaltungsformate. In: Zeitschrift für Volkskunde, 110. Jg. 2014, Heft I: pp. 65-90.
  • Gisela Welz. 2014. Mobilität. In: Özkan Ezli und Gisela Staupe (eds): Das neue Deutschland. Von Migration und Vielfalt. Konstanz: Konstanz University Press, pp.101-104.

Permanent Fieldsite: European Integration and Greek-Cypriot Society

The Republic of Cyprus became a member of the European Union in 2004. The impact of European Union policies on this postcolonial society ‘on the margins of Europe “ had been a long-term research interest that I shared with my late husband, Prof. Dr. Stefan Beck of Humboldt University Berlin who had done pioneering work in medical anthropology in Cyprus. My research in Cyprus includes a fieldwork project with graduate students and PhDs 1999-2001 in cooperation with Petra Ilyes that addressed the effects of social change, European integration and globalisation. Another project with graduate students, titled New Europeans inquired into changes in the Republic of Cyprus in the aftermath of the 2004 EU accession. For many years, I have been cooperating with anthropologists and sociologists working on and in Cyprus and co-edited the book Divided Cyprus with Nicos Peristianis and Yiannis Papadakis in 2006. In my most recent book, European Products, I argue that heritage making has become an important trajectory for Europeanization in Cyprus.

Current collaborations

In 2015, I joined a multidisciplinary international group of historians and human-computer-interaction specialists based at the University of Leicester, who are cooperating with colleagues in Belgium, Italy and Iceland, in research on food heritage and digital resources. At Goethe University in Frankfurt, I am a member of the Frankfurt Kitchen STS discussion group and I am networking with colleagues from sociology and human geography who share a lively interest in the theoretical debates and new research methodologies of Science and Technology Studies.

Completed research projects

2004-2007

A project conducted 2004-2007 in cooperation with Dr. Eva Maria Blum, funded by a grant from DFG German Science Foundation, analyzed as long-term urban conflict centring on an abandoned shipyard in the metropolitan area of Lisbon, Portugal. Since the year 2000, ambitious plans to build high-rise office towers and luxury apartments on the deserted site had polarized politics and public opinion in the area, and threw into sharp relief the conflicting cultures of modernity that compete for hegemony in Portuguese society.

2006-2011

From 2006 until 2011, Gisela Welz was a member of the DFG-funded association of research projects Volkskundliches Wissen, analysing the history of Volkskunde and its forms of knowledge production, involving the universities of Goettingen, Kiel, Tuebingen, Goethe University Frankfurt and Humboldt University Berlin. Gisela Welz directed two sub-projects, inquiring into the development of the community studies approach in postwar Germany.

2010-2013

From 2010 until 2013, she was conducting research within the framework of the interdisciplinary research programme Restructuring the Urban at Goethe University Frankfurt, funded by DFG. She collaborated in a sub-project with Prof. Kira Kosnick on the culturalisation of urban culture and ethnic diversity, with two case studies located in Frankfurt.