Abstracts im Winter 2017/2018

Christian Dorsch: Mündigkeit und Lehrer/-innenbildung in digitalisierten Lebenswelten – Zum Potential von Portfolioarbeit

Mündigkeit als wichtiges Ziel der Schulbildung umschreibt die Fähigkeit gesellschaftliche Routinen, Konditionen und Innovationen hinsichtlich eigener und gesellschaftlicher Interessen zu hinterfragen. Das Bildungsziel Mündigkeit erhält gegenwärtig durch die „Mediatisierung der Gesellschaft“, die auch massive Innovations- und Transitionsprozesse impliziert, eine hohe Relevanz. Hinweise auf den gegenwärtigen Wandlungsprozess liefern Stichworte wie „Fakenews“ oder „postfaktisches Zeitalter“, genauso wie die Entstehung von Smart Cities. Diese Entwicklungen erfordern eine mündigkeitsorientierte Schulbildung, damit Schüler/-innen in der „smarten“ vernetzten Lebenswelt autonom und reflexiv handeln können. Vor diesem Hintergrund stellen sich die Fragen, wie Studierende im Lehramtsstudium Geographie auf diese Aufgabe vorbereitet werden und ebenso, wie sie ihre eigene Mündigkeit entwickeln können, um diese später in der Schule zu vermitteln. Die Arbeit mit Portfolios in der Hochschullehre verspricht diesen Anspruch zu erfüllen. Der Vortrag zeigt, welches Potential Portfolioarbeit bzgl. einer mündigkeitsorientierten Bildung im Vergleich zu anderen Prüfungsformen hat und wie Portfolioarbeitet dahingehend gestaltet werden muss.


Steffen Wetzstein: The global urban housing affordability crisis

This paper outlines drivers, trajectories, socio-spatial implications and policy responses in regards to the emergence of both serious housing affordability problems and considerable residential property - mediated wealth creation in international cities in recent decades. Framed by a strategic assemblage of political economy, economic geography, political science, urban studies and housing literature strands and based on rich ethnographic comparative empirical insights (more than 100 interviews and workshops) with key actors across five major advanced economy cities (Sydney, Auckland, Singapore, Berlin and Vienna), an argument is developed that links the housing affordability/affordable housing conundrum to an emerging ‘variegated global urban residential capitalism’ that is fueled by excess cash investment, facilitative population/migration dynamics, conducive tax-settings, specific labour market/welfare arrangements as well as national and urban housing system transformations. The particular housing affordability outcomes and differing winner-loser dichotomies across the presented case study regions illuminate, however, the important cumulative influences of context, culture conditions, path-dependency and contingency in determining the extent and content of investment and governance under this advanced neoliberal accumulation/regulation regime. While rising housing mediated intra-society and inter-generational divisions call for urgent political reforms, policy innovation and transformative research, the findings ultimately reveal the highly contentious nature of any intervention seriously attempting to tackle contemporary urban housing affordability crisis.


Denis Guth: Verträglichkeitsdiskurse im Kontext geplanter innerstädtischer Einkaufszentren

Der Vortrag thematisiert den Diskurs um die "Innenstadtverträglichkeit" geplanter Einkaufszentren. Untersucht werden die unterschiedlichen diskursiven Ausformungen von Verträglichkeit und ihre Effekte auf den Planungskonflikt mit einem besonderen Fokus auf die gutachterliche Praxis. Der Begriff der Verträglichkeit verweist dabei auch auf einen normativen Bezugsrahmen, wie sich Innenstädte entwickeln sollen: Nur ausgehend von spezifischen Leitbildern der Stadtentwicklung kann beurteilt werden, inwieweit ein Ansiedlungsvorhaben mit der gewünschten Entwicklung verträglich ist. Ausgehend von der konzeptionellen Grundlage der Gouvernementalitätsforschung zielt das Projekt daher erstens auf eine detaillierte Beschreibung der Rationalitäten der Steuerung der Innenstadtentwicklung, die den Verträglichkeitsdiskurs strukturieren. Zweitens untersucht das Projekt die Rolle kalkulativer Verfahren in Verträglichkeitsgutachten und Expertendiskursen für den Ansiedlungskonflikt und seine politische Steuerung. Drittens werden beide Aspekte zusammengeführt, um die Herausbildung lokaler politischer Rationalitäten der (Innen-)Stadtentwicklung im Zuge der Verträglichkeitsdebatte beschreiben zu können. Empirisch basiert das Projekt auf einer Diskursanalyse eines Korpus aus Verträglichkeitsgutachten, Protokollen von Beteiligungsverfahren, Positionspapieren und Berichten, Stadtentwicklungskonzepten sowie leitfadengestützten Experteninterviews zu einer Fallstudie in der Innenstadt der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.


Marc Seebacher: Valuations @ home – Bewertungspraktiken, Wohnimmobilien und Wohnimmobilienmärkte

Das „Funktionieren“ eines Marktes steht fundamental mit der Festlegung von (ökonomischen) Werten in Zusammenhang, über Praktiken der Bewertung (valuations) werden Märkte performativ „gemacht“. Der Vortrag thematisiert die sozialen Praktiken der (ökonomischen) Wertkonstruktion und Wertinterpretation am Beispiel von Wohnimmobilien und Wohnimmobilienmärkten, wobei intermediäre Marktakteure (Makler, Gutachter, Sachverständige) sowie am Wohnungsmarkt „aktiv“ nachfragende Haushalte im Mittelpunkt stehen.