Nachwuchsforschernetzwerk Cultural and Literary Animal Studies (CLAS)

Das Nachwuchsforschernetzwerk CLAS wurde 2011 von Roland Borgards, Alexander Kling und Esther Köhring gegründet, um Promovierende und Habilitierende zusammenzubringen, die im deutschsprachigen Raum an Fragen der geistes- und kulturwissenschaftlichen Tierforschung arbeiten.

Ziel der Aktivitäten, die bis 2018 von Würzburg und seitdem von Frankfurt aus durchgeführt werden, ist die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung der NachwuchswissenschaftlerInnen, aber auch die Weiterentwicklung der Ansätze der CLAS sowie die methodische und forschungspolitische Reflektion.

Das Netzwerk CLAS hat zur Zeit (Sommer 2018) über 100 Mitglieder. Bewerbungen um Neuaufnahme sind jederzeit unter Vorstellung des eigenen Projektes und der eigenen Interessen möglich, per Email an Esther Köhring, koehring@lingua.uni-frankfurt.de

Zu den wichtigsten Aktivitäten des Netzwerks gehörten die Summer Schools 2012-2014 (gefördert von der Volkswagen-Stiftung).


Aktuell: 5. Forschungskolloquium CLAS - Tiere und Film

Vom 31. Oktober bis zum 3. November 2018 findet am Forschungskolleg Humanwissenschaften (Bad Homburg) der Goethe-Universität Frankfurt das fünfte Kolloquium für Cultural and Literary Animal Studies statt.

Das CLAS-Kolloquium soll allen, die sich im Bereich der im weiteren Sinne literatur- und kulturwissenschaftlichen Tierforschung promovieren oder habilitieren, die Gelegenheit geben, ihre Projekte vorzustellen und andere Projekte kennenzulernen. Das Kolloquium ist grundsätzlich interdisziplinär; Bewerbungen aus allen Fächern sind willkommen.

Neben den Projektvorstellungen widmet sich das Kolloquium stets einer übergeordneten theoretischen, methodischen, disziplinären oder thematischen Fragestellung. Dieser Schwerpunkt liegt im fünften Kolloquium auf dem Forschungsfeld „Tiere und Film“, das in Form von Theoriediskussionen, Filmbesprechungen, Exkursionen und Keynotes in den Blick genommen werden soll.

Ausschreibung (PDF) // Programm

Die Bewerbung für das Kolloquium ist nicht mehr möglich, die BewerberInnen sind informiert. Das Programm wird Ende September an dieser Stelle bekanntgegeben.


CLAS Kolloquium für Promovierende und Habilitanden (seit 2016)

Das Kolloquium CLAS

Seit 2016 finden ein- bis zweimal jährlich Kolloquien statt, auf denen Nachwuchsforschende verschiedener Universitäten und Disziplinen ihre Projekte im Kreis anderer Tierforschender zur Diskussion stellen können. Mögliche Formate sind die Vorstellung des eigenen Projekts, die Diskussion eines Kapitelentwurfs oder von Material sowie die Teilnahme ohne eigenen Beitrag.

Das Programm wird fokussiert durch Theoriediskussionen sowie ggf. Schwerpunktthemen.

Das Kolloquium CLAS ist eine Veranstaltung des Nachwuchsforschernetzwerks CLAS und wird organisiert von Roland Borgards, Esther Köhring und Frederike Middelhoff.

Zur aktuellen Ausschreibung (PDF)

5. Kolloquium (2018/II)

Vom 31. Oktober bis zum 3. November 2018 findet am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt das fünfte Kolloquium für Cultural and Literary Animal Studies statt.

Schwerpunktthema: Tiere und Film.

Zur Ausschreibung (PDF)

4. Kolloquium (2018/I)

Mit Beiträgen von Frederike Middelhoff (Würzburg), Adrian Robanus (Köln), Maria-Anna Schiffers (Potsdam), Hannah Rieger (Kiel), Mira Shah (Würzburg), Pavel Knápek (Pardubice, CZ), Elisabeth Luggauer (Würzburg), Marlis Heyer (Würzburg), Irina Arnold (Würzburg), Sebastian Ehret (Kiel), Lena Kugler (Würzburg), Amina Grunewald (Berlin), Elisabeth Hamm (Paris), Michaela Castellanos (Sundsvall, SE), Qiongying Cai (Würzburg).

Schwerpunktthema: Anthropologie "beyond the human"

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3. Kolloquium (2017/II)

31. Juli bis 2. August 2017

Mit Beiträgen von Christian Doelker (München), Robert Bauernfeind (Augsburg), Esther Köhring (Würzburg), Esther Köhring (Würzburg), Frederike Middelhoff (Würzburg), Alexandra Böhm (Erlangen-Nürnberg), Florian Auerochs (Vechta), Matthias Preuss (Bochum), Ulrike Wiehr (Würzburg), Anja Höing (Osnabrück), Doris McGonagill (Utah/USA), Lena Kugler (Würzburg), Mira Shah (Würzburg), Kerstin Weich (Wien), Claudia Lillge (Würzburg), Sebastian Schönbeck (Würzburg), Qiongying Cai (Würzburg).

Schwerpunktthema: Tiertheorie

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2. Kolloquium (2017/I)

6.-7. Februar 2017

Mit Beiträgen von Marion Darilek (Tübingen), Sigold Richter (Münster), Julia Weitbrecht (Kiel), Sebastian Schönbeck (Würzburg), Adrian Robanus (Köln), Mira Shah (Bern), Elisabeth Hamm (Paris), Esther Köhring (Würzburg), Michaela Castellanos (Sundsvall/Schweden), Angelika Zirker (Tübingen), Frederike Middelhoff (Würzburg), Alexandra Böhm (Erlangen-Nürnberg), Ulrike Wiehr (Würzburg), Qiongying Cai (Würzburg), Vanessa Schrader (Hamburg)

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1. Kolloquium (2016)

14.-15. Juni 2016.

Mit Beiträgen von Frederike Middelhoff (Würzburg), David M. de Kleijn (Jena), Esther Köhring (Würzburg), Alissa Theiss (Marburg), Renke Kruse (Kiel), Hannah Rieger (Kiel), Julia Weitbrecht (Kiel), Stefan Hecht (Strassburg), Mira Shah (Bern), Michaela Castellanos (Sundsvall), Elisabeth Hamm (Paris), Sebastian Schönbeck (Würzburg) und Christian Doelker (München).

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2012-2014: CLAS Summer School

Die Würzburg Summer Schools for Cultural and Literary Animal Studies fanden 2012-2014 unter der Leitung von Roland Borgards, Alexander Kling und Esther Köhring an der Universität Würzburg statt, ermöglicht durch die Förderung der VolkswagenStiftung.

Jeweils etwa 50 internationale NachwuchswissenschaftlerInnen arbeiteten für jeweils eine Woche zu den drei Jahresthemen - "Nature, Culture, Agency", "Politische Zoologie" und "Zoologische Ästhetik". Auch die Keynotespeaker, LeiterInnen der Themenworkshops, Podiumsdiskutanten und TierkünstlerInnen nahmen an einem großen Teil der Veranstaltungen teil.

Gearbeitet wurde in 3x3 Themenworkshops, im Tandem von etablierten WissenschaftlerInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen geleitet, sowie in Theorieworkshops zur Diskussion aktueller tiertheoretischer Positionen. Zudem gab es je eine Exkursion sowie verschiedene Panel- und Plenarformen, um eigene Projekte vorzustellen und die Vernetzung voranzutreiben.

Das öffentliche Programm umfasste Keynotes sowie Debatten zwischen Natur- und Kulturwissenschaftlern sowie Tierkunstabende, auf denen der Schriftsteller Marcel Beyer, die Performancekünstlerin Antonia Baehr und der Komponist David Rothenberg ihre Werke vorstellten und mit einem Gesprächspartner sowie den Teilnehmenden diskutierte.


2012: Nature, Culture, Agency

Das Tier erscheint in den derzeit geführten Diskussionen als ein eigentümlicher Gegenstand, dessen epistemologischer Status nicht ohne weiteres zu bestimmen ist, so dass zunächst der methodische Zugriff auf es zu problematisieren ist.

Mit Philippe Descola (Paris), Stefan Rieger (Bochum), Markus Wild (Fribourg), Julia Fischer (Göttingen), Julika Griem (Frankfurt/M.) und Marcel Beyer (Dresden) sowie knapp 50 kultur-wissenschaftlichen TierforscherInnen.

Weitere Informationen und Dokumentation

2013: Politische Zoologie

Was sind die politischen und sozialen Funktionen der Tiere? Wie steht es um den Zusammenhang von Politik, Poetik und Geschichte der Tiere?

Mit Antonia Baehr (Berlin), Gabriele Brandstetter (Berlin), Susan McHugh (Maine, USA), Tom Tyler (Oxford, UK), Niels Werber (Siegen) und Christoph Kleineidam (Konstanz) sowie knapp 50 geistes- und sozial-wissenschaftlichen TierforscherInnen.

Weitere Informationen und Dokumentation

2014: Zoologische Ästhetik

An den Tieren stellen sich Grundfragen der Ästhetik. Sie sind Reflexionsfiguren des Ästhetischen und zugleich aktive Akteure einer eigenen Ästhetik.

Mit David Rothenberg (Newark/USA), Martin Ullrich (Nürnberg), Giovanni Aloi (Chicago/London), Eva Geulen (Frankfurt/Main), Julia Voss (Frankfurt/Main) und Volker Sommer (London/UK) sowie knapp 50 kulturwissenschaftlichen und künstlerisch tätigen TierforscherInnen.

Weitere Informationen und Dokumentation


2011-2012: Netzwerkgründung

Mailingliste

Gründung des Netzwerks im Frühjahr 2011 durch Roland Borgards, Alexander Kling, Esther Köhring. In den ersten 3 Monaten über 70 Beitritte.

Alle Mitglieder des Netzwerks sind bis heute mittels einer Mailingliste verbunden, auf der einschlägige Calls verschickt, aber auch inhaltliche und methodische Fragen diskutiert und die eigenen Projekte vorgestellt werden können.

Bewerbung über koehring@lingua.uni-frankfurt.de

Zum ersten Aufruf (PDF)

1. Arbeitstreffen

Das erste Arbeitstreffen von CLAS fand mit fast 50 Teilnehmern vom 9. bis 11. November 2011 in Würzburg statt.

Panels: Historische Topologie. Blicke, Räume, Medien // Zusammen Leben. Historische Figurationen zwischen Menschen und Tieren // Umgegnungen. Begegnung mit Präsenz, Umgang mit Repräsentation // Kulturtechniken. Domestikation zwischen Haustieren und Bürgern // (De)Subjektivierungen. Fluchtpunkte zwischen Utopie und Dystopie

Öffentlicher Abendvortrag von PD Dr. Markus Wild (Zürich/Berlin), 9.11.2011: "Hey, I didn't say, kiss me." Kurze Geschichte des Gorillas.

Zum Programm (PDF)

Literaturwissenschaftliches Kolloquium

Das Kolloquium für LiteraturwissenschaftlerInnen fand vom 14.-16. Juni 2012 an der Universität Würzburg statt.

Wie verändert die Frage nach Texttieren, nach ihrer Literarizität und ihrem Verhältnis zu den materiellen Tieren, die Methodik in den Literaturwissenschaften?

Öffentlicher Abendvortrag von Prof. Dr. Peter Schnyder (Neuchâtel), 14. Juni 2012: "Riesenfaultierpoesie"

Zum Programm (PDF)


Forschungsprogramm und Selbstverständnis des Netzwerks

In den Geistes- und Kulturwissenschaften sind in den letzten Jahren zunehmend Tiere in den Fokus des Interesses gerückt. So konstituieren sich derzeit im Zusammenhang mit den angloamerikanischen Animal Studies und in enger Verbindung zur Wissensgeschichte die Cultural and Literary Animal Studies (CLAS) als interdisziplinäres Forschungsgebiet. Insbesondere poststrukturalistische Theoreme (Michel Foucault, Gilles Deleuze/Felix Guattari, Jacques Derrida, Giorgio Agamben) sowie die Akteur-Netzwerk-Theorie (Bruno Latour, Donna Haraway) sind dabei von entscheidender Bedeutung für die Theoriebildung der CLAS.

Die Frage nach der Relevanz von Tieren macht eines klar: Tiere sind überall, Tiere gehören auf elementare Weise jeder Kultur an, mit und an Tieren wird Kultur geschaffen. Praktiken der Zucht, der Jagd, des Experiments sowie Beobachtungsanordnungen wie Menagerie, Zoo oder Zirkus verdeutlichen sowohl die vielfältigen Macht- und Wissenskomplexe, die auf Tiere einwirken, als auch die historische Variabilität dieser Prozeduren. Tiere sind also kulturhistorisch durchformt. Diese Durchformungen als kulturelle Semiosen lesbar und auf ihre politischen Implikationen hin durchschaubar zu machen, lässt sich als eine Aufgabe einer Kulturgeschichte der Tiere formulieren

Die Hinwendung der Forschung zu Tieren zieht dabei aber auch Fragen nach dem Status der Tiere als Forschungsgegenstand nach sich: Sind Tiere als Objekte Einschreibeflächen von Macht- und Wissensprozeduren, oder können Tiere als Akteure mit Agency verstanden werden? Sind Tiere ausschließlich durch die Geschichte des Menschen gemacht, oder machen sie selbst Geschichte? Sind Tiere durch eine Poiesis des Wissens erzeugt, oder sind sie selbst Generatoren in der Entstehung von Wissen? Sind sie bloßes Objekt einer Politik der Tiere, oder ist eine Form der tierlichen Teilhabe an Politik denkbar?

Kulturgeschichten der Tiere arbeiten auf der Materialbasis medialer Repräsentationen: Tiere hinterlassen selten Artefakte und sind meist nur über die Zeugnisse des Menschen habhaft zu werden. In einem wissensgeschichtlichen Rahmen stellt sich damit die Frage, wie verschiedene Medien, verschiedene Kunstformen und verschiedene Textgattungen Wissen über Tiere hervorbringen, wie dieses Wissen den Gegenstand, auf den es zugreift, selbst formt und wie dieses Wissen popularisiert wird. So narrativiert die Literatur im Modus des ‚als ob‘ Begegnungsgeschichten zwischen Mensch und Tier und beeinflusst auf diese Weise die Wahrnehmung von Tieren. Literarische Texte (und auch Filme, Bilder, Musik, Theateraufführungen) sind also am Aufbau und der Vermittlung des Wissens über Tiere mit beteiligt. Das hat für die Wissenschaften von den Künsten eine doppelte Konsequenz: Einerseits prägen künstlerische Artefakte durch ihre Darstellungsverfahren den Umgang mit tatsächlichen Tieren, andererseits ist durch eine solche Hypothese die Wissenschaft selbst aufgerufen, sich der Wirkmacht des eigenen Gegenstandes zu stellen. Damit thematisieren die CLAS neben historischen auch systematische Problemstellungen.

Das Nachwuchsforschernetzwerk CLAS entwickelt Strukturen, Räume und Formate, in denen Promovierende und Postdoktoranden sich über die Möglichkeiten, Bedingungen und Konsequenzen der CLAS für ihre Forschungsarbeit austauschen können. Ziel ist die Vernetzung von Nachwuchswissenschaftlern, die sich mit Fragen der Tiere beschäftigen, insbesondere in den Disziplinen der Literaturwissenschaften (Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slawistik, Ältere Philologien usw.), der Philosophie und Geschichtswissenschaft, der Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theater-, Film- und Medienwissenschaft usw. Der (interdisziplinäre) Austausch soll gefördert und darüber hinaus eine Plattform für Tierdenker geschaffen werden, die sich explizit an den Interessen von Nachwuchsforschern orientiert. Zentral dafür ist die Einrichtung einer Mailingliste zur Vernetzung und Diskussion, zur Bildung von Interessengruppen und zum Austausch von Material. Das Nachwuchsforschernetzwerk ist offen für Beteiligte aus den unterschiedlichen Fachrichtungen und baut auf die gemeinsame Weiterentwicklung von Ideen und Formaten durch alle Mitglieder.