Mittelalterliche Schiefertafeln aus Köln

(Förderung Thyssen-Stiftung 2019-21)

Projektleitung: Elisabeth Hollender

Mitarbeiter*innen: Malin Drees, Maximilian Holfelder

Kooperationen: Archäologische Zone Köln, MiQua (LVR)

Während der Ausgrabungen im mittelalterlichen jüdischen Viertel in Köln (2007-2019) wurden und werden zahlreiche Fragmente von beschriebenen Schiefertafeln gefunden, vor allem in der Zerstörungsschicht von 1349. Die Tafeln bieten einen ungewöhnlichen Einblick ins Alltagsleben der Kölner Juden im 14. Jahrhundert, da sie offensichtlich nicht zur längerfristigen Aufbewahrung gedachte Texte und Kritzeleien enthalten. Der überwiegende Teil der Graffiti verwendet hebräische Schrift; es können verschiedene Hände identifiziert werden. Zu diesem ungewöhnlichen Corpus gehören neben Schreibübungen und Konzepten für eine illuminierte Handschrift, Spielsteinen und einer alt-jiddischen Rittererzählung vor allem Namenslisten, die auf finanzielle Transaktionen hinweisen. Die Verwendung der Vernakularnamen macht diese Listen besonders wichtig für die Rekonstruktion der jüdischen Gemeinde Kölns im 14. Jahrhundert. Das Corpus ist zudem eine wesentliche Quelle für Alltagsschriftlichkeit unter Juden im Mittelalter.

Im Projekt werden die bisher über 500 Tafeln beschrieben, transkribiert und übersetzt sowie ihr Hintergrund recherchiert. Insbesondere die Namen können mit vorhandenen Quellen aus Köln abgeglichen werden. Die Resultate werden als Katalog Raisonné aller Fragmente in der Reihe Monumenta Palaeographica publiziert werden.

Publikationen:

  1. Hollender, „Die Schriftfunde“, in: Von der Ausgrabung zum Museum - Kölner Archäologie zwischen Rathaus und Praetorium. Ergebnisse und Materialien 2006-2012, ed. S. Schütte, M. Gechter, Köln: Stadt Köln 2012, pp. 144-152
  2. Hollender, „Die Sprachen der Kölner Juden im Mittelalter nach ihren schriftlichen Zeugnissen“, in Jiddisch Im Rheinland, Köln 2014, pp. 41–56.
  3. Timm, „Ein neu entdeckter litearischer Text in hebräischen Lettern aus der Zeit vor 1349“, Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 142 (2013), pp. 417–443.