Desinfektionsmittel

Allgemeines

 Listen

Erläuterungen zu den Listen:
Alte Version des  § 13 GenTSV Anforderungen an die Abwasser- und Abfallbehandlung  (geändert durch die Novellierung August 2002)

    Abs 3: "...Für die chemische Inaktivierung sind vom Robert Koch-Institut geprüfte und anerkannte sowie umweltverträgliche Desinfektionsmittel und -verfahren zu verwenden. Auf Antrag kann die Genehmigungsbehörde andere Mittel und Verfahren zulassen, wenn sichergestellt ist, daß die Anforderungen aus Satz 1 eingehalten werden und keine Hinweise dafür vorliegen, daß von den eingesetzten Inaktivierungsstoffen schädliche Auswirkungen auf eine nachgeschaltete Abwasserbehandlungsanlagen, auf Gewässer oder die nachfolgende Entsorgung als Abfall ausgehen. ..."

Hieraus abgeleitet wurde von der Genehmigungsbehörde (Regierungspräsidium Gießen) folgender Passus in die Bescheide aufgenommen:

      " ..... es dürfen auch andere Desinfektionsmittel aus den Listen der vom Robert-Koch-Institut oder von der deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren verwendet werden. Für diese gilt die Wirksamkeit im geprüften Anwendungsbereich als nachgewiesen. Es ist die jeweils aktuelle Liste zugrunde zu legen. Der Anwendungsbereich ist zu beachten und die Einwirkzeiten und Anwendungskonzentrationen sind einzuhalten. Bei der Verwendung von alkoholischen Desinfektionsmitteln sind die berufsgenossenschaftlichen Sicherheitsregeln zur Vermeidung von Brand- und Explosionsgefahren zu beachten. Insbesondere bei der Durchführung chemischer Desinfektionen großer Flächen sind die in den einschlägigen Arbeitsschutzvorschriften vorgesehenen Schutzmaßnahmen einzuhalten.

Sofern andere als die in den o.g. Listen aufgeführten Desinfektionsmittel verwandt werden sollen, ist ihre Wirksamkeit vor der erstmaligen Anwendung gegenüber der Gentechnikbehörde nachzuweisen."

neuere Variante:

"Zur chemischen Inaktivierung dürfen neben den in den Antragsunterlagen genannten Präparaten auch andere Desinfektionsmittel aus den Listen der vom Robert Koch-Institut (RKI) oder der von der Desinfektionsmittel-Kommission im Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) e.V. geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren verwendet werden. Näheres zu den Verfahren und Anwendungsbereichen sind den Ausführungen in den entsprechenden aktuellen Listen zu entnehmen.
Sollen andere, noch nicht in den genannten Listen aufgeführte Mittel eingesetzt werden, ist dies bei der Gentechnikbehörde vor der ersten Anwendung unter Vorlage eines Nachweises für die Wirksamkeit des Präparates bei der gewählten Konzentration und Einwirkungszeit für den jeweiligen Verwendungszweck zu beantragen."

 

Kommentar: Es werden auch die Mittel der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) akzeptiert

 

Informationen zum Arbeitsschutz bei der Verwendung von Desinfektionsmitteln

Aus Gründen des Arbeitsschutzes sind für Routinemaßnahmen die Desinfektionsmittel der VAH-Liste gegenüber den Mitteln der RKI-Liste zu bevorzugen, da hier wesentlich geringere Konzentrationen und/oder Einwirkzeiten der Mittel empfohlen werden  (Im Einzelfall ist dies von der Stabilität der verwendeten Organismen und vom Grad der Verschmutzung abhängig zu machen!). Aus dem Vorwort zur Desinfektionsmittel-Liste des RKI:

" ... Zwischen der Desinfektionsmittel-Liste des RKI und der Desinfektionsmittel-Liste des VAH bestehen insbesondere in den Angaben zur Flächen- und Instrumentendesinfektion erhebliche Unterschiede. Die Ursachen liegen in den unterschiedlichen Aufgaben der Listen und dementsprechend in den unterschiedlichen Prüfmethoden und Bewertungskriterien. Die Liste der VAH  ist in erster Linie auf die Routine (laufende Desinfektion) ausgerichtet, die Liste des RKI vornehmlich auf die behördliche angeordnete Desinfektion. Bei der Prüfung und Bewertung der Gebrauchsverdünnungen der für die routinemäßige Flächen- und Instrumentendesinfektion bestimmten Mittel werden die Testobjekte mit einer Suspension der Testkeime auf der Basis einer Nährlösung kontaminiert. Bei Prüfungen durch das RKI wird als Prüfanschmutzung der Testobjekte erregerhaltiges Blut verwendet. Außerdem sind die Mykobakterien auf Grund ihrer hohen Resistenz der Maßstab für den Wirkungsbereich A. Dadurch ergeben sich für viele Wirkstoffgruppen in der Liste des RKI höhere Konzentrationsangaben und/oder Einwirkzeiten.  ...."

 Hinweise für die Anwendung von Flächendesinfektionsmitteln:  Die Sprühdesinfektion ist aufgrund der ungünstigen umwelttoxikologischen Eigenschaften infolge der feinen Zerstäubung von Wirkstoffen und der damit verbundenen Gefahr der Allergisierung von Personal nur dann einzusetzen, wenn eine Wischdesinfektion nicht möglich ist.

Bei alkoholhaltigen (Sprüh-)Desinfektionsmitteln besteht bei großflächiger Anwendung Explosions- und Brandgefahr. 50 ml Gebrauchslösung je m² zu behandelnder Fläche und max. 2  m² dürfen nicht überschritten werden.

 

 

 

 

Zur Problematik der Viruzidie

Bitte beachten: Rundschreiben zu Desinfektionsmitteln beim Umgang mit Viren und viralen Partikeln (uni-intern)


Wie oben aufgeführt, verlangt die Genehmigungsbehörde den Nachweis der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln, wenn 

  • diese nicht in den einschlägigen Listen aufgeführt sind, 
  • wenn für gelistete Desinfektionsmittel der vorgesehene Wirkungsbereich nicht aufgeführt ist oder
  • von den dort angegebenen Konzentrationen und Einwirkzeiten abgewichen werden soll. 

Für den Umgang mit Bakterien stellt dies in der Regel kein Problem dar - üblicherweise werden die, in der VAH-Liste aufgeführten Mittel in der dort angegebenen Konzentration und Einwirkzeit verwendet. In der VAH-Liste wird  jedoch lediglich die Wirksamkeit gegenüber Bakterien und Pilzen dokumentiert, bislang nur ausnahmsweise gegenüber Viren.

In der RKI-Liste werden Mittel aufgeführt, die auch den Wirkungsbereich B (zur Inaktivierung von Viren geeignet) abdecken. Auch in der Liste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) werden Angaben zur Viruswirksamkeit gemacht. In beiden Listen sind jedoch hohe Konzentrationen und lange Einwirkzeiten der Desinfektionsmittel vorgesehen, was u.U. zu unnötigen Belastungen der Mitarbeiter durch die desinfizierenden Wirkstoffe führen kann.   Hierzu ein Auszug einer Stellungnahme der ZKBS:

"Die Liste der vom RKI geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren enthält nur staatlich geprüfte Mittel und Verfahren, die für die amtlich angeordnete Entseuchung gemäß § 10a BSeuchG bzw. § 17 IfSG (z.B. im Krankenhaus) als wirksam befunden wurden. Unter diesen Mitteln gibt es solche, die für hygienische Händedesinfektion, und andere, die für Wäschedesinfektion und Scheuer- oder Wischdesinfektion geeignet sind. Bei der Aufnahme von Desinfektionsmitteln in diese Liste und bei Festlegung der Anwendungsbedingungen wird vom Vorliegen von Bakterien bzw. Viren mit hoher Stabilität ausgegangen. Die Mittel und Verfahren der Liste berücksichtigen nicht die Anforderungen gentechnischer Laboratorien, in denen üblicherweise mit nur einem oder wenigen und gut beschriebenen Mikroorganismen umgegangen wird.
So müssen bei Arbeiten mit instabilen umhüllten Viren nicht in jedem Fall Desinfektionsmittel mit dem Wirkungsbereich B verwendet werden, was laut Nebenbestimmungen von Genehmigungsbescheiden gelegentlich gefordert wird. Desinfektionsmittel mit dem Wirkungsbereich B sind für die Inaktivierung von stabilen Viren wie Adeno-, Poliovirus und SV40 geeignet und enthalten - zumindest für die Flächendesinfektion - üblicherweise Aldehyde, die für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt nicht unbedenklich sind." (Stellungnahme der Zentralen Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) zu Hände- und Flächendesinfektionsmaßnahmen bei gentechnischen Arbeiten mit umhüllten Viren (Sicherheitsstufe 2)) 

Wird von den Angaben in der RKI-Liste abgewichen, oder soll ein Mittel der VAH-Liste (alt: DGHM-Liste) verwendet werden, das zur Viruzidie keine Angaben eingetragen hat,  muss die Wirksamkeit des vorgesehenen Desinfektionsmittels mit der beabsichtigten Konzentration und Einwirkzeit dokumentiert werden. Die Verwendung ist bei gentechnischen Arbeiten vorab bei der Behörde zu beantragen.  Die erforderlichen Gutachten werden i.d.R. von den Herstellerfirmen auf Nachfrage zur Verfügung gestellt. Hierzu gibt es folgende Informationen:

  • Viruzidie-Liste  (Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz)
    [wird von den Behörden nicht anerkannt; falls die Mittel in den anerkannten Listen nicht genannt sind, so muss vor der ersten Verwendung der Nachweis der Wirksamkeit gegenüber der Genehmigungsbehörde erbracht werden (s.o.)]
     
  • Prüfung und Deklaration der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen Viren zur Anwendung im
    human-medizinischen Bereich
    (Bundesgesundheitsbl, 2017;· 60:353–363)
  • Leitlinie der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V. und des Robert Koch-Instituts zur Prüfung von chemischen Desinfektionsmitteln auf Wirksamkeit gegen Viren in der Humanmedizin Fassung vom 07.08.2008 Bundesgesundheitsblatt (Bundesgesundheitsbl, 51, (2008) 937-945) [pdf]