Außerbetrieblicher Transport von (gentechnisch veränderten) Organismen

Anmerkung - Gefahrgutverordnung und ADR werden regelmäßig angepasst - diese kontinuierlichen Änderungen sind nicht in allen Verlinkungen eingearbeitet. In Zweifelsfällen wenden Sie sich bitte an den Gefahrgutbeauftragten.


Transport von (gentechnisch veränderten) Mikroorganismen auf der Straße

Für den Transport auf der Straße ist die Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) bzw. die Anlagen des Europäischen Übereinkommens über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) relevant. 
In Zweifelsfällen und bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an den Gefahrgutbeauftragten der Universität (bzw. des Klinikums). Beachten Sie bitte, dass alle beteiligten verantwortlichen Personen i.S.d. Gefahrgutrechts (also z.B. Absender, Transporteur und Empfänger) unterwiesen und geschult sein müssen - siehe § 6 Gefahrgutbeauftragtenverordnung und Kap. 1.3 Anlage A ADR!

Im folgenden Abschnitt wird exemplarisch auf den am häufigsten vorkommenden Fall eingegangen: Sie wollen Proben mit GVOs der Risikogruppe 1 mit Ihrem Auto von gentechnischer Anlage A  zu gentechnischer Anlage B transportieren oder als Brief bzw. Paket versenden. 

Transport von gentechnisch veränderten Mikroorganismen der Risikogruppe 1 auf der Straße

Begriffsbestimmung und Zuordnung gemäß ADR (Punkt 2.2.9.1.11): Genetisch veränderte Mikroorganismen (GMMO) und genetisch veränderte Organismen (GMO) sind Mikroorganismen und Organismen, in denen das genetische Material durch gentechnische Methoden absichtlich in einer Weise verändert worden ist, wie sie in der Natur nicht vorkommt. Sie sind der Klasse 9 (UN-Nummer 3245) zuzuordnen, wenn sie nicht der Definition für ansteckungsgefährliche Stoffe entsprechen, sie jedoch in der Lage sind, Tiere, Pflanzen oder mikrobiologische Stoffe in einer Weise zu verändern, die normalerweise nicht aus natürlicher Reproduktion resultiert.

Bem.  
  1. GMMO und GMO, die ansteckungsgefährliche Stoffe sind, sind Stoffe der Klasse 6.2 (UN-Nummer 2814, 2900 oder 3373).
(siehe Hinweis)
  2. GMMO oder GMO unterliegen nicht den Vorschriften des ADR/RID, wenn sie von den zuständigen Behörden der Ursprungs-, Transit- und Bestimmungsländer zur Verwendung zugelassen wurden..
  3. Lebende Tiere dürfen nicht dazu benutzt werden, der Klasse 9 zugeordnete genetisch veränderte Mikroorganismen zu befördern, es sei denn, diese können nicht auf eine andere Weise befördert werden. Genetisch veränderte lebende Tiere müssen nach den von den zuständigen Behörden der Ursprungs- und Bestimmungsländer festgelegten Bedingungen befördert werden.
  [Bei der Beförderung von leicht verderblichen Stoffen dieser UN-Nummer sind geeignete Hinweise erforderlich, z.B.: »KÜHLEN AUF + 2 °C / + 4 °C« oder » BEFÖRDERUNG IN GEFRORENEM ZUSTAND« oder »NICHT GEFRIEREN«.]
  Im Verzeichnis der Eintragungen werden diese Mikroorganismen und Organismen mit der UN-Nummer 3245 bezeichnet


 

FALL 1 

Falls ausgeschlossen ist, dass Ihre Organismen der Risikogruppe 1 Tiere, Pflanzen, mikrobiologische Stoffe und Ökosysteme in einer Weise verändern können, die in der Natur nicht vorkommen kann, dann fällt der Transport der GVOs nicht unter die Vorschriften der Gefahrgutverordnung Straße (GGVS/neu: GGVSEB). 

Eine Legaldefinition, um welche GVOs es sich dabei handelt, gibt es nicht. Heranziehen kann man ggf. im Analogieschluss die Kriterien des

§ 13 der Gentechnik-Sicherheitsverordnung. Hier heißt es:

(2) ...... Sonstiges Abwasser und Abfall aus Anlagen, in denen gentechnische Arbeiten der Sicherheitsstufe 1 nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Gentechnikgesetz durchgeführt werden, kann ohne besondere Vorbehandlung entsorgt werden, wenn
  a) zur Herstellung der gentechnisch veränderten Organismen als Empfängerorganismen
    aa) solche Stämme von Mikroorganismen verwendet werden, die nach folgenden Kriterien bereits der Risikogruppe 1 zugeordnet worden sind:
      aaa) sie stellen nach dem Stand der Wissenschaft kein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar,
      bbb) sie sind nicht human-, tier- oder pflanzenpathogen,
      ccc) sie geben keine Organismen höherer Risikogruppen ab,
      ddd) sie zeichnen sich aus durch experimentell erwiesene oder langfristig sichere Anwendung oder eingebaute biologische Schranken, die ohne Beeinträchtigung eines optimalen Wachstums im Fermenter die Überlebensfähigkeit und Replikationsfähigkeit in der Umwelt begrenzen und die Vektoren die Bedingungen des § 6 Abs. 5 erfüllen
        .....

   ...."

Für den Transport sollen, auch wenn dieser nicht der GGVS/GGVSEB unterliegt, Verpackungen gemäß der Verpackungsvorschrift P 650 verwendet werden, wie sie z.B. für medizinisches Untersuchungsgut üblich sind.

 

Die Außenverpackung soll mit der Aufschrift  und Raute gekennzeichnet werden:



Beispiel
(* Bauartkennzeichnung des Herstellers der Verpackung)
  • Aufschrift:
    BIOLOGISCHER STOFF, KATEGORIE B
    BIOLOGICAL SUBSTANCE, CATEGORY B

    (Buchstabenhöhe mindestens 6 mm)
  • Raute (Mindestgröße 50x50mm, Liniendicke min. 2 mm)
               

   


FALL 2 (Transport gemäß GGVS/GGVSEB)

 

Falls Sie zu dem Schluss kommen, dass Ihre GVOs unter die oben genannte Definition der Begriffsbestimmung und Zuordnung gemäß ADR (Punkt 2.2.9.1.11)  fallen (also zwar ungefährlich für Menschen und Tiere sind  - aber Tiere, Pflanzen, mikrobiologische Stoffe und Ökosysteme in einer Weise verändern können, die in der Natur nicht vorkommen kann) müssen Sie folgende Anforderungen der GGVS/GGVSEB einhalten:


  • Versandstücke sind mit einem Gefahrzettel Nr. 9 zu kennzeichnen (Kantenlänge 100 mm)
              


  • das Versandstück ist auf der gleichen Seite zusätzlich deutlich mit UN 3245 zu beschriften (z.B. neben oder unter dem Gefahrzettel)


Kennzeichnung von Kühlgut

Wenn mehr als 2,5 kg Trockeneis (pro Transportfahrzeug!) verwendet wird ist eine zusätzliche Kennzeichnung erforderlich (ADR 5.5.3)- wie unten beispielhaft gezeigt.
Auch wenn bei kleinen CO2-Mengen keine Kennzeichnung obligat ist sollte ein Hinweis in den Begleitpapieren aufgenommen werden!

Wenn Trockeneis um Versandstücke angeordnet wird, müssen Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass nach der Dissipation des Trockeneises die Versandstücke während der Beförderung in ihrer ursprünglichen Lage verbleiben.

      
    (Mindestgröße 250x150mm)
   

Aufschrift:

Stickstoff, tiefgekühlt, flüssig, als Kühlmittel
oder
Kohlendioxid, fest, als Kühlmittel

Falls eine Kühlung mit flüssigem Stickstoff erforderlich ist, so sind die Vorschriften für den Transport von flüssigem Stickstoff zusätzlich einzuhalten.
Diese sind in diesen Hinweisen nicht enthalten (z.B. zusätzlich Gefahrzettel 2.2 ).


Transport von (gentechnisch veränderten) Mikroorganismen ab der Risikogruppe 2 auf der Straße

Hinweis für den Transport von Mikroorganismen ab der Risikogruppe 2:
Vertreter der Risikogruppen 2-4 gelten generell als Gefahrgut der Klasse 6.2. Auch der Austausch von geringen Mengen von Organismen zwischen Forschungsinstituten fällt unter die Bestimmungen!

Die Klasse 6.2 ist unterteilt:

Kategorie A: Ansteckungsgefährliche Stoffe mit hohem Gefährdungspotential (Risikogruppen 3 + 4)

Kategorie B: Sonstige ansteckungsgefährliche Stoffe (Risikogruppe 2)

Als ansteckungsgefährliche Stoffe sind Organismen der Kategorie A  unter die UN-Nummern 2814 (humanpathogen) oder 2900 (tierpathogen) einzuordnen.

Ansteckungsgefährliche Stoffe der Kategorie B, die weniger schwere Erkrankungen auslösen können, sind der UN-Nr. 3373 („Diagnostische Proben“ oder „Klinische Proben“) zuzuordnen. Transportvorschriften, die ggf. über die aufgeführten Vorschriften für Organismen der Risikogruppe 1 hinausgehen,  sind im Einzelfall mit dem Gefahrgutbeauftragten abzuklären.

Proben bei denen der Verdacht besteht, dass sie ansteckungsgefährliches Material enthalten könnten, sind genauso wie ansteckungsgefährliches Material zu handhaben. Dies gilt auch bei medizinischen Verdachtsproben und medizinischen Proben zur Überprüfung des Heilerfolgs bei nachgewiesener Krankheit. Die Verpackung muss dann zwingend für die Klasse 6.2 baumustergeprüft sein, erkennbar an der Aufschrift "Klasse 6.2" nach dem 1. Schrägstrich der Verpackungszulassung (Bsp. 4G/Klasse 6.2/...). Auf die besonderen Verpackungsvorschriften in Kap. 4.1.8 ADR wird hingewiesen.


Transport von gentechnisch veränderten Mikroorganismen per Luftfracht (IATA)

In jedem Fall bitte den Gefahrgutbeauftragten der Universität (bzw. des Klinikums) vorher kontaktieren.


Allgemeine Informationen

Dienstleister:

  • Deutsche Post AG (Achtung hier werden die Links häufig geändert!)
    Regelungen für die Beförderung von von gefährlichen Stoffen und Gegenständen - Teil 1: Brief national - Stand 01.07.2013 [pdf]

  • DHL - Paket
    Regelungen für die Beförderung von gefährlichen Stoffen und Gegenständen - Teil 2: DHL Paket national - Stand 01.07.2015 [pdf]

  • DHL Express national - Teil 3 - Stand 05/2015 [pdf]
    Biologische Substanzen, Kategorie B der UN3373 Klasse 6.2 sind zum Versand durch DHL Express zugelassen. Voraussetzung hierfür ist die Anwendung der ADR Verpackungsvorschrift P650

  • TNT Express - life sciences/chemicals (diagnostische Proben, Trockeneis Sendungen, Gefahrgut) - Stand 18.04.2012 [pdf]