Klassische Archäologie
(Abteilung I)

Fach

Fach

Die Klassische Archäologie beschäftigt sich mit der materiellen Kultur der griechisch-römischen Antike, besonders mit den Zeugnissen der bildenden Kunst und der Architektur. Als Teil der Altertumswissenschaft, beschäftigt sie sich mit den antiken Kulturen des Mittelmeerraumes und bemüht sich um die Rekonstruktion und das Verständnis der vergangenen Zivilisationen in ihren vielfältigen Kulturäußerungen. Die Klassische Archäologie widmet sich der Kunst, Kultur und Zivilisation der griechischen und römischen Antike, soweit sie durch Monumente überliefert sind, und umfaßt darüber hinaus die mit der griechisch-römischen Welt verflochtenen Mittelmeerkulturen.

Der zeitliche Rahmen reicht von der Ägäischen Bronzezeit (3. Jt. v. Chr.) bis in die frühchristliche Spätantike (5./6. Jh. n. Chr.).  Zum Gegenstand der Klassischen Archäologie gehören auch das Nachleben der Antike und ihre eigene Wissenschaftsgeschichte.

Der Campus Westend bietet beste Voraussetzungen für das Studium der Klassischen Archäologie. Neben den großen Bibliotheksbeständen stehen für Lehre und Forschung eine bedeutende Abguss- und Originalsammlung sowie eine umfangreiche Media- und Fotothek zur Verfügung. Praktische Erfahrungen, die für zukünftige berufliche Tätigkeiten von Relevanz sind, können durch die regelmäßig angebotenen Exkursionen und Lehrgrabungen sowie durch den am Institut für Archäologische Wissenschaften angesiedelten Schwerpunkt Archäometrie gesammelt werden. Zahlreiche Kooperationen, u.a. mit der Antikensammlung des Liebieghauses, ergänzen das vielfältige Angebot. In die internationalen Forschungs- und Grabungsprojekte (z.B. Olbia, Priene, Augusta Treverorum) werden die Studierenden gezielt eingebunden. 

Einen großen Standortvorteil bildet auch das außergewöhnlich breite Spektrum an archäologischen und altertumswissenschaftlichen Nachbardisziplinen, die an der Goethe-Universität vertreten sind. 
Klassische Archäologie kann in Frankfurt als Haupt- und Nebenfach (BA und MA) studiert werden. Der Bachelorstudiengang im Hauptfach ist – deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal – als Einzeldisziplin-Studiengang mit einer achtsemestrigen Studiendauer konzipiert, während der MA-Studiengang zwei Semester umfasst. Nationale und internationale Hochschulmobilität sind durch Äquivalenzregelungen gewährleistet.

   

Sog. Perserlekythos, Originalsammlung der Klassischen Archäologie,
Inv.Nr. 132

 
 

Geschichte

Geschichte

Im Jahre 1914 wurde die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt gegründet und mit ihr das Archäologische Institut. Im Jahr 2001 konnte das Institut seine neuen Räumlichkeiten auf dem Campus Westend im ehemaligen I.G. Farben-Gebäude beziehen. Die Studienbedingungen und die fachübergreifende Forschung konnten durch die Zusammenfassung der Bibliotheken aller Altertumswissenschaften im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften deutlich verbessert werden. Mehrere Ausgrabungs- und Forschungsprojekte erweiterten und erweitern die Ausbildungsmöglichkeiten für die Studierenden um die vielfältigen Aspekte praktischer Feldforschung. Auch die Originalsammlung am Institut und die enge Zusammenarbeit mit dem Liebieghaus, Skulpturensammlung (Vinzenz Brinkmann), bieten die Gelegenheit zu praxisorientiertem Lehren und Lernen. Die Abguss-Sammlung in einem eigens konzipierten Saal konnte dank großzügiger privater Spenden weiter ausgebaut werden. Mit seinen Einrichtungen und Projekten bietet der Studiengang Klassische Archäologie seinen Studierenden ein breites Lehrangebot, das in der engen Verbindung von Feldforschung und akademischer Ausbildung die Archäologie als „Wissenschaft von den materiellen Hinterlassenschaften alter Kulturen“ lebendig macht. 


Im Wintersemester 2003/04 haben sich die archäologischen Fächer an der Goethe-Universität, die zuvor auf zwei Fachbereiche aufgeteilt waren, zu einem gemeinsamen „Institut für Archäologische Wissenschaften“ zusammengeschlossen. Die drei Abteilungen liegen räumlich nahe beieinander im I.G. Farben-Haus; ebenso ihre Bibliotheken. Sie waren darüber hinaus gemeinsam am Graduiertenkolleg „Wert und Äquivalent“ beteiligt; zusammen mit den Ethnologen der Goethe-Universität und den Klassischen Archäologen an der TU Darmstadt. Der Zusammenschluß unter Wahrung der Fachidentitäten ermöglicht eine vereinfachte und effizientere Organisation gemeinsamer Lehr- und Forschungsaktivitäten und bewirkt eine deutlichere Außenwirkung, die der wissenschaftlichen Bedeutung der archäologischen Forschung entspricht. Alle Abteilungen besitzen neben ihren Lehr- und Forschungseinrichtungen Studiensammlungen verschiedener Art.


1914 - 1930

Im Jahre 1914 wurde die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt gegründet und mit ihr das Archäologische Institut. Die Klassische Archäologie war zu dieser Zeit das einzige archäologische Fach. Aufgabe des ersten Lehrstuhlinhabers sollte die "Begründung eines archäologischen Seminars mit Bibliothek und Studiensammlung, voraussichtlich die Aufstellung, Verwaltung und Mehrung einer Abguss-Sammlung" sein.
Hans Schrader, der schon an den Ausgrabungen von Priene in Kleinasien teilgenommen hatte und zum Zeitpunkt seiner Berufung Direktor der kaiserlichen Antikensammlungen in Wien war, wurde erster Lehrstuhlinhaber in Frankfurt. In seiner Zeit gelang ihm der Ausbau der Abguss-Sammlung, deren Grundstock aus den Gipsabgüssen antiker Plastik des Städelschen Kunstinstitutes bestand. Diese Sammlung wurde in einem Museumsraum in unmittelbarer Nähe des Institutes im Jügelhaus an der Mertonstraße eingerichtet und bildete die Grundlage für die wissenschaftlichen Arbeiten Schraders, die vor allem um den Themenkomplex griechischer Plastik kreisten.

1930 - 1941

1930 wurde Schrader emeritiert, bis zur Berufung seines Nachfolgers Ernst Langlotz aus Jena 1933 vertrat ihn Walter-Herwig Schuchhardt. Ernst Langlotz hatte mit seiner Dissertation zur rotfigurigen Vasenmalerei Grundlagenarbeit am chronologischen Gerüst der griechischen Kunst geleistet und legte seinen Forschungsschwerpunkt vor allem auf die griechische Plastik. Seine Amtszeit war nicht zuletzt durch den Kampf gegen dauernde Mittelkürzungen und Einschränkungen des Institutsbetriebes geprägt.

1941 - 1956

1941 wurde Langlotz nach Bonn berufen, sein Nachfolger in Frankfurt wurde Guido Freiherr von Kaschnitz-Weinberg.Mit der Lehrstuhlbesetzung durch Kaschnitz aus Marburg (früher Königsberg), dem Ehemann von Marie Luise Kaschnitz, gelang die Berufung eines dem nationalsozialistischen Regime gegenüber notorisch skeptischen Gelehrten. Er galt als führender Vertreter der "deutschen Strukturforschung", die bis in die 60er Jahre eine wichtige Rolle in den Geisteswissenschaften spielte. Es gelang ihm, in der Kriegs- und Nachkriegszeit den Institutsbetrieb unter schwierigsten Bedingungen zu stabilisieren, wobei er Lehrveranstaltungen zeitweise in seinem Haus in Kronberg durchführte, nachdem die Universität weitgehend ausgebombt war. Seit 1949 war Kaschnitz mit der Aufgabe betraut, inoffiziell die Rückgabe der unter internationaler Verwaltung stehenden Abteilung Rom des Deutschen Archäologischen Instituts an die soeben begründete Bundesrepublik vorzubereiten. Während der dadurch bedingten Abwesenheit wurde er von Ernst Homann-Wedeking, Heinz Kähler und Herman Hafner vertreten.

1956 - 1973

1956 kam Gerhard Kleiner, zur Zeit seiner Berufung 2. Direktor des Deutschen Archäologischen Institutes in Istanbul, nach Frankfurt. Kleiners Schwerpunkt lag im Bereich der bislang vernachlässigten hellenistischen Kunst. Er war Grabungsleiter in Milet und arbeitete auch in Priene. Dadurch wurde ein alter Arbeitsschwerpunkt Schraders wieder aufgegriffen, mehrere Dissertationen über kleinasiatische und besonders milesische Themen ergaben sich damals und in der Amtszeit seines Nachfolgers Hans von Steuben aus dieser Verbindung. 1961 konnte das Institut die Räumlichkeiten in einem neuen Bau an der Gräfstraße beziehen. Die Abteilung für Vorderasiatische Archäologie, für die Thomas Beran, ebenfalls aus Istanbul, gewonnen wurde, konnte 1962 eingerichtet werden. Sie eröffnete für DozentInnen und Studierende fruchtbare Perspektiven der fachübergreifenden Forschung und Lehre.

1973 - 1996

1973 wurde Hans von Steuben nach Frankfurt berufen. Schwerpunkt seiner Forschung und Lehrtätigkeit war die Beschäftigung mit der griechischen Kunst, insbesondere der Plastik, unter den verschiedensten kulturhistorischen Aspekten. Bis zur Berufung des Darmstädter Bauforschers W. Müller-Wiener zum Direktor des Deutschen Archäologischen Institutes in Istanbul und Grabungsleiter von Milet übernahm von Steuben kommissarisch die Leitung der Grabung, während Dr. Peter Hommel die Ausgrabungen vor Ort weiterführte.

Seit 1996

Von 1996 - 2015 hatte Wulf Raeck den Lehrstuhl für Klassische Archäologie an der Goethe-Universität inne. Anja Klöckner ist seit 2016 seine Nachfolgerin.


Literatur: 
M. Herfort-Koch - U. Mandel - U. Schädler (Hrsg.), Begegnungen: Frankfurt und die Antike (1994) S. 337-388.
W. Raeck, Gründung eines Instituts für Archäologische Wissenschaften an der J.-W. Goethe-Universität, Archäologisches Nachrichtenblatt 10, 2005, 275 f

Personen

Personen

Professoren

 

Prof. Dr. Anja Klöckner

 

Lehrstuhlinhaberin, Klassische Archäologie

kloeckner@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.514
Tel.: 069/798 32313 (Sekr.)
Fax: 069/798 32314

Vom 1.10.19-30.9.20 Senior Fellowship am Wissenschaftskolleg Greifswald (Alfried Krupp-Stiftung)

Sprechstunden: 
nach Vereinbarung


 

Apl. Prof. Dr. Vinzenz
Brinkmann

 

Leiter der Antikensammlung der Liebieghaus Skulpturensammlung

brinkmann@liebieghaus.de
Liebieghaus Skulpturensammlung
Schaumainkai 71
60596 Frankfurt am Main

Sprechstunden: 
nach Vereinbarung


 

Apl. Prof. Dr. Jochen 
Fornasier

 

Vertreter des Lehrstuhls für Klassische Archäologie vom 1.10.19-30.9.20
Leiter des deutsch-ukrainischen Kooperationsprojektes in Olbia Pontike

fornasier@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.511
Tel.: 069/798 32305
Fax: 069/798 32314

Sprechstunden: 
Mi 15-16 Uhr und nach Vereinbarung



Sekretariat

  Dr. Heike Richter        

Sekretariat

arch.institut@uni-frankfurt.de
Raum 5.553
Tel.: 069/798 32313
Fax: 069/798 32314

Öffnungszeiten: 
Mo-Do: 08:30-12:30 Uhr



Wissenschaftliche Mitarbeiter

   PD Dr. Axel Filges   

Akademischer Rat
Modulbeauftragter BA- und MA-Studiengang
Erasmus Departmental Coordinator 
PONS-Beauftragter

a.filges@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.552
Tel.: 069/798 32311
Fax: 069/798 32314

Sprechstunden: 
Do 14-15 Uhr und nach Vereinbarung


  Dr. Matthias Recke  

Kustos der Antikensammlung und des Skulpturensaals

recke@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.513
Tel.: 069/798 32301
Fax: 069/798 32314

Sprechstunden: 
Do 14-15 Uhr und nach Vereinbarung


  Florian Schimpf M.A.   Wissenschaftlicher Mitarbeiter

f.schimpf@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.552
Tel.: 069/798 32311
Fax: 069/798 32314

Sprechstunden: 
nach Vereinbarung



Projektmitarbeiter / Lehrbeauftragte

  Nathalie Burg M.A.  

assoziierte Doktorandin Graduiertenkolleg "Wert und Äquivalent"

mail@nathalie-burg.de
Raum 5.512
Tel.: 069/798 32303


  Christina Hanzen M.A.  

Doktorandin Graduiertenkolleg "Wert und Äquivalent"

hanzen@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.512
Tel.: 069/798 32303


  Dr. Işıl Işıklıkaya-Laubscher  

Lehrbeauftragte

isiklikaya@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.512
Tel: 069/798 32303
Fax: 069/798 32314

Sprechstunden: nach Vereinbarung


  Dr. Ute Kelp  

Projekt Trierer Grabdenkmäler

kelp@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.451
Tel.: 069/798 32276
Fax: 069/798 32314

Sprechstunden: 
Di 14-16 Uhr und nach Vereinbarung


  Dr. des. Thomas Knosala  

 T.Knosala@gmx.net
Raum 5.512
Tel.: 069/798 32303


  Dr. des. Ulrike Wolf  

Lehrbeauftragte

u.wolf@em.uni-frankfurt.de
Raum 5.516
Tel.: 069/798 32292

Sprechstunden: 
Mo 14-15 Uhr und nach Vereinbarung



Gastwissenschaftler

  PD Dr. Alla V. Bujskich            

Gastdozentin im Sommersemester 2017


  Prof. Dr. Gezim Hoxha     

Qendra e Studimeve Albanologjike
Instituti i Arkeologjisë
Sheshi "Nënë Tereza"
Tirane
Albanien


  Prof. Dr. Astrid Lindenlauf     

Gastdozentin im Wintersemester 2018/19
Bryn Mawr College, Dep. of Classical
and Near Eastern Archaeology 
Pennsylvania USA

Sprechstunden: nach Vereinbarung (alindenlau@brynmawr.edu)


  Dr. Irina Schejko    

Gastwissenschaftlerin im Wintersemester 2018/19

DAAD Forschungsstipendium (Januar – März 2019)
Institut für Archäologie der Nationalakademie der Wissenschaften der Ukraine (Kyiv)

c/o
Raum 5.511
Tel. 069/798 32305



Studentische Hilfskräfte

       
Giuseppe Carola   Mareike Chudaska   Elsa Wellmann-Gilcher
       
Anna Pfeiffer   Selina Pohl   Yorum Tuzcu
 

   

hiwis.kla.frankfurt@gmail.com
Raum 5.551 (Mediathek)
Tel.: 069/798 32309

Öffnungszeiten: 
Mo-Fr 
gemäß Aushang [PDF]

Jakob Unterhinninghofen        
 


Bildstelle

  Birgitta Schödel            

Bildstelle, Photographin
Raum 0.513

schoedel@em.uni-frankfurt.de
Tel.: 069/798 33220
Fax: 069/798 32314


 

Sascha Biedermann B.A.

 

Bildstelle
Raum 0.515

s.biedermann@em.uni-frankfurt.de
Tel.: 069/798 33216
Fax: 069/798 32314



Emeriti

 

Prof. Dr. Wulf Raeck

 

Lehrstuhlinhaber i.R.

w.raeck@em.uni-frankfurt.de
Tel.: 069/798 32313 (Sekr.)
Fax: 069/798 32314

Sprechstunden: 
nach Vereinbarung


Prof. Dr. Peter Cornelis Bol († 19.7.2012)

Nachruf


Prof. Dr. Götz Lahusen (apl.) († 30.5.2008)
Lahusen, Römische Bildnisse, ungekürzte Bibliographie

Nachrufe:


Prof. Dr. Hans von Steuben († 27.7.2008)

Nachrufe:

  • Unireport 8, 2008
  • Gnomon 81, 2009, 766 f.
  • Archäologisches Nachrichtenblatt 14, 2009, 89 f.


Ehemalige Mitarbeiter

  Dr. Nadin Burkhardt  

Wissenschaftliche Mitarbeiterin (2008-2017)

seit 1.3.2017 Juniorprofessorin an der KU Eichstätt

nadin.burkhardt@ku.de


  Dr. Karl-Uwe Mahler  

Projekt Trierer Grabdenkmäler (2016-2019)

seit 15.02.2019:
Stabsstelle UNESCO-Welterbe Trier
Generaldirektion Kulturelles Erbe
Rheinland-Pfalz

karl-uwe.mahler@gdke.rlp.de


  Dr. Ursula Mandel  

Kustodin a. D.

u.mandel@em.uni-frankfurt.de
Tel.: 069/798 32313 (Sekr.)
Fax: 069/798 32314


  Dr. Britta Rabe  

Wissenschaftliche Mitarbeiterin (2016-2017)

seit 2018 Referentin beim Komitee für Grundrechte und Demokratie


  Dr. Andrea Salcuni
 

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (2016-2018)

andreasalcuni@libero.it


  Dr. Marta Scarrone  

Wissenschaftliche Mitarbeiterin (2014-2016)

marta.scarrone@libero.it


   Dr. Michaela Stark  

Projekt Trierer Grabdenkmäler (2016-2018)

Seit 1.4.2018 Kustodin an der JLU Gießen

Michaela.Stark@archaeologie.uni-giessen.de


Apl. Prof. Dr. Haritini Kotsidu


Sammlungen

Sammlungen

Abguss-Sammlung

Zu den Sammlungen der Klassischen Archäologie gehört eine repräsentative Abguss-Sammlung. Sie ist nahe den Räumlichkeiten der Abteilung im I.G. Farben-Haus im 7. OG in einem großen Oberlichtsaal untergebracht (Raum 7.511). Die Sammlungsbestände werden u.a. in der Lehre eingesetzt; hier werden die Studierenden direkt an das Objekt und seine Geschichte herangeführt. Die Möglichkeiten der Einbindung in die Lehre sind vielfältig, insbesondere bei der Einübung vergleichender Formanalyse: In einer Abguss-Sammlung können antike Skulpturen ganz unterschiedlicher Standorte versammelt und unter gleichen Wahrnehmungsbedingungen ringsum betrachtet werden, was so in keinem Museum möglich ist. Die Frankfurter Abguss-Sammlung ist eng mit der Universitätsgeschichte verbunden und spiegelt die Entwicklung der Forschungsschwerpunkte im Fach Klassische Archäologie wider.

Den Grundstock bildete die städtische Sammlung von Gipsabgüssen antiker Statuen des Städel'schen Kunstinstitutes, die bei der Gründung der Universität in deren Besitz überging. Hans Schrader als erster Lehrstuhlinhaber der Klassischen Archäologie konnte erreichen, dass die Abgüsse in einem eigens geschaffenen Oberlichtsaal des Hauptgebäudes der Universität untergebracht wurden. Universität und Stadt schrieben einen Etat zu deren Unterhalt und Vermehrung fest. In Schraders Konzept zum Ausbau der "klassizistischen" Städel'schen Abguss-Sammlung zeigen sich deutlich die ästhetischen Maßstäbe seiner Generation: Der zuerst durch die Parthenonskulpturen erweckte und durch die Funde der großen Ausgrabungen des späten 19. Jhs. geförderte Sinn für griechische „Originale“ setzte sich seit Beginn des 20. Jhs. auch bei den klassischen Archäologen durch. Schrader, der selbst in Athen an der Veröffentlichung der archaischen Marmorplastik von der Akropolis mitwirkte, schaffte überwiegend Abgüsse von Werken der Archaik, des Strengen Stils und der Hochklassik an. Seine lange Abwesenheit aus Krankheitsgründen führte jedoch dazu, dass die Sammlung in kurzer Zeit durch konkurrierende Interessen aus ihren Räumen gedrängt wurde. Die Universität reklamierte 1931 die Stellfläche der Abgüsse für sich und ordnete deren Magazinierung in angemietete Räume der Unions-Druckerei an der Bockenheimer Landstraße an.

Trotz intensiver Bemühungen konnte Ernst Langlotz, der in den Jahren 1933-1940 den Lehrstuhl in der Nachfolge Schraders innehatte, keine angemessene Unterbringung erreichen. In diesem Zustand ist dann eine der ältesten und reichsten Abguss-Sammlungen Deutschlands bei dem schweren Bombardement 1944 zugrunde gegangen. Erhalten blieben lediglich die am ursprünglichen Standort verbliebenen, in die Wand eingemauerten Teile des Parthenonfrieses, die, nachdem sie der Obhut des Archäologischen Instituts entzogen waren, durch mehrfache Übertünchung ihren archäologischen Wert inzwischen eingebüßt haben. Guido Kaschnitz von Weinberg hat unmittelbar nach dem Krieg den Grundstock einer neuen Abguss-Sammlung gelegt.

Die Nachfolger Gerhard Kleiner, Hans von Steuben und Wulf Raeck haben die Sammlung gemäß ihren Grabungs- bzw. Forschungsaufträgen insbesondere durch Beispiele archaisch-milesischer, attisch-klassischer und hellenistisch-pergamenischer Plastik ergänzt. Unter der Obhut der Kustoden Peter Hommel und Ursula Mandel ist die Sammlung bis heute auf über 200 Stücke angewachsen. Da das Institut seit den Kriegsjahren keinen Etat mehr zur Vermehrung einer Abguss-Sammlung zur Verfügung hat, sind es neben der Vereinigung von Freunden und Förderern der Universität vor allem private Spender, die diesen Zuwachs ermöglichen.

Abbildungsnachweise:

  • links: Kopf der Athena aus dem Giebel des Peisistratidentempels, Athen, Akropolismuseum, Inv.Nr. 631 A, Gipsabguss aus Athen
  • mittig: sog. Peploskore,  Athen, Akropolismuseum, Inv.Nr. 679, Gipsabguss aus Athen
  • rechts: Porträt der Julia Domna aus Porcigliano, München, Glyptothek, Inv.Nr. 354, Gipsabguss aus München

Originalsammlung

Neben der Abguss-Sammlung besitzt das Fach Klassische Archäologie auch eine Originalsammlung, die ebenfalls im I.G. Farben-Haus, im 7. OG, in Raum 7.506 untergebracht ist. Zum Grundstock der Sammlung wurden 58 Scherben aus Griechenland: 30 Scherben erhielt Hans Schrader 1918 aus dem Akademischen Kunstmuseum in Bonn; 28 Scherben sandte W. Weber dem ehemaligen Frankfurter Kollegen. Die ersten bedeutenden Stücke kamen 1924 in die Sammlung, zwei attische weißgrundige Lekythen von der Hand des Achilleusmalers und eines Schülers, die Schrader aus persönlichen Mitteln und mit Hilfe von Spenden gekauft hatte. Bis in die mittleren fünfziger Jahre wurde die Sammlung um eine bunte Reihe von Terrakotten, Kleinbronzen, Gefäßen, weiteren Scherben, Lampen und kleineren Skulpturenfragmenten bereichert. Aus dem Besitz Felix Böltes, dessen Nachlaß nach dem Krieg ans Althistorische Seminar gegangen war, kam eine Sammlung griechischer Scherben hinzu, die er von seinen Reisen mitgebracht hatte.
Mit dem Amtsantritt Gerhard Kleiners 1956 setzten wichtige und gezielte Ankäufe, z.T. mit Hilfe von Berufungsgeldern, ein. Zusammen mit K. Parlasca und P. Hommel gelang es Kleiner, den weißgrundigen Lekythen qualitätvolle und repräsentative Beispiele geometrischer, archaisch-schwarzfiguriger, klassisch-rotfiguriger und hellenistischer Keramik an die Seite zu stellen. Im Hinblick auf die Forschungen in Milet wurden außerdem kleinasiatische Objekte erworben, von der orientalischen Bronzeschale bis zur hellenistischen Formschüssel. In Kleiners Zeit fiel die Veröffentlichung eines Teils der Vasensammlung des Instituts im ersten Frankfurter Band des Corpus Vasorum Antiquorum durch K. Deppert. Kurz vor Kleiners Emeritierung erhielt das Institut von dem Historiker Otto Vossler eine reiche Sammlung mykenischer Gefäßscherben und Terrakottafragmente aus Böotien als Geschenk.
Unter Hans von Steuben schließlich gelang eine Bereicherung der kleinen Skulpturensammlung um zwei bedeutende Kopffragmente: das Gesichtsfragment eines griechischen Philosophenportraits in römischer Kopie und das Fragment eines kolossalen Bildnisses vielleicht des Oktavian aus Kleinasien. Diese Skulpturen konnte das Archäologische Institut zusammen mit einer Auswahl an Kleinkunst und Keramik 1991 im Liebieghaus, Museum Alter Plastik, in Frankfurt zeigen; zur Ausstellung erschien ein Katalog von P. Hommel.

Führungen in der Originalsammlung nach Anmeldung:
Dr. Matthias Recke, Archäologisches Institut, 
Raum 5.513
Recke@em.uni-frankfurt.de
Tel. 069/798 32301

Literatur:
P. Hommel, Antike Kleinkunst aus der Sammlung des Archäologischen Instituts der Universität Frankfurt (1991).
U. Mandel in: Begegnungen: Frankfurt und die Antike (1994) S. 389 ff.
K. Deppert, Corpus Vasorum Antiquorum Frankfurt 1 (1964).
S. Mayer-Emmerling - A. von Mettenheim, Corpus Vasorum Antiquorum Frankfurt 4 (1994).
P. A. Mountjoy, The Johann Wolfgang Goethe University Collections: The Mycenean and the Minoan Pottery (2008).

Abbildungsnachweise:

  • Glasierter römischer Becher (urspr. Slg. Rexroth) aus der Originalsammlung FFM
  • Scherbe einer mykenischen Tasse, LHIIIB, 2. Drittel 2. Jtd. v. Chr., Originalsammlung FFM
  • Hellenistische Münze aus Priene mit dem Kopf der Athena, Museum Milet (Türkei)

Photothek

Die Photosammlung der Klassischen Archäologie umfaßt ca. 15.200 Photopappen und ist hauptsächlich im I.G. Farben-Haus, im 5. OG, Q 5, in Raum 5.506 untergebracht.
Die Sammlung ist nach dem Zweiten Weltkrieg vom Lehrstuhlinhaber Guido Kaschnitz von Weinberg aufgebaut worden und seitdem ständig erweitert und gepflegt worden. Eine Besonderheit sind Hunderte Photographien griechischer Landschaften aus dem frühen 20. Jh., die der Frankfurter Gymnasialpädagoge und historische Geograph Felix Bölte aufgenommen hat. Die Photopappen ergänzen den in Fachbüchern publizierten Denkmälerbestand und können daher in Forschung und Lehre Verwendung finden.

Zugang nur nach Anmeldung: 
Dr. Matthias Recke, Archäologisches Institut, 
Raum 5.513
Recke@em.uni-frankfurt.de
Tel. 069/798 32301

Forschung

Forschung

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