Forschungswerkstatt

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Forschung erleben

Icon-Geistes-Sozialwiss-Hochschulmodul

Der Modulteil Forschungswerkstatt vereint zwei unterschiedliche Veranstaltungsformate:

(1) In der Übung „Forschungslabor“ stellen unterschiedliche Fachlehrende beispielhaft Themen aus Forschungsprojekten ihrer Fachdisziplinen vor. Sie als Studierende vollziehen im Rahmen von Kurzworkshops in Text- und Objektarbeit den fachspezifischen Forschungsprozess nach und erwerben so grundlegende analytische Kompetenzen. Die Hands-On-Perspektive ermöglicht Ihnen das praxisnahe Kennenlernen eines Faches.

(2) In der Vortragreihe „Werkstattbericht“ präsentieren ForscherInnen unterschiedlicher Disziplinen ihren Forschungsalltag und aktuelle Forschungsprojekte. Sie gewinnen so Einblick in fachspezifische Forschungsobjekte sowie wissenschaftliche Fachkulturen und Herangehensweisen und lernen, wissenschaftliche Argumentationen nachzuvollziehen.

Es erwarten Sie Workshops und Vorträge aus den Gebieten der Sportwissenschaft, Allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft, Erziehungswissenschaften, Geschichte, Romanistik, Ethnologie sowie weiteren Fachgebieten.

ToDo (Anforderungen Studienordnung)

Lt. Studienordnung hat der Modulteil Forschungswerkstatt 2 SWS und 2 CP. Diese verbringen Sie in den unten stehenden sieben Vortragterminen sowie Workshops. 

Für den Abschluss des Modulteils sind zwei annotierte Protokolle (Handreichung siehe OLAT-Kurs Werkstattbericht) aus der Vortragsreihe „Werkstattbericht“ oder eine Quellen-/Text-Analyse mit Reflexionsteil zu einer Übungseinheit im „Forschungslabor“ als Artefakt Ihres Portfolios (siehe Portfolio-Workbook im OLAT Kurs GO GuS) notwendig.


Termine: 

Die Vortragsreihe "Werkstattbericht" wird 2024 Di 16-18h an folgenden Terminen stattfinden: siehe LSF.

Werkstattbericht

Termine/Programm Werkstattbericht

Das unten stehende Programm mit Terminen, Vortragenden und Workshoptiteln finden Sie zudem hier im Vorlesungsverzeichnis.

Hier ist das Programm des Sommersemesters 2023:

Programm 2024 wird bis Mitte März hier eingestellt

Detailinformationen zu den Vorträgen Werkstattbericht 2023

13.04.2023, 16-18 Uhr, Hörsaalzentrum Westend HZ 13

“…now, we're at that point where we're going to be telling the stories." Selbstrepräsentation und Dekolonialisierung im indigenen NordamerikaSeit einigen Jahren ist ‚Dekolonialisierung' ein Begriff, der für das steigende Selbstbewusstsein indigener Gruppen und Individuen steht. Er meint im Kern, dass koloniale Darstellungen durch indigene Perspektiven ersetzt oder zumindest darum ergänzt werden müssen. Während die damit verbundene Selbstrepräsentation in Museen relativ neu ist, ist diese schon lange ein zentraler Bestandteil „indianischer Kunst“. Der Werkstattbericht wird diese beiden Bereiche verknüpfen und über ethnologische Forschung dazu berichten. Dabei ist die ethnologische „Werkstatt“ groß und beinhaltet u. a. Reisen nach South Dakota, Besuche im Field Museum Chicago und Kooperationen mit dem Weltkulturen Museum Frankfurt.
20.04.2023, 16-18 Uhr, Hörsaalzentrum Westend HZ 9

Die Interaktion von Sprachen in dem bilingualen Mind: Unsere Forschung am Romance Lab


Jeder von uns hat schon Erfahrung mit dem Lernen einer Fremdsprache und der Beobachtung, dass es wahrscheinlicher ist, Fehler in einer Fremdsprache als in einer Erstsprache zu machen. Ziel dieser Veranstaltung ist es zu zeigen, warum dies der Fall ist. Im Besonderen werden wir feststellen, dass es sehr wichtig ist, diese Fehler zu verstehen, um daraufhin zu sehen, wie die Sprachen eines mehrsprachigen Menschen im Kopf repräsentiert werden und miteinander interagieren. Diese Interaktion verursacht dennoch nicht nur Fehler, sondern kann in einigen Fällen den Prozess des Fremdsprachenlernerns beschleunigen.

27.04.2023, 16-18 Uhr, Hörsaalzentrum Westend HZ 9
H.C. Andersens märchenhaften Unterwasserwelten

Ökologische Perspektiven auf literarische Texte sind eines der aktuell dynamischsten literaturwissenschaftlichen Forschungsfelder. Unter den damit verbundenen theoretischen Ansätzen sind die sogenannten blue humanities eine Strömung, die sich dem lange vernachlässigten Meer zuwendet.

Die skandinavische Literatur war immer schon in besonderer Weise auf das Meer bezogen. Mein Vortrag geht der Frage nach, welche Erkenntnisse sich für die Lektüre bekannter literarischer Texte ergeben, wenn wir sie aus einer Perspektive der blue humanities betrachten. Am Beispiel von Hans Christian Andersens Märchen Den lille Havfrue (Die kleine Meerfrau, 1837) und Den store Søslange (Die große Seeschlange, 1872) tauchen wir in literarische Unterwasserwelten ein und Sie erfahren, wie Skandinavist*innen forschen.

04.05.2023, 16-18 Uhr, Hörsaalzentrum Westend HZ 9

„Wie ich mir, so ich dir“: Der Einfluss des Stress Mindsets von Führungskräften auf ihr Führungsverhalten 
Eine gute Führungskraft sollte auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden eingehen und ihre verschiedenen Fähigkeiten beachten. Mitarbeitenden, die über ausreichend Energie verfügen, können beispielsweise zusätzliche Arbeitsaufgaben zugewiesen werden, während Arbeitnehmer, die bereits an ihre Grenzen stoßen, Entlastung und Unterstützung erhalten sollten. Dies setzt jedoch voraus, dass Führungskräfte das Stresslevel ihrer Mitarbeitenden richtig wahrnehmen. Personen unterscheiden sich allerdings darin, was sie unter Stress setzt, wie sehr sie gestresst sind und wie sie Stress generell bewerten, letzteres wird als so genanntes Stress Mindset bezeichnet wird. In dieser Vorlesung werden wir uns anschauen, wie das Stress Mindset der Führungskräfte ihr Führungsverhalten beeinflussen kann und einen Blick in die sozial- und organisationspsychologische Forschung werfen.

11.05.2023, 16-18 Uhr, Hörsaalzentrum Westend HZ 9

„Haß und Schmähung“: Fluch-Szenen in Franz Grillparzers Das goldene Vließ

In Dramen der Aufklärung und der Romantik nehmen Szenen der Verfluchung sowie der darin lustvoll zum sprachlich-körperlichen Ausdruck drängende Affekt des Hasses eine prominente Rolle ein. Als Ausdruck einer intensiv erlebten Emotion sind literarische Hassreden einer zeitlichen Dimension des Plötzlichen verpflichtet, scheinen nichts als ihre eigene Präsenz und Gegenwart zu kennen, in deren Sog Zukunfts- und Vergangenheitsbezug gleichermaßen gekappt werden und versinken. Trotz oder gerade auf Grund dieser Grenzsituation produzieren sie in der Literatur eine besondere sprachliche Dynamik, die sich in einer Rhetorik der Überbietung und besonderen Intensität äußert. Der Vortrag geht dem Verhältnis von Fluch- und Hassrede anhand von Franz Grillparzers Dramentrilogie Das goldene Vließ (1818-1820) nach.

01.06.2023, 16-18 Uhr, 

Qualitative Forschung und die extreme Recht. Möglichkeiten und Grenzen aus sozialwissenschaftlicher Perspektive

Die Mordserie des NSU sowie die extrem rechten Terroranschläge von Halle, Hanau und Kassel stehen für Kontinuitäten extrem rechter Hassverbrechen.  
In der neueren Forschung findet das Erstarken extrem rechter Strukturen und ihrer Gewalttaten zwar Berücksichtigung, jedoch werden hier in erster Linie quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung angewandt.  
Während sich mittels quantitativer Forschung noch relativ einfach Daten über extrem rechte und häufig gewaltbereite Strukturen erheben lassen, tun sich für qualitativ Forschende beträchtliche Hindernisse auf: Wie ist es möglich, rechte Strukturen qualitativ zu beforschen, ohne sich mit Neonazis an einen Tisch zu setzen? Welchen Gefahren setzen sich Forscher*innen aus, die zu rechten Strukturen arbeiten? Wie lassen sich methodische Herausforderungen in der Rechtsextremismusforschung überwinden? Und welche Rolle spielen die Haltung des/der Forscher*in sowie forschungsethische Aspekte? Im Vortrag werden Wege und Grenzen für eine gelungene qualitative Forschungspraxis zu extrem rechten Strukturen diskutiert und nachgezeichnet.   

15.06.2023, 16-18 Uhr, Hörsaalzentrum Westend HZ 9

Wissenschaftsphilosophie für die Sozialwissenschaften

Die Sozialwissenschaften befinden sich innerhalb der Wissenschaftslandschaft an einem seltsamen Ort. Weder ganz Naturwissenschaft (science) noch ganz Geisteswissenschaft (humanities) sind sie Grenzgänger zwischen diesen beiden Welten, denn einerseits geht es ihnen um die kausale Erklärung von sozialen Prozessen als objektiven Gegebenheiten und andererseits um das deutende Verstehen von Sinn und Bedeutung des Sozialen aus subjektiven Perspektiven. Diese Grenzposition führt zu unproduktiven Frontstellungen zwischen empirisch-analytischen Ansätzen, die mit quantitativen Methoden (Statistiken, Umfragen) und hohen Fallzahlen arbeiten, und qualitativ-interpretativen Ansätzen, die eher qualitativ (Interviews, Beobachtung) an kleinen Fallzahlen oder Einzelfällen arbeiten. In den damit zusammenhängenden Konflikten geht es letztlich um wissenschaftsphilosophische Grundfragen der Ontologie, Epistemologie und Methodologie: Wie ist die soziale Welt beschaffen? Was können wir über sie wissen? Wie gelangen wir zu Erkenntnissen über sie? Im Vortrag wird eine wissenschaftsphilosophische Perspektive vorgeschlagen, die die unterschiedlichen Paradigmen der Sozialwissenschaften produktiv verbinden könnte, indem sie den Anspruch auf Objektivität und Wahrheit mit der Perspektivität und Situiertheit des Wissens verknüpft.


Forschungslabor

Termine/Programm Forschungslabor

Sie werden über die Anmeldemodalitäten zu den Workshops per Email informiert. Die Anmeldung erfolgt über ein Prioritätenverfahren; bis zum 4.4., 12 Uhr haben Sie die Möglichkeit drei Prioritäten für Ihre 2 Workshops anzugeben.

Das unten stehende Programm mit Terminen, Vortragenden und Workshoptiteln finden Sie zudem hier im Vorlesungsverzeichnis.


Programm 2024 wird hier bis Mitte März eingestellt

Detailinformationen zu den Workshops Forschungslabor 2023

Religion und Ökologie - über Gemeinsamkeiten, Gegensätze und den Grund, warum Religion ein wichtige Rolle auf dem Weg in eine grünere Zukunft spielen könnte.


Die letzten Veröffentlichungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) haben deutlich gezeigt, dass der Umgang der Gesellschaft mit der Natur die Grenzen der Belastbarkeit unseres Planeten überschreitet. Die Folge sind Naturkatastrophen und Leid, vor allem im globalen Süden. Als offensichtliche Lösung wird immer wieder eine Neuausrichtung unseres Konsumverhaltens gefordert, also ein bewussterer Umgang mit der Natur.
Doch wie werden Menschen zum Umdenken bewegt? Nach welchem Maßstab beurteilen wir unser Verhältnis zur nicht-menschlichen Umwelt? Und welchen Blickwinkel haben religiöse Institutionen und Glaubensgemeinschaften auf diesen Vorgang?
Eine Antwort auf diese Fragen erarbeiten wir gemeinsam in einem Workshop


Die Macht der Karten – Herrschaftswissen, Kritische Kartographie, Counter Mapping


Karten sind seit jeher ein machtvolles Instrument, wenn es darum geht, Informationen räumlich darzustellen. Doch über die reine Vermittlung vermeintlich objektiver Daten hinaus dienen Karten auch dazu, Herrschaftswissen zu stützen und Kontrolle auszuüben. Der seit den 1980er Jahren im internationalen Kontext vorliegende Forschungsansatz der „Critical Cartography“ begreift Karten keineswegs als neutrale Darstellungen von Tatsachen, sondern sieht darin komplexe gesellschaftliche Konstruktionen. Hiernach folgen Karten machtvollen Konventionen und Interessen und schaffen damit erst die Tatsachen, die sie vordergründig nur abzubilden behaupten. Anschließend an die Kritik an Karten betont die Kritische Kartographie aber auch stets die Möglichkeit, das Werkzeug Karte selbst dafür einzusetzen, marginalisierten Themen und Gruppen, denen in hegemonialen Karten kein Platz eingeräumt wird, eine Möglichkeit der Artikulation zu bieten („Counter-Mapping“). Im Workshop wird die Bedeutung eines kritischen Umgangs mit Karten thematisiert sowie Prinzipien kritisch-kollektiven Kartierens vorgestellt und an Beispielen selbst praktisch erprobt.

Warum muss man sich eine Hitler-Rede anhören? 

Die Betonung liegt hier auf dem Verb. Reden sind keine rein schriftlichen, sondern naturgemäß zugleich vorgetragene Texte. Ob eine Rede gelungen ist, hängt größtenteils von dem Auftritt des Redners oder der Rednerin ab. Der Workshop nimmt Hitler als Redner in den Blick und will am Beispiel der Rundfunkansprache, die er am  21.7.1944 nach dem Stauffenberg-Attentat hielt, zeigen, warum die eingehende Auseinandersetzung mit der Tonaufnahme – zusätzlich zu den vorhandenen schriftlichen Quellen – unabdingbar ist. In drei Etappen (einführende Vortragsaufzeichnung, asynchroner Aufgabenteil, synchrone Sitzung) üben Sie den Umgang mit auditiven Quellen, einer in der
Geschichtswissenschaft noch wenig beachteten Quellengattung, und denken über deren Mehrwert nach.

Was bedeutet Bedeuten in der Literatur des Mittelalters?

In einem Roman beobachtet ein Ritter, wie ein Drache mit einem Löwen kämpft und entscheidet sich, dem Löwen zu helfen. Wie ist seine Entscheidung zu verstehen? Ein Epos erzählt vom Sturz Lucifers aus dem Himmel und beruft sich auf die Bibel, in der davon kein Wort steht – ein Widerspruch? Und wie erklärt man die ausführliche Beschreibung eines unfassbar hässlichen Bauern, an dessen Schaffung Mutter Natur unschuldig sein will?
 
Wer die entsprechenden Texte aus dem deutschsprachigen Mittelalter interpretieren will, steht vor dem Problem, es mit Gegenständen einer fremden Kultur zu tun zu haben, bei der nicht nur konkrete Sachverhalte erklärungsbedürftig sind, sondern die zudem Bedeutung auf eine andere Weise generiert, als wir das gewohnt sind. Im praktischen Umgang mit solchen Beispielen aus der mittelalterlichen Literatur sollen im Forschungslabor Einblicke in die mediävistische Arbeit mit vormoderner Dichtung gewonnen werden.  

Luxus trifft Glaube. Die Rolle von religiösem Schmuck im Alltag des Mittelalters


Schmuck war im Mittelalter nicht nur ein Luxusartikel, sondern war
auch ein Ausdrucksmittel des Glaubens. Rosenkränze, deren Perlen in
Form von Gesichtern filigran aus Elfenbein geschnitzt wurden oder
Amulette aus Gold mit magischen Sprüchen sind nur einige der Objekte,
die als Körperschmuck oder als Hilfsmittel für das Gebet verwendet
wurden. Nicht nur anhand erhaltener Objekte, sondern auch durch
zahlreiche Gemälde wird einem die Vielfalt solcher Schmuckstücke im
Mittelalter bewusst.
Die Teilnehmer*innen sollen im Workshop einen Überblick über das weite
Feld des religiösen Schmucks erhalten. Dabei sollen Fragen wie die
Funktion der Schmuckstücke und deren Verwendungskreis beantwortet
werden. Ein Museumsbesuch soll das Erlernte noch einmal vor Originalen
vertiefen und den Workshop abschließen.
   


Mose4.0 - Entwicklung einer adaktiven Lernapp für den inklusiven Religionsunterricht der Grundschule  

Digitalisierung und Inklusion zählen gegenwärtig zu den zentralen Themen der Unterrichtsforschung, Bildungspolitik und Unterrichtsplanung. Während sie lange getrennt betrachtet wurden, beginnt die Wissenschaft zunehmend,  beide Perspektiven zusammenzudenken. Im Rahmen des Workshops soll der Prototyp einer Lernapp vorgestellt werden, der im Rahmen eines Promotionsprojekts in der Religionspädagogik entstanden ist. Das besondere an der Lernapp ist, die Differenzierung in vier Lerntypen, die in einem ersten Schritt zugewiesen und dann dynamisch von der App an die Lernerfolge der schüler*innen angepasst wird.
Im ersten Teil des Workshops wird der Forschungs- und Entwicklungsprozess der App in seiner Komplexität, der Zusammenarbeit aller Beteiligten und die Fallstricke und Hürden des Prozesses vorgestellt.
Im zweiten Teil des Workshops kann die App ausprobiert werden und soll zur Diskussion anregen, was ihre Entwicklung zur Unterrichtsforschung, Bildungsdebatte und der Unterrichtsplanung beitragen kann.
   

Die "Mischehen-Debatte" von 1912 und die Rolle der Mission. Ein Lehrstück über die deutsche Kolonialgesellschaft


Im Jahr 1912 beschäftige sich der deutsche Reichstag mit dem Phänomen der sogenannten "Mischehen" zwischen deutschen KolonialistInnen und Angehörigen der kolonisierten Bevölkerung. In unserem Workshop lernen Sie zunächst die Grundzüge dieser Debatte kennen und erhalten einen Einblick in die innere Logik der deutschen Kolonialgesellschaft. Besonders spannend ist hierbei der Blick auf die Risse innerhalb der kolonialen Ordnung, die sich entlang von Themen wie der Genderordnung und der "Rassenfrage" auftaten.
In einem zweiten Schritt werden wir anhand von verschiedenen historischen Quellen den Standpunkt der christlichen MissionarInnen in der Debatte rekonstruieren und uns fragen, welchen Anteil die Mission am Entstehen des rassistisch geprägten Menschenbilds der deutschen Kolonialgesellschaft hatte.  


Migration und koloniale Vergangenheit: Neue Rahmen kollektiver Erinnerung in der marokkanischen Diaspora in Frankfurt 

 

Seit den 1960er Jahren ist die Rhein-Main-Region neben dem Ruhrgebiet Deutschlands wichtigste Zielregion für die Arbeitsmigration aus Marokko. Die wichtigste Entsenderegion dort ist wiederum das Rif, die Gebirgsregion am Rande er Mittelmeerküste im Norden Marokkos, von wo seit dem deutsch-marokkanischen Anwerbeabkommen 1963 viele Menschen als „Gastarbeiter“ in den unteren Lohngruppen angeworben wurden. Deutschland warb Arbeitskräfte an „und es kamen Menschen“ (Max Frisch). Viele der Irifiyen – Menschen aus dem Rif – sind in den vergangenen 60 Jahren Frankfurter:innen geworden, haben hier Familien gegründet, ihre Kinder sind hier geboren und aufgewachsen.

Es gibt noch eine Verbindung zwischen der Rhein-Main-Region und dem Rif. Vor genau 100 Jahren, im Jahr 1923, setzte die spanische Armee erstmals Giftgas gegen die Bevölkerung des Rif ein, das sie von Deutschland gekauft hatte, und das u.a. von der IG Farben produziert worden waren. Zuvor waren der spanischen Armee empfindliche Verluste von den Guerilla-Truppen der Rif-Republik (1921 – 1926) zugefügt worden, einem der ersten antikolonialen Staatsprojekte auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Fahne der Rif-Republik und das Porträt ihres Präsidenten Abdelkrim al-Khattabi ist in der marokkanischen Diaspora zunehmend präsent, insbesondere seit den Sozialprotesten der Hirak-Bewegung im Rif, die 2016/2017 gegen die Marginalisierung der Region auf die Straße ging und aus der Diaspora viel Unterstützung erfuhr.

Ausgehend von dem Dokumentarfilm „Marokko 1921. Ein vergessener Krieg“ wird in diesem Workshop anhand von biographisch-narrativen Interviews mit Hirak-Unterstützer:innen in Deutschland diskutiert, wie kollektive Erinnerung an koloniale Gewalt „migriert“ und an anderen Orten neue Rahmen und neue Bezugspunkte findet.

Kontakt


Dr. Johanna Scheel

Koordinatorin
Orientierungsstudium Geistes- und Sozialwissenschaften

Campus Westend | Casino 1.813 
Nina-Rubinstein-Weg 1
60323 Frankfurt am Main

Telefon +49 (0)69 798 32943

scheel@em.uni-frankfurt.de

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