Diversity-Tage 2022: Every Day is Diversity Day!

Rassismuskritik in Gesellschaft, Schule und Hochschule mit Prof. Dr. Karim Fereidooni Ruhr-Universität Bochum

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Unter dem Motto „Every Day is Diversity Day“ begehen wir den bundesweiten Diversity-Tag mit zwei thematisch verknüpften Veranstaltungstagen.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Karim Fereidooni nähern wir uns dem Themenfeld Rassismuskritik in Gesellschaft, Schule und Hochschule:

Was ist eigentlich Rassismus(kritik) und wie zeigt sich Rassismus in sozialen Räumen und Institutionen? Inwiefern sind wir alle von strukturellem Rassismus betroffen und auf welche Art sind wir persönlich involviert? Wie können wir rassismuskritisch handeln? 
Aufgeteilt auf zwei Termine im Mai und Juni erwarten uns zwei Vorträge von Prof. Dr. Karim Fereidooni mit unterschiedlichem Fokus: 

24. Mai 16:00 – 17:30, Zoom
Rassismuskritik in Gesellschaft und Hochschule

In seinem Vortrag mit dem Titel „Rassismus in Gesellschaft und Hochschule“ geht Prof. Dr. Karim Fereidooni auf ausgewählte Ergebnisse seiner Forschung zu Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen im Bildungswesen ein und wird die an ihn herangetragene (rassismusrelevante) Kritik zu seinem eigenen Forschungsprozess im Hochschulkontext thematisieren. Der Vortrag fokussiert überdies die Frage danach, warum es nach wie vor schwierig ist, über Rassismus(erfahrungen) in Gesellschaft und Hochschule zu sprechen und wie sich rassismusrelevantes Wissen in Hochschulstrukturen umsetzen lässt.

Anmeldung hier.

Kontakt: kanbicak@em.uni-frankfurt.de

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27. Juni 16:00 – 17:30, Zoom
Rassismuskritik in Gesellschaft und Schule
„Schule ohne Rassismus“? Ein Etikett, dass sich Schulen mittlerweile auf ihre Fahne schreiben können. Doch wie sieht die Realität im Referendariat und im Klassenzimmer aus? In seinem Vortrag mit dem Titel „Rassismus in Schule und Gesellschaft“ bespricht Prof. Dr. Karim Fereidooni ausgewählte Ergebnisse seiner Forschung zu „Rassismuserfahrungen im Lehrer*innenzimmer“  sowie Studien zum Thema „Rassismus im Klassenzimmer“. Auch hier stellt Karim Fereidooni die Frage danach, was es so schwierig macht, über Rassismus(erfahrungen) in Gesellschaft, insbesondere der Institution Schule, zu sprechen.  Zu diesem Vortrag laden wir ganz besonders Lehramtsstudierende ein.


Anmeldung hier.

Über die Person Prof. Dr. Karim Fereidooni

Prof. Dr. Karim Fereidooni ist Juniorprofessor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Rassismuskritik in pädagogischen Institutionen, Schulforschung und Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft und Diversitätssensible Lehrer*innenbildung.
Weitere Informationen auf der Institutsseite hier und zur Person hier.


Darüber hinaus berät Prof. Dr. Karim Fereidooni die Bundesregierung in dem Kabinettsausschuss der Bundesregierung zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus sowie im Unabhängigen Expert*innenkreis Muslimfeindlichkeit des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat. Ferner berät Professor Fereidooni das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Integration zum Thema Integration durch Bildung. Auf Einladung von Bundeskanzlerin Merkel hat Professor Fereidooni den 13. Integrationsgipfel der Bundesregierung am 09.03.2021 mit einer Keynote zum Themenfeld „Diversität gestalten, Teilhabe und Partizipation fördern: Erfolgsfaktoren für Zusammenwachsen und Zusammenhalt“ eröffnet. Am 26.11.2021 hat Prof. Dr. Karim Fereidooni den Walter-Jacobsen-Preis in der Kategorie „Innovation“ von der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung erhalten. Der Preis wurde Herrn Fereidooni für innovative Forschung und die Verankerung der Rassismuskritik in den Diskurs der politischen Bildung verliehen.

Zum Thema: Empfehlungen aus dem Gleichstellungsbüro

Die Antidiskriminierungskampagne #unboxingdiscrimination (Deutsch: Diskriminierung enthüllen) nimmt das Thema von Ausschlüssen und Vorurteilen an der Universität zu Köln in den Blick, um zu sensibilisieren und persönliche Erfahrungen von Hochschulangehörigen zu sammeln.

Unter folgendem Hashtag finden Sie ein Video, in dem einige der gesammelten Erfahrungen zu Diskriminierung im Rahmen der Kampagne geteilt werden. Akteur*innen aus dem Bereich Antidiskriminierung lesen diese vor: #unboxingdiscrimination

Inhaltswarnung: Auf den folgenden Seiten werden verschiedene Diskriminierungserfahrungen veröffentlicht und somit ggf. diskriminierende Äußerungen reproduziert.

#unboxingdiscrimination (uni-koeln.de)

Buch: Sigrid Graumann & Katrin Grüber: Ethik und Behinderung - Ein Perspektivwechsel 

Dass Menschen nicht aufgrund ihrer Behinderung benachteiligt werden, sondern gleichberechtigt teilhaben sollen, ist ein in der Verfassung wie im öffentlichen Bewusstsein als Prinzip fest verankerter politischer Grundsatz. Was aber heißt „Behinderung“? Was begründet die Norm, auf deren Grundlage beurteilt wird, wer „behindert“ ist? Wie kann ein gutes Miteinander angesichts von radikal verschiedenen (nicht-)behinderten Handlungsmöglichkeiten und unumgänglichen Unterstützungsbedarf gelingen? Und welche Rolle sollten die immensen Möglichkeiten der modernen Medizin diesbezüglich spielen? Solchen Fragen widmet sich dieser vielstimmige Band aus Sicht der säkularen Ethik, der Beiträge aus unterschiedlichsten professionellen Perspektiven und Lebenslagen aufnimmt. Er zeigt, wie bedeutend ethische Orientierung in diesem Feld ist, und er verdeutlicht einmal mehr, dass ein Nachdenken über Behinderung zugleich ein aussichtsreicher Ausgangspunkt für die Reflexion über große Fragen des menschlichen Lebens sein kann – allgemein und für alle.

Sigrid Graumann, Katrin Grüber u.a. (Hrsg.): Ethik und Behinderung: Ein Perspektivwechsel. Campus-Verlag, Frankfurt am Main, 2004 (200 Seiten).


Christoph Trüper (Referent Inklusion)

Buch: Tupoka Ogette: exit RACISM

Das Buch ist aus meiner Sicht Pflichtlektüre für alle weißen Menschen, die sich mit dem Thema Antidiskriminierung und Rassismus auseinandersetzen möchten. Die Diversity-Trainerin Tupoka Ogette bietet seit Jahren Antidiskriminierungs-Workshops an. Diese Erfahrungen hat sie für ihr Buch genutzt: Sie nimmt die Leser*innen mit auf eine Reise der Bewusstwerdung eigener Privilegien, indem sie interaktive Aufgaben stellt. Gleichzeitig bringt sie ihre Perspektive als Schwarze Frau und Mutter zweier Schwarzer Kinder in Deutschland ein und erläutert wichtige aktuelle Begriffe sowie die Geschichte von Rassismus. Die Leser*innen erhalten auf diesem Weg Anregungen für eine langfristige rassismuskritische Auseinandersetzung und für die Veränderung des eigenen Alltagshandelns. Nach der Lektüre ist es nicht mehr möglich, die eigene Verantwortung abzustreiten oder rassistische Vorfälle und Strukturen schweigend hinzunehmen oder auszublenden.

Tupoka Ogette: exit RACISM. 5. Auflage. Unrast-Verlag, Münster, 2019 (136 Seiten). Auch als Hörbuch verfügbar


Katrin Springsgut (Stellv. Leitung des Gleichstellungsbüros (Abwesenheitsvertretung), Referentin Gleichstellung)

Film: Rabbit-Proof Fence: Trailer

Als studierte Filmwissenschaftlerin schlägt mein Herz natürlich für das Kino, und auch bei der Frage nach einer Empfehlung zu den Themen Diskriminierung und Antidiskriminierung denke ich zuerst an die große Leinwand. Da das Kino - und insbesondere Hollywood - seine Underdogs liebt, ist die Liste empfehlenswerter Filme über Diskriminierung schier endlos. Blockbuster wie Harry Potter oder Disney-Filme wie Kiss the Frog erzählen die Selbstbehauptungsgeschichten ihrer geknechteten Held*innen für den Mainstream und gut zu verdauen, aber es finden sich auch unzählige Beispiele, die erschreckender, wachrüttelnder und schonungsloser verfahren: Man denke an beeindruckende Beispiele wie La HaineBoys Don't CryDistrict 9 oder Get Out

Ein weniger bekannter Film, der mich persönlich sehr berührt hat und den ich daher gern empfehle, ist Rabbit-Proof Fence. Basierend auf der realen Geschichte von Molly und Daisy Craig, gewährt der Film einen Einblick in die kaum bekannte Geschichte der Stolen Generations in Australien. Interniert als sogenannte Mischlingskinder - der Vater ein weißer Wanderarbeiter, die Mutter eine Aborigine - gelingt den Mädchen die spektakuläre Flucht und der beschwerliche Walkabout entlang des Zauns, der das Land zerteilt. Er wird zur Hilfestellung bei der Orientierung und zum Symbolbild gleichermaßen für Grenzen, Gefangenschaft und die gewaltsame Zerrissenheit.


Dr. Vera Cuntz-Leng (Referentin Öffentlichkeitsarbeit)

Buch: Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.

Passend zu dem diesjährigen Themenschwerpunkt Antidiskriminierung möchte ich das Nachschlagewerk „Wie Rassismus aus Wörtern spricht“ empfehlen. Das knapp 800 seitige Buch gleicht einem Lexikon des kolonialen Sprachgebrauchs. Wörter wie „Afrika“, „Antike“, „Europa“ oder „Kultur“ erzählen die Geschichte eines weißen, kolonialistischen und rassistischen Denkens, welches sich zu einem festen Wissensarchiv etabliert hat und durch diese Begriffe konserviert wird. Durch die Aufarbeitung der historischen Hintergründe einzelner Wörter soll eine Art Erinnerungsarbeit geschaffen werden und der Raum für die Selbstermächtigung unterschiedlicher vom Kolonialismus betroffener Gruppen eröffnet werden. Auch politische Konzepte wie „kritisches Weißsein“, „Schwarz“ und „People of Color“ sind deshalb nachzuschlagen. Für kleine Abwechslungen sorgen die Gedichte und zum Teil (je nach Perspektive) sehr lustigen sowie persönlichen Beiträge der Autor*innen.

Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Unrast-Verlag, Münster, 2019 (786 Seiten).


Dilara Kanbiçak (Referentin Diversity Policies)

Projekt: Say My Name - Playlist auf Youtube / Instagram

Ich empfehle das Projekt Say My Name, ein Video und Social Media-Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und der Kooperative Berlin.
In der Reihe Say My Name sprechen junge Frauen* auf Youtube über Fragen der Identität und Diskriminierungserfahrungen und gegenseitige Unterstützung. Es lohnt sich besonders auch dem Instagram Kanal Say My Name zu folgen, der lustige, kritische und bestärkende Inhalte teilt und auf dem regelmäßig Begriffe aus dem Fachdiskuss rund um Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit erklärt werden.


Jana Arnold (Referentin Antidiskriminierung (Antidiskriminierungsstelle))

Podcast: Tupoka Ogette: Tupodcast - Link

Tupodcast ist ein Podcast der Anti-Rassismustrainerin, Aktivistin undAutorin Tupoka Ogette. Was gibt es zu hören: Gespräche zwischen Schwarzen Frauen* übers (Über-)Leben, Lieben, Entdecken, (Er-) schaffen, (Er-) kämpfen, (Er)-erforschen Inspirieren und Schreiben. Es wird gesprochen über Widerstand und Heilung, über Trauer und Hoffnung. und über Rassismus und Empowerment.


Sara Schlichting (Referentin Familien-Service)

Buch: Caroline Criado-Perez: Unsichtbare Frauen

Caroline Criado-Perez ist eine britische Journalistin, Autorin, Feministin, Aktivistin und Trägerin des britischen Ritterordens OBE. Bekannt wurde sie als Mitbegründerin der Website The Woman's Room. 2013 initiierte sie eine erfolgreiche Kampagne gegen die Bank of England bezüglich der Abschaffung von Frauenbildern auf Geldscheinen.
Ihre jüngsten Publikationen beschäftigen sich mit den Verzerrungen gerade auch wissenschaftlicher Datenerhebungen, deren Wissenslücken die kontinuierliche und systematische Diskriminierung von Frauen bedingen und weiter verschärfen. In ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“ macht sie anhand verschiedener Beispiele aus dem Alltags- und Arbeitsleben von Frauen, aus der Medizin, der Konstruktion und dem öffentlichen Raum deutlich, wie infolge der fehlenden Daten über den weiblichen Körper und die Lebenswirklichkeit von Frauen vielfach Entscheidungen getroffen und Produktentwicklungen vorangetrieben werden, die an den Bedürfnissen von Frauen vorbei gehen. Sichtbar wird dabei auch, dass durch die unreflektierte Anwendung der wenigen und männlich dominierten Daten Frauen systematisch diskriminiert werden – quer durch alle Lebensbereiche und mit z.T. tödlichen Folgen. Frauen mit Herzinfarkt werden schlechter behandelt, weil sie oft untypische - das heißt, nicht-männliche - Symptome zeigen. Kugelsichere Westen für Polizist*innen passen nicht richtig über den weiblichen Oberkörper und Schutzmasken nicht richtig über die Gesichter von Frauen. Spracherkennungssoftware versteht hohe Stimmen schlechter, Kartendienste zeigen nur die schnellsten Routen, aber nicht die sichersten. Schneeräumdienste räumen die Straßen für den Autoverkehr, der überwiegend von Männern genutzt wird, Gehwege und Bushaltestellen, die vorwiegend von Frauen genutzt werden, bleiben schneebedeckt. Crashtest-Dummys orientieren sich am männlichen Prototyp, Frauen haben deshalb ein bis zu 71% höheres Verletzungsrisiko bei Autounfällen. Die Liste der Beispiele ist schier endlos. Criado-Perez plädiert so eindringlich dafür, mehr geschlechtsspezifische Daten zu erheben und sich nicht mehr nur mit dem männlichen Prototyp (weiß, jung, gesund) zufrieden zu geben: Frauen sind keine Abweichung, und sie sind auch keine kleinen Männer; sie machen die Hälfte aller Menschen aus und sollten auch genauso gleichwertig und -würdig behandelt werden.
Kritisch lässt sich anmerken, dass sie in ihrer Betonung des Unterschieds zwischen Männern und Frauen übersieht, dass biologisches wie soziales Geschlecht ein Spektrum sind, inklusive nicht-binärer und trans Menschen.
Das Buch ist ambitioniert und akribisch recherchiert, voller nützlicher Studien und Statistiken und damit eine Fundgrube an Argumenten für eine geschlechtergerechte Gestaltung der Welt.
Absolut lesenswert!

Caroline Criado-Perez: „Unsichtbare Frauen“: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert. btb Verlag, München, 2020 (497 Seiten).


Ulrike Schneider-Gladbach (Stellv. Zentrale Gleichstellungsbeauftragte (ATM))

Die Antidiskriminierungskampagne #unboxingdiscrimination (Deutsch: Diskriminierung enthüllen) nimmt das Thema von Ausschlüssen und Vorurteilen an der Universität zu Köln in den Blick, um zu sensibilisieren und persönliche Erfahrungen von Hochschulangehörigen zu sammeln.

Unter folgendem Hashtag finden Sie ein Video, in dem einige der gesammelten Erfahrungen zu Diskriminierung im Rahmen der Kampagne geteilt werden. Akteur*innen aus dem Bereich Antidiskriminierung lesen diese vor: #unboxingdiscrimination

Inhaltswarnung: Auf den folgenden Seiten werden verschiedene Diskriminierungserfahrungen veröffentlicht und somit ggf. diskriminierende Äußerungen reproduziert.

#unboxingdiscrimination (uni-koeln.de)

Buch: Sigrid Graumann & Katrin Grüber: Ethik und Behinderung - Ein Perspektivwechsel 

Dass Menschen nicht aufgrund ihrer Behinderung benachteiligt werden, sondern gleichberechtigt teilhaben sollen, ist ein in der Verfassung wie im öffentlichen Bewusstsein als Prinzip fest verankerter politischer Grundsatz. Was aber heißt „Behinderung“? Was begründet die Norm, auf deren Grundlage beurteilt wird, wer „behindert“ ist? Wie kann ein gutes Miteinander angesichts von radikal verschiedenen (nicht-)behinderten Handlungsmöglichkeiten und unumgänglichen Unterstützungsbedarf gelingen? Und welche Rolle sollten die immensen Möglichkeiten der modernen Medizin diesbezüglich spielen? Solchen Fragen widmet sich dieser vielstimmige Band aus Sicht der säkularen Ethik, der Beiträge aus unterschiedlichsten professionellen Perspektiven und Lebenslagen aufnimmt. Er zeigt, wie bedeutend ethische Orientierung in diesem Feld ist, und er verdeutlicht einmal mehr, dass ein Nachdenken über Behinderung zugleich ein aussichtsreicher Ausgangspunkt für die Reflexion über große Fragen des menschlichen Lebens sein kann – allgemein und für alle.

Sigrid Graumann, Katrin Grüber u.a. (Hrsg.): Ethik und Behinderung: Ein Perspektivwechsel. Campus-Verlag, Frankfurt am Main, 2004 (200 Seiten).


Christoph Trüper (Referent Inklusion)

Buch: Tupoka Ogette: exit RACISM

Das Buch ist aus meiner Sicht Pflichtlektüre für alle weißen Menschen, die sich mit dem Thema Antidiskriminierung und Rassismus auseinandersetzen möchten. Die Diversity-Trainerin Tupoka Ogette bietet seit Jahren Antidiskriminierungs-Workshops an. Diese Erfahrungen hat sie für ihr Buch genutzt: Sie nimmt die Leser*innen mit auf eine Reise der Bewusstwerdung eigener Privilegien, indem sie interaktive Aufgaben stellt. Gleichzeitig bringt sie ihre Perspektive als Schwarze Frau und Mutter zweier Schwarzer Kinder in Deutschland ein und erläutert wichtige aktuelle Begriffe sowie die Geschichte von Rassismus. Die Leser*innen erhalten auf diesem Weg Anregungen für eine langfristige rassismuskritische Auseinandersetzung und für die Veränderung des eigenen Alltagshandelns. Nach der Lektüre ist es nicht mehr möglich, die eigene Verantwortung abzustreiten oder rassistische Vorfälle und Strukturen schweigend hinzunehmen oder auszublenden.

Tupoka Ogette: exit RACISM. 5. Auflage. Unrast-Verlag, Münster, 2019 (136 Seiten). Auch als Hörbuch verfügbar


Katrin Springsgut (Stellv. Leitung des Gleichstellungsbüros (Abwesenheitsvertretung), Referentin Gleichstellung)

Film: Rabbit-Proof Fence: Trailer

Als studierte Filmwissenschaftlerin schlägt mein Herz natürlich für das Kino, und auch bei der Frage nach einer Empfehlung zu den Themen Diskriminierung und Antidiskriminierung denke ich zuerst an die große Leinwand. Da das Kino - und insbesondere Hollywood - seine Underdogs liebt, ist die Liste empfehlenswerter Filme über Diskriminierung schier endlos. Blockbuster wie Harry Potter oder Disney-Filme wie Kiss the Frog erzählen die Selbstbehauptungsgeschichten ihrer geknechteten Held*innen für den Mainstream und gut zu verdauen, aber es finden sich auch unzählige Beispiele, die erschreckender, wachrüttelnder und schonungsloser verfahren: Man denke an beeindruckende Beispiele wie La HaineBoys Don't CryDistrict 9 oder Get Out

Ein weniger bekannter Film, der mich persönlich sehr berührt hat und den ich daher gern empfehle, ist Rabbit-Proof Fence. Basierend auf der realen Geschichte von Molly und Daisy Craig, gewährt der Film einen Einblick in die kaum bekannte Geschichte der Stolen Generations in Australien. Interniert als sogenannte Mischlingskinder - der Vater ein weißer Wanderarbeiter, die Mutter eine Aborigine - gelingt den Mädchen die spektakuläre Flucht und der beschwerliche Walkabout entlang des Zauns, der das Land zerteilt. Er wird zur Hilfestellung bei der Orientierung und zum Symbolbild gleichermaßen für Grenzen, Gefangenschaft und die gewaltsame Zerrissenheit.


Dr. Vera Cuntz-Leng (Referentin Öffentlichkeitsarbeit)

Buch: Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.

Passend zu dem diesjährigen Themenschwerpunkt Antidiskriminierung möchte ich das Nachschlagewerk „Wie Rassismus aus Wörtern spricht“ empfehlen. Das knapp 800 seitige Buch gleicht einem Lexikon des kolonialen Sprachgebrauchs. Wörter wie „Afrika“, „Antike“, „Europa“ oder „Kultur“ erzählen die Geschichte eines weißen, kolonialistischen und rassistischen Denkens, welches sich zu einem festen Wissensarchiv etabliert hat und durch diese Begriffe konserviert wird. Durch die Aufarbeitung der historischen Hintergründe einzelner Wörter soll eine Art Erinnerungsarbeit geschaffen werden und der Raum für die Selbstermächtigung unterschiedlicher vom Kolonialismus betroffener Gruppen eröffnet werden. Auch politische Konzepte wie „kritisches Weißsein“, „Schwarz“ und „People of Color“ sind deshalb nachzuschlagen. Für kleine Abwechslungen sorgen die Gedichte und zum Teil (je nach Perspektive) sehr lustigen sowie persönlichen Beiträge der Autor*innen.

Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Unrast-Verlag, Münster, 2019 (786 Seiten).


Dilara Kanbiçak (Referentin Diversity Policies)

Projekt: Say My Name - Playlist auf Youtube / Instagram

Ich empfehle das Projekt Say My Name, ein Video und Social Media-Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und der Kooperative Berlin.
In der Reihe Say My Name sprechen junge Frauen* auf Youtube über Fragen der Identität und Diskriminierungserfahrungen und gegenseitige Unterstützung. Es lohnt sich besonders auch dem Instagram Kanal Say My Name zu folgen, der lustige, kritische und bestärkende Inhalte teilt und auf dem regelmäßig Begriffe aus dem Fachdiskuss rund um Antirassismus- und Antidiskriminierungsarbeit erklärt werden.


Jana Arnold (Referentin Antidiskriminierung (Antidiskriminierungsstelle))

Podcast: Tupoka Ogette: Tupodcast - Link

Tupodcast ist ein Podcast der Anti-Rassismustrainerin, Aktivistin undAutorin Tupoka Ogette. Was gibt es zu hören: Gespräche zwischen Schwarzen Frauen* übers (Über-)Leben, Lieben, Entdecken, (Er-) schaffen, (Er-) kämpfen, (Er)-erforschen Inspirieren und Schreiben. Es wird gesprochen über Widerstand und Heilung, über Trauer und Hoffnung. und über Rassismus und Empowerment.


Sara Schlichting (Referentin Familien-Service)

Buch: Caroline Criado-Perez: Unsichtbare Frauen

Caroline Criado-Perez ist eine britische Journalistin, Autorin, Feministin, Aktivistin und Trägerin des britischen Ritterordens OBE. Bekannt wurde sie als Mitbegründerin der Website The Woman's Room. 2013 initiierte sie eine erfolgreiche Kampagne gegen die Bank of England bezüglich der Abschaffung von Frauenbildern auf Geldscheinen.
Ihre jüngsten Publikationen beschäftigen sich mit den Verzerrungen gerade auch wissenschaftlicher Datenerhebungen, deren Wissenslücken die kontinuierliche und systematische Diskriminierung von Frauen bedingen und weiter verschärfen. In ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“ macht sie anhand verschiedener Beispiele aus dem Alltags- und Arbeitsleben von Frauen, aus der Medizin, der Konstruktion und dem öffentlichen Raum deutlich, wie infolge der fehlenden Daten über den weiblichen Körper und die Lebenswirklichkeit von Frauen vielfach Entscheidungen getroffen und Produktentwicklungen vorangetrieben werden, die an den Bedürfnissen von Frauen vorbei gehen. Sichtbar wird dabei auch, dass durch die unreflektierte Anwendung der wenigen und männlich dominierten Daten Frauen systematisch diskriminiert werden – quer durch alle Lebensbereiche und mit z.T. tödlichen Folgen. Frauen mit Herzinfarkt werden schlechter behandelt, weil sie oft untypische - das heißt, nicht-männliche - Symptome zeigen. Kugelsichere Westen für Polizist*innen passen nicht richtig über den weiblichen Oberkörper und Schutzmasken nicht richtig über die Gesichter von Frauen. Spracherkennungssoftware versteht hohe Stimmen schlechter, Kartendienste zeigen nur die schnellsten Routen, aber nicht die sichersten. Schneeräumdienste räumen die Straßen für den Autoverkehr, der überwiegend von Männern genutzt wird, Gehwege und Bushaltestellen, die vorwiegend von Frauen genutzt werden, bleiben schneebedeckt. Crashtest-Dummys orientieren sich am männlichen Prototyp, Frauen haben deshalb ein bis zu 71% höheres Verletzungsrisiko bei Autounfällen. Die Liste der Beispiele ist schier endlos. Criado-Perez plädiert so eindringlich dafür, mehr geschlechtsspezifische Daten zu erheben und sich nicht mehr nur mit dem männlichen Prototyp (weiß, jung, gesund) zufrieden zu geben: Frauen sind keine Abweichung, und sie sind auch keine kleinen Männer; sie machen die Hälfte aller Menschen aus und sollten auch genauso gleichwertig und -würdig behandelt werden.
Kritisch lässt sich anmerken, dass sie in ihrer Betonung des Unterschieds zwischen Männern und Frauen übersieht, dass biologisches wie soziales Geschlecht ein Spektrum sind, inklusive nicht-binärer und trans Menschen.
Das Buch ist ambitioniert und akribisch recherchiert, voller nützlicher Studien und Statistiken und damit eine Fundgrube an Argumenten für eine geschlechtergerechte Gestaltung der Welt.
Absolut lesenswert!

Caroline Criado-Perez: „Unsichtbare Frauen“: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert. btb Verlag, München, 2020 (497 Seiten).


Ulrike Schneider-Gladbach (Stellv. Zentrale Gleichstellungsbeauftragte (ATM))