Abschlussarbeiten

BA-Arbeiten​

Müller, Florian: Frauen-, Gottes- und Verwandtendienst. Funktionen der Kreuzzugsepisode in der mittelhochdeutschen anonymen Verserzählung Mai und Beaflor (2016).

 

Die Verserzählung von Mai und Beaflor kombiniert Elemente verschiedenster Erzähltraditionen wie etwa Minne- und Aventiureroman, Märchen, Heiligenlegende und chanson de geste. Dabei nimmt die Kreuzzugsepisode eine zentrale Position ein: im christlich überhöhten Kampf gegen die Sarazenen werden die Spannungen zwischen Mais konfligierenden Rollen als Kreuzritter, Minneritter und Angehöriger eines adeligen Sippenverbands herauskristallisiert. Die Arbeit befragt die Kreuzzugshandlung auf ihre Funktionen für den Plot, die Profilierung des Protagonisten und die programmatische Rolle der Kreuzzugsideologie für Mai und Beaflor.


Fröhle, Aurelia: Die Namur-Episode im 'Wigalois' Wirnts von Grafenberg (2018).


Kleinfelder, Christof Markus: Lanzelets Weg zum Ritter: Der Aufstieg vom Namenlosen zum besten ritter, der nuo lebet (2018).

MA-Arbeiten​

Müller, Florian: Ausfahrt in die Heldendichtung: Überlieferungskontext und Aufführungsfiktion des 'Herzog Ernst G' (2018).

 

In der Reihe der Herzog Ernst-Fassungen nimmt die Fassung G eine Sonderposition ein. Anstelle des Todes der indischen Prinzessin setzt Herzog Ernst G deren Rettung mit anschließender Rückführung nach Indien, Heirat des Protagonisten und Übernahme der Herrschaft über den Orient. Eng geknüpft an die inhaltlichen Änderungen sind eine formale Überarbeitung der Verserzählung von Herzog Ernst zum strophischen Heldenlied im Kontext des Dresdener Heldenbuches sowie die Beigabe eines fingierten performativen Kontextes. Diese spezifische Überlieferungssituation, zusammen mit den Abweichungen von späteren Druckfassungen, wirft Fragen auf zum Verhältnis von Textgestaltung und Überlieferungskontext, Schriftlichkeit und Mündlichkeit, dem performativen Anspruch ans Erzählen und der Konstitution von Genre in der Sammelhandschrift.


Celik, Reyhan: Die handschriftlichen deutschen Sultansbriefe. Überlieferung - Transkription - Strategien der Wahrheitsinszenierung (2019).

 

Die Vielfalt an europäischen Texten des Mittelalters über die Osmanen wird unter dem Gattungsbegriff der Turcica zusammengefasst. Zu diesen gehören die fiktiven Sultansbriefe, die ebenfalls von der sogenannten Türkenfrage geprägt waren und in denen die westliche Vorstellung von den Osmanen, die sogenannte Imago Turci, verarbeitet wurde. Die Arbeit untersucht die Überlieferungsverbünde der handschriftlichen Sultansbriefe und bietet exemplarisch Transkriptionen der vier deutschsprachigen als ‚Lesetexte'. Im Rahmen einer literaturwissenschaftlichen Analyse werden zudem die Strategien der Wahrheitsinszenierung in den Briefen untersucht. Denn unabhängig davon, ob Zeitgenossen die Briefe für ‚echte' Schreiben und glaubhaft hielten oder sie als unterhaltende literarische Fiktionen rezipierten, suggerieren die Texte einen Wahrheitsgehalt. Die Verfasser verwendeten Mittel der Wahrheitsinszenierung bzw. Fälschungsstrategien, um die Briefe als authentisch darzustellen. Diese werden in der vorliegenden Arbeit benannt und erläutert.


Kipke, Malin: Die Apokalypse des Pseudo-Methodius in der Melker Handschrift cod. 1560 (2020).


Seidt, Johanna: Der Frankfurter Arzt Georg Kloß als Handschriftensammler und Philologe in der Entstehungsphase der Germanistik (2020).

 

Die Arbeit präsentiert den weitgehend unbekannten Büchersammler Georg Kloß (1787-1854) als einen Akteur in der Entstehungsphase der Germanistik. Anhand von Autographen, die sich in der Frankfurter UB befinden, wird gezeigt, dass Kloß in engem Austausch mit anderen Handschriftensammlern und mit den bekannten frühen Germanisten gestanden hat. Dabei hat er nicht nur Handschriften verliehen um die Textgrundlage für zeitgenössischen Editionen zu verbessern, sondern auch selber mindestens eine eigene Edition mittelalterlicher Texte erarbeitet.

Dissertationsprojekte

Chalupa-Albrecht, Anna: Moment des Materials. Materialitätsbehauptungen legendarischer und höfischer Texte zwischen Text und Artefakt

 

Die Arbeit untersucht vormoderne Inszenierungen von Materialität. Gefragt wird etwa nach der erzählerischen Inszenierung einer materialen ‚Wirkmacht', also dem Bedingungsgefüge eines material ausgelösten ‚Weiter'- oder ‚Wiederwirkens' in den Wunderserien des Passionals, welche die eigene textuelle Materialität – so die These – auf Basis einer der Verehrungspraxis entliehenen Reflexionsfigur, nämlich des Reliquiars entwerfen. Weiters sollen Diffusionen solcher legendarischen Inszenierungen – eines materiell-artifiziell verbürgten ‚Wirkens' – in den höfischen Erzählstoffen in den Blick genommen und der dort beobachtbare Geltungsanspruch immersiver Lektüre als Ergebnis materieller Verfasstheit fokussiert werden. In einem dritten Teil stehen die Vertextungsmuster und Formungen texttragender Artefakte zur Disposition.


Gerber, Jennifer„Mir ist so digk vor gesait“ Studien zur erzählerischen Gestaltung des Meleranz von dem Pleier

Für vormoderne Texte gehen wir in der Regel von einer anthropomorphen Erzählerfigur aus. Die Stimme dieser Figur hat entschiedenen Einfluss auf das Erzählen. So beeinflussen bspw. Erzählerkommentare mitunter das Verständnis des Textes, Rückblicke und Vorausdeutungen tragen zur Ökonomie des Erzählens bei, schaffen jedoch auch Momente der Prägnanz, indem auf bestimmte Details der Erzählung fokussiert wird usw. Im Meleranz – Pleiers (vermutlich) letzten Artusroman – wird eine solche exponierte Erzählerstimme jedoch nicht genutzt. Zwar stellt sich im Prolog der Pleier als Erzähler des Textes vor, jedoch nimmt er im Verlauf der Erzählung eine nahezu deskriptive Haltung ein. Es stellt sich damit die Frage, welche Verfahren und Strategie im Erzählen angewendet werden, um trotz des nur subtil auftretenden Erzählers die Narration zu vollziehen.


Wick, Maximilian: Kosmogenetisch erzählen: Poetische Mikrokosmen in philosophischer und höfischer Epik des Hochmittelalters (das Projekt ist abgeschlossen)

Den methodischen Ausgangspunkt der Studie bildet die Annahme einer diskursiven Gemengelage, einer Textlandschaft aus verstreuten und zumeist nur auf indirekten Wegen miteinander verbundenen Einheiten. Sie widmet sich poetischen Positionierungen zu kosmologischen Problemfeldern in lateinischen und deutschsprachigen Epen des Hochmittelalters; u.a. der Cosmographia, dem Architrenius, dem LaborintusFlore und Blanscheflur, dem Wigalois sowie der Crône. In exemplarischen Analysen wird ein gemeinsames Diskursnetz plausibilisiert, das sich im Bereich jeweils kosmologisch fundierter anthropologischer, epistemologischer sowie poetologischer Fragehorizonte vor allem in Verschiebungen, Überlagerungen und Synkretismen konkretisiert und einem einsträngigen Fortschrittsnarrativ entgegensteht.