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Master Sozialethik im Gesundheitswesen

Von Frankfurt nach Seoul: Sozialethik weltweit

Masterstudent Kilian Pooch forscht zu transgenerationalen Traumata und Suizidprävention und verbrachte im Rahmen seiner Masterarbeit einen Research Stay an der Korea University in Seoul.

Wie können gesellschaftliche Erfahrungen von Krieg, Flucht, Vertreibung und politischer Repression über Generationen hinweg nachwirken? Und welche Bedeutung haben solche transgenerationalen Traumata für die Suizidprävention?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich Kilian Pooch, Masterstudent im Studiengang Sozialethik im Gesundheitswesen, in seiner Masterarbeit. Im Mittelpunkt steht ein Vergleich zwischen Deutschland und Südkorea. Seine zentrale Frage lautet, ob transgenerationale Traumata einen bislang wenig beachteten „blinden Fleck“ in nationalen Strategien der Suizidprävention darstellen – und welche sozialethischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

 

Von Frankfurt nach Seoul

Die internationale Ausrichtung seiner Arbeit begann bereits im März 2025 mit einem ersten Treffen mit Prof. Dr. med. Ute Lewitzka am Universitätsklinikum Frankfurt. Als Inhaberin der ersten Professur für Suizidforschung und Suizidprävention in Deutschland konnte sie als Zweitbetreuerin für die Masterarbeit gewonnen werden.

Im Oktober 2025 folgte ein exploratives Treffen an der Korea University in Seoul mit Prof. Myung Ki, Mediziner und Sozialepidemiologe am Department of Preventive Medicine. Aus diesem ersten Kontakt entstand die Möglichkeit eines Research Stays in seinem Lab.

Von Mai bis Juni 2026 verbrachte Kilian Pooch schließlich mehrere Wochen an der Korea University und erhielt dabei intensive Einblicke in die südkoreanische Forschung und Praxis der Suizidprävention.

 

Einblicke in die südkoreanische Praxis

Während seines Aufenthalts wurde Kilian Pooch in das Forschungsteam integriert und konnte nicht nur wissenschaftlich, sondern auch kulturell wichtige Erfahrungen sammeln. Gemeinsam mit dem Team besuchte er unter anderem ein Gesundheitsamt in Seoul, in dessen Bezirk auch die Institution LifeLine, eine Telefon-Hotline im Bereich der Suizidprävention, angesiedelt ist.

Darüber hinaus organisierte Prof. Ki eine Konferenz zu Migration und ihren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Für Pooch wurde dabei besonders deutlich, dass Sozialepidemiologie weit über die Erhebung quantitativer Daten hinausgeht. Neben statistischen Zusammenhängen geht es auch darum, soziale Folgen sichtbar zu machen und gesellschaftliche Determinanten von Gesundheit zu identifizieren.

Hier zeigen sich deutliche Schnittmengen mit dem Masterstudiengang Sozialethik im Gesundheitswesen: Unterschiedliche wissenschaftliche Zugänge treffen auf die gemeinsame Frage, wie gesundheitliche Probleme in ihren gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhängen verstanden und bearbeitet werden können.

Zwei Länder, zwei Perspektiven

Der Vergleich zwischen Deutschland und Südkorea zeigt deutliche Unterschiede, aber auch ein großes Potenzial für gegenseitiges Lernen.

Südkorea unternimmt erhebliche Anstrengungen im Bereich der Suizidprävention. Das dortige Suizidpräventionsgesetz wird beispielsweise alle fünf Jahre aktualisiert. Gleichzeitig verfügt das Land über umfangreiche Datenbestände. Dennoch bleiben die Suizidraten hoch.

Deutschland verfügt demgegenüber über besondere Stärken im Bereich der Psychotherapie, die über die Krankenversicherung finanziert wird und deren Entwicklung unter anderem durch die Psychiatriereform geprägt wurde. Ein nationales Suizidpräventionsgesetz gibt es bislang nicht.

Für Pooch liegt gerade in dieser Unterschiedlichkeit eine Chance: Deutschland und Südkorea könnten voneinander lernen und ihre jeweiligen Stärken miteinander verbinden.

Suizidalität als Ausdruck einer kollektiven Wunde?

Ein zentraler Gedanke der Arbeit ist die Frage, ob Suizidalität ausschließlich als individuelles Phänomen verstanden werden kann oder ob sie unter bestimmten Bedingungen auch Ausdruck einer gesellschaftlichen bzw. kollektiven Belastung sein kann.

Der Blick auf die deutsche Geschichte zeigt dabei mögliche Zusammenhänge. So unterschieden sich die Suizidraten in Ost- und Westdeutschland zwischen 1949 und 1990 deutlich. Auch nach der Wiedervereinigung blieben bestimmte Vulnerabilitäten in Ostdeutschland bestehen.

Für Südkorea stellt sich eine vergleichbare, wenn auch historisch und politisch keineswegs identische Frage: Das Land durchlief innerhalb von nur ein bis zwei Generationen eine außergewöhnlich schnelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Modernisierung. Gleichzeitig wirken Erfahrungen von Krieg, Teilung und politischer Repression fort.

Pooch fragt deshalb, ob sich ein gesellschaftlicher „survival mode“ über Generationen hinweg auswirken kann und welche Rolle solche kollektiven Belastungen in der Suizidprävention spielen könnten.

Dabei betont er ausdrücklich den explorativen Charakter dieser Überlegungen. Die beschriebenen Zusammenhänge stellen keine abschließenden Erklärungen dar, sondern sind Ausgangspunkt für weitere wissenschaftliche Untersuchungen.

 

Sozialethik im internationalen Austausch

Die Masterarbeit von Kilian Pooch zeigt beispielhaft, wie vielfältig die Möglichkeiten im Masterstudiengang Sozialethik im Gesundheitswesen sind. Sozialethische Fragestellungen lassen sich nicht nur theoretisch bearbeiten, sondern mit empirischer Forschung, Gesundheitswissenschaften und konkreten Erfahrungen aus der Praxis verbinden.

Der Research Stay in Seoul hat dabei nicht nur neue wissenschaftliche Perspektiven eröffnet, sondern auch internationale Kontakte geschaffen und den Blick dafür geschärft, wie unterschiedlich Gesellschaften mit gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen umgehen.

Ein besonderer Dank gilt Prof. Dr. med. Ute Lewitzka und der Arbeitsgruppe Suizidprävention für die wissenschaftliche und methodische Unterstützung sowie Prof. Myung Ki und seinem Lab an der Korea University für die Gastfreundschaft, den fachlichen Austausch und die Einblicke in die koreanische Kultur und Forschungspraxis. Ebenso gilt der Dank Prof. Dr. Christof Mandry, der die Arbeit von Beginn an unterstützt und wichtige Impulse gegeben hat.

Seoul: Blick über Seoul während des Forschungsaufenthalts.

Kilian Pooch / Goethe-Universität

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Peter Kiefer

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Studentin am Mikroskop

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Vier Absolventinnen verabschiedet

Im Rahmen des diesjährigen Sommerfestes und der Absolvent*innenfeier des Fachbereichs 07 der Goethe-Universität Frankfurt wurden auch die Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs Sozialethik im Gesundheitswesen feierlich verabschiedet. Der Studiengang freut sich, in diesem Jahr vier Absolventinnen zu ihrem erfolgreichen Studienabschluss gratulieren zu dürfen.

Verabschiedet wurden:

  • Christina Fischer-Echanove
  • Sabrina Liedtke
  • Franziska Max
  • Michelle Winter

Mit ihrem erfolgreichen Abschluss haben die Absolventinnen nicht nur ihre fachliche Expertise in den Bereichen Gesundheitswesen, Ethik und Gesellschaft unter Beweis gestellt, sondern sich auch intensiv mit aktuellen gesellschaftlichen und gesundheitsethischen Fragestellungen auseinandergesetzt.

Ein besonderer Glückwunsch gilt Franziska Max, die für ihre Masterarbeit mit dem Titel

„Soziale Bewegungen im Bereich Gesundheit – die Frauengesundheitsbewegung und ihre Gerechtigkeitskonzeptionen unter Betrachtung mit Iris Marion Young“

mit dem Preis für die beste Masterarbeit des gesamten Fachbereichs 07 ausgezeichnet wurde. Die Arbeit widmet sich der Frage, wie soziale Bewegungen im Gesundheitsbereich Vorstellungen von Gerechtigkeit entwickeln und artikulieren, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur sozialethischen Diskussion über Teilhabe, Anerkennung und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen.

Wir gratulieren unseren Absolventinnen herzlich zum erfolgreichen Abschluss ihres Studiums und wünschen ihnen für ihren weiteren beruflichen und persönlichen Weg alles Gute und viel Erfolg. Gleichzeitig freuen wir uns, dass sie dem Netzwerk des Masterstudiengangs Sozialethik im Gesundheitswesen auch künftig verbunden bleiben.

Absolventinnen vor Frankfurter Skyline

Studiengangkoordinatorin Julia Westendorff und die vier Absolventinnen

Christina Tobin / Goethe-Universität

Ethik verstehen. Verantwortung gestalten.

Der duale Masterstudiengang verbindet ethische Reflexion mit praktischer Erfahrung im Gesundheitswesen. Studierende erwerben Kompetenzen an den Schnittstellen von Medizinethik, Sozialethik, Organisation, Kommunikation und gesellschaftlicher Verantwortung.

Durch die Zusammenarbeit der Goethe-Universität Frankfurt, der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen und vielfältiger Praxispartner entsteht ein einzigartiges Studienprofil mit unmittelbarem Bezug zur Praxis des Gesundheitswesens.

Studierende am Campus Westend

Bewerbung Wintersemester 2026/27

Die Bewerbungsphase beginnt im Juni 2026. Die Bewerbung erfolgt über das Masterbewerbungsportal der Goethe-Universität.

Katrin Binner

    Studienberatung

    Ihre Ansprechpartner*innen

    Finden Sie den richtigen Ansprechpartner für ihr Anliegen:

    Studiengangsleitung - Prof. Dr. Christof Mandry

    Ansprechpartnerin Philosophisch Theologische Hochschule Sankt Georgen - Prof.in Dr. Edeltraud Koller

    Studiengangkoordination - Julia Westendorff