In der Ethnologie (auch Sozial- und Kulturanthropologie genannt) werden kulturelle und gesellschaftliche Phänomene der Gegenwart untersucht und sowohl geschichtlich als auch vergleichend eingeordnet. Das Fach vermittelt die wissenschaftlichen Grundlagen, um durch empirische Forschung Phänomene wie Kulturwandel, Ethnizität, Nationalismus, Traditionalismus, Indigenität oder (De-)Globalisierung konzeptuell zu verstehen und kritisch zu hinterfragen. Dabei spielt die Verantwortung von Wissenschaft eine zentrale Rolle, insbesondere in Bezug auf globale Machtungleichheiten, Kolonialismus und deren Folgen, wie Ausbeutung oder Rassismus. Dieses Wissen gewinnt im Zeitalter expandierender globaler Verflechtungen und gleichzeitig wachsender neo-nationalistischer und radikaler Gegenbewegungen zunehmend an Bedeutung. Historisch gesehen befasste sich die deutschsprachige Ethnologie vor allem mit außereuropäischen Gesellschaften und Diaspora-Gruppen, diese regionale Grenzziehung tritt jedoch zunehmend in den Hintergrund.
Schwerpunkt des Bachelor-Studiums Ethnologie bildet der reflexive Umgang mit kultur- und gesellschaftstheoretischen Konzepten, die für die kritische Interpretation von Formen und Vielfalt menschlicher Handlungsstrategien und Institutionen notwendig sind. Die Studierenden der Ethnologie befassen sich empirisch, praktisch und theoretisch mit grundlegenden Themengebieten des Fachs, wie etwa unterschiedlichen Wirtschaftsformen, religiösen Praktiken, politischen und kommunikativen Formen, Verwandtschaftsstrukturen, Geschlechterverhältnissen und Sexualität, Migration und Mobilität, sowie materieller Kultur, Produktion und Konsum. Auf Grundlage vertiefter regional- sowie themenspezifischer Wissensbestände erarbeiten Studierende die komplexen Zusammenhänge zwischen sozialen Teilphänomenen und berücksichtigen insbesondere deren Prozesshaftigkeit und Wandlungsfähigkeit. Sie reflektieren dabei sowohl eigene als auch gesellschaftliche Vorannahmen kritisch und erproben die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die berufspraktische und/oder forschende Anwendung.
Die zentrale empirische Methode der ethnologischen Untersuchung ist die ethnographische Feldforschung, die häufig eine soziale und kulturelle Einbettung der forschenden Person in ihren Forschungskontext und eine teilnehmende Beobachtung alltäglichen Lebens umfasst. Im Hauptfach-BA-Studium werden qualitative Forschungsmethoden kritisch erarbeitet und in der Anwendung in Form eines selbstgewählten studentischen Projekts (Forschungsübung) erprobt. Studierende üben sich in der Konzeption und Durchführung eigener Projekte sowie in der Dokumentation und Auswertung von ethnographischem Material. Ergänzt wird der Studiengang durch disziplinübergreifende Inhalte, die Förderung von Sprachkompetenz und praktische, berufsqualifizierende Elemente.
Am Frankfurter Institut für Ethnologie werden kulturelle und gesellschaftliche Phänomene weltweit in ihrer Einzigartigkeit sowie in ihrer wechselseitigen Verflochtenheit aus der Perspektive der handelnden Akteur*innen untersucht. Die Themen in Lehre und Forschung umspannen ein breites Feld von Militarisierung und dekolonialen Friedenspraktiken über religiöse Dynamiken, Ressourcenkulturen und Mensch-Umwelt-Beziehungen, Migration, Grenzregime und Tourismus, politischen Humor und Aktivismus, Affekte und Intimität, Repräsentation und Wissensproduktion bis hin zu Handel, Urbanität und Museen. Am Institut forschen Lehrende und Studierende in verschiedenen Regionen Afrikas, in West- und Süd-Europa, Zentralasien und dem Kaukasus, in Südasien und Südostasien, sowie in Nord- und Lateinamerika.
Im Rahmen des Bachelor-Studiums profitieren Studierende von den vielfältigen Kooperationen des Instituts für Ethnologie. Zu dessen Partner*innen gehören unter anderem das Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung, das Forschungszentrum Point Sud in Bamako (Mali) oder das Weltkulturenmuseum Frankfurt. Hinzu kommen internationale Hochschulen—darunter die EHESS in Paris/Frankreich, die San Francisco State University in den USA und die UFSCar in Brasilien - sowie zahlreiche europäische Partnerhochschulen, an denen Studierende im Rahmen des Erasmus-Programms einen Auslandsaufenthalt absolvieren können (s. Wege ins Ausland).
Als eher kleines Fach ist die Zusammenarbeit am Institut für Ethnologie persönlich geprägt und Studierende werden eng begleitet und betreut.
Der Bachelorstudiengang Ethnologie ist ein grundständiger wissenschaftlicher Studiengang, der zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss führt. Er hat zum Ziel, wissenschaftliche Grundlagen, Methodenkompetenz und berufsfeldbezogene Qualifikationen zu vermitteln, die es den Absolvent*innen ermöglicht, Problemstellungen der Ethnologie in verschiedenen Aufgabenfeldern der Praxis nachzugehen.