Die Altorientalische Philologie ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Kulturen des Alten Orients (ohne Ägypten) auf textlicher Grundlage; sie umfasst somit die Kulturräume Altmesopotamien, Altsyrien, Altanatolien und Altiran. Der zeitliche Rahmen reicht von der Entwicklung der Keilschrift, des (mutmaßlich) ältesten Schriftsystems der Welt, um die Wende vom vierten zum dritten vorchristlichen Jahrtausend bis in die Zeit um Christi Geburt, als die Keilschrift von den aramäischen und griechischen Alphabetschriften endgültig verdrängt wurde. Während dieser annähernd drei Jahrtausende war die Keilschrift das bedeutendste Schriftsystem Vorderasiens, das für die Wiedergabe einer Vielzahl von Sprachen verwendet werden konnte und das – namentlich wegen seiner Verwendung für das Akkadische als weithin anerkannter Handels-, Verkehrs- und Diplomatensprache – über die genannten Kulturräume hinaus auch auf benachbarte Kulturkreise – denjenigen Altägyptens und des ägäischen Raumes – ausstrahlte.
Die Altorientalische Philologie ist eine vergleichsweise junge Wissenschaft. Erst seit etwa 150 Jahren sind akkadische Keilschrifttexte lesbar, die in Sumerisch, Hethitisch und den übrigen Keilschriftsprachen abgefassten Dokumente sind gar erst seit wenigen Jahrzehnten verständlich. Die aus dem Bereich des Alten Orients bekannten Sprachen sind die durchweg ältesten Vertreter einiger der größten Sprachfamilien: Neben den der Gruppe der semitischen Sprachen angehörenden Idiomen Akkadisch, Eblaitisch, Amurritisch und Ugaritisch sind mit dem Altpersischen, Hethitischen, Luwischen und Palaischen Sprachen der indogermanischen Familie bekannt. Darüber hinaus sind Texte und Textpassagen in mehreren weiteren Sprachen erhalten, deren Einordnung noch nicht restlos geklärt ist (Hurritisch, Urartäisch) bzw. die offensichtlich isoliert sind (Elamisch, Hattisch, Kassitisch, Sumerisch). Unter all diesen Sprachen ragen das Akkadische, das Sumerische und das Hethitische aufgrund der Quantität und Qualität der bekannten Textzeugnisse deutlich heraus. Das Akkadische als die am längsten und breitesten überlieferte sowie am besten bekannte Keilschriftsprache steht im Mittelpunkt des Studiums.