TP 3.2 Critical Digital Literacy entwickeln – Fremdsprachenunterricht in Englisch  im Zeitalter Künstlicher Intelligenz

TP 3.2 - Anglistik

​Beschreibung des Projekts

Angesichts der rasanten Verbreitung Künstlicher Intelligenz (KI) und des stetigen technologischen Fortschritts stellen intelligente Systeme mittlerweile auch ein omnipräsentes Phänomen des Fremdsprachenlehrens und -lernens dar (vgl. Strasser 2020, 2). Entsprechende KI-Tools eröffnen dabei neue digitale Möglichkeiten, welche sich beispielsweise auf die Unterrichtsvorbereitung und -durchführung, die Entwicklung von Aufgabenformaten, die Texterstellung, -gestaltung und -korrektur, die Erklärung von sprachlichen Phänomenen, das (individuelle) Üben und Verstehen sowie auf die handlungsorientierte Förderung kommunikativer Fähigkeiten zentrieren (vgl. Grünewald 2023; Müller/Fürstenberg 2023; Pölert 2023). Doch der Einsatz entsprechender KI-Systeme erfordert neben funktionalen Kompetenzen ebenso eine kritisch-reflexive Distanz zur Bewertung der KI-generierten Ergebnisse im Sinne einer critical digital literacy (#cdl), als Baustein eines zeitgemäßen medienpädagogischen Ansatzes.
Befunde verschiedener Untersuchungen zeigen auf Seiten der Lehrenden eine generelle Unsicherheit im Umgang mit solchen Tools, rechtliche Unklarheiten und eine Unübersichtlichkeit digitaler Angebote (vgl. Arnold 2020, 2). Lernende sind meist nicht in der Lage, KI-basierte Ergebnisse auf Angemessenheit und Korrektheit zu prüfen (vgl. Korell et al. im Erscheinen). Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer gezielten Bildungsinitiative, die kritisches Denken und eine reflektierte Nutzung von KI-Tools im Lehr-/Lernprozess stärkt. Deshalb wurde im Rahmen des BMBF-geförderten Verbundprojekts „Videobasierte Fortbildungsmodule zum digital gestützten Unterrichten im Netzwerk bundesdeutscher Videoportale“ (ViFoNet, 2023-2025) Fortbildungsmoduls für Englischlehrkräfte auf Basis videographierter Unterrichtseinheiten erstellt, mit dem technisches Grundlagenwissen und KI-Kompetenzen vermittelt, ethische Dimensionen aufgegriffen und (erprobte) Unterrichts- und Aufgabenformate zur Förderung eines kritisch-reflexiven Umgangs mit KI angeboten werden, um die technischen entsprechende technische Neuerungen als festen Bestandteil in den Unterricht zu integrieren (vgl. u. a. ViFoNet 2023-2025; Schlude et al. 2024). Mit den entwickelten schulischen Unterrichtskonzeptionen werden unterschiedliche Bereiche des fSprachenlernens adressiert. Ebenso beinhalten sie verschieden gelagerte Perspektivierungen der Verwendung von KI-Tools, bspw. zur Texterstellung und -übersetzung, Bildgenerierung, inhaltlichen Wissensgenese, Aufgabenerstellung und Feedbackgabe.

Die Implementierung der Unterrichtskonzeptionen fand an verschiedenen Schulen im Rhein-Main-Gebiet, in enger Zusammenarbeit mit Praxisakteur*innen statt. Zwischen November und Dezember 2023 wurden insgesamt 14 Unterrichtsstunden aufgenommen. Die Videodaten wurden vorwiegend qualitativ mithilfe der inhaltlich strukturierenden Analyse nach Kuckartz & Rädiker (2022) ausgewertet. Um den Zugang für Lehrkräfte zu den gängig verfügbaren Tools zu erleichtern, wurde im Rahmen der Forschung ChatGPT als der “Generalist" unter den KIs zur Erforschung hinzugezogen. Nicht nur im Rahmen der 'klassischen, textbasierten Unterhaltung mit der KI" wurde hierbei v.a. die integrierte Bildgenerierung (DALL-E 3) in die Konzeptionen integriert, um neue didaktische Möglichkeiten mit Bildern im Englischunterricht zu erproben. Während hierfür in der Vergangenheit v.a. individuelles künsterisches Talent erforderlich war, ermöglichen solche neuen Verfahren der Visualisierung neue, niedrigschwellige Möglichkeiten, die sich nachhaltig auf den Spracherwerb bzw. die gezielte Anwendung der Sprache auswirken (siehe Beispielbild mit Prompt).

Die nach dem Ansatz des Design Based Research, zusammen mit der Unterrichtspraxis entwickelten und eingesetzten Fortbildungsmodule für Lehrkräfte orientieren sich in ihrer Konzeption an Modellen und Befunden der Innovations- und Motivationsforschung, indem sich die behandelten Inhalte auf empirische Evidenz stützen und sich vergleichsweise einfach und von Beginn an in der Praxis anwenden lassen. So wird ein Transfer in die Praxis der Lehrkräfte durch ausgearbeitete und empirisch erprobte Materialien unterstützt (vgl. Lipowsky/Rzejak 2021, 56f.). Das auf Selbstlerneinheiten mit Portfolioaufgaben (Unterrichtsbezug) und Online-Seminaren aufbauende Fortbildungsangebot wird im Flipped-Classroom-Format durchgeführt und ermöglicht Lehrkräften zeitliche Flexibilität. Materialien werden über Lernplattformen zur Verfügung gestellt und reichen von Texten über Podcasts und Erklärvideos hin zu authentischen Unterrichtsvideos. In einer synchronen Phase werden die Bearbeitungen und Erfahrungen im eigenen Unterricht mit allen Teilnehmenden reflektiert (vgl. ebd., 58).
Zur Evaluation der Fortbildungsmodule bzgl. ihrer Wirksamkeit für die Einführung und Nutzung von KI-Tools wurden Instrumente in teilprojektübergreifender Kooperation in Form von Mixed-Method-Evaluationen nach dem DOIT-Modell (Horz & Schulze-Vorberg 2017) entwickelt.

Literatur