Veranstaltungen

Veranstaltungsbericht zum Workshop: „Ethische Fragen am Anfang des Lebens“ am 06.11.2017, 10-18 Uhr

Am 06.11.2017 fand im Rahmen des Projekts Medizinethik in der Klinikseelsorge ein Workshop zum Thema Ethische Fragen am Anfang des Lebens an der Goethe-Universität Frankfurt statt. Die Veranstaltung wurde für die Diözese Limburg als Teil des Fortbildungsprogramms des Deutschen Krankenhausverbands angeboten.

Im ersten Teil der Veranstaltung, der den ethischen Fragen im Pränatalbereich gewidmet war, zeigte Professor Dr. Mandry zunächst die Konfliktfelder zwischen Medizin, Recht und Moral sowie verschiedene Dimensionen ethischer Analyse auf, die für den Bereich der ethischen Fragen im Pränatalbereich relevant: eine Ausrichtung auf die Frage nach der Personalität des ungeborenen Kindes, eine „Grundsatz-Ethik in der Medizin“ sowie die Dimension des ethischen Beziehungsgefüges, zu dem auch die Ethik der Elternschaft gehört. Normativen Erwartungen im Sinne gegenseitiger Verantwortlichkeiten werden hier ins Zentrum der Betrachtung gestellt. Wert-Transformationen der Elternschaft weisen eine Tendenz zu Medikalisierung, Singularisierung, Glückserwartung und Kommerzialisierung auf.

Im zweiten Teil des Workshops wurden die nachgeburtlichen ethischen Fragen am Anfang des Lebens in den Blick genommen. Frau Wanderer zeigte in ihrem Vortrag das Spektrum ethischer Problemlagen in der Geburtsmedizin und der Neonatologie auf. Während in der Geburtsmedizin mit steigender Anzahl von Geburten per sectio ethische Fragen bezüglich einer  Medikalisierung und Kommerzialisierung der Geburt im Vordergrund stehen, stellen in der Neonatologie insbesondere die Fragen nach der Grenze der Lebensfähigkeit Frühgeborener und verantwortliche Entscheidungen über das Therapieziel eine ethische Herausforderung dar. Die evaluativen Anteile der für diesen Kontext handlungsleitenden ethischen Kriterien wie jenes des Kindeswohls, der Lebensqualität und auch der medizinischen Indikation wurden im Rahmen des Vortrags in den Blick genommen. Eine Analyse der normativen Gehalte der Einbecker Empfehlungen machte deutlich, wie in Bezug auf die Frage nach den Grenzen ärztlicher Behandlungspflicht bei schwerstgeschädigten Neugeborenen argumentiert werden kann.

Im Rahmen von an die Vorträge jeweils anschließenden Falldiskussion konnten diese verschiedenen Dimensionen ethischer Analyse angewandt werden.

Es zeigte sich in den Diskussionen der insgesamt 16 überwiegend aus dem Bereich der Seelsorge stammenden Workshopteilnehmerinnen und teilnehmer, dass insbesondere die starke emotionale Aufladung der ethisch relevanten Konfliktsituationen in Gynäkologie, Geburtsmedizin und Neonatologie die dort Tätigen in besonderem Maße fordert. Auch die über den Klinikkontext hinausweisenden (sozial-)ethischen Fragestellungen stellen eine Herausforderung dar.

Der Workshop, der verschiedentliche Möglichkeit zum kollegialen Austausch bot, wurde von den Teilnehmenden als hilfreich und anregend bewertet.

Gwendolin Wanderer


Workshop "Ethische Fragen am Anfang des Lebens" 

am 06. November 2017, 10-18 Uhr

Am 06. November 2017, 10-18 Uhr, findet an der Goethe-Universität Frankfurt ein Workshop zum Thema "Ethische Fragen am Anfang des Lebens" unter der Leitung von Prof. Dr. Christof Mandry und Gwendolin Wanderer statt.

Der Workshop richtet sich an Klinikseelsorgerinnen und Klinikseeelsorger, Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Sozialdienstmitarbeiterinnen und -mitarbeiter.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem Flyer.


Medizinethische Zertifikate übergeben

Feierlicher Abschluss des Zertifizierungskurses „Medizinethik in der Klinikseelsorge 2017/2018“

Aus den Händen von Professor Christof Mandry und Gwendolin Wanderer nahmen am 14. September 2017 insgesamt 16 Klinikseelsorgerinnen und Klinikseelsorger ihre Abschlusszertifikate entgegen.

Ein Jahr lang hatten sie dafür im berufsbegleitenden Zertifizierungskurs „Medizinethik in der Klinikseelsorge“ insgesamt 10 mehrtägige Weiterbildungseinheiten zu einem breiten Spektrum medizinethischer Themenstellungen absolviert. Der Weiterbildungskurs, an dem im Kursjahr 2017/2018 diesmal Klinikseelsorgerinnen und Klinikseelsorger aus 6 katholischen Bistümern und 4 evangelischen Landeskirchen sowie eine muslimische Klinikseelsorgerin teilnahmen, fand mittlerweile zum vierten Mal statt. Der bundesweit einmalige Zertifizierungskurs wird an der Goethe-Universität Frankfurt von der Professur für Moraltheologie und Sozialethik am Fachbereich Katholische Theologie in Zusammenarbeit mit dem Bistum Limburg durchgeführt und umfasst neben den 10 Präsenzmodulen auch eine einwöchige Exkursion nach Chicago. Im aktuellen Kursjahr waren außerdem die Teilnahme an der internationalen Fachtagung „Leiden in Medizin, Theologie und Medizinethik“ im März 2017 sowie ein englischer Lektürekurs Teil des Kursangebots.

Bei der abendlichen feierlichen Zertifikatsübergabe mit Musik, Buffet und Getränken konnte Professor Mandry eine stattliche Festgesellschaft aus Universität, Kirchen und Klinikseelsorge begrüßen. Für den Fachbereich Katholische Theologie würdigte der Dekan Professor Dr. Bernd Trocholepczy die Leistung der Kursteilnehmenden, und seitens des Bistums Limburg unterstrich der kommissarische Leiter des Dezernats Pastorale Dienste, Herr Johannes Weuthen, die Bedeutung der medizinethischen Fortbildung für die Klinikseelsorge. Im Namen der Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer dankte Pfarrerin Barbie Kohlhage der Kursleitung, den beteiligten Referenten sowie dem Bistum Limburg. Sie betonte vor allem den medizinethischen Kompetenzzuwachs, mit dem die Absolventinnen und Absolventen sich nun den vielfältigen Herausforderungen zuwenden könnten, mit denen die Klinikseelsorge tagtäglich konfrontiert ist.

Der Zertifizierungskurs wird am Fachbereich Katholische Theologie von Prof. Dr. Christof Mandry (Professur für Moraltheologie / Sozialethik) und der wissenschaftlichen Koordinatorin Gwendolin Wanderer geleitet und durch eine Reihe von renommierten Referenten unterstützt. Er steht im wissenschaftlichen Zusammenhang mit dem deutsch-US-amerikanischen, interdisziplinären und interreligiösen Forschungsprojekts Medical Ethics in Health Care Chaplaincy/Medizinethik in der Klinikseelsorge, das seit 2005 an der Professur Moraltheologie/Sozialethik besteht und seit 2006 vom Bistum Limburg finanziell gefördert wird.

Der nächste Zertifizierungskurs „Medizinethik in der Klinikseelsorge“ wird im September 2018 starten.

Auf dem Bild zu sehen sind (v. links n. rechts): Prof. Dr. Christof Mandry, Gwendolin Wanderer, Peter Brinker, Pfrin. Barbie Kohlhage, Pfrin. Michaela Breihan, Burkhardt Kroh, Wiltrud Stoer, Johannes Löffler-Dau, Irmela Brosk, Pfrin. Stephanie Müller, Fatima Aydinli, Karl Schermuly, Maike Bittmann, Kordula Wilhelm-Boos, Pfr. Christoph Lange, Gabriela Amon, Hannelore Dauzenroth, Wolfgang Schöller. Foto: Elif Yilmaz


Die Tagung „Leiden in Medizin, Theologie und Medizinethik“ / "Suffering in Medicine, Theology and Medical Ethics“ hat vom 08. bis 10.März 2017 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main ein internationales Publikum aus Wissenschaft und Klinikseelsorge ins Gespräch gebracht

     

In den insgesamt sieben Vortrags- und Diskussionseinheiten wurde deutlich, dass die Frage nach dem menschlichen Leiden sowohl für die Medizin als auch für Theologie und Medizinethik grundlegend ist. Die Beiträge aus diesen Disziplinen näherten sich aus je unterschiedlichen Perspektiven dem Phänomen des Leidens an. So konnten Überlegungen zum Leiden als Teil der conditio humana, als Basis für Empathie und Solidarität und als Grundzug von Subjektivität diskutiert werden. Im öffentlichen Diskurs und in der ethischen Politikberatung, so zeigten weitere Analysen, herrschen hingegen Auffassungen von Leiden als Autonomie-Verlust und als körperlicher oder psychischer Schaden vor. Erfahrungen aus der medizinethischen und interkulturellen Klinikpraxis kamen in den Einheiten über Leidensvorstellungen in christlichen, muslimischen und humanistischen Traditionen zur Sprache sowie in den Diskussionen über die Herausforderungen für die Medizinethik und für das palliativmedizinische, psychoonkologische sowie das begleitende Handeln in Seelsorge und spiritual care.

Das Abschlusspodium mit internationalen Diskutanten aus Medizinethik, Theologie und Klinikseelsorge wertete die Tagungsdiskussionen für die Klinikseelsorge aus und benannte Aufgaben für die weitere, interdisziplinäre Forschung.

Insgesamt wurde die deutsch-und englischsprachige Tagung, zu der Referenten und Teilnehmer aus den USA, aus Norwegen, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz angereist waren, als intensiv und ertragreich bewertet. Auch die zahlreichen Anregungen und Kontakte für die weitere interdisziplinäre Zusammenarbeit wurden sehr geschätzt. Die Veröffentlichung der Tagungsbeiträge ist gegenwärtig in Vorbereitung.  


Internationale Tagung vom 8. bis 10. März 2017


Veranstaltungsort:
Goethe-Universität Frankfurt
Campus Westend, Nebengebäude 1.741b
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt a.M.
Tagungsbüro: Ab 8.März 2017, 12:00 Uhr
Anmeldeschluss: 28.Februar 2017
Tagungsgebühr: 120,- EUR / Studierende: 60,- EUR
(inkl. Buffet, Mittagessen, Kaffeepausen und Getränke)
Die Anmeldung gilt für die gesamte Tagung.

Conference Dinner: 40,- EUR, Anmeldung erforderlich (s.o.)
Die Anmeldung wird mit Zahlungseingang gültig. Eine eigene Bestätigung 
erfolgt nicht.

Bankverbindung:
Empfänger: Goethe-Universität
IBAN: DE95 5005 0000 0001 0064 10,
Verwendungszweck: 30070110 / 50090020

Kontakt:
Goethe-Universität Frankfurt
Fachbereich 07: Medizinethik in der Klinikseelsorge
Frau Gwendolin Wanderer
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel +49 (0) 69 798-33352 / -33348
Fax +49 (0)69-798 33354

E-Mail: ethik-in-der-klinikseelsorge@em.uni-frankfurt.de

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