Am Irreparablen flicken: Potentiale einer armen Praxis

Forschungsprojekt am Käte Hamburger Kolleg Saarbrücken „Kulturelle Praktiken der Reparation"

Flicken ist eine aus der Not geborene provisorische Praxis, ein prekärer Umgang mit zerbrochenen Gegenständen und Körpern, oft dargestellt als eine von (armen) Frauen ausgeübte Tätigkeit, die zu keinem Werk führt. 

Das Forschungsprojekt möchte indessen unterhalb des maximalen Anspruchs der Restitution und Reparation das Flicken als eine Umgangsweise mit dem Kaputten beobachten und analysieren, die nicht so sehr auf die Wiederherstellung des Unversehrten ausgerichtet ist, sondern vielmehr die Hinwendung zu den Bruchstellen, Narben, Nahtstellen zum Anlass werden lässt, etwas anderes daraus zu machen. Hierfür soll eine heterogene Reihe von Szenen des Flickens in Literatur, Kunst und Philologie zusammengestellt und zusammen gelesen werden; es sind Szenen, wie die sich eher still und weitestgehend ohne Konzept am Rande der ästhetischen, poetischen, zuweilen aber auch der wirtschaftlichen und sozialen Sphäre entfalten.

Ziel des Vorhabens ist dabei, das untererforschte erkenntnistheoretische, poetische und ethische Potenzial dieser armen und weitestgehend negativ konnotierten Praxis zu bergen und für ein kritisches Konzept der Reparation fruchtbar zu machen.

Projektlaufzeit: 1.10.2024 bis 30.9.2025

Kontakt: Prof'in. Dr. Dr. Judith Kasper, kasper@em.uni-frankfurt.de