Das Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Koselleck-Programms für fünf Jahre von Oktober 2024 bis September 2029 gefördert wird, geht von der Beobachtung aus, dass das Potential des Rhythmusbegriffs in der Literaturwissenschaft noch nicht ausgeschöpft ist. Als Ausgangspunkt einer Poetik kann der Rhythmus dienen, da er als Alternative zu den seit dem Strukturalismus gängigen Zeichenmodellen und in Ergänzung zu neueren diskurs- und kulturgeschichtlichen Studien einen Zugang zur Literatur bietet, der die drei Aspekte von Form, Zeit und Körper zusammendenkt.
Der im Anschluss an Émile Benveniste und Henri Meschonnic gewonnene Blick auf den Rhythmus als ein Formbegriff, der sich in Abgrenzung vom Schema als Organisation der Bewegung der Rede in der Schrift fassen lässt, richtet sich auf den poetischen Diskurs als einer der Zeit unterworfenen Ordnung, die sich im materiellen Aspekt des mündlichen wie schriftlichen Sprachkörpers manifestiert und so eine poetologische Analyse ermöglicht, die auf Muster der Wiederholung wie der Zäsur gleichermaßen achtet.
Das Projekt umfasst drei miteinander verzahnte Teilprojekte:
Das Teilprojekt 1 widmet sich unter dem Titel ‚Raue Rhythmen' einer detaillierten Einzelanalyse von Hölderlins Nachtgesängen (Buchpublikation: Raue Rhythmen. Hölderlins Nachtgesänge, Baden-Baden: Rombach 2023).
Das Teilprojekt 2 liefert unter dem Arbeitstitel ‚Form in Bewegung. Studien zum Rhythmus des modernen Gedichts' Analysen zur Lyrik der Moderne von Hölderlin über Mörike, Droste-Hülshoff, Baudelaire, Mallarmé, George, Eliot, Trakl und Celan bis zu Thomas Kling.
Das Teilprojekt 3 widmet sich unter dem Arbeitstitel ‚Poetik des Diskurses' einem literaturtheoretischen Vergleich der Diskursbegriffe von Michel Foucault und Henri Meschonnic, um die Grundlage für eine Poetik zu schaffen, die die rhythmische Bestimmung der Literatur in ihren Mittelpunkt stellt, ohne ihre diskursiven Bedingungen außer acht zu lassen.
Projektlaufzeit: 10/2024 - 9/2029
Kontakt: Prof. Dr. Achim Geisenhanslüke, geisenhanslueke@lingua.uni-frankfurt.de