Im kommenden Jahr wird der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis seinen 70. Geburtstag feiern. In den Entdeckungen und Erfindungen, die er auszeichnet, spiegelt sich die Geschichte der modernen Medizin eindrucksvoll wider. Allein seit dem Jahr 2000 wurden neun Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preisträger*innen anschließend mit einem Nobelpreis geehrt.

Der Preis wurzelt doppelt in der Weimarer Republik. Der Ludwig Darmstaedter-Preis wurde 1926 vom Vorstand der Stiftung Georg-Speyer-Haus anlässlich des 80. Geburtstages seines Namensgebers ins Leben gerufen. Er wurde fortan alle drei Jahre für hervorragende Arbeiten auf den Gebieten der Chemotherapie und Biologie vergeben, auch durch alle Jahre der nationalsozialistischen Diktatur hindurch, nach 1935 allerdings nur „hausintern“ ohne öffentliche Bekanntmachung an Mitarbeiter der in Frankfurt ansässigen Ehrlichschen Institute. Der 1929 von Ehrlichs Witwe Hedwig gestiftete Paul Ehrlich-Preis konnte nur von 1930 bis 1934 verliehen werden. Dann fiel er dem deutschen Antisemitismus zum Opfer.

Premiere in der Paulskirche
Nach dem Krieg wurde im April 1952 beschlossen, den Paul Ehrlich-Preis und den Ludwig Darmstaedter-Preis zusammenzulegen, auch aus der Not drastisch verringerter Stiftungsvermögen heraus. In den 1950er Jahren erhielten die Preisträger deshalb nur eine Urkunde und eine Plakette. Die beiden ersten Preisträger waren wieder zwei Forscher, die hausintern brilliert hatten, Gerhard Eißner und Wolf-Helmut Wagner. 1953 zeichnete der Stiftungsrat dann Adolf Butenandt aus, der bereits 1939 für seine Arbeiten über Sexualhormone die Hälfte des Chemienobelpreises erhalten hatte.

1954 fand die Preisverleihung zum ersten Mal in der Frankfurter Paulskirche statt. Mit ihr wurde gleichzeitig der 100. Geburtstag Paul Ehrlichs gefeiert, weshalb auch Bundespräsident Theodor Heuss an der Zeremonie teilnahm. Der Preisträger war Sir Ernst Boris Chain. Er war als Sohn jüdischer Eltern in Berlin geboren, aufgewachsen und zum Biochemiker promoviert worden, bevor er, um sein Leben zu retten, im April 1933 nach England floh. Dort entwickelte er, basierend auf der Entdeckung von Alexander Fleming, zusammen mit Howard Florey das Penicillin zum ersten Antibiotikum, eine Leistung, für die sich die drei 1945 den Medizinnobelpreis teilten.

Ein überzeugender Stiftungsratsvorsitzender
Zwischen 1954 und 1960 wurde der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis im Zweijahres-Rhythmus vergeben, zunächst noch einmal an zwei altgediente Koryphäen, nämlich Gerhard Domagk, der für die Entdeckung der Sulfonamide 1939 den Medizinnobelpreis, und Richard Kuhn, der für seine Vitaminforschung 1938 den Chemienobelpreis erhalten hatte. Von 1960 an war der Preis dann mit 100.000 Mark aus Bundesmitteln dotiert. Denn Hans Walter Schmidt-Polex, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, war es gelungen, die Bundesregierung von der Bedeutung des Preises in der wissenschaftlichen Welt zu überzeugen. Der Geldpreis wurde fortan an geraden Geburtstagen Paul Ehrlichs zur Hälfte an einen oder zwei Hauptpreisträger vergeben. Die andere Hälfte wurde im darauffolgenden Jahr unter Wissenschaftlern aufgeteilt, die der Hauptpreisträger vorgeschlagen hatte. Diese Praxis wurde bis einschließlich 1977 beibehalten. Die Verleihung des Hauptpreises fand in allen geraden Jahren in der Paulskirche statt, die Verleihung des Preises an die von den Hauptpreisträgern vorgeschlagenen Laureaten erfolgte in allen ungeraden Jahren im Rahmen einer akademischen Feierstunde in einer Räumlichkeit der Goethe-Universität.

Ein Plädoyer für die Grundlagenforschung
Im Jahr 1966 ging der Hauptpreis an Peyton Rous, der zu diesem Zeitpunkt 86 Jahre alt war. Seine fundamentale Entdeckung, dass Viren Tumoren auslösen können, hatte er 56 Jahre zuvor gemacht. Im Herbst desselben Jahres erhielt er eine Hälfte des Medizinnobelpreises. Mit seinem Vorschlag für die Preisträger des kommenden ungeraden Jahres nahm die prädiktive Kraft des Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis für zukünftige Nobelpreise Fahrt auf. Denn Rous nominierte unter anderem Renato Dulbecco, der gezeigt hatte, wie Viren Tumoren auslösen können, wofür er sich 1975 den Medizinnobelpreis mit David Baltimore und Howard Temin teilte. Gut ein Jahrzehnt später gab Dulbecco der Biomedizin einen weiteren wesentlichen Impuls. Am 7. März 1986 veröffentlichte er im Wissenschaftsmagazin Science einen Aufruf zu einem Unternehmen, das in seiner „Bedeutung demjenigen Projekt vergleichbar sein würde, das zur Eroberung des Weltraums geführt hat.“ Dieser Aufruf erreichte seine Adressaten wenige Wochen nach der Challenger-Katastrophe der NASA. Er stieß bei vielen Experten und Entscheidern auf offene Ohren und machte den Weg frei zur Entzifferung unserer gesamten Erbinformation im Humangenomprojekt.
Die Aufklärung der Rolle des programmierten Zelltods für die Embryonalentwicklung; die Entdeckung der RNA-Interfenz; die Darstellung des Ribosoms in atomarer Auflösung; die Entdeckung der Telomerase und ihrer Rolle beim Altern; die Entwicklung von Checkpoint-Inhibitoren gegen Krebs und die Entwicklung des CRISPR-Cas-Verfahrens zur Genomeditierung: Das alles sind herausragende Leistungen, die seit 2000 zuerst in Frankfurt und dann erst in Stockholm ausgezeichnet wurden. „Dieser Preis stärkt der von reiner Neugier getriebenen Grundlagenforschung den Rücken“, sagte Jennifer Doudna, als sie 2016 den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis entgegennahm. „Ich hoffe, dass er uns allen helfen wird, deren intrinsischen Wert für die Gesellschaft deutlich herauszustellen.“

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