Projekte

Lab3 (1)
NegPos geht der Annahme nach, dass sprachübergreifende Unterschiede in der morphosyntaktischen Ausprägung der Negation zu Unterschieden in der Verarbeitung und dem Erwerb der Negation in typologisch verschiedenen Sprachen führen können. Konkret vergleichen wir die Negation im Deutschen und im Spanischen: Im Spanischen steht der Negator an der Oberfläche früh im Satz, vor dem finiten Verb. Im Deutschen erscheint der Negator spät und nach dem finiten Verb. Darüber hinaus ist die Satznegation im Spanischen auf eine einzige, präverbale Position beschränkt, während der Satznegator im Deutschen in verschiedenen Oberflächenpositionen erscheinen kann. Wir untersuchen, ob diese sprachübergreifenden Unterschiede das Sprachverständnis von Erwachsenen und den Spracherwerb von Kindern beeinflussen.

Eine zentrale Frage in der Zweitspracherwerbsforschung besteht darin, herauszufinden, welche Faktoren die Fähigkeit der LernerInnen beeinflussen, erfolgreich Sätze in Echtzeit zu verarbeiten. Intuitiv könnte man meinen, dass muttersprachliche (L1) grammatikalische Beschränkungen immer eine primäre Rolle spielen. Ein wichtiger Testfall—die Verarbeitung der Kongruenz mit Possessivformen wie „sein“ und „ihr“ —zeigt jedoch, dass die Verarbeitung einer Zweitsprache (L2) manchmal stärker von anderen Faktoren als dem Einfluss der L1 bestimmt werden könnte. Das aktuelle Projekt strebt an, diese Faktoren zu identifizieren und zu klären, ob sich der Einfluss der L1 unterschiedlich auf die L2-Produktion und das L2-Verstehen auswirken.

Dieses Projekt setzt sprachliche Variabilität in Herkunftssprachen in Beziehung zu Sprachwandelprozessen. Konkret wird die Hypothese untersucht, wonach attestierte Muster und Wege von Sprachwandel die Verarbeitungsprofile von Herkunftssprechern vorhersagen können. Um diese Hypothese zu überprüfen werden Online-Experimente zur Sprachverarbeitung zweier Phänomene aus dem Bereich der Objektrealisierung durchgeführt: klitische Dopplung im Spanischen und Nullobjekte im Portugiesischen. Wir vergleichen Herkunftssprecher der europäischen Varietäten des Spanischen und Portugiesischen mit Sprechern lateinamerikanischer Varietäten, für die in Hinblick auf die entsprechenden Phänomene angenommen wird, dass sie diachronisch weiter vorangeschritten sind: Rioplatense Spanisch und Brasilianisches Portugiesisch. Unsere Forschungsergebnisse werden zu einem besseren Verständnis der Sprachkompetenz spanischer und portugiesischer Herkunftssprecher beitragen und gleichzeitig einen Beitrag zur Erforschung diachronischer und dialektaler Variation im Spanischen und Portugiesischen leisten. Wir untersuchen, ob Herkunftssprecher des europäischen Portugiesischen in Deutschland diachronisch innovative Muster in der Verarbeitung von Nullobjekten zeigen. Dazu werden ihre Verarbeitungsprofile mit denen von Sprechern des europäischen (Braga) und brasilianischen Portugiesischen (Rio de Janeiro) verglichen.

Dieses Projekt untersucht die Verarbeitung von nicht-kanonischen Wortstellungen in Italienischen. Mithilfe von Leseexperimenten, untersuchen wir, inwiefern die Verarbeitung von nicht-kanonische Wortstellungen schwerer als die Verarbeitung von kanonischen Wortstellungen ist, und welche Faktoren diese Schwierigkeit bei monolingualen und bilingualen Sprechern beeinflussen. Für die monolingualen Sprecher, untersuchen wir, ob es eine Korrelation zwischen dem Erwerbszeitpunkt einer Struktur und dem Schwierigkeitsgrad ihrer Verarbeitung gibt. Für die bilingualen Sprecher, berücksichtigen wir die Rolle der Sprachkompetenz und sprachübergreifender Einflüsse. Wir fokussieren uns auf die Verarbeitung von postverbalen Subjekten im Zusammenhang mit verschiedenen Verbklassen.

Dieses Projekt will Aufschluss geben über Variationsmuster in der Verarbeitung von Prominenz-Strukturen. Mithilfe von Eye-Tracking-Experimenten untersuchen wir, wie deutsch-italienisch und deutsch-englisch bilinguale Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren morphosyntaktische und pragmatische Informationen während des narrativen Lesens integrieren. Wir erwarten, dass sich die bilingualen Kinder dahingehend voneinander unterschieden, wie sensitiv sie auf morphosyntaktische und pragmatische Informationen in der Verarbeitung von Diskurs reagieren. Als mögliche Faktoren für diese Variation untersuchen wir die Rolle sprachübergreifender Einflüsse, Unterschiede in Bilingualitätsprofilen und die individuellen kognitiven Fähigkeiten der Kinder. (in Zusammenarbeit mit Christiane Bongartz, Universität zu Köln im Rahmen des SFBs 1252 „Prominence in Language“).

Die Art und Weise, wie das Genus (maskulin/feminin/neutral) in unserem Kopf kodiert wird, ist alles andere als klar. Einerseits ist nicht klar, inwieweit die orthografische und phonologische Form von Substantiven durch Sprecher verwendet wird, um den Genuswert von Substantiven während des lexikalischen Zugriffs abzurufen. Andererseits gibt es eine umfangreiche gesellschaftliche Debatte darüber, ob der feminine Genuswert anders verarbeitet wird als der maskuline Genuswert und was die Ursachen dieser möglichen Unterschiede sind. In diesem Projekt vergleichen wir die Verarbeitung von Genus durch Sprecher zweier sehr interessanter Sprachen, Spanisch und Deutsch. Dabei werden eine Reihe von Aufgaben gestellt, die das Sprachverständnis durch Verhaltensmessungen untersuchen aber auch durch Eye-Tracking-Experimente. Im Spanischen lässt sich das Genus leicht anhand der Form von Substantiven vorhersagen, während dies im Deutschen nicht der Fall ist. Außerdem gibt es im Deutschen einen zusätzlichen Genuswert, nämlich das Neutrum. Die Ursachen für mögliche Unterschiede bei der Verarbeitung der maskulinen und femininen Genuswerte im Spanischen können unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Deutschen analysiert werden. Das gilt insbesondere für die möglichen Unterschiede zwischen dem Neutrum und den anderen Genuswerten.

Romance Lab

Ein Labor zur experimentellen Erforschung der romanischen Sprachen