FB 10 | Niederländisch | Veranstaltungsreihe Niederländische Sprache und Kultur AKTUELL

Wintersemester 2017-18

Am 9. November 2017 kommt die flämische Autorin Lize SPIT und stellt um 19 Uhr die deutsche Übersetzung (Fischer-Verlag) ihres erfolgreichen Debütromans "Und es schmilzt" vor. (Niederländisch: Het smelt) Deutsche Stimme: Malu Schrader

Raum: Campus Westend, Casinogebäude, 1. Stock, Rm. 1.801 (Renate-von-Metzler-Saal)

Lize Spit wurde 1988 in Flandern geboren und veröffentlichte

Anfang 2016, nach mehreren bemerkenswerten Erzählungen,

ihren 500 Seiten starken Debütroman Het smelt (dt. Und es

schmilzt, S. Fischer, Übersetzung: Helga von Beuningen), der

wie eine Bombe einschlug und zum drittbest verkauften Buch

des Jahres avancier te. Het smelt erhielt den Niederländischen

Buchhandelspreis 2017, mehrere Debütpreise und zahlreiche Nominierungen

für diverse Literaturpreise. Die Übersetzungsrechte

wurden in neun verschiedenen Ländern verkauft, auch von einer

Verfilmung ist die Rede.

Eine junge Frau fährt mit einem gigantischen Eisblock im Kofferraum

von Brüssel in ihren Heimatort im Osten Flanderns. Ihr Ziel ist

eine Gedenkfeier im Dorf. Warum sie dazu einen Eisbrocken braucht

erfährt der Leser zunächst nicht und wird darüber bis zum bitteren

Ende in Spannung gehalten. Schritt für Schritt, aber in einer augenscheinlich

willkürlichen Folge, erfahren wir mehr über die Hauptperson

Eva, ihre Eltern und Geschwister und die beiden Schulfreunde

Pim und Laurens. Lize Spit gelingt es, die Aufmerksamkeit mittels

vieler Flashbacks wach zu halten - bis zu einem schier unerträglichen,

aber unvermeidlichen Höhepunkt. Spiegel Online schreibt:

„Wir dürfen nicht abstumpfen, sondern brauchen Texte wie die von

Lize Spit, die uns hinabführen in das Reich des Bösen. Eine Welt, in

der das Moralbarometer auf einmal defekt wirkt (…)“

Am 30 November kommt die niederländische Autorin Niña WEIJERS und liest um 19 Uhr aus ihrem preisgekrönten Debütroman "De consequenties" vor, der 2016 auf Deutsch beim Suhrkamp-Verlag erschien.

Raum: Campus Westend, IG-Farben-Bau, 1. Stock, Rm. 1.411

Niña Weijers, geboren 1987, ist gewissermaßen das niederländische

Pendant zu Lize Spit. Ihr gelang 2014 mit ihrem meisterhaften

Debütroman De consequenties (dt. Die Konsequenzen, Suhrkamp,

Übersetzung: Helga von Beuningen) der Durchbruch. Auch ihr

Roman wurde mit mehreren Debütpreisen ausgezeichnet, für

Literaturpreise nominiert und inzwischen ins Französische und

Englische übersetzt. Das Interessante an diesem Roman ist, dass er

den Eindruck erweckt, von einer sehr erfahrenen, reifen Autorin

geschrieben zu sein. Er ist nahezu perfekt.

Die viel zu früh geborene Minnie Panis entwickelt sich zu einer

gefeierten bildenden Künstlerin, spezialisiert auf Performances.

Nicht zufällig stammt das Motto des Romans von der berühmten

Performancekünstlerin Marina Abramovicz: 2010 saß Minnie Abramovicz

in deren weltberühmten Projekt „The artist is present“ im

New Yorker Moma gegenüber. Minnie selbst geht ebenfalls sehr

weit in ihren Projekten und nimmt in Kauf, dass sie selber und/oder

andere (der Fotograf z.B.) die Konsequenzen tragen müssen. Obwohl

sie mehrfach dem Tod gerade so entkommen ist, wird Minnie

von einer dominanten Todessehnsucht geleitet. Wissentlich bricht

sie fast durch zu dünnes Eis und wird in letzter Sekunde von einem

rätselhaf ten Arzt gerettet, der in ihrer Kindheit und Jugend bereits

eine bedeutende Rolle gespielt hatte. Wie bei Lize Spit bekommt

auch hier das Eis eine entscheidende, intrigierende Rolle.

Der flämische Autor Kris Van Steenberge trägt am 23. Januar 2018 um 19 Uhr zweisprachig aus seinem Roman "Woesten"  (dts. "Verlangen") vor. Thema: der erste Weltkrieg in Flandern

Raum: Campus Westend, Casinogebäude, 1. Stock, Rm. 1.812

Obwohl Kris Van Steenberge schon 1963 geboren wurde und

mehrere Theaterstücke geschrieben hat, überraschte er

Ende 2013 mit dem Debütroman Woesten, der 2016 beim deutschen

Verlag Klett-Cotta unter dem Titel Verlangen erschienen

ist (Übersetzung: Waltraud Hüsmert). Bereits im ersten Jahr

wurde Woesten in sieben Auflagen gedruckt und erhielt mehrere

Debütpreise. Sowohl das Thema, eine Familiengeschichte in West-

Flandern vor und während des Ersten Weltkriegs, als auch Van

Steenberges Stilsicherheit und poetischer Sprachgebrauch trugen

zu dem Erfolg bei. 2018 – 100 Jahre nach Ende des verheerenden

Krieges – kommt der Theatermacher Van Steenberge nach

Frankfurt und stellt Teile seines Romans szenisch dar

(zweisprachig). Beeindruckend!

Verlangen ist in vier Teile gegliedert, die jeweils aus der Perspektive

eines Protagonisten erzählt sind: der hübschen jungen Elisabeth

aus einfachen Verhältnissen, des Arztes Guillaume, der Elisabeths

Ehemann werden soll sowie deren Söhne „Namenlos“, der

entstellt zur Welt kam, und Valentin, der bildhübsche Zwillingsbruder.

Im fünften Teil entwickelt sich die Geschichte dann in eine

ganz andere Richtung, als es der Leser erwartet hätte. Verlangen

ist ein ergreifender Roman, der den Leser nicht unberührt lässt

– es geht um echte Menschen mit ihren Verlangen und unerfüllten

Sehnsüchten, Liebe und Hass, Anziehung und Abstoßung,

Schönheit und Vergänglichkeit, Sünde und Vergebung, Schicksal

und Vergeltung. Trotzdem wirkt der Roman nie überladen oder zu

schwer, sondern vielmehr sehr ausgewogen. Der Autor dringt tief

in die psychologischen Beweggründe und Abgründe seiner Protagonisten

ein. Nach der Lektüre bleibt der Leser noch tagelang im

Bann dieses Romans.

Alle Veranstaltungen sind zweisprachig Niederländisch-Deutsch. Es ist jeweils ein Büchertisch vorhanden.