2016 werden die Niederlande und Flandern Ehrengast der Frankfurter Buchmesse sein.

Das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität begleitet dieses kulturelle Ereignis schon im Vorfeld mit mehreren Veranstaltungen, zu denen jeweils ein niederländischer und ein fl ämischer Gast eingeladen sind.

Am 19. Mai 2016 um 19 Uhr ist - in Zusammenarbeit mit der Weltlesebühne - eine Veranstaltung zum "Gläsernen Übersetzer" mit der Übersetzerin Marlene Müller-Haas  im Seminarhaus (Campus Westend), Raum 2.108 (!!) geplant. Thema: der Roman "Ik kom terug" von Adriaan Van Dis.

Anlässlich der Buchmesse 2016 werden dutzende niederländische und flämische Titel in die deutsche Sprache übersetzt. Aber wie funktioniert das? Wer bestimmt, was übersetzt wird? Wer sind die Übersetzer? Wie arbeiten sie?

Die Übersetzerin Marlene Müller-Haas wird uns anhand ihrer Übertragung von Adriaan Van Dis Roman Ik kom terug Einblicke in ihre Arbeit geben. Sie übersetzte so unterschiedliche Autoren wie Armando, Harry Mulisch, Charlotte Mutsaers, Stefan Brijs, Geert Mak, Stefan Hertmans, Kristien Hemmerechts und viele mehr. 2003 erhielt sie für ihr Werk den Else-Otten-Übersetzerpreis. Marlene Müller-Haas sieht sich nicht nur als Übersetzerin, sondern auch als Vermittlerin zwischen Kulturen.

In Ik kom terug beschreibt Adriaan Van Dis teils amüsant, teils schmerzlich die sehr mühsame Beziehung mit seiner sehr betagten, aber immer noch alerten und dominanten Mutter, die eine wichtige Phase ihres Lebens in der ehemaligen niederländischen Kolonie Indonesien verbracht hat. Im Tausch dafür, dass er seiner Mutter Sterbehilfe leistet, verlangt der Sohn ihre Lebensgeschichte. Das therapeutische Experiment resultiert in diesem lesenswerten Roman.

Eintritt frei


Am 3. Juni 2016, einem Freitag, werden der niederländische Erfolgsautor Ernest van der Kwast (De ijsmakers) und die flämische Autorin Saskia de Coster (Wij en ik) aus ihren Romanen, die bis dahin auch auf Deutsch vorliegen werden, lesen. Anfang: 19 Uhr im Casinogebäude, Campus Westend, Raum 1.801

Saskia de Coster (°1976), hat laut Schriftstellerkollege Tom Lanoye „seit Jahren den widerspenstigsten, bizarrsten und attraktivsten Schreibstil des Landes“. Wij en ik, in deutscher Übersetzung Wir und ich, ist ihr zehnter Roman. De Coster, selbst bildende Künstlerin, arbeitet oft in Projekten mit anderen bildenden Künstlern zusammen. Wij en ik ist eigentlich ein Familienroman, aber Saskia de Coster schafft es, mit ironischer Feder dem etwas verstaubten Genre neues Leben einzuhauchen. Manchmal zärtlich, häufiger beklemmend bitter, beschreibt sie die Leere und die Aussichtslosigkeit des Lebens einer Kleinfamilie, versteckt hinter den alarmgesicherten Mauern ihrer kleinen Villaburg auf einem Hügel, wo nur neureiche Gleichgesinnte wohnen. Das Leben mit selbstauferlegten Pflichten und Zwängen wird zum eigenen Gefängnis, aus dem sich die einzige wohlbehütete Tochter Sarah durch eine Flucht in die USA zu befreien versucht. Der Roman liest sich auch als Parodie auf den belgischen Baustil. Herman Koch, Autor von Het diner, schreibt: „Der Große Flämische Roman ist nicht tot. Er wurde gerade von Saskia de Coster geschrieben. Wir und ich ist ein Roman, der mich noch lange verfolgen wird: bärenstark und unvergesslich.“

Ernest van der Kwast (°1981) wurde mit dem autobiografisch inspirierten Roman Mama Tandoori (2010), der in den Niederlanden 100.000 Mal verkauft wurde und im Sommer d.J. auch auf Deutsch erscheint, bekannt.

Bereits 2015 erschien die Übersetzung seiner wunderbaren Novelle Giovanna’s navel unter dem Titel Fünf Viertelstunden bis zum Meer.

De ijsmakers (dts. Die Eismacher) ist die Geschichte verschiedener Generationen von Eismachern, die jährlich mit dem Frühling aus den norditalienischen Bergen nach Deutschland und in die Niederlande kommen, um ihre Eisdielen zu öffnen und nach einer langen Saison harter Arbeit im Herbst nach Hause zurückkehren. Ein wehmütiger Roman über die Passion des Eismachens, die immerwährende spannende Suche nach neuen Geschmacksrichtungen und die historischen Hintergründe der ersten „gelatieri“, die Eis aus den Bergen holten, um Speiseeis herzustellen. Gleichzeitig wird das Leben zweier Brüder erzählt, von denen sich der eine für die Poesie und der andere zwangsläufig für das Eis entscheidet.

Lesung Niederländisch-Deutsch – Büchertisch vorhanden - Eintritt frei