FB 10 | Niederländisch | Veranstaltungsreihe Niederländische Sprache und Kultur AKTUELL

Wintersemester 2018-19

27.11.2018 - 19 Uhr: "Moed en overmoed. De biografie van Mata-Hari" (2018) : Angela DEKKER & Jessica VOETEN (Bildervortrag in niederländischer und deutscher Sprache) (Campus Westend - Seminarhaus Raum 1.109)

Angela Dekker (°1959) und Jessica Voeten (°1956) schreiben als Journalistinnen für führende niederländische Zeitungen und Zeitschriften. Angela Dekker veröffentlichte De onbekende soldaat (Der unbekannte Soldat) 2003, über vermisste Soldaten während des Ersten Weltkrieges und schrieb in Verloren verleden (Verlorene Vergangenheit) (2007) und De laatste diplomaat van de tsaar (Der letzte Diplomat des Tzaren) (2013) über Exilanten in Paris nach der Russischen Revolution. Jessica Voeten schrieb u.a. über die Geschichte des Holland Festival (1995) und über das Fin de Siècle und die Amsterdamer Impressionisten in Het Witsenhuis (2003) und Isaac Israels in Amsterdam (2012)

Für die 464 Seiten zählende, reichlich bebilderte Biografie von Mata-Hari, die 1876 in Leeuwarden als Margaretha Geertruida Zelle geboren wurde, haben die Autorinnen Dekker und Voeten sich auf zahlreiche nicht eher entdeckte oder erforschte Archivstücke und Briefe gestützt. Im Zentrum der Biografie Moed en overmoed (dt. Mut und Übermut) steht eine selbstbewusste Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Opfer eines spielsüchtigen, gewalttätigen und hochverschuldeten Ehemanns keinen anderen Ausweg sah, als sich als exotische und erotische Tänzerin in Paris ihren Lebensunterhalt zu verdienen, um nicht in die Prostitution abzurutschen. Die Autorinnen zeichnen diesen Weg sehr detailliert nach, wodurch plausibel wird, dass dies für Margaretha Zelle weder eine leichte noch eine leichtsinnige Entscheidung war. Sie ließ die bürgerliche Margaretha McLeod-Zelle in den Niederlanden zurück und wurde als faszinierende, schillernde, verhängnisvolle Mata-Hari in Paris neugeboren. Diese „Entdoppelung“ ihrer Persönlichkeit führt sie selber auch als Argument in ihrer Unschuldsbeteuerung an, kurz bevor sie 1917 aufgrund vermeintlicher Spionagetätigkeiten für die Deutschen in Frankreich hingerichtet wurde. In der Biografie aber wird deutlich, dass Mata-Hari wohl eher wegen ihres Lebenswandels als aufgrund tatsächlicher Beweise verurteilt wurde.

Mata-Haris Geburtsort Leeuwarden in Friesland (NL) ist 2018 Kulturhauptstadt Europas.

06.02.2019 um 19 Uhr: Alfred BIRNEY: De tolk van Java (Der Dolmetscher von Java) (Lesung in englischer und niederländischer Sprache) (In zusammenarbeit mit dem Institute for South-East-Asian-Studies der Goethe-Universität Frankfurt) (Campus Westend, voraussichtlich Casinogebäude Raum 1.812)

Für den autobiografischen Roman De tolk van Java (dt. Der Dolmetscher von Java) wurde Alfred Birney 2017 mit dem renommierten und hoch dotierten Libris Literatuur Prijs ausgezeichnet. Denn noch nie wurde so eindringlich geschildert, wie eng Gewalt im Krieg und häusliche Gewalt miteinander verknüpft sind. Alfred Birney, seine Mutter und Geschwister litten unter den Misshandlungen des Vaters, dessen Leben seit der Kindheit ebenfalls von Gewalt geprägt war. 1925 in Niederländisch-Indien als (nicht anerkannter) Sohn eines Europäers und einer Chinesin geboren, kämpfte der Vater im Widerstand gegen die Japaner und später als „Dolmetscher“ und „Marinier“ im Dienst der Niederländer gegen das eigene Volk.

Birneys Roman, teilweise gestützt auf „Memoiren“ seines Vaters, ist eine bittere, meisterhaft geschriebene Abrechnung nicht nur mit den eigenen Eltern, sondern auch mit einem Teil der niederländischen (Kolonial)geschichte.                                                                                                                        

Alfred Birney (°1951) ist Autor mehrerer Romane und einer Anthologie über Niederländisch-Indien. Seine Werke wurden ins Indonesische übersetzt, 2019 erscheint De tolk van Java auch in englischer und italienischer Übersetzung.  

Der Eintritt ist frei          

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