Master-Studiengang Dramaturgie am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft im Rahmen der Hessischen Theaterakademie

Seiner Geschichte nach ist der Dramaturg im Theater derjenige, der mit kritischer Distanz auf die Produktion blickt. Teil von ihr, doch auch dieser fremd, stellt er sie immer wieder als Ganzes infrage. Er reflektiert sie mit ihren Bedürfnissen, Notwendigkeiten und ihrem Eigensinn, aber auch ihren Sachzwängen, geregelten Abläufen und Automatismen. Im besten Fall setzt er so die Produktion in Bezug zu den Kontexten, in denen sie steht. Damit verkörpert er den Anspruch von Geschichte, Gesellschaft und Politik innerhalb des künstlerischen Prozesses und vertritt diesen andererseits nach außen. Um dies leisten zu können, braucht er neben den Kenntnissen des Spezialisten vor allem die Grundtugenden jedes Forschenden: Er sollte lesen, schauen, denken, hören, schreiben können und den Mut haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

Der Frankfurter Studiengang
 

Mit dem Jahrgang 2012 ist der hochschulübergreifende, Theorie und Praxis integrierende Master-Studiengang „Dramaturgie“ im Rahmen der Hessischen Theaterakademie unter neuer Leitung in sein zweites Jahrzehnt gestartet. Er wurde 2002 von Hans-Thies Lehmann gegründet. Seine Konzeption antwortete auf die großen Umbrüche im Theater der vergangenen Jahrzehnte: Angesichts experimenteller Formen, die die Grenzen der traditionellen Bereiche von Theater, bildender Kunst und audiovisuellen Medien überschritten, und mit Blick auf neue Formen des Musiktheaters, des Tanzes und der Performance waren die Aufgaben der Dramaturgie komplexer geworden. Der Studiengang wurde schnell zu einem erfolgreichen Modell  und vielen seiner Studierenden ist schon vor Ende ihres Studiums ein Engagement angeboten worden. Absolventen arbeiten an vielen Stadt- und Staatstheatern sowie in Produktionsstätten der freien Szene.

Mit Blick auf das sich rapide verändernde Berufsbild des Dramaturgen ist es dem Frankfurter Studiengang besonders wichtig, Studieninhalte zu vermitteln, die nicht nur für das bereits existierende Theater, sondern auch für ein Studierenden wie Dozenten noch unbekanntes zukünftiges Theater vorbereiten. Zu den Merkmalen eines guten Dramaturgen rechnen wir neben der Kenntnis des real existierenden Theaters, seiner Traditionen und Rahmenbedingungen auch die soziale Phantasie, das Wissen um andere Möglichkeiten, die Sensibilität für das Neue, Unbekannte, die Fähigkeit, es auf Begriffe zu bringen, und die Bereitschaft, es gegen die ökonomischen und politischen Hindernisse des Betriebs und der Gesellschaft durchzusetzen. Besonderen Wert legen wir deshalb auf eine internationale Ausrichtung, auf eine enge Vernetzung mit gegenwärtiger künstlerischer Praxis in allen Bereichen des Theaters und der angrenzenden Künste sowie auf die Beförderung des selbständigen szenischen Forschens und der eigenständigen wissenschaftlich-theoretischen Praxis der Studierenden.

Studieninhalte
 

Zu den Studieninhalten des M.A. Dramaturgie gehören u.a.: Grundfragen dramaturgischer Praxis und Theorie, künstlerisch-praktische Arbeit in szenischen Projekten, Workshops und Theorie-Praxis-Seminaren, eigenständiges künstlerisches, theoretisches und organisatorisch-kuratierendes Arbeiten,  Theorie, Geschichte und Analyse des Theaters in allen seinen Spielarten und Erscheinungsformen, Darstellung und Kritik theatraler Formen, Theatertechnik, Produktionsdramaturgie sowie Einblicke in Grundlagen der Theaterorganisation (Bühnen-, Vertrags- und Verlagsrecht, Theatermanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit).

Der Master-Studiengang Dramaturgie ist ein Studiengang der Professur für Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Gleichzeitig ist er Teil der Hessischen Theaterakademie, eines Studien- und Produktionsverbundes der auf das Theater hin qualifizierenden Studiengänge hessischer Hochschulen und der wichtigsten hessischen Stadt- und Staatstheater. Aufgrund dieser zweifachen Verankerung des Studiengangs – zum einen im Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, zum anderen in der Hessischen Theaterakademie – entsteht seine enge Verbindung von wissenschaftlicher und praktischer Theaterarbeit. So ermöglicht der Dramaturgie-Studiengang den Studierenden bereits im Rahmen des Studiums in Lehrveranstaltungen und in konkreten Projekten den Austausch und die Zusammenarbeit mit den Studierenden anderer Bereiche des Theaters (Theaterwissenschaft, Regie, Schauspiel, Szenographie usw.). Darüber hinaus profitieren die Studierenden von den Vorteilen eines universitären Vollstudiums: Von einem vielfältigen theoretischen Seminarangebot, das sich am Primat der Bildung orientiert und diese nicht auf eine instrumentelle Ausbildung verkürzt über die Möglichkeit, ausgezeichnete Fachbibliotheken sowie die Mediathek der TFM zu nutzen bis hin zu vielfältigen Angeboten (Vorträge, Workshops, Symposien) im Institut wie in den angrenzenden Fächern und Fachbereichen.

Leitung: Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll, Leonie Otto, M.A. (Koordination).

Außerdem unterrichten die folgenden hauptamtlichen Dozentinnen und Dozenten der Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft: Dr. Matthias Dreyer, Olivia Ebert, M.A.,
PD Dr. Jörn Etzold, Leon Gabriel, M.A., Julia Schade, M.A.

Die Professur für Theaterwissenschaft besetzt mit Unterstützung des DAAD und des International Office der Goethe-Universität regelmäßig eine Friedrich Hölderlin-Gastprofessur für Allgemeine und Vergleichende Dramaturgie mit internationalen Gästen, die in ihrer Arbeit Theorie und künstlerische Praxis auf vorbildliche Weise mit einander verbinden. Für die kommenden Semester sind unter anderen die Theater- und Performancewissenschaftlerin Heike Roms (Aberystwyth), der Regisseur und Theaterwissenschaftler Tore Vagn Lid (Oslo) sowie der Theaterwissenschaftler Khalid Amine (Marokko) vorgesehen.

Darüber hinaus wirkten und wirken am Studiengang bisher u.a. die folgenden Dozentinnen und Dozenten mit: Prof. Dr. Norbert Abels, Robin Arthur, Ira Avneri, Sibylle Baschung, Prof. Hans-Ulrich Becker (Studiengang Regie, HfMDK Frankfurt), Dr. Dagmar Borrmann, Uwe Carstensen, Laurent Chétouane, Dr. Kattrin Deufert/Thomas Plischke, Prof. Ingo Diehl (Zeitgenössische Tanzpädagogik, HfMDK Frankfurt), Dr. Miriam Dreysse, Markus Droß, Tim Etchells, Prof. Wanda Golonka, Martin Hammer/Maria Magdalena Ludewig, Prof. Dr. Carl Hegemann, Prof. Dieter Heitkamp (Ausbildungsbereich Zeitgenössischer und Klassischer Tanz, HfMDK Frankfurt), Hans Hollmann, Manuela Infante, Prof. Dr. Christian Janecke (Kunstgeschichte, HfG Offenbach), John Jesurun, Ruth Kanner, Alexander Kerlin, Prof. Dr. Esa Kirkkopelto, Katharina Kellermann, Prof. Ernst-August Klötzke (Musiktheorie, HfMDK Frankfurt), Chris Kondek, Juliane Kremberg, Matthias Lilienthal, Stefanie Lorey, Christof Loy, Thomas Maagh, Florian Malzacher, Prof. Lina Majdalanie (geb. Saneh), Uwe Mengel, Bernhard Mikeska, Bettina Milz, Sergio Morabito, Gerardo Naumann, Matthias Naumann, Christof Nel, Prof. Mike Pearson, Benedikt von Peter, Christine Peters, René Pollesch, redpark, Jeanette Rohrbacher, Prof. Dr. Freddie Rokem, Prof. rosalie (Bühnenraum und Kostüm, HfG Offenbach), Felix Rothenhäusler, Richard Schechner, Imanuel Schipper, Prof. Thomas Schmidt (Theater- und Orchestermanagment, HfMDK Frankfurt), Johannes Schmit, Bernhard Siebert, Dr. Tim Schuster, Prof. Dr. Malgorzata Sugiera, Prof. Marion Tiedtke (Studiengang Schauspiel, HfMDK Frankfurt), Susanne Traub, Norihiko Tsukinowa, Gerd-Theo Umberg, Camilla Vetters, Dr. Marion Victor, Helena Waldmann, Barbara Weber, Marten Weise, Rosa Wernecke, Dr. Susanne Winnacker, Olaf Winter, Susanne Zaun, Ivna Zić, Jonas Zipf sowie die Lehrenden des Instituts für TFM.

Ein enger Austausch besteht u.a. mit: dasarts Amsterdam; Foreign Affairs, Berlin; Frankfurt LAB; Kampnagel Kulturfabrik, Hamburg; Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt; Oper Frankfurt; PACT Zollverein, Essen; Plateforme de la jeune création franco-allemande; Ruhrtriennale; Schauspiel Frankfurt; Tanzlabor 21, Frankfurt; Tanzquartier Wien; Theater der Welt; Wiesbaden Biennale; The Forsythe Company; Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe.

Der Master-Studiengang Dramaturgie verfügt durch die regelmäßige Einladung internationaler künstlerischer und wissenschaftlicher Gastdozenten sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen europäischen und außer-europäischen Universitäten über eine ausgeprägt internationale Ausrichtung. Im Rahmen des Masterstudiums sind Auslandsaufenthalte möglich und erwünscht. Kooperationspartner sind unter anderem die Universitäten Universitetet i Bergen, Universität Stockholm,  Theaterakademie Helsinki, Aberystwyth University, Københavns Universitet, Université Libre de Bruxelles; Université Paris 8 Vincennes – Saint-Denis, Université Paris 10 Nanterre, Universidad da Coruña, Universität Wien, Karls-Universität Prag, University of Chicago, Universität Tel Aviv.