Zur Vortragsreihe
Zahlreiche zeitgenössische Herausforderungen der Gesellschaft wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Ressourcenknappheit tragen zur Verschärfung globaler Ungleichheiten bei. Ein transdisziplinärer Blick ermöglicht verschiedene Zugänge zu Fragen der Entstehung und Verminderung räumlicher Ungleichheiten. Die Vortragsreihe beleuchtet in verschiedenen Vorträgen Aspekte der Ungleichheit aus geographischer Perspektive.!
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16.10.2024 |
Prof. Dr. Marc Redepenning (Universität Bamberg) |
Räumliche Ungleichheit und raumbezogene Gerechtigkeit sind in den letzten Dekaden stärker in das Zentrum öffentlicher Diskussionen gerutscht. Deutlich wird, dass sich eine – klassisch verstandene – Einkommensungleichheit auf globaler Ebene verringert, während sie häufig auf regionaler Ebene wächst; insbesondere in Staaten des globalen Nordens. Dabei wird in vielen Diskussionen Ungleichheit einseitig mit Ungerechtigkeit gleichgesetzt, was zu problematischen Implikationen führen kann. Ziel des Vortags ist es, einen Überblick über die Vielfalt an Verständnissen wie Ausprägungen räumlicher Ungleichheit und raumbezogener Gerechtigkeit zu geben mit besonderem Augenmerk auf regionaler und lokaler Ebene. Dabei sollen soziale, kulturelle und politische Fragen und Herausforderungen und Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Räumen adressiert werden..
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30.10.2024 |
Robert John, M.Sc. (Universität Freiburg) |
Der Bausektor ist der wirtschaftliche Motor vieler Länder. Er generiert Wachstum, schafft Arbeitsplätze und dient als Krisenmechanismus in Zeiten ökonomischer Rezession und niedriger Zinsen. Folglich boomt das Baugewerbe und mit ihm der Sandabbau und die Landgewinnung. Der Vortrag widmet sich den ungleichen sozialökologischen Folgen dieser Entwicklung am Beispiel Kambodschas. In der Hauptstadt Phnom Penh wird der Sand aus dem Mekong zur Transformation von Gewässern in private Spekulationsobjekte und Flächen zur Kapitalsicherung für (inter)nationale Investor*innen genutzt. Dadurch kommt es zu einer folgenschweren Umverteilung von Sedimenten zwischen Gewässern und Bauland, Peripherie und Stadt sowie marginalisierter Bevölkerungsgruppen und Eliten.
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13.11.2024 |
Dr. Hanna Augustin (Senat. d. Freien Hansestadt Bremen) |
Im Zuge diverser Krisen steigt auch in Deutschland das Interesse an Ernährungsarmut. Medien berichten zunehmend darüber, dass in unserer wohlhabenden Gesellschaft der Zugang zu Lebensmitteln, die ein gesundes und aktives Leben ermöglichen, nicht für alle selbstverständlich ist. Das ist nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus Gründen der gesellschaftlichen Teilhabe zu problematisieren. In der Berichterstattung hält sich jedoch hartnäckig die Erklärung, dass eine nicht gelingende Ernährung auf individuelles Versagen zurückzuführen ist. Dieser Vortrag lenkt den Blick auf die strukturellen Bedingungen von Ernährung und verdeutlicht, wie gesellschaftliche Positionen und die gebaute Umwelt den Zugang zu Lebensmitteln prägen. Der Vortrag zeigt, wie eine geographische Perspektive dazu beiträgt, den Zugang zu Lebensmitteln umfassend zu verstehen..
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27.11.2024 |
Dr. Sarah Klosterkamp (Universität Frankfurt am Main) |
In den letzten Jahren haben Forschungsarbeiten eine weltumspannende Wohnungskrise dokumentiert. Diese wurde zuletzt durch die globale Pandemie und damit verbundenen Lohnausfällen, die internationalen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, steigende Wohnnebenkosten und einer inflationsbedingten Abwertung der Nettolöhne weiter verschärft. In diesem Spannungsfeld setzt der Beitrag an und verdeutlicht, auf welche Weise unliebsamen Mieter*innen durch das Mittel des Rechts Wohnraum entzogen wird und inwiefern diese Vorgänge durch Instandhaltungs- bzw. Inwertsetzungslogiken von Immobilienbesitzer* oder -verwalter*innen angeleitet werden. Der Beitrag beantwortet wie sich in Kontexten von Bürokratien strukturelle Ungleichheiten und Vulnerabilitäten im Bereich des Wohnens jenseits von Eigentum entlang der Kategorien Alter, Geschlecht, Einkommen und Nationalität verschärfen.
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15.01.2025 |
Prof. Dr. Silja Klepp (Universität Kiel) |
Im Rahmen der sozialökologischen Krise und dem derzeitigen Umbau unserer Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit geht es um zahlreiche Gerechtigkeitsfragen, die noch kaum thematisiert werden. Der Vortrag präsentiert Beiträge der Perspektive der Umweltgerechtigkeit, die diese Fragen analytisch greifen können. Es werden unterschiedliche Verständnisse von gesellschaftlicher Transformation wie struktureller Wandel und ökologische Modernisierung präsentiert und gezeigt, dass diese eng mit unterschiedlichen Vorstellungen von Entwicklung und einer guten Zukunft verbunden sind. Beispiele aus der Forschung in Deutschland wie Konflikte um Grünflächen oder um die Schließung des Braunkohlebergbaus illustrieren den Vortrag.
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29.01.2025 |
Prof. Dr. Martina Neuburger (Universität Hamburg) |
Die tropischen Gletscher der Cordillera Blanca in Peru gelten wie viele Gebirgsgletscher als ‚Fieberthermometer' des globalen Klimawandels. Gleichzeitig sind sie Basis für regionale Bewässerungslandwirtschaft und haben mythische Bedeutung für die quechuasprachige Bevölkerung in der Region. Zahlreiche Gletscherseeausbrüche fordern seit Jahrzehnten tausende von Todesopfern. Vor dem Hintergrund dieser Dynamiken sind die unterschiedlichsten nationalen und internationalen Akteure in der Region aktiv, um sich um den Klimawandel zu „kümmern“ und Maßnahmen zu Klimaschutz und Klimawandel-Anpassung anzustoßen. Allerdings werden indigene Stimmen dabei selten gehört oder ihre Erzählungen ernst genommen. Sich widersprechende Vorstellungen von und Umgangsformen mit Natur spiegeln dabei ungleiche Machtverhältnisse und koloniale Kontinuitäten wider.
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05.02.2025 |
Prof. Dr. Uli Beisel (Freie Universität Berlin) |
In Deutschland sind Stechmücken vor allem als Plagegeister bekannt, die uns bei gemütlichen Abenden im Garten auf die Nerven gehen. Weltweit sind Stechmücken als Überträgerinnen verantwortlich für viele Krankheits- und Todesfälle. In einer kleinen Kulturgeographie der Stechmücke fragt dieser Vortrag, worauf diese globale Ungleichverteilung zurückzuführen ist und zeigt, dass diese Sorglosigkeit auch in Nordeuropa nicht immer so möglich war. Den Blick in die Zukunft gerichtet können wir sehen, dass – trotz Insektensterben – die Klimakrise neue Habitate für krankheits-übertragende Stechmücken bietet und Mückengeographien weltweit stark im Wandel begriffen sind.
Vorträge im Hörsaal H VI, Campus Bockenheim, Gräfstraße 52-54 (Zugang über Mertonstraße)
Die Vorträge beginnen jeweils mittwochs um 18:15 Uhr im Hörsaal H VI, Hörsaalgebäude der Goethe-Universität Frankfurt, Campus Bockenheim, Gräfstraße 52-54 (Zugang über Mertonstraße), 60325 Frankfurt am Main.
Das Hörsaalgebäude der Goethe-Universität Campus Bockenheim, Gräfstraße 52-54 (Zugang über Mertonstraße) ist zu Fuß von der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte (Senckenbergmuseum) zu erreichen (U-Bahn U4, U6, U7; Straßenbahn 16; Bus M32, M36, 50, 75).
Vom Campus Riedberg führt der kürzeste Weg mit der U-Bahn U9 und Straßenbahn 16 via Ginnheim. Eine individuelle Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist mit der RMV-Fahrplanauskunft möglich
Im Umfeld des Campus Bockenheim (Bockenheim, Westend, Palmengarten, Messe) sind nur begrenzt Parkplätze vorhanden.
Mitglieder: frei
Nichtmitglieder: 5 €
Student*innen, Schüler*innen, Rentner*innen, Arbeitslose: 3 €
Schulklassen: nach Anmeldung frei
Alle Vorträge sind beim Hessischen Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) als Lehrerfortbildung akkreditiert.