Lecture series "Verräumlichung der radikalen Rechten"

während Gültigkeit

Dr. Daniel Mullis (PRIF) & Heike Kleffner (VBRG)

Die extreme Rechte vor Ort

Daniel Mullis thematisiert in seinem Vortrag die zunehmende Präsenz der extremen Rechten, insbesondere der AfD, in den letzten zehn Jahren und knüpft dabei an Diskussionen an, die die Beteiligung der Mitte der Gesellschaft an rechtsextremen Einstellungen betonen. Er fragt nach den gesellschaftlichen Tiefenstrukturen, die rechtsextreme Einstellungen fördern und progressiven Ideen entgegenwirken, wobei er den verstärkten Individualismus, die Wettbewerbsorientierung und die Akzeptanz von Ungleichheit hervorhebt, die durch die Neoliberalisierung vertieft wurden. Seine Überlegungen basieren auf einer geographisch-qualitativen Sozialforschung in peripheren Stadtteilen von Frankfurt am Main und Leipzig. Heike Kleffner betrachtet im Anschluss die Wechselwirkung von rassistischer Gewalt, strafrechtlichen Ermittlungen und der Ausbreitung von rechtsextremer Angstzonen bzw. Hegemonien. Ausgangspunkt sind rassistische Mobilisierungen gegen Geflüchtete, Brandanschläge und tägliche rechts, rassistisch oder antisemitisch motivierte Gewalttaten. Ein besonderes Augenmerk des Vortrags liegt auf den Auswirkungen auf potenzielle Betroffene angesichts der aktuellen Unterstützung und Wahlerfolge rechtsextremer Parteien wie der AfD und den Freien Sachsen. Kleffner untersucht mögliche Auswirkungen auf potenzielle Betroffene rassistischer, rechter und antisemitischer Gewalt angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern. Sie geht einerseits möglichen Brandstiftereffekten nach, die das Leben von Betroffenen bereits jetzt beeinflussen, und fragt andererseits nach Solidarisierungs- und Veränderungsprozessen, die seit der Veröffentlichung der correctiv-Recherche im Januar 2024 durch zivilgesellschaftliche Demonstrationen angestoßen wurden.

Heike Kleffner ist freie Journalistin und Geschäftsführerin des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG e.V.). Sie ist Mitherausgeberin zahlreicher Fachbücher, zuletzt erschienen "Staatsgewalt: Wie rechtsradikale Netzwerke die Sicherheitsbehörden unterwandern" (Herder 2023) und Report 2024: Recht gegen Rechts (Fischer 2024).
Dr. Daniel Mullis ist Humangeograph und arbeitet am Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF) in Frankfurt am Main. Dort leitet er das von der DFG geförderte Projekt „Alltägliche politische Subjektivierung und das Erstarken regressiver Politiken“. Er forscht zu extrem rechten Tendenzen in der Mitte der Gesellschaft. Dabei befragt er Prozesse der Neoliberalisierung und die Krise der Demokratie. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit Stadt und sozialen Bewegungen.
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10. Juli 2024 | 14 Uhr c.t. | Campus Westend, Hörsaalzentrum HZ10

Das Vortragsprogramm kann HIER als PDF heruntergeladen werden.