Der vom 30.
Oktober bis 01. November 2025 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
veranstaltete Workshop „Kunstbäume in Text und Bild der Vormoderne 2.0. –
Kommunikation in ökologischen Verflechtungen“ setzte die im Februar 2025 an
der Humboldt-Universität zu Berlin begonnenen Diskussionen zu vegetabilen
Artefakten, Imaginationen und Wissensordnungen der Vormoderne fort. Nachdem im
vorangegangenen Treffen zentrale Materialien gesichtet und erste interpretatorische
Ansätze erprobt wurden, zielte die Frankfurter Tagung darauf, die Perspektive
zu erweitern und ausgehend vom Baum als Natur- wie Kulturphänomen insbesondere
die vielfältigen ökologischen, epistemischen und semiotischen Verflechtungen (entanglements)
in Texten und Bildern näher zu untersuchen. Anregung bot besonders die
Erkenntnis, dass Bäume spätestens seit der Scholastik als Naturdinge zugleich
stets Produkte menschlicher ars sind – sie entstehen und funktionieren
im Spannungsfeld zwischen anthropogenem Einfluss und naturhaften Wirkkräften.
Impulsgebend für diese Erweiterung war der von Ian Hodder angeregte holistische Ansatz, der die Beziehungssysteme zwischen Dingen, Menschen und Umwelten in ihrer wechselseitigen Bedingtheit in den Blick nimmt. Der Workshop folgte dementsprechend der Leitfrage, wie Bäume in der Vormoderne gedacht, modelliert und funktionalisiert wurden – und wie literarische wie bildkünstlerische Darstellungen diese Kommunikations- und Beziehungsgeflechte sichtbar machen. Im Zentrum standen dabei nicht nur die Relationen zwischen Produzent:innen, Objekten und Rezipient:innen, sondern auch Formen nichtmenschlicher Kommunikation, etwa olfaktorische oder taktile Prozesse, die weit über reine Affordanzen hinausreichen und in vormodernen Texten und Bildern auf spezifische Weise imaginiert wurden.

Flankiert wurde der Workshop durch zwei öffentliche Formate, die den thematischen Rahmen erweiterten und historische wie kunsthistorische Perspektiven miteinander verbanden. Der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Hans Aurenhammer im Städel Museum widmete sich der Frage „Kunstbäume oder Naturbäume?“ anhand der Pflanzenphysiologie, Optik und Malereitheorie in Leonardo da Vincis Traktat ‚Über die Bäume und das Pflanzengrün' (Libro di pittura, VI). Eine thematische Führung unter dem Titel „Von Hölzchen auf Stöckchen. Gemaltes und bemaltes Holz bei den Alten Meistern des Städel Museums“ durch Maximilian Nalbach eröffnete darüber hinaus einen praxisnahen Zugang zu kunsthistorischen Materialitäten und Techniken.
Während der zweitägigen Arbeitssitzungen im Eisenhower-Saal des IG-Farben-Hauses wurden in Beiträgen von Anna Chalupa-Albrecht, Clara Marie Kahn, Jan Stellmann, Joana Thinius, Johannes Keller, Julius Herr, Katharina Bedenbender, Larissa Achermann, Marleen Hitschold, Nadine Popst und Sylvia Jurchen unterschiedliche literarische, ikonographische und theoretische Perspektiven auf vegetabile Figurationen diskutiert. Die Bandbreite der untersuchten Beispiele – von der biblischen Genesis-Erzählung über mittelalterliche Diagramme und höfische Erzähltexte bis hin zu frühneuzeitlichen Baum- und Waldkonzepten – zeigte, in welchem Ausmaß Bäume als semantische, narrative und epistemische Knotenpunkte fungieren und wie sie Kommunikationsprozesse zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren modellieren.
Der Workshop eröffnete damit einen interdisziplinären Dialog zwischen Literatur-, Kunst- und Kulturwissenschaften, der darauf zielt, die Plant Studies um historisch fundierte Perspektiven zu erweitern und vormoderne Denkweisen über pflanzliche Agency, Medialität und Ökologie neu zu beleuchten. Die vorliegende Projektdokumentation fasst zentrale Impulse, Diskussionen und Ergebnisse des Workshops zusammen und zeigt, wie sich „Kunstbäume“ als analytische Kategorie produktiv machen lassen, um die ökologischen Verflechtungen vormoderner Wissens- und Imaginationsräume zu erforschen.
Ein
ausdrücklicher Dank gilt Annemarie Jeenel (Ruhr-Universität Bochum) für die
Impressionen. Darüber hinaus gilt unser besonderer Dank der Vereinigung der
Freunde und Förderer der Goethe-Universität, deren großzügige finanzielle
Unterstützung ein an den thematischen Schwerpunkten ausgerichtetes
Rahmenprogramm sowie die Versorgung der Teilnehmenden mit Kost und Logis
ermöglichte. Ebenso danken wir der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie
der Humboldt-Universität zu Berlin für ihre substantielle Förderung, ohne die
die Durchführung und wissenschaftliche Ausrichtung des Workshops in dieser Form
nicht denkbar gewesen wäre.

Beitrag verfasst von Hannah Semrau, Goethe-Universität Frankfurt am Main, den 14. Januar 2026
Mit Impressionen von © Annemarie Jeenel, Ruhr-Universität Bochum
Im März 2025 fand erstmals das Hessische Mediävistische Kolloquium für Promovierende an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main statt, das von Anna-Dorit Lachmann (JGU Gießen) und Hannah Semrau (GU Frankfurt) geleitet wird. Entstanden ist das Forum aus dem Wunsch heraus, eine Plattform für hessische wie auch assoziierte Promovierende zu schaffen, um gemeinsam über (germanistisch-) mediävistische Promotionsprojekte in Austausch zu treten. Das Kolloquium bietet einen geschützten Rahmen, in dem Vorträge eingeübt und Probleme auf allen Ebenen angesprochen werden können. Ziel ist es, die vielfältigen Themen gemeinsam zu diskutieren, Fragen und Unsicherheiten zu besprechen und die Vernetzung untereinander zu stärken.
In
halbjährlichem Turnus ausgerichtet, durften wir das Kolloquium im Oktober 2025
gemeinsam mit Lisa Scharrer (TU Darmstadt) an der Technischen Universität
Darmstadt veranstalten. Gerahmt wurde das Treffen durch die Vorstellung des
Datenkompetenzzentrums Humanities Education in Research, Data, and Methods
(HERMES) durch Anna Schlander und Dr. Ruth Reiche sowie durch den Vortrag
von Frau Prof. Dr. Andrea Rapp. Sie eröffnete Raum für eine offene Fragerunde –
ganz nach dem Motto: „Promovieren & Ankommen in der Wissenschaft – You can
ask me anything!“
Die
Promovierenden stellten ihre jeweiligen Promotionsprojekte vor, die sich in
unterschiedlichen Stadien befanden: von ersten Ideen über die Arbeitsphase am
Projekt selbst bis hin zur Disputation oder gar zur Drucklegung. Dabei schlägt sich
die thematische Breite des Faches in den Projektvorhaben nieder: Sie reicht von
Editionsvorhaben und literarischen Indiendarstellungen über den Kindermord im
deutschen Mittelalter, Nebenfiguren im Artusroman oder die Darstellung von
People of Colour in mittelhochdeutschen Erzähltexten bis hin zu
Sprachlernwerken der Frühen Neuzeit.
Wie kann man teilnehmen?
Sie
promovieren an einer hessischen Universität oder sind über eine Professur in
Hessen assoziiert? Dann schreiben Sie gerne eine E-Mail an Anna-Dorit
Lachmann (Universität Gießen) und Hannah Semrau
(Goethe-Universität Frankfurt). Skizzieren Sie kurz Ihr germanistisch-mediävistisches
Promotionsthema und nennen Sie Ihre Erst- oder Zweitbetreuung oder Ihre
Anstellung, die in Hessen verortet ist. Wir nehmen Sie dann gerne in unseren
Verteiler auf. Das Organisationsteam lädt per E-Mail zum nächsten Kolloquium
ein. Wir bitten entsprechend um Vorabanmeldung, sowohl für Vortragsvorhaben als
auch für Gasthörer.
Wir
freuen uns auf interessierte Promovierende!
Im Rahmen des
Germanistik-Bachelors und des Masterstudiengangs Deutsche Literatur findet
jedes Semester ein altgermanistisches Kolloquium statt, das sowohl von fortgeschrittenen
Studierenden sowie von Angehörigen der Abteilung auf allen Qualifikationsstufen
(stud. Hilfskräfte, Prä- und Post-Docs, Professor/in) besucht wird. Erstmals
wurde in diesem Jahr das Kolloquium als Exkursion unter der Leitung von Prof.
Dr. H. Runow und in Kooperation mit Promovierenden der
Ludwig-Maximilians-Universität München ausgerichtet. Veranstaltungsort war vom
17.–19. Juli Schloss Beilstein bei Heilbronn (Baden-Württemberg).
Das historistische
Schloss bot ein ansprechendes wie produktives Ambiente für den Workshop.
Ermöglicht wurde dies durch die großzügige finanzielle Unterstützung der
Freunde und Förderer der Goethe-Universität. Damit war es unserer Abteilung
möglich, das klassische universitäre Lehrangebot durch ein praxisnahes Lehrformat
zu erweitern.
Die Exkursion wurde inhaltlich von Fachvorträgen mit Präsentationen zu aktuellen Forschungsprojekten bestimmt, wobei ein besonderer Fokus auf der Erschließung noch wenig bekannter und noch nicht gründlich erforschter mittelalterlicher Texte lag. Das konzentrierte Format bot den nötigen Raum für vielfältige Diskussionen u.a. über die Darstellung schwarzer Figuren in der mittelhochdeutschen Erzähldichtung, über Facetten spätmittelalterlicher Lyrik (Heinrich Frauenlob; Michel Beheim; Tagelieder), Heinrichs von Mügeln Der meide kranz, Bibelübersetzungen aus dem Umkreis des Deutschen Ordens, den mittelniederländischen Johan ûz dem virgiere und die Erzählung vom Waldbruder.
Ein Vortrag
widmete sich dem laienjuristischen Traktat Belial,
der mittelalterliches (römisches) Verfahrensrecht anhand eines Teufelsprozesses
gegen Gott vorführt und damit sowohl Recht als auch Heilsgeschichte vermittelt.
Der Vortrag bot Anlass für einen Besuch im Stadtarchiv Heilbronn, das eine
bislang kaum erforschte, illustrierte Handschrift des Belial aufbewahrt.
Dort ermöglichten uns Miriam Eberlein (Archivleiterin) und Sabine Graham
(Mitarbeiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek) neben der Untersuchung dieser
Handschrift auch großzüg Einblick in die weiteren historischen Bestände des
Stadtarchivs mit z. T. unikal überlieferten Handschriften und Drucken. Ihnen
gilt unser Dank für die angenehme und vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre.
Abgerundet wurde das Programm mit einer Führung durch das urkundlich erstmals im Jahr 741 erwähnte, 1371 zur Reichsstadt ernannte und im späten Mittelalter zum zentralen Handelsplatz gediehene Heilbronn. Die Exkursion
war eine gelungene Veranstaltung, die Nachwuchs-wissenschafter*innen die
Möglichkeit zur Einübung forschungsbezogener Präsentationspraxis und lebhaftem
fachlichen Austausch bot sowie Anstoß zu künftigen Kooperationen gab. Wir
danken der Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Universität für die
Teilfinanzierung und dafür, dass sie unserer Veranstaltung einen würdigen
Rahmen ermöglicht hat.
Am 24.
Juni 2025 unternahm das Seminar Von „Parzival“ zu „Parsifal“: Wolframs
Artusroman und Wagners Bühnenweihfestspiel (Prof. Dr. Holger Runow und
Prof. Dr. Bernd Zegowitz) gemeinsam mit einigen Gästen eine Exkursion zu der
Burg Wildenberg (Amorbach im Odenwald), um diesen literaturhistorisch
bedeutsamen Ort zu besichtigen.
Die Burg aus der Stauferzeit hat eine besondere Geschichte und wird – wie Wolframs von Eschenbach Parzival zeigt – in dem mittelalterlichen Epos genannt (Pz. 230,12) und zugleich in einen Bezug zu dem Gönnernetzwerk der Burg gesetzt (Pz. 184,4).
Mit unserer Führerin wanderten wir zu der Burg, erkundeten das
Gelände und bestiegen den Bergfried der Burg, während wir die Entwicklung und Geschichte
der Burg nachvollzogen.
Bemerkenswert
an der Erwähnung der Burg im Parzival ist der Verweis auf eine
eindrucksvolle Feuerstelle, der einen Vergleich zu der fiktiv geschilderten
Gralsburg entfaltet, wobei hervorzuheben ist, dass die Burg Wildenberg einen
Kamin aufweist, der in seinen gewaltigen Dimensionen einzigartig ist und alle
zeitgenössischen Feuerstellen an Größe übertrifft.
Darüber
hinaus weist die Burg in einem Quader der Pallas-Steinwand die gemeißelten Worte
„OWE MVTER“ auf, die unschwer als Zitat aus einer zentralen Stelle der
Jugendgeschichte Parzivals zu erkennen sind: ôwê muoter, waz ist got? (Pz.
119,17)
Auch wenn die Herkunft der Worte in der Steinwand umstritten ist, bot der Ort uns die Möglichkeit, die Szenen auf der Gralsburg im Parzival vor Ort zu lesen, zu diskutieren und mit dem dortigen Rezeptionszeugnis zu vertiefen – zweifelsohne ein außergewöhnlicher Rahmen, um ein Seminar abzuhalten und Wolframs Parzival aus einer weiteren Perspektive zu betrachten.
Zum Ausklang kehrten wir im nahegelegenen Miltenberg zu einem Mittagessen ein, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Frankfurt begaben.
Unser Dank gilt dem Förderprogramm LitKultur, das unsere Exkursion ermöglicht hat, sowie Antje Vollmer für ihre kenntnisreiche und inspirierende Vermittlung vor Ort.

Anlässlich
des 100dersten Jahrestags von Fritz Langs berühmten Nibelungen-Film
organisierten Studierende des ‚Transmedialität: Die Nibelungen in Text und
Film‘ Seminars (Prof. Dr. Franziska Wenzel) einen Filmeabend im Unikino
Pupille, in welchem die beiden Filme gezeigt wurden.
Die
Verfilmung des Nibelungen-Stoffes zeichnet sich durch ihr hohes Maß an
Visualität aus, wodurch Literatur zu einem bewegten Gemälde wird. So sind die
Anordnungen im Bild und ihre einzigartige Physikalität zu bestaunen; ein
Bilderlebnis, welches mit Ton und Text gekonnt verknüpft wird. Die zahlreich
erschienenen Zuschauer konnten mit Getränken und Snacks die bildgewaltige
Leistung Fritz Langs auf der Leinwand sehen und das mediale Bilderlebnis
mitverfolgen.
Am 1.
Juli 2024 kam die Münchener Wissenschaftlerin Dr. Alexandra Urban nach
Frankfurt an die Goethe-Universität und führte mit den Studierenden im Rahmen
des Seminars Kunst und Gelehrsamkeit:
Heinrichs von Mügeln ›der meide kranz‹
ein Gastgespräch.
Gemeinsam
diskutierten die Gäste und Studierenden das allegorische
Personifikationsgedicht und richteten Fragen an Alexandra Urban. Das
Gastgespräch bot viele neue Einblicke in das Thema des Seminars und gab die
Möglichkeit bereits gesammelte Eindrücke mit der ausgewiesenen Expertin zu
erforschen.
Am
gleichen Tag hielt Alexandra Urban abends im altgermanistischen Oberseminar
einen Vortrag zum Thema ‚Von der
Enzyklopädie zur enzyklopädischen Spruchdichtung. Systematisierungsverfahren
naturkundlichen Wissens im Kontext der mariologischen Edelsteinallegorese bei
Konrad von Megenberg und Heinrich von Mügeln‘, in welchem sie der
Systematik von Edelsteinen und dem naturkundlichen Wissen nachgeht. Dabei
thematisierte sie unter anderem den Herstellungsprozess der Marienkrone und die
Integration der Edelsteine in ebenjener. So entsteht das Bild der Krone und im
Verlauf der Dichtung kann der Fokus auf die Bildebene rücken. In einer
anschließenden Diskussionsrunde wurden die Gegenstände vertieft und weitere
Blicke auf die Thematik geworfen.
Obgleich
mittelalterliche Texte den zentralen Schwerpunkt des Studiums Älterer deutscher
Literatur bilden, begegnen uns diese Texte im Studium meist nur in Form
aufgearbeiteter Editionen, die wenig Rückschlüsse auf die eigentliche Textform-
und Entstehung zulassen.
Im Rahmen
einer als Blockseminar angelegten Exkursion wurde der Fokus daher auf die
Handschriften selbst gelegt und die seltene Gelegenheit gegeben, originale
mittelalterliche Textzeugen einmal ganz nah zu betrachten.
Vorbereitend
wurden zunächst in einem eintägigen Workshop die Produktions- und
Überlieferungsbedingungen mittelalterlicher Handschriften besprochen, mit
selbst geschnitzten Gänsefedern und Tinte verschiedene mittelalterliche
Schriftarten erprobt und gemeinsam die Grundlagen von Handschriftenbeschreibungen
eingeübt.
Auf der
zweitägigen Exkursion nach Gotha wurden wir in der Forschungsbibliothek
herzlich aufgenommen. Das Programm begann mit einer Führung durch die
historischen Räume des Schloss Friedenstein, als Transition zur wissenschaftlich-technischen
Perspektive diente die Sichtung der Digitalisierungswerkstätten, in denen die
digitale Aufbereitung mittelalterlicher Textzeugen vorgeführt wurde. In drei
Abschnitten mit variierendem thematischen Fokus wurden, auf den ersten und zweiten
Tag verteilt, ausgewählte Handschriften präsentiert und gemeinsam analysiert.
Als abschließendes Highlight durfte jeder Teilnehmer eine zuvor ausgesuchte
Handschrift eigenständig untersuchen, nach einstündiger Arbeit wurden die
Ergebnisse dann der Gruppe präsentiert.
Cod. Memb. I 54 (oben) & Cod. Memb. II 70 (unten)
3./4. November 2022,
Goethe-Universität Frankfurt FZHG, IG-Farben-Haus, Raum 1.414
Themenfelder der
Werkstatt sind:
a) im Sinne einer
‚klassischen' Begriffsgeschichte diachrone historisch-semantische
Begriffsentwicklungen oder auch synchrone semantische Begriffsverschiebungen;
b) im Sinne eines
stärker onomasiologischen Ansatzes die Auseinandersetzung mit bestimmten
inhaltlichen Konzepten oder Gegenständen und den damit verbundenen Begriffen
und Ausdrücken, um damit verknüpfte Wortfelder und Beschreibungsszenarien oder
auch ein signifikantes Ausdrucksringen in Minnesang und Spruchsang/Sangspruch
zu erfassen;
c) polysemantische
Begriffe und deren unterschiedliche Funktionalisierungsmöglichkeiten (z.B.
Präfigierungen, Definitionen, Einordnungen);
d) semantisch
eindeutige Begriffe und deren semantische Transformationen in der Literatur;
e) die
Auseinandersetzung mit ambigen, oszillierend-schillernden Semantiken z.B. im
Wechsel von religiösen und weltlichen Kontexten sowie
f) lexikalische
Ad-Hoc-Bildungen, Neologismen etc., um der historisch-semantische
Innovationskraft zu bestimmen.
Hier geht es zum Programm.
In Auseinandersetzung mit
erzähltheoretischen Konzepten:
Hartmut Bleumer: Historische Narratologie, in: Literatur- und
Kulturtheorien in der Germanistischen Mediävistik, hg. v. Christiane Ackermann,
Michael Egerding, Berlin/ Boston 2015,
S. 213–274; Wolf Schmid: Elemente
der Narratologie, 3. Aufl., Berlin/ Boston 2014; Matías Martinez (Hg.):
Handbuch Erzählliteratur: Theorie, Analyse, Geschichte, Stuttgart/ Weimar 2011,
wollen wir an einem kleinepischen Text, dem "Armen Heinrich" Hartmanns von Aue, die Anwendbarkeit und Praktikabilität der Theorien bzw. Zugriffsweisen erproben. Diskutiert werden u.a eigene Adaptationen der Konzepte.
Organisation: Prof. Dr.Franziska Wenzel, Aurelia Fröhle
Am
12. Juli 2022 stellte der Mediävist und Lyriker Tristan Marquardt (mit
bürgerlichem Namen Alexander Rudolph) an der Goethe-Universität Frankfurt den
von ihm gemeinsam mit Jan Wagner herausgegebenen Band ‚Unmögliche Liebe' vor. Er
gewährte einen inspirierenden Einblick, auf welch vielfältige Weise die renommierten
in dem Band versammelten Gegenwartslyriker:innen mittelhochdeutsche Minnelieder
ins Neuhochdeutsche übertrugen. In einem offen geführten Gespräch hatten die
zahlreich erschienenen Studierenden und Gäste Gelegenheit zu allerhand
Nachfragen. Das Gastgespräch fand im Rahmen des von Prof. Franziska Wenzel
gehaltenen Lektüreseminars ‚Tagelied und moderne Adaptation' statt.
Einen ausführlichen Bericht über den Abend verfassten die Studierenden Julia Müller
und Paula Woreschk.
Organisation: Hannah
Semrau, Prof. Dr. Franziska Wenzel
Abendvortrag (18.00 c.t.):
Coralie Rippl (Zürich): Alteritäre
Zeitkonzeptionen mittelalterlichen Erzählens
Interessierte zum Abendvortrag sind herzlich willkommen!
Der Abendvortrag wird über Zoom stattfinden:
https://uni-frankfurt.zoom.us/j/96596854830?pwd=YVBIQnpBVFhESDYyZ0YzeXVJTG1IZz09
Meeting-ID: 965 9685 4830 / Kenncode: 243499
Organisation: Prof. Dr. Franziska Wenzel / Anna Chalupa-Albrecht
Bestimmt man die
literarhistorische Verwandtschaft zwischen Mittelalter und Romantik nicht
primär stoffgeschichtlich, sondern über strukturell analoge Erzählverfahren, so
scheinen Bewegungsformen des Aufbruchs und der Suche hier eine prominente
Schnittstelle einzunehmen. Erzählungen, die den Aufbruch ins Ungewisse an ihren
Anfang setzen, ja diesen gewissermaßen als risikobehaftetes Akzeptieren
verschiedener Möglichkeiten des weiteren Verlaufs (d.h. Kontingenz)
inszenieren, prägen sowohl den Höfischen Roman der Vormoderne (etwa Erec)
wie Erzählungen der Romantik (etwa Franz Sternbalds Wanderungen). Die
sich an den Aufbruch anschließende Bewegung der Figur zeigt sich hier als
präferierte Form sozialer Interaktion: Der Weg avanciert zum Medium des
Aufeinandertreffens, der Begegnung, auf dem die offene Möglichkeit ein Primat
gegenüber der Geschlossenheit des zurückgelassenen Raumes einnimmt.
Die Werkstatt diskutiert auf
der Basis soziologischer, literaturgeschichtlicher und -theoretischer sowie
philosophischer Ansätze poetologische Entwürfe aus beiden Epochen.
Organisation:
Konzeption: Michael Schwarzbach-Dobson, Franziska Wenzel
Der
Workshop fragt nach narrativen Mustern und Textstrategien der
Responsibilisierung, also danach, wie etwa vormoderne Erzählungen, aber auch
didaktische, chronikale oder (rechts-)praktische Texte die jeweils
zugrundeliegenden Wert- und Normhorizonte verbindlich machen, Schuldigkeit und
Zuständigkeit sowie ggf. Zurechnungsfähigkeit verhandeln und interferierende
oder konkurrierende Verantwortungsnahmen als solche ausstellen. Insofern die
skizzierten Bedingungen für Verantwortlichkeit immer auch Fragen nach
Willensfreiheit und Determination, den Grenzen menschlicher Einflussnahme sowie
seiner Erkenntnis- und Schuldfähigkeit aufwerfen, versteht sich der Workshop
auch als Beitrag zu einer historischen Anthropologie.
Organisation: Dr.
des. Maximilian Wick
Programm
Abstract
Konzept
und Organisation:
Jennifer Gerber,
M.A.
Dr. Martina Wernli
Anmeldung per Mail unter Angabe der Studienrichtung, Semesterzahl sowie
besonderer Motivation bis 21. Oktober 2019 an:
j.gerber@em.uni-frankfurt.de
wernli@lingua.uni-frankfurt.de
Bei zu vielen Anmeldungen treffen die Veranstalterinnen eine Auswahl der
Teilnehmenden. Die Raumangabe folgt per Mail nach Anmeldung
Hier geht
es zum Programm.
Organisation:
Prof. Dr. Franziska
Wenzel
Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik
Ältere deutsche Literatur
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Michael Schwarzbach-Dobson
Institut für deutsche Sprache und Literatur I
Universität zu Köln
Kontakt:
michael.schwarzbach@uni-koeln.de