Was ist Antisemitismuskritik?

TIN*Feindlicher Feminismus Titelbild

In ihrem Leitbild wendet sich die Goethe-Universität gegen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus. Auch durch die Antidiskriminierungsrichtline gibt sich die Universität die Aufgabe, jede Form von Diskriminierung zu verhindern oder zu beseitigen.

Der Anspruch, eine gleichberechtigte Zusammenarbeit ihrer Mitglieder und Angehörigen auf allen Ebenen zu fördern, wird durch gesamtgesellschaftliche Phänomene wie Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung laufend herausgefordert. Vor diesem Hintergrund sind im Folgenden Informationen und weiterführende Quellen rund um das Thema Antisemitismus und Antisemitismuskritik an Hochschulen zusammengestellt.

Beratungsstelle OFEK e.V.

Die Beratungsstelle für antisemitische Gewalt und Diskriminierung OFEK e.V. berät alle Hochschulangehörigen bei antisemitischen Vorfällen. In Kooperation mit dem Büro für Chancengerechtigkeit und dem VJSH bietet OFEK Beratung vor Ort auf dem Campus der Goethe Universität an. Die Beratung ist für alle Vorfälle, auch solche außerhalb des universitären Kontextes, offen. Das Angebot ist parteiisch, kostenlos, unabhängig und vertraulich.

Zur Terminvereinbarung senden Sie bitte eine E-Mail mit ihrem Anliegen und dem Stichwort Beratung vor Ort an hessen@ofek-beratung.de

OFEK e.V. ist die erste Fachberatungsstelle in Deutschland, die auf professionelle, antisemitismuskritische und communityorientierte Betroffenenberatung bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung spezialisiert ist. In der Beratung orientiert sich OFEK an den etablierten Standards der Opferberatung und unterstützt Ratsuchende, ihre Familien sowie Zeug:innen antisemitischer Gewalttaten stets vertraulich und kostenfrei. Dabei nimmt sich OFEK allen Fällen und Sachverhalten an, sowohl mit als auch ohne Straftatbestand und unterstützt je nach Bedarf mit psychosozialer, psychologischer sowie rechtlicher Beratung. OFEK berät Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen zum Umgang mit Antisemitismus.

Die reguläre und auf Wunsch anonyme Beratung von OFEK Hessen erreichen Sie unter 0800 006 08 49 (Mo/Di/Mi 12–14 Uhr, Do 15–17 Uhr).

Antisemitismus - heute

Die Stigmatisierung und gesellschaftliche Ausgrenzung von Juden*Jüdinnen, ihre Verfolgung und Vernichtung stellen eine jahrhundertelang andauernde Praxis dar, deren Triebkräfte auch nach 1945 nicht schlagartig verschwanden. Im Gegenteil, es kam der sekundäre Antisemitismus hinzu, der sich durch die "Verarbeitung" von Schuld und Scham als Groll, als Ressentiment gegen "die Juden" manifestiert. 

Im Vergleich zum Rassismus weist der Antisemitismus grundlegende Unterschiede auf. Die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft hat diverse Strategien entwickelt, um die eigenen Verstrickungen in die nationalsozialistischen Verbrechen zu leugnen und zu negieren, insbesondere die Nachwirkungen des Holocaust. In der öffentlichen Wahrnehmung wird Antisemitismus häufig als rechtsextremes Phänomen, als Problem der deutschen Vergangenheit oder als Folge der Einwanderung nach Deutschland thematisiert. Ebenso gibt es eine Instrumentalisierung von Antisemitismus als vermeintliche Kritik am Kapitalismus und an Herrschaftssystemen oder auch als Kritik an der israelischen Politik. Folglich muss auch in Bezug auf den Antisemitismus konstatiert werden, dass es keinen gesellschaftlichen Raum gibt, der sich komplett frei von Antisemitismus wähnen könnte, auch nicht die Universität.

Was bedeutet Antisemitismuskritik an der Hochschule?

Analog zur Rassismuskritik lässt sich Antisemitismuskritik als eine reflexive Haltung definieren, die es ermöglicht, die oft unbewusste Verstrickung der eigenen Person und Profession in antisemitische Verhältnisse zu betrachten. Der Begriff bezeichnet zudem eine Praxis, die darauf abzielt, antisemitische Denk- und Handlungsmuster konsequent abzubauen. Eine antisemitismuskritische Haltung impliziert die entschiedene Gegenwehr gegen antisemitische Einstellungen und Handlungen.

Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus stellt einen wesentlichen Bestandteil moderner Hochschulbildung sowie gesellschaftlicher Verantwortung dar. Sie umfasst die systematische Analyse und kritische Auseinandersetzung mit tief verwurzelten antisemitischen Einstellungen, Verhaltensweisen und Strukturen. Diese manifestieren sich in vielfältigen Formen, darunter Vorurteilen, Hassreden, Gewalt und institutionelle Diskriminierung.

Universitäten kommt eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung dieses alten und hartnäckigen Problems zu. Sie sind Orte des Wissens, des Austauschs und der intellektuellen Auseinandersetzung. Es ist von entscheidender Bedeutung, ein Umfeld zu schaffen, das von Respekt und Anerkennung für alle geprägt ist. Die Schaffung eines diskriminierungs- und vorurteilsfreien Umfelds stellt einen wesentlichen Aspekt im Rahmen der Bekämpfung von Antisemitismus dar. Hierbei steht die Aufdeckung und Bekämpfung von Diskriminierung und Vorurteilen im Vordergrund. Dies betrifft nicht nur die jüdischen Mitglieder der Universitätsgemeinschaft, sondern das gesamte akademische Umfeld, welches von einer Kultur der Inklusion und des Respekts profitiert.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der Schutz der akademischen Freiheit. Antisemitische Tendenzen können die akademische Freiheit einschränken, indem sie ein Klima der Angst und Einschüchterung schaffen. Dies kann dazu führen, dass eine offene und kritische Diskussion, die für den wissenschaftlichen Fortschritt unerlässlich ist, beeinträchtigt wird. Durch die aktive Bekämpfung von Antisemitismus stellen Hochschulen sicher, dass Meinungsfreiheit und intellektuelle Auseinandersetzung ohne Angst vor Diskriminierung oder Repressalien stattfinden können.

Universitäten haben die Verantwortung, zu einer gerechteren Gesellschaft beizutragen. Der Kampf gegen Antisemitismus stellt dabei einen wesentlichen Aspekt dar. Es geht darum, eine der ältesten Formen des Hasses zu bekämpfen und eine Kultur der Gleichheit und des Respekts zu fördern.

Fritz Bauer Institut

Das Fritz Bauer Institut ist eine unabhängige, zeitgeschichtlich ausgerichtete und interdisziplinär orientierte Forschungs- und Bildungseinrichtung. Es wurde 1995 als Stiftung bürgerlichen Rechts in Frankfurt am Main gegründet. Zweck der Stiftung sind Studium, Erforschung und Dokumentation der nationalsozialistischen Massenverbrechen, insbesondere des Holocaust. Darüber hinaus macht sich das Institut die wissenschaftliche, pädagogische und künstlerische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und ihren bis heute nachwirkenden Folgen zur Aufgabe.

Gedenkplan Campus Westend und Norbert Wollheim Memorial der Goethe-Universität
OFEK Hessen

OFEK e.V. ist die erste Fachberatungsstelle in Deutschland, die auf Antisemitismus und Community-basierte Betroffenenberatung spezialisiert ist. OFEK berät, begleitet und unterstützt Betroffene, ihre Angehörigen sowie Zeug*innen antisemitischer Vorfälle und Gewalttaten. OFEK bietet Einzelfallberatung, Gruppenangebote, eine bundesweite Hotline sowie regionale Unterstützung in Berlin, Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt an.

RIAS Hessen

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen (RIAS Hessen) unterstützt die von antisemitischen Vorfällen Betroffenen und dokumentiert Antisemitismus in Hessen. Es handelt sich um eine Anlaufstelle für Betroffene, Freunde und Freundinnen, Angehörige sowie Bekannte von Betroffenen als auch für Personen, die anderweitig antisemitische Vorfälle wahrnehmen.