Die Schule von Salamanca

  • Eine digitale Quellensammlung und ein Wörterbuch ihrer juristisch-politischen Sprache

Das moderne Recht und die Grundkonzepte der modernen politischen Ordnung erfahren ihre entscheidende Prägung in der Zeit des ausgehenden Mittelalters und der Frühen Neuzeit. An diesem Prozess der Herausbildung einer neuen juristisch-politischen Sprache haben Philosophie und Jurisprudenz, Theologie und politische Theorie einen entscheidenden Anteil. Sie leisten ihren Beitrag zur Formulierung der allgemeinen Menschenrechte und des modernen Völkerrechts, zur Schärfung juristischer Methoden und zur Neubestimmung der Fragen politischer Legitimität.

Diese Zusammenhänge untersucht ein auf 18 Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur, das an der Arbeitsstelle Politische Philosophie und Rechtsphilosophie des Mittelalters und der Neuzeit des Instituts für Philosophie sowie am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt/M. durchgeführt und von Prof. Matthias Lutz-Bachmann und Prof. Thomas Duve geleitet wird. Im Zentrum der in Frankfurt geplanten Forschungen steht die „Schule von Salamanca“, ein weltweites Netzwerk von Juristen, Philosophen, Kanonikern und Theologen in der Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Arbeit dieser Wissenschaftler fällt in die Epoche der großen politischen und gesellschaftlichen  Umbrüche im Zuge der Entdeckung und Kolonisierung Amerikas, der Reformation und Konfessionalisierung in Europa, des Beginns moderner Staatenbildung und der Herausbildung neuer  Formen von Wirtschaft und Handel in einer erstmals als global erfahrenen Welt. In dieser Zeit ist die iberische Halbinsel ein Zentrum wissenschaftlicher und politischer Debatten. Es bilden sich an den Universitäten von Salamanca, Coimbra und Alcalá de Henares, an den Seminaren und Ordensschulen in Spanien, Portugal und den Überseegebieten in Amerika und Asien neue einflussreiche Strömungen, die mit Autoren wie Francisco de Vitoria, Bartolomé de Las Casas, Luis de Molina oder Francisco Suárez verbunden sind. Ihr Werk ist bis heute noch nicht ausreichend erforscht, aber auch weniger bekannte Protagonisten der Erneuerung von Politik und Recht an der Schwelle zur Neuzeit gilt es zu entdecken.

In einem ersten Schritt wird das Forschungsprojekt zahlreiche in diesem Kontext in der frühen Neuzeit publizierte Texte zusammenführen und ein umfangreiches, nach historisch-analytischen Kriterien ausgewähltes Quellencorpus digitalisieren und im Volltext erschließen. Dabei entsteht ein digitales Arbeitsinstrument, das der weltweit betriebenen Forschung zur „Schule von Salamanca“ zur Verfügung gestellt wird und die Bearbeitung vielfältiger, innovativer Fragestellungen fördert. Erstmals wird es möglich sein, gleichsam die Schreibtische der Autoren der Schule von Salamanca mit ihren jeweils spezifischen Referenztexten in Gestalt der frühen Drucke nachzubilden. Auf der Grundlage dieses Quellencorpus‘ wird ein im Open Access verfügbares historisch-semantisches Wörterbuch der juristisch-politischen Sprache der „Schule von Salamanca“ verfasst. Zentrale Termini werden in ihrem historischen und fachlichen Kontext erläutert und in ihrer Begriffsentwicklung dargestellt. So wird die für die Spätscholastik typische Transdisziplinarität rekonstruiert und entschlüsselt und der internationalen Forschergemeinschaft ein unentbehrliches Arbeitsinstrument an die Hand gegeben.

Mit dem Institut für Philosophie sind die folgenden Mitarbeiter des Projekts verbunden:

Weitere Informationen: Projekthomepage oder per Post:
Die Schule von Salamanca, Projekt am
Institut für Philosophie der
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main,
Grüneburgplatz 1,
60629 Frankfurt a. M.

Prof. Matthias Lutz-Bachmann
Prof. Thomas Duve

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz 2013 - 2016
nach Evaluation bis 2031