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„Körper, Kult und Konfession. Religiöse Dimensionen des Sports und des Körperkults“ vom 25. bis 27. November 2010

© U. Dettmer

Was hat Sport mit Religion zu tun?

Soziologische Tagung zu den religiösen Dimensionen des Sports und des Körperkults.

Sport und Religion sind zwei gesellschaftliche Phänomene, die, so scheint es, nicht viel miteinander zu tun haben. Sport ist eine körperliche Praxis, bei der es um Leistung, Geselligkeit, Spaß und andere Diesseitserlebnisse geht. Religion dagegen ist ein geistiges, auch geistliches Phänomen, das viel mit Seele, aber wenig mit Körper, mit Transzendenz und Glauben an ein Jenseits zu tun hat. Wo und wie sollten sich Körper, Sport und Religion berühren?

Diese Frage stand im Mittelpunkt einer soziologischen Tagung zum Thema „Körper, Kult und Konfession. Religiöse Dimensionen des Sports und des Körperkults“, die vom 25. bis 27. November 2010 an der Goethe-Universität stattfand.Dabei handelte es sich um eine Kooperationsveranstaltung der Sektionen „Religionssoziologie“ und „Körper- und Sportsoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie sowie der Sektion „Sportsoziologie“ der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. Organisiert wurde die internationale Tagung vom Institut für Sportwissenschaften unter der Leitung von Prof. Robert Gugutzer.

In seinem einleitenden Vortrag entwickelte Robert Gugutzer die zeitdiagnostische These, dass die gesellschaftlichen Entwicklungen der Körperthematisierung, des Sports und der Religion in den letzten Jahren durch eine zunehmende „Entgrenzung“ gekennzeichnet seien. Die Grenzen des natürlichen Körpers würden durch technologische Manipulationen überschritten, die Grenze des traditionellen Sports um ein Arsenal populärer Bewegungskulturen erweitert und die Grenzerosion der Religion im Aufkommen einer „populären Spiritualität“ deutlich. Letzteres hob auch Prof. Hubert Knoblauch von der TU Berlin in seinem Eröffnungsvortrag hervor.

Damit war das Stichwort der Tagung gegeben. Die Referenten und die knapp 100 Tagungsteilnehmer diskutierten vor allem die Frage, ob auch das Verhältnis von Sport und Religion durch Entgrenzungsprozesse gekennzeichnet sei, oder ob diese beiden gesellschaftlichen Teilbereiche nicht vielmehr konstitutiv auf Grenzziehung ausgerichtet seien. Schließlich ginge es im Sport um „Sieg oder Niederlage“, in der Religion hingegen um „Transzendenz oder Immanenz“. Eine Verschränkung oder gar Substitution – auf der Tagung unter der Überschrift „Fußball als Religion“ diskutiert – sei daher ausgeschlossen. Wie für eine wissenschaftliche Tagung zu erwarten, konnte die Frage der Grenzziehung oder -auflösung nicht abschließend geklärt werden. Für die durchgängig lebhaften und kontroversen Diskussionen war sie jedoch ganz wesentlich.

Die Lebendigkeit der Tagung rührte auch daher, dass Wissenschaftler aus der Soziologie und der Sportwissenschaft ins Gespräch kamen. Key note-speaker für die Soziologie waren neben Prof. Knoblauch die beiden Religionssoziologinnen PD Dr. Christel Gärtner (Uni. Münster) und Dr. Kornelia Sammet (Uni. Leipzig). Aus der Sportwissenschaft referierten Prof. Gunter Gebauer (FU Berlin) und Prof. Thomas Alkemeyer (Uni Oldenburg). Bunt gemischt waren die sechs Arbeitskreise der Tagung mit insgesamt 20 Vorträgen zu den Themenfeldern „Spiritualität und Esoterik“, „Migration und Geschlecht“, „Rituelle Praktiken und Orte“, „Transzendenz und Tod“, „Glauben und Leistungssport“ sowie „Sakralität und Profanität“.

Der Erfolg der Tagung verdankte sich nicht zuletzt ihren außergewöhnlichen Rahmenbedingungen. Die Aula und der Alte Senatssaal im Jügel-Haus sorgten für eine von den Teilnehmern bewunderte Tagungsatmosphäre. Herausragend war die Eröffnung in der Aula, die passend zum Tagungsthema mit einem Medley weltbekannter Sportsongs auf der von Pfarrer Peter Reulein gespielten Orgel begann. Studentenpfarrer Eugen Eckert ermöglichte den Tagungsteilnehmern einen Besuch in der Stadion Kapelle der Commerzbank Arena. Und schließlich bot die Podiumsdiskussion zum Thema „Glauben im Sport“, an der u.a. die Frankfurter Fußball-Weltmeisterin und OK-Chefin der Frauen-WM 2011, Steffi Jones (s. Foto), teilnahm, den Frankfurter Bürgern praktische Einblicke in die religiöse Welt des Spitzensports.

Artikel im UniReport 2/2011

Benthaus-Apel, Friederike (2011): Bericht zur Tagung "Körper, Kult und Konfession. Religiöse Dimensionen des Sports und des Körperkults" in Frankfurt am Main.
    In: Soziologie. Forum der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Jg. 40, H. 3, S. 352-357.
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