Würgendrüssel und Zugweise. Pilotstudie 

Projektleitung: Prof. Dr. Franziska Wenzel (GUF)

Mitglieder:  Prof. Dr. Claudia Lauer (Mainz), Prof. Dr. Andrea Rapp (Darmstadt)
Projektmitarbeiter: Jan Habermehl, M.A.

Laufzeit: 4/2022 – 3/2023
Förderung: Forschungsfonds FB 10 der GU Frankfurt

Die als Pilotstudie konzipierte digitale Edition versteht sich als Auftakt und Vorarbeit zu einem größer angelegten Drittmittelprojekt im RMU-Verbund zwischen Darmstadt, Mainz und Frankfurt. Im Rahmen der Anschubförderung werden momentan die beiden Frauenlob-Töne Würgendrüssel und Zugweise der Kolmarer Liederhandschrift erarbeitet, deren handschriftlich tonaler Zusammenhang sichtbar gemacht werden und über einen Sachkommentar erschlossen werden soll.

(BSB Cgm 4997 – ‚Kolmarer Liederhandschrift', 116r.) 

Handhabe und Anweisung in der Kunstliteratur der Frühen Neuzeit

Projektleitung: Prof. Dr. Christina Lechtermann

 

Leitung der Forschungsgruppe: Prof. Dr. Magdalena Bushart (TU Berlin)

Laufzeit: 07/2021–07/2024

Förderung: DFG

 

Das Projekt ist Teil der Berliner Forschungsgruppe 3033: "Dimensionen der techne in den Künsten. Erscheinungsweisen / Ordnungen / Ökonomien / Narrative"

Commentarial Forms of Literature (Kommentarformen in der Literatur)

Projektleitung: Prof. Dr. Markus Stock (UoT) / Prof. Dr. Christina Lechtermann

Förderung: DAAD PPP Programm
Laufzeit: bis Ende 2021

The project investigates connections between commentary and literature in medieval and early modern cultures. Scholars in Arabic, German, Jewish, and Romance literatures at the University of Toronto (UoT) and Goethe University Frankfurt/Main (GU) will be exploring commentarial forms in literature as well as commentarial forms to stage literature as an ennobled mode of written communication. 

“Commentarial Forms in Literature" is a sister grant (DAAD, PPP-Programm) to “Practices of Commentary". For further information please visit our website at: https://globalcommentary.utoronto.ca

Beteiligte Personen der Goethe-Universität Frankfurt:

Andrea Baldan (Romanistik), Jennifer Gerber (Ältere deutsche Literatur), Elisabeth Hollender (Judaistik), Christina Lechtermann (Ältere deutsche Literatur), Christine Ott (Romanistik), Philip Stockbrugger (Romanistik),

(Ms. lat. qu. 5 - Evangelium Lucae cum glossa ordinaria, fol. 113r der UB der Goethe-Universität Frankfurt am Main.)

VAS – Vor-Augen-Stellen. Bildliche Kommunikation jenseits der Dichotomie von Sprache und Bild

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Projektleitung: Prof. Dr. Franziska Wenzel

Beteiligte: Dr. Henrike Eibelshäuser (Berlin), Prof.Dr. Cornelia Herberichs (Fribourg), Jun.-Prof.Dr. Cornelia Herberichs (Mainz), Dr. Verena Linseis (Gießen), Prof.Dr. Cornelia Logemann (München), Prof.Dr. Henrike Manuwald (Göttingen), Dr. Heike Schlie (Krems/ Salzburg), Dr. Pia Selmayr (Zürich), Jun.Prof.Dr. Beatrice Trînca (Berlin), Prof.Dr. Marius Rimmele (Zürich), Dr. Herfried Vögel (München)

Assoziierte: Dr. Britte Dümpelmann (Berlin), Prof.Dr. Manfred Eikelmann (Bochum), Prof.Dr. Claudia Lauer (Mainz), Dr. Nicola Zotz (München)

Förderung: DFG

Laufzeit: 10/2016–10/2021

Ausführliche Projektbeschreibung


Das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk will eine Grammatik bildlicher Kommunikation erarbeiten und das jenseits der Dichotomie von Sprache und Bild. Es geht uns um ein gemeinsames Instrumentarium für anschauliche Darstellungen, die sich im Medium der Sprache und im Medium des Bildes finden. Dafür sollen die Verfahren des Vor-Augen-Stellens systematisch beschrieben und anhand von exemplarischen Studien der Netzwerkmitglieder veranschaulicht werden. Der Ansatz selbst ist durch die Tatsache geleitet, dass das Interesse am Bildlichen und Visuellen seit iconic und pictorial turn beständig gewachsen ist. Nicht nur interessieren alle Formen der Bilderzeugung; Sprache und Bild als vernetzte werden mittlerweile als Teil einer visuellen Kultur erforscht, so wie es in der germanistisch-mediävistischen Forschungstradition, der Beschreibung textueller Visualisierungsformen, der Text-Bild-Forschung und der Bedeutungsforschung, seit langem der Fall ist.

Das Netzwerk ist den modernen und mediävistischen Bildwissenschaften verbunden, setzt aber bei einem Punkt jenseits der Opposition von Text und Bild an. Sprache und Bild sind trotz ihrer medialen Differenz historisch weniger trennscharf gewesen. Zentrale sprachliche Verfahren der Anschaulichkeit wie Hypotyposis, Vergleich und metaphorische Rede zielen auf Konkretion mit dem Ziel, einen abwesenden Gegenstand so vor Augen zu stellen, dass er eindrücklich, klar und lebendig erscheint. Dies ist bildkünstlerischen Darstellungen ganz vergleichbar, gerade auch, weil der referentielle Bezug hinter die Evidenz des Augenscheinlichen zurücktritt. Für das Netzwerk gilt daher grundsätzlich, dass jede Form der Evidenzerzeugung auch Bedeutungsübertragung ist, insofern sich etwas zeigt, das etwas Abwesendes bezeichnet. Sprachliches und bildkünstlerisches Vor-Augen-Stellen verlebendigt und zeigt etwas Abwesendes zugleich. Die referentiellen Bezüge werden von der Evidenz des In-Erscheinung-Getretenen wirksam verborgen. Wir können hier konkret an zwei rezente Projekt anschließen, an das seit 2013 existierende Berliner Projekt BildEvidenz und die seit 1998 laufende Münsteraner Arbeitsstelle für Christliche Bildtheologie, die das religiöse Bild auf seine historischen und erkenntnistheoretischen Prämissen in der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Wort und Bild untersucht.

Neben den Verfahren des Vor-Augen-Stellens geht es uns um die interaktiven Dimensionen der Bedeutungskonstitution, um die Verweiszusammenhänge zwischen konventionellem Wissen, innermedial umgesetztem Wissen und Vor-Augen-Stehendem, um die Wechselwirkungen zwischen seiner Bedeutung im medialen Kontext und um die Wirkungsweisen im jeweiligen Gebrauchszusammenhang der Medien.

Geometria Deutsch. Druckwerke der praktischen Geometrie bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts

Projektleitung: Prof. Dr. Christina Lechtermann

Laufzeit: 02/2018–08/2021

Förderung: DFG

Projektmitarbeiter: Jan Habermehl, M.A.

Frühneuzeitliche Druckwerke der praktischen Geometrie inszenieren sich in einem Netz verschiedener Praktiken und reflektieren sich als Text-Bild-Verbünde, die erst im Zusammenspiel mit anderen Objekten (z.B. Lineal und Zirkel, Messrute und Jakobstab) Bedeutung konstituieren. Immer wieder setzen sie auf eine Lektüre, die Text, Diagramm, geometrisches Instrument und praktische Übung miteinander vermittelt, bzw. sie behaupten die Notwendigkeit einer solchen Rezeptionsweise als Voraussetzung des Verstehens.

 

Von der Kunstwissenschaft oder der Wissens- und Mediengeschichte sind diese Texte zwar gelegentlich als Quellen genutzt worden, doch die Druckwerke selbst, ihre Faktur, ihre Vertextungsmuster oder ihre genuine Rhetorizität gerieten bisher kaum in den Blick. Wo dies punktuell dennoch geschah, wurde dabei die von den Texten behauptete didaktische Intention a priori als primäres Ziel der Text- und Buchgestaltung gesetzt.

 

Eine nähere Analyse jedoch zeigt eine heterogene Befundlage: Die von den Druckwerken behauptete Praktikabilität wird von den Lehrschriften in sehr unterschiedlichem Maße eingelöst, Überexplizierung und unverständliche Verkürzung im geometrischen "Zitat", darstellerische Ökonomie und scheinbar überflüssiger Zusatz etwa stehen immer wieder nebeneinander. Der Kanon vorgestellter Verfahren und die Formen ihrer Präsentation adressieren zwar eine handwerkliche Praxis, aber ebenso folgen sie einer textuellen Traditionsbildung. Einige der Schriften scheinen dabei besonders auf Bedürfnisse der höfischen Repräsentation zu antworten, andere weisen in das Umfeld städtischer, humanistischer Kommunikationssituationen, wieder andere scheinen eine Offizin und ihre Möglichkeiten besonders zu empfehlen oder attribuieren bestimmte Wissensbestände einem Verfasser oder Widmungsempfänger.

 

Kurz gesagt: Es ist zu vermuten, dass die jeweilige Faktur der Schriften, ihre multiple Adressierung, die verschiedenen Arten an Traditionen anzuknüpfen und eigene auszubilden sowie ihre unterschiedlichen Bemühungen Wissen und Können zu transkribieren auf eine Polyfunktionalität dieser Druckwerke verweisen, die mit Stichworten wie "Lehrschrift", "Fachliteratur" o.Ä. zu einem guten Teil ausgeblendet wird. Besonders solche Momente, die auf eine spezifische und ostentativ inszenierte Ästhetik fachthematischer Druckschriften verweisen, sind damit nivelliert. Für das Projekt leitend wird die Arbeitshypothese sein, dass sich für die deutschen Geometrieschriften eine handlungsanweisende didaktische Funktion und eine für vielfältige Kommunikationsinteressen anschlussfähige "geometrische" Literarizität und Ästhetik immer neu verschränken.