Vorstellung des Verbundsprojekts

Die Qualifizierung der Lehrkräfte im Sekundarbereich stellt eine zentrale Herausforderung für die inklusive Bildung dar. Aufgrund sich unterscheidender funktionaler Logiken von „Leistung“ und „Inklusion“, angesichts des nach Leistung differenzierenden Schulsystems sowie einer verstärkten Leistungsorientierung und -messung können „Inklusion“ und „Leistung“ in ein Spannungsverhältnis zueinander geraten. Aus sozialkonstruktivistischer Perspektive ist hierbei „Leistung“ nicht einfach gegeben, sondern wird in der Schule hergestellt und ist verwoben mit verschiedenen sozialen Differenzkategorien. Das Projekt kennzeichnet ein Forschungs- und Entwicklungsdesign: In der Forschungsphase wurde im Rahmen einer qualitativen Studie an je zwei Gesamtschulen und Gymnasien fokussiert, wie Leistung und leistungsbezogene Differenz hergestellt und bearbeitet wird. Daran anschließend wurden in der Forschungs- und Entwicklungsphase kasuistische Materialien entwickelt und in der Aus- und Fortbildung erprobt. Zudem erfolgten auf dieser Basis konzeptionelle Überlegungen für eine längerfristige schulinterne Lehrer*innenfortbildung (SchiLf) zum reflexiven Umgang mit Leistung in inklusiven Schulen.


Eine ausführliche Projektbeschreibung finden Sie hier:
http://www.biejournals.de/index.php/we_os/article/view/1109

Das Verbundvorhaben wird im Rahmen der Förderrichtlinie "Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte für inklusive Bildung" gefördert.


Das Verbundprojekt als Übersicht


Teilprojekt Frankfurt - Relation von Verhalten und Leistung

Projektleitung: Prof. Dr. Michael Urban

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Jonas Becker

Ehemalige studentische Mitarbeiterinen: Jaqueline Opher & Katharina Krächan

Im Frankfurter Teilprojekt sind neben dem Bezug auf den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung auch grundsätzlich Phänomene relevant, die als Unterrichtstörungen wahrgenommen werden. Hier stehen häufig Schüler*innen mit einem Förderbedarf im Zentrum der Aufmerksamkeit. Im Rahmen des Projekts wird darüber hinaus aber die grundlegende Frage danach gestellt, inwiefern eine Passung bzw. Nicht-Passung zwischen dem Verhalten besteht, welches Lehrkräfte von einzelnen Schüler*innen oder Lerngruppen erwarten, und dem Verhalten, welches Lehrkräfte bei diesen Schüler*innen oder Lerngruppen konkret wahrnehmen. Hieraus leiten sich verschiedene Fragen ab. Beispielsweise ist die Dynamik von Interesse, durch die die Interaktionen zwischen Lehrkraft und Schüler*in (bzw. zwischen Schüler_innen untereinander) mehr durch die wahrgenommenen Prozesse auf der Verhaltensebene bestimmt werden als durch den Lernprozess am Unterrichtsgegenstand. Weitergehend stellt sich die Frage, inwiefern schulische Leistungsanforderungen zeitweise bewusst „bei Seite gestellt“ werden (können), etwa im Fall umfassender Traumatisierungen oder passagerer Krisen.