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Die Zukunft des kritischen Idealismus: Hermann Cohen nach 100 Jahren

Internationaler Kongress

28.-31.10.2018
Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt

Anlässlich des Gedenkens an den Tod des Marburger Neukantianers Hermann Cohen vor 100 Jahren und an das Erscheinen seines posthum veröffentlichten großen Werkes „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“ (1919) veranstaltet die Martin Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie gemeinsam mit der Hermann-Cohen-Gesellschaft und dem Graduiertenkollege „Theologie als Wissenschaft“ sowie in Kooperation mit dem LOEWE-Forschungsschwerpunkt „Religiöse Positionierung“, der (Università degli Studi di Torino) und dem Frankfurter Institut für Religionsphilosophische Forschung einen internationalen Kongress zur Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung der philosophischen Perspektiven des jüdischen Denkers im Bereich der Ästhetik, Erkenntnistheorie, Ethik und Religion. Die Referent*innen aus Deutschland, Italien, Israel, Polen, den Niederlanden, Russland, den USA, Kanada und Chile vertreten unterschiedliche Disziplinen (Philosophie, Judaistik, Theologie) und ermöglichen es in dieser Verschiedenheit, mehrere Stränge der Cohen-Forschung miteinander ins Gespräch zu bringen, die häufig getrennt voneinander zusammenkommen: die allgemeine philosophische und philosophiegeschichtliche Forschung zum facettenreichen Phänomen des Neukantianismus und die Erforschung der deutsch-jüdischen Dimension des Denkens Cohens.

Mit Hermann Cohen nimmt der Kongress einen der bedeutendsten Vertreter eines kritischen Idealismus und liberalen jüdischen Denkens im 19. und frühen 20. Jahrhundert in den Blick, dessen Konzeption einer kongenialen Verbindung deutscher und jüdischer Kultur und dessen Perspektiven zum Zusammenhang von Vernunft, Religion und Sittlichkeit nicht nur für eine bedeutsame Phase deutsch-jüdischer Geschichte und Kultur vor dem Ersten Weltkrieg steht, sondern nach wie vor eine philosophische Herausforderung für aktuelle Diskurse darstellt.

Leitmotiv des Kongresses ist die Frage nach der Relevanz des kritischen Idealismus Cohens für gegenwärtige (religions)philosophische Diskurse, insbesondere die Frage nach der orientierenden Bedeutung des Denkens und der damit verbundenen Rolle der Wissenschaft. Die Methode der wissenschaftlichen Erkenntnis ist Cohen zufolge dadurch charakterisiert, dass in ihr das Denken Rechenschaft ablegt sowohl über die Erkenntnis als auch über sich selbst. Die wissenschaftliche Methode verlangt vom Denken, dass es rationale Einsicht in die Produktion von Erkenntnis gibt – und das heißt im Rahmen eines idealistischen Ansatzes: in den Denkprozess selbst, der als beständiger Akt des Fragens und Hinterfragens verstanden wird. Das kritische Denken ist nach Cohen also fragendes Denken, in seiner Selbst-Reflexivität unterwegs zur Beantwortung der klassischen Fragen nach dem Wissen, nach dem Tun, dem Hoffen, und dem Sein des Menschen. In seinem wesentlich dialogischen, kommunikativen Charakter, der Interaktion von Frage und Antwort, behält es – auch bei der Bildung von Begriffen und Systemen – seinen offenen, beweglichen, unvollständigen Charakter.

Mit der Konzentration auf die Frage nach der Zukunftsbedeutung einer in dieser Weise „fragenden“ kritischen Philosophie berührt der Kongress zentrale Zusammenhänge wissenschaftlichen Selbstverständnisses im gegenwärtigen gesellschaftlichen Kontext. Ziel ist einerseits ein substantieller Beitrag zum Verständnis der Philosophie Cohens, darüber hinaus jedoch ein Nachdenken über die Gegenwartsprobleme ausgehend von den Anregungen der von ihm verkörperten Denktradition.

Die unterschiedlichen Panels des Kongresses gehen Cohens Reflexionen über das Denken nach, indem sie die unterschiedlichen Facetten seines kritischen Idealismus im Bereich der Ästhetik und Erkenntnistheorie ausleuchtet, aber auch der Ethik und der Geschichte in ihrer wissenschaftlichen Rolle mit Blick auf die Wirklichkeitsbezogenheit der Vernunft.

Der religionsphilosophische Teil des Kongresses befasst sich mit Hermann Cohens Bestreben, einem zeitgemäßen, für die Herausforderungen des frühen 20. Jahrhunderts bedeutsamen Begriff der Religion und des Judentums Ausdruck zu verleihen. Thematisiert werden zentrale Aspekte wie seine Verständnis des Verhältnisses von Judentum und Vernunft, seine Auseinandersetzung mit dem Christentum, sein philosophisches Verständnis von Bibel, Prophetie und Bilderverbot, sein Messianismus und seine Versöhnungsidee sowie seine religiös begründete Sozialkritik.

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Ein Jubiläum ohne Jubilar – 125 Jahre Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens

Internationale Konferenz

12. bis 14. November 2018
Universität Potsdam (Wissenschaftsetage und Campus Neues Palais)

125 Jahre nach der Gründung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und 80 Jahre nach seinem erzwungenen Ende rückt diese Konferenz die Geschichte der größten deutschjüdischen Organisation vor der Shoah in den Fokus.

Der Centralverein war durch seine rasch ansteigende Mitgliederzahl, überregionale Verbreitung und zeitgenössische Öffentlichkeitswirkung einer der wichtigsten Akteure jüdischen Lebens. Schon im Kaiserreich widmete er sich der politischen Arbeit, engagierte sich kulturell und kämpfte mit juristischen und publizistischen Mitteln gegen den Antisemitismus. Spätestens in der Weimarer Republik galt der C.V. in der Öffentlichkeit als eine wirkmächtige Stimme von gesamt-gesellschaftlicher Relevanz, die die rechtlich schon existierende Gleichberechtigung einforderte und dabei eine selbstbewusste jüdische Identität innerhalb der deutschen Gesellschaft vertrat. Diese Symbiose aus Deutschtum und Judentum wurde zwar auch innerhalb des Centralvereins nicht als gänzlich konfliktfrei angesehen, wie die Auseinandersetzung mit dem Zionismus deutlich macht. Jedoch war das diskursive Spannungsfeld zwischen Rückgriff auf Tradition und der Neuschaffung einer kulturellen Identität im deutschen Judentum der Raum, in dem sich die Majorität der jüdischen Bevölkerung verortete.

Umso mehr wundert es, dass der C.V. in der (jüdischen) Geschichtsschreibung bis heute unterrepräsentiert blieb und er meist nur im Kontext der Antisemitismusforschung Beachtung fand. Dieser beschränkte Zugang wird der Komplexität und Diversität der vielfältigen Arbeitsfelder des Vereins nicht gerecht.
Die Konferenz setzt sich zum Ziel, neue Blickachsen herzustellen und diese der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch wird der Frage nachgegangen, welche neuen Forschungsfelder und -ansätze sich entwickeln lassen.

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