Der Modulteil Forschungswerkstatt vereint zwei unterschiedliche Veranstaltungsformate:
(1) In der Vortragreihe „Werkstattbericht“ präsentieren ForscherInnen unterschiedlicher Disziplinen ihren Forschungsalltag und aktuelle Forschungsprojekte. Sie gewinnen so Einblick in fachspezifische Forschungsobjekte sowie wissenschaftliche Fachkulturen und Herangehensweisen und lernen, wissenschaftliche Argumentationen nachzuvollziehen.
(2) In der Übung „Forschungslabor“ stellen unterschiedliche Fachlehrende beispielhaft Themen aus Forschungsprojekten ihrer Fachdisziplinen vor. Sie als Studierende vollziehen im Rahmen von Kurzworkshops in Text- und Objektarbeit den fachspezifischen Forschungsprozess nach und erwerben so grundlegende analytische Kompetenzen. Die Hands-On-Perspektive ermöglicht Ihnen das praxisnahe Kennenlernen eines Faches.
Lt. Studienordnung umfasst der Modulteil Forschungswerkstatt 2 SWS und 2 CP. Diese verbringen Sie in den unten stehenden fünf Vortragterminen sowie in 2 bis 3 Forschungslabor-Workshops.
Für den Abschluss des Modulteils sind zwei annotierte Protokolle (Handreichung siehe OLAT-Kurs Werkstattbericht) aus der Vortragsreihe „Werkstattbericht“ oder eine Quellen-/Text-Analyse mit Reflexionsteil zu einer Übungseinheit im „Forschungslabor“ als Artefakt Ihres Portfolios (siehe Portfolio-Workbook im OLAT Kurs GO GuS) notwendig.
Vortragsreihe "Werkstattbericht": Mittwoch, 14.15 – 16.00 Uhr, 6 Termine ab 29.04.2026, Hörsaalzentrum Westend, Hörsaal 14
Workshops "Forschungslabor": s. Programm

Neue Zeiten, neue Methoden, neue Fragen?
Die Wiederentdeckung eines antiken Heiligtums auf Zypern und seine Perspektiven
Durch einen Zufall wurde 1885 auf Zypern ein Heiligtum entdeckt, dessen reichen Funde es innerhalb kürzester Zeit auch über die Fachwelt hinaus berühmt machte. Mehr als 500 Statuen von teilweise kolossaler Größe wurden im Rahmen einer zweiwöchigen Notgrabung geborgen. Ebenso schnell geriet das Heiligtum aber aus verschiedenen Gründen wieder in Vergessenheit. Die Fundstücke galten weitgehend als verloren und wurden erst vor 50 Jahren in Kanada wiederentdeckt. Die Lokalisierung des nur teilweise ausgegrabenen Heiligtums selbst aber galt bis vor kurzem weiterhin als unbekannt. Seit 2020 bemühen sich Frankfurter Archäologen, den Fundplatz zu identifizieren und erneut auszugraben. Erst im vergangenen Jahr ist nun der Durchbruch erfolgt! Im Vortrag soll gezeigt werden, wie dies durch den Einsatz verschiedener Methoden, Beharrlichkeit und Engagement auch der am Projekt beteiligten Studierenden gelungen ist, und welches Potential für moderne Fragestellungen in dem Fundplatz steckt
„ … now, we’re at that point where we’re going to be telling the stories.“ Selbstrepräsentation und Dekolonialisierung im indigenen Nordamerika
Seit einigen Jahren ist ‚Dekolonialisierung‘ ein Begriff, der für das steigende Selbstbewusstsein indigener Gruppen und Individuen steht. Er meint im Kern, dass koloniale Darstellungen durch indigene Perspektiven ersetzt oder zumindest darum ergänzt werden müssen. Während die damit verbundene Selbstrepräsentation in Museen relativ neu ist, ist diese schon lange ein zentraler Bestandteil „indianischer Kunst“. Der Werkstattbericht wird diese beiden Bereiche verknüpfen und über ethnologische Forschung dazu berichten. Dabei ist die ethnologische „Werkstatt“ groß und beinhaltet u.a. Reisen nach South Dakota, Besuche im Field Museum Chicago und Kooperationen mit dem Weltkulturen Museum Frankfurt.
Von Eseln lernen – vormodernes Erzählen mit Tieren
Das unten stehende Programm mit Terminen, Vortragenden und Workshoptiteln finden Sie zudem hier im Vorlesungsverzeichnis.
Werdegänge von ErziehungswissenschaftlerInnen: Was kennzeichnet pädagogisches Handeln?
In diesem erziehungswissenschaftlichen Forschungslabor geht es um den Kernbegriff der Erziehungswissenschaften: das Lernen. Was kennzeichnet eigentlich Lernsituationen und pädagogisches Handeln? Anhand von Interviewausschnitten begeben sich die Teilnehmenden gemeinsam auf die Suche nach pädagogischen Spuren, tauschen sich über qualitative Forschungsmethoden aus und nähern sich pädagogischen Kernaktivitäten und Technologien in unterschiedlichen Handlungsfeldern, und damit der Systematik von Lernarrangements, an.
Vom Tagebuch zum globalen Feed. Wie junge Menschen zu Ikonen werden.
Warum bewegt uns die Geschichte von Anne Frank noch immer - und welchen Vorbildern folgen junge Menschen heute? Wir analysieren an Beispielen aus Geschichte und Gegenwart, wie aus jungen Menschen zeitlose Vorbilder werden und wie diese medial vermittelt werden - vom Gemälde bis zum Insta-Feed. Der Workshop bietet Einblicke in religionswissenschaftliche Perspektiven und die Vielfalt medialer Erinnerungskulturen. Er ist offen für alle, die sich für die Bedeutung von Symbolfiguren in Krisenzeiten interessieren.
Der Workshop findet im Rahmen der Anne-Frank-Tage (10.-14- Juni 2026) statt und wird in Kooperation mit der Fachstelle für Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach organisiert.
Weitere Informationen zum vielfältigen Programm der Anne-Frank-Tage unter: https://www.bs-anne-frank.de/annefranktagffm
Workshop: von 13.15 – 15.45 Uhr (s.t.)!
Im Jahr 1912 beschäftige sich der deutsche Reichstag mit dem Phänomen der sogenannten "Mischehen" zwischen deutschen KolonialistInnen und Angehörigen der kolonisierten Bevölkerung. In unserem Workshop lernen Sie zunächst die Grundzüge dieser Debatte kennen und erhalten einen Einblick in die innere Logik der deutschen Kolonialgesellschaft. Besonders spannend ist hierbei der Blick auf die Risse innerhalb der kolonialen Ordnung, die sich entlang von Themen wie der Genderordnung und der "Rassenfrage" auftaten.In einem zweiten Schritt werden wir anhand von verschiedenen historischen Quellen den Standpunkt der christlichen MissionarInnen in der Debatte rekonstruieren und uns fragen, welchen Anteil die Mission am Entstehen des rassistisch geprägten Menschenbilds der deutschen Kolonialgesellschaft hatte.
Die Macht der Karten – Herrschaftswissen, Kritische Kartographie, Counter Mapping
Karten sind seit jeher ein machtvolles Instrument, wenn es darum geht, Informationen räumlich darzustellen. Doch über die reine Vermittlung vermeintlich objektiver Daten hinaus dienen Karten auch dazu, Herrschaftswissen zu stützen und Kontrolle auszuüben. Der seit den 1980er Jahren im internationalen Kontext vorliegende Forschungsansatz der „Critical Cartography“ begreift Karten keineswegs als neutrale Darstellungen von Tatsachen, sondern sieht darin komplexe gesellschaftliche Konstruktionen. Hiernach folgen Karten machtvollen Konventionen und Interessen und schaffen damit erst die Tatsachen, die sie vordergründig nur abzubilden behaupten. Anschließend an die Kritik an Karten betont die Kritische Kartographie aber auch stets die Möglichkeit, das Werkzeug Karte selbst dafür einzusetzen, marginalisierten Themen und Gruppen, denen in hegemonialen Karten kein Platz eingeräumt wird, eine Möglichkeit der Artikulation zu bieten („Counter-Mapping“). Im Workshop wird die Bedeutung eines kritischen Umgangs mit Karten thematisiert sowie Prinzipien kritisch-kollektiven Kartierens vorgestellt und an Beispielen selbst praktisch erprobt.