Projekt

Projektmodul

Jetzt wird geforscht

Icon-Geistes-Sozialwiss-Projektmodul

Im Projektmodul setzen Sie sich in einem problemorientierten Lernsetting selbst mit dem Semesterthema "eigen und fremd?" (s.u.) auseinander. Sie entwickeln in kleinen Projektgruppen mit zwei Fachlehrenden unterschiedlicher Disziplinen eine differenzierte, praxisorientierte Sicht auf selbstgewählte Aspekte dieses Themas und die verschiedenen disziplinären Herangehensweisen.
In integrierten Tutorien werden grundlegende Arbeitsmethoden und Theorien vermittelt und in die verschiedenen Aspekte des Projektmanagements eingeführt. Regelmäßige Reflexionseinheiten fördern diesen praxisorientierten Lernforschungsprozess.
Die Ausgestaltung und Durchführung des Forschungsprojekts und seine Präsentation obliegt Ihnen, unter Anleitung und Hilfestellung durch die Fachlehrenden und TutorInnen.

ToDo (Anforderung Studienordnung)

Lt. Studienordnung hat das Projektmodul 180h, diese verbringen Sie mit 2 SWS in den jeweiligen Projektsitzungen, mit 2 SWS in den dazugehörigen Tutorien sowie in Selbstlern- und Gruppenarbeitsphasen. 

Für den Abschluss des Modulteils ist eine Zwischenpräsentation des Projektstands innerhalb des Semesters, eine Abschlusspräsentation in der Gruppe am 14.07. sowie ein Projektbericht (ca. 5.000 Zeichen) notwendig.

Die Einschreibung in die Projekte erfolgt im Vorfeld des Semesters - Sie werden von der Koordination zu Terminen und Fristen informiert. Weitere Informationen zu den Projekten finden Sie auch im Vorlesungsverzeichnis.

Die Präsentation der Projekte findet am 14.07.2023 statt. 

Die Themen und Termine für die Projektseminare für 2023 stehen noch nicht fest.

Hier geht es zu den Projektarbeiten 2022 (Passwortgeschützt)


Kult oder Kunst? Religion(en) im Museum
Ist eine russische Ikone ein Kunstwerk oder ein Kultgegenstand? Entweiht man ein Ritualobjekt durch eine Ausstellung im Museum oder besitzen religiöse Objekte eine unantastbare sakrale Aura? Wie wird Religion genutzt, um im Museum Narrative vom Eigenen und Fremden zu erzeugen?
Mit solchen und ähnlichen Fragen werden wir uns im Laufe des Semesters in die Frankfurter Museumslandschaft stürzen. Jeder Themenblock (u.a. Kult-Ästhetik, religiöse Identität, koloniales Erbe) wird mit einer Exkursion in eine passende Ausstellung abgeschlossen. Als persönliches Projekt wählen die Studierenden ihr „Lieblingsobjekt“, das sie in seinen Facetten erforschen und zum Abschluss des Semesters präsentieren



Einführung in die vgl. Nordafrika- und Westasien-Forschung: Staat, Zivilgesellschaft und internationale Akteure - Selbst- und Fremdkonstruktionen einer geopolitisch wichtigen Region

Die Revolutionen der Jahre 2010 und 2011 in den Ländern Nordafrikas und Westasiens waren mit großen Hoffnungen auf Veränderung der Lebensumstände der Menschen verbunden. Nach mehr als zehn Jahren ist heute klar, dass die meisten Revolutionen vorerst zum Stillstand gekommen sind: Autoritäre Strukturen bleiben erhalten, Staaten zerfallen, neue nicht-staatliche Akteure, die ihr Handeln mit einer ultra-konservativen Lesart des Islams legitimieren, treten vermehrt in Erscheinung und über allem schweben die geostrategischen Interessen externer Akteure.

Während die Menschen vor Ort ihre Aufstände als Revolutionen feierten, sich in sozialen Bewegungen und Netzwerken organisierten, herrschte in hiesigen Diskursen zwar Anteilnahme und Begeisterung, zugleich jedoch auch Überraschung über die gesellschaftliche Dynamik angeblich verkrusteter Gesellschaften, die seit Jahrzehnten unter autoritären Strukturen leiden. Es dauerte nicht lange, da wurde diese Begeisterung mit der Angst vor einem „Arabischen Herbst“ und einer „Islamisierung“ der Aufstände konterkariert.

Dieses Seminar will einen Einstieg in die Regionalforschung geben und zugleich wichtige Konzepte der Sozialwissenschaften einführen. Dabei will es die Komplexitäten der sozio-politischen Realität dieser wichtigen Region reflektierend in die Analyse einbeziehen und etablierte, eurozentrische Narrative über den „Nahen Osten“, „den Islam, die angebliche Demokratieunfähigkeit dieser Staaten etc. einreißen. Dazu ist es notwendig, die historische Gewordenheit staatlicher Strukturen, (zivil)gesellschaftlicher Entwicklungen sowie internationaler Interessen zusammen zu denken.

Wichtiges Element dieses Seminars wird deshalb eine kontinuierliche Arbeit am Begriff sein, das Hinterfragen scheinbar unverrückbarer Wahrheiten über die „orientalischen Anderen“ und die Frage nach Möglichkeiten der Veränderung.




Grenzen des Selbst
Wer bin ich? Wer sind die anderen um mich herum? Inwiefern bedingen wir uns gegenseitig? Gäbe es mich, wenn es die anderen nicht gäbe? Und bin auch ich ihre Voraussetzung? Welche Bedeutung hat es dabei, dass ich ein körperliches Wesen bin und mit diesem Körper zu anderen in Kontakt trete? Wo liegen die Grenzen meines Körpers?
In der Verbindung von philosophischer und sportsoziologischer Perspektive werden wir in unserem Seminar Antworten auf die oben genannten Fragen zu finden versuchen. Dabei wird im Mittelpunkt stehen, zu diskutieren, wo die Grenzen des eigenen Selbst liegen und wo die der anderen. Zudem werden wir uns damit auseinandersetzen, wie Körper entstehen und in welchem Zusammenhang das verkörperte Selbst mit der Gesellschaft steht, von deren Normen und Verboten es beeinflusst ist.
Im Seminar werden wir wöchentlich wissenschaftliche Texte lesen, dann besprechen und mit Beispielen aus dem Alltag in Verbindung bringen. Das Tutorium wird die Gelegenheit bieten, begonnene Diskussionen noch vertiefend weiterzuführen. Den Abschluss bildet ein Projekt, in dem eine eigene wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem verkörperten Selbst in (post)modernen Gesellschaften begonnen werden kann.


Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Kolonialismus und Rassismus? Wie hängt Rassismus mit Sprache, Wissen und Macht zusammen? Wo begegnen wir Rassismus im täglichen Leben? Diese Fragen stehen im Projektseminar im Vordergrund und schärfen den Blick auf alltäglich gezogene Dichotomien zwischen dem vermeintlich ‚Eigenem und Fremden' hin zu einer strukturellen Betrachtung von Ungleichheiten und Machtverhältnissen. Nach der historischen und globalen Einbettung des Themas werfen wir den Blick auf postkolonialen Widerstand in Städten, rassistische und eurozentrische Inhalte im Bildungssystem, kritische Weißseinsforschung sowie Repräsentation von Schwarzen Menschen und People of Color in Deutschland.







Schreibende Reisende. Identität und Alterität aus literaturwissenschaftlichen und ethnologischen Perspektiven (Arbeitstitel)

Ziel des Seminars ist es Literaturwissenschaften und Ethnologie sowie ihre Methoden in ihren Grundzügen vorzustellen und einen ersten Blick auf interdisziplinäre Synergien und Schnittstellen zu werfen. Mit einem regionalen Schwerpunkt auf ‚den Amerikas' werden wir uns mit textuellen Darstellungen des „Eigenen“ und des „Fremden“ und ihrer Rolle im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext auseinandersetzen.

Zu den zentralen thematischen Achsen, die wir im Laufe des Semesters betrachten wollen, gehören: Reiseliteratur im Laufe der Zeit; Ethnologie und Tourismus; Mobilität und Ethnographie als literarische Mittel; Fortschreibung von Exotisierung und Machtverhältnissen; Inszenierung von sozialen Kategorisierungen und ihre Überschneidungen, …

In den wöchentlichen Seminarsitzungen (online) sind neben Textdiskussionen und Inputs der Dozentinnen auch Gruppen- und Reflexionsaufgaben geplant. Ab Mitte des Semesters entwickeln wir ein Konzept für einen Blog, der am Ende des Semesters als Seminar-Output online zugänglich werden soll. Die Beiträge für den Blog können divers und entlang der Interessenschwerpunkte der Studierenden entworfen werden, haben aber den Anspruch, die Inhalte, Diskussionen und Reflexionen der Veranstaltung widerzuspiegeln. Im Rahmen des Tutoriums wird es Raum zur Entwicklung und Umsetzung der einzelnen Beiträge geben.

Die Seminarbibliographie besteht aus deutsch- und englischsprachigen Texten. Eine Affinität für oder Kenntnisse von romanischen Sprachen, insbes. Französisch und Spanisch, sind keine Voraussetzung für die Teilnahme, aber sehr willkommen.


Gemischt, mehrfach, trans, bio: Was bedeutet Identität im Migrationsland Deutschland?
Nach den USA ist Deutschland weltweit das Land mit der größten Zahl an Einwohner*innen, die entweder selbst oder deren Eltern im Ausland geboren wurden. Zirka ein Viertel der Bevölkerung hat, in Beamtendeutsch gesprochen, einen "Migrationshintergrund". Doch die Idee, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, ist noch relativ neu und wirft viele kontrovers diskutierte Fragen auf. Oftmals fehlen uns die richtigen Worte, oder wir schweigen lieber ganz, bevor wir in ein Fettnäpfchen treten. Wenn ein Mensch die deutsche Staatsbürgerschaft annimmt, ist er*sie dann wirklich deutsch? Ab wann gilt jemand als "biodeutsch"? Sind beispielsweise Deutschtürk*innen deutsch UND türkisch, deutsch ODER türkisch, oder sind sie etwas Anderes, etwa "neudeutsch", "gemischt", "transnational"? Und darf man so etwas überhaupt fragen--ist das noch "politically correct" oder schon diskriminierend?
In diesem Projektseminar wollen wir der Frage auf den Grund gehen, was für Identitäten in Deutschland lebende Menschen haben wollen und haben dürfen. Und umgekehrt, wie im Fall Albert Einstein, was es bedeutet, deutsche Identität zu verweigern. Dazu werden wir in den diversesten Städten Deutschlands--Offenbach und Frankfurt--auf eine gemeinsame Spurensuche gehen. Auf unseren Streifzügen werden wir Straßenumfrage- und Fotografietechniken erproben sowie Experteninterviews führen und systematische Beobachtungen durchführen. Außerdem werden wir gemeinsam einen Wortschatz erarbeiten, um unsere Beobachtungen in Worte fassen zu können. Begriffe wie Identitätspolitik, Rassismus, Mikroaggressionen, Intersektionalität, Nationalismus, Assimilierung, Zugehörigkeit (cultural citizenship), Dominanzgesellschaft und Leitkultur werden wir kritisch unter die Lupe nehmen. Dabei werden wir sowohl Auszüge aus wissenschaftlichen Texten (z.B. Hannah Arendt, Origins of Totalitarianism) als auch popkulturelle Quellen (z.B. Identitti von Mithu Sanyal) verwenden und gemeinsam versuchen, einen solidarischen, toleranten und respektvollen Gesprächsraum zu schaffen.


gültig von: 'nicht eingetragen' bis: 'nicht eingetragen'

während Gültigkeit

Projekte aus dem Sommersemester 2021


Materialität und Kultur


Materialität und Kultur. Wie aus Dingen Wissen über Gesellschaften entsteht. Archäologische und ethnologische Analysen (nicht nur) von Objekten aus Sammlungen der Goethe Universität

Form und Beschaffenheit von Artefakten beinhalten wichtige Aussagen darüber, welche Bedeutung und Funktion in vergangener Zeit oder heute diese Objekte hatten oder haben. Eine genaue Betrachtung materieller Dinge zeigt Merkmale und Spuren, die übersetzt werden müssen, damit sie dem heutigen Betrachter verständlich werden.

Durch die Interpretation der Objekte ist es möglich, vieles über alltägliche Handlungsweisen, Formen des Umgangs und Bewertungen dieser Objekte herauszufinden. Hierfür haben Ethnologie wie Archäologie eigene Methoden entwickelt, die im Projektseminar vermittelt werden. Dafür werden ausgewählte Sammlungsobjekte bereitgestellt, an denen diese Methoden erprobt und die Aussagekraft von Dingen für das Leben von Menschen in Vergangenheit und Gegenwart erkundet werden soll. Zudem werden auch Dinge aus der Lebenswelt der Seminarteilnehmer betrachtet und interpretiert.

Sie werden als Projektarbeit die Aufgabe erhalten, selbst einen Kurzfilm zu einem Objekt der Wahl aus Ihrer eigenen Lebenswelt zu erstellen.

Sprechende Körper


Als Subjekte sind wir alle verwoben mit der Welt. Gerade in der Philosophie setzen sich viele mit dem Phänomen auseinander, das wir als denken bezeichnen, wird sich gefragt, was den Geist ausmacht. Doch welche Rolle spielt der Körper? Können wir uns als körperlose Wesen denken? Gibt es überhaupt Grenzen zwischen Körper und Geist? Wie wichtig ist der Körper, in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen Sport betreiben, sich fit halten wollen? Wer oder was wird dort trainiert? In der Sportsoziologie kann der Körper nicht ignoriert werden, denn Sport ist Körperlichkeit. Was macht uns dann nun eigentlich aus im Alltag? Der Geist? Der Körper? Beides? Wie sprechen wir zur Welt? Mit Worten? Gesten? Unserer Kleidung?

Sprechende Körper, ihre Verwobenheit mit dem Geist und ihre Verbindungen zur Welt stehen im Mittelpunkt unseres Projektes. Dabei werden wir philosophische und sportsoziologische Texte lesen und miteinander diskutieren

WissensKulturen


WissensKulturen – Kulturelle Praktiken der Übersetzung in der Wissensgesellschaft

• Wie wird Wissen vermittelt? Was wird weitergegeben, was aussortiert? 

• Wer verhandelt oder entscheidet, was sich in Diskursen und Debatten als Allgemeinwissen etabliert?

• Welche Rolle spielt die Wissenschaft und mit wem arbeitet sie zusammen? 

• Wie können verschiedene Praktiken der Übersetzung aussehen? Wie unterscheiden sie sich voneinander und warum? 

• Was bedeutet es in einer Wissensgesellschaft zu leben, in der Fakten und Rationalität eine leitende Rolle spielen?

• Welche Bedeutung kommt anderen Formen von Wissensbildung und -verbreitung zu?

• Inwieweit ermöglicht oder hemmt Übersetzung Veränderung in der Gesellschaft?

Über-Setzen von West nach Ost in Goethes Divan


Der West-östliche Divan gehört zum dichterisches Alterswerk Goethes. Etwa in den Jahren 1814-20 hatte er sich  einem unerhörten und ungewöhnlichen Experiment ausgesetzt, indem er sich einerseits Wissensbestände der Orientalistik aneignete und diese schließlich dichterisch nachahmte, oder sich dazu dialogisch in Beziehung setzte. Da er selbst die Sprachen Arabisch und Persisch nicht beherrschte, musste er sich mit Übersetzungen auseinandersetzen. Dazu gehören Koran-Übersetzungen oder die Dichtungen des persischen Dichters Hafis. 

Im Projekt geht es darum, die Methoden, Verfahren und Positionen kennenzulernen, mit denen Goethe sich dem Orient annähert, wie er von West nach Ost übersetzt oder auch warum und auf welche Weise er sich zeitweise sogar als Muslim beschreibt. Es geht um fremde und eigne Texte, um die fremde und die eigne Sprache (und Schrift), die Frage nach der Differenz von Dichtung und Religion, sowie um die nach der Bedeutung von Inspiration.

Lost in the Anthropocene

Im Jahr 2000 wurde durch den Atmosphärenchemiker Paul J. Crutzen und den Biologen Eugene F. Stoermer die These vorgelegt, dass mit dem Beginn der industriellen Revolution gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein neues geologisches Zeitalter angebrochen sei: das Anthropozän. Der Mensch hat demnach einen solch tiefgreifenden und zeitlich nachhaltigen Einfluss auf die Natur genommen, dass damit ein erdgeschichtlicher Wendepunkt überschritten wurde, dessen Spuren in einer geologischen Skalierung einzuordnen sind. Neben den jahrtausendealten Veränderungen von Landschaften durch Urbarmachung und Ressourcenabbau, der anwachsenden Erdbevölkerung und der Domestikation von Tieren und Pflanzen, hat insbesondere die Verbrennung von fossilen Brennstoffen, der rasant zunehmende Ausstoß von Gasen wie Kohlenstoffdioxid und Methan in die Erdatmosphäre, einen Punkt erreicht, an dem sich die Grenze zwischen Mensch und Natur nicht einfach verschiebt, sondern es immer schwieriger wird, eine solche Unterscheidung überhaupt zu treffen. In einer widersprüchlichen Kippbewegung scheinen die Gestaltung und Beherrschung der Natur einen Punkt erreicht zu haben, an dem die menschliche Lebensform in der Vielgestalt ihrer Hervorbringungen und objektiven Veräußerungen selbst als geologischer Faktor erscheint, der sich auf den ganzen Erdball auswirkt.
Das Seminar bietet eine orientierende Annäherung an verschiedene theoretische Bestimmungen des Anthropozän-Begriffs und geht dabei der Frage nach, wie sich zentrale Vorstellungen von Kultur und Natur, von Zeitlichkeit und Geschichte verändern, wenn sie im Zusammenhang einer geologischen Skalierung betrachtet werden. Vor diesem Hintergrund setzt sich die Veranstaltung einerseits mit literarischen und künstlerischen Positionen auseinander, andererseits sollen durch Vorträge von externen Gästen Perspektiven auf die aktuelle literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung zum Anthropozän aufgezeigt werden.


10 Jahre 'Arabischer Frühling'

10 Jahre 'Arabischer Frühling': Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf Protestbewegungen, Generationenverhältnisse, Klasse und Gender Nordafrika und Westasien (NAWA) seit 2011

Das Seminar beschäftigt sich mit Protestbewegungen in Nordafrika und Westasien dem sogenannten “Arabischen Frühling". Dieser bietet sich aus verschiedenen Gründen als Beispiel für das Semesterthema Lost in Translation? an, nicht zuletzt, weil die Sozial- und Regionalwissenschaften im Jahr 2011 von den Ereignissen vollkommen überrascht wurden. Bis dahin interpretierten viele Fachleute die autoritären Regime in der Region Nordafrika-Westasien (NAWA) als weitgehend “stabil", obwohl es viele soziale Missstände gab. Wurde hier etwas missverstanden oder falsch übersetzt? Oder spiegelt die Überraschung in der Forschung lediglich die Überraschung der Menschen vor Ort, die ja oft selbst von der Eigendynamik der Ereignisse überwältigt wurden? In welchem Maße kann Wissenschaft die Möglichkeit derartiger Ereignisse überhaupt voraussehen? Weitere Fragen, die sich hier anschließen: Wie genau kam autoritäre Herrschaft in den jeweiligen Ländern in die Krise? Was sind soziale Bewegungen und wie können sie so plötzlich und auch unter widrigsten Bedingungen entstehen? Eine weitere Frage stellt der Begriff “Arabischer Frühling" selbst - für das Selbstverständnis der Menschen vor Ort spielte er zunächst kaum eine Rolle, sie nannten ihre Proteste in der Regel anders. Mit welchen Erwartungen wird der Begriff benutzt? Warum wurden im Globalen Norden nicht einfach die Selbstbezeichnungen der Bewegungen vor Ort übersetzt?
Anhand früherer und gegenwärtiger Protestbewegungen in der NAWA-Region möchten wir einen groben Überblick über die sozialen und politischen Verhältnisse vorgeben, und gemeinsam diskutieren, wie man sie kritisch, reflektiert und wissenschaftlich erfassen kann, aber auch wo die Grenzen wissenschaftlicher „Übersetzung“ der Realität in Daten, Modelle und Theorien liegen.
Das Seminar arbeitet mit einer akteurszentrierten Perspektive, die anstrebt, die unterschiedlichen Gründe und Motive für die Beteiligung zu verstehen und sie differenziert zu analysieren. Aktivist*in¬nen haben bestimmte politische und soziale Ziele in der Gesellschaft und sich aus diesem Grund der Revolution zugewandt. Sie üben Macht aus und ihr politisches Engagement hat Auswirkungen auf die verschiedenen Ebenen der Gesellschaft. Dieses möchten wir beleuchten, indem wir die Forschung aufgreifen und weiterführen.
In vergleichender Länderanalyse lassen sich die Ergebnisse jedoch teilweise generalisieren und schließlich Fragen für den deutschen Diskurs eröffnen. Die Forschungsperspektiven sind interdisziplinär auf die Gebiete Politikwissenschaft, Soziologie, Islamwissenschaft, Partizipationsforschung und Gender Studies angelegt. Vorausgesetzt werden gute Englischkenntnisse, und die Bereitschaft, selbst auf Englisch und Deutsch zu recherchieren und Referate zu halten. Studierende können Referate zu konzeptuellen Themen oder zu Länderbeispielen halten. Diese können sie im Rahmen des Oberthemas frei wählen, in Absprache mit den Dozent*innen (im April, vor dem ersten Block im Juni).  
Vorschläge für Referatsthemen, allerdings können Studierende selbst ein Thema ihrer Wünschen selbst wählen und mit den Dozent*innen in Mai besprechen.
Konzepte
●    Politische Systeme der arabischen Länder.
●    Soziale Bewegungen und Soziale Bewegungsforschung
●    Frauenbewegung
●    Jugend, Generationenverhältnisse, politische Sozialisation
●    Islamismus und islamistische Bewegungen
●    Autoritarismus und Demokratisierung
●    Die Region NAWA – grober Überblick und vergleichende Analyse: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Ländern

Länderbeispiele (Vorschläge, wichtig: unterschiedliche Regimetypen!):
●    Ägypten
●    Tunesien
●    Marokko
●    Syrien
●    Algerien
●    Sudan
●    Iran

Kontakt


Dr. Johanna Scheel

Koordinatorin
Orientierungsstudium Geistes- und Sozialwissenschaften

Campus Westend | Casino 1.813 
Nina-Rubinstein-Weg 1
60323 Frankfurt am Main

Telefon +49 (0)69 798 32943

scheel@em.uni-frankfurt.de

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