In der Ringvorlesung tragen Lehrende / Forschende verschiedener Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften zu einem gemeinsamen Semesterthema vor (s.u.). So erhalten Sie zu einem gemeinsamen Thema einen Überblick über unterschiedliche Fachperspektiven, Fallbeispiele, Methoden, Wissenschaftsgeschichte und gesellschaftliche Schnittstellen verschiedener Fächer.
Sicherlich offenbaren sich hier für Sie auch unerwartet interessante Forschungsgebiete und Fragestellungen, von Fächern, von denen Sie bislang wenig konkrete Vorstellungen hatten.
In Ihrem Portfolio zu diesem Modul (Orientierungsmodul) haben Sie die Möglichkeit, Ihre Eindrücke und die unterschiedlichen Fachkulturen zu reflektieren und diese für den Entscheidungsprozess zu Ihrer Studienfachwahl fruchtbar zu machen. Dabei werden Sie von Ihrer Mentorin bzw. Ihrem Mentor unterstützt.
Lt. Studienordnung umfasst der Modulteil Ringvorlesung Semesterthema 2 SWS. Diese verbringen Sie in den unten stehenden Vortragsterminen.
Für den Abschluss des Modulteils sind drei bis fünf annotierte Protokolle (Handreichung siehe OLAT-Kurs der Ringvorlesung) zur Vorlesung als Artefakt Ihres Portfolios notwendig.
Einschreibung/Anmeldung: Als Orientierungsstudierende werden Sie in der GO-Woche automatisch in den zugehörigen OLAT-Kurs eingeschrieben, eine separate Anmeldung ist nicht notwendig.
Religiöse Themen sind in sozialen Medien allgegenwärtig – von persönlichen Glaubenszeugnissen bis hin zu theologischen Debatten. Ein prägnantes Beispiel dafür ist das Sinnfluencing, bei dem Content-Creator:innen spirituelle Inhalte vermitteln und zur Sinnsuche anregen. Durch die digitale Transformation verändern sich nicht nur religiöse Ausdrucksformen, sondern auch die Art und Weise, wie religiöse Bildung stattfindet. Dies wirft die Frage auf, wie traditionelle, formale Bildung mit den informellen Bildungsräumen sozialer Medien umgehen kann – als Herausforderung oder als Chance für religiöses Lehren und Lernen in Schule und Gemeinde?
Der Vortrag nimmt drei jüdische Autobiographien des 20. Jahrhunderts zum Ausgangspunkt, um über die Vielstimmigkeit und den Wandel der diasporischen Lebenswirklichkeit der jüdischen Kondition nachzudenken: Besprochen werden Mary Antins ‚The Promised Land‘ (1912), Stefan Zweigs ‚Die Welt von Gestern‘ (1942) und Gershom Scholems ‚Von Berlin nach Jerusalem‘ (1977/1982, 1994). Diese drei Bücher, verfasst von einer Frau und zwei Männern im Zeitraum von rund 65 Jahren, setzen sich auf eine bemerkenswerte Art und Weise mit ihrem Lebensfundament, ihren familiären Prägungen und mit Zeit-, Raum- und Werteordnungen ihrer nichtjüdischen Umwelt auseinander. Alle drei stellen dabei ihre individuellen Entscheidungen in Jugend und junger Erwachsenenzeit ins Zentrum des Textes: Es verbindet sie eine Suche nach neuen Überzeugungen und Begriffen für die Frage, was Jude-Sein für sie jeweils bedeutet hat und weiterhin bedeuten soll. Und so individuell diese Lebensrückblicke auch sind – alle stehen zugleich auch unmittelbar mit verschiedenen kollektiven jüdischen Erfahrungen im Zusammenhang, die für die, die hier zurückblicken, in ihren jungen Jahren jeweils Geltung hatten: Hier die Glaubenswelt des traditionell-jüdischen Milieus im Osten Europas, dort die Akkulturationserfolge in der bürgerlichen Gesellschaft und die Großstadtfreiheit und -kultur westlicher Metropolen. Diese drei Bücher gibt es, weil mit ihrer Autorin und ihren Autoren je eine Entscheidung dokumentiert wird, aus der kollektiv vorgefundenen jüdischen Herkunft eine individuelle Zukunft zu machen, die aber ebenfalls jüdisch bleibt (oder, im Falle Scholems, so könnte man sagen, erst jüdisch wird). Die Zukunft erscheint bei Antin als Freiheit in der Bildung der individuellen Persönlichkeit gesichert; sie kommt als ein Kosmopolitismus und Internationalismus der gebildeten Welt Europas bei Zweig zum Ausdruck, den er als eine „jüdische Mission“ versteht und deren Scheitern er in einer katastrophischen Zeit schildern muss; und sie wird bei Scholem als die Rückkehr in die eigene Geschichte konzipiert. Der Vortrag versucht, Forschungszusammenhänge aus den Jüdischen Studien, aus Zeit- und Kulturgeschichte, aus Migrationsforschung und Literaturwissenschaft in einen angemessenen und produktiven Zusammenhang zu bringen. Er lässt sich so auch als Plädoyer verstehen, beim Austausch über wichtige Themen der Moderne über die Ränder von Fächergrenzen hinaus zu schauen.