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Synagogen-Gedenkband Hessen

Ziel des Forschungsprojekts ist die umfassende textliche und bildliche Dokumentation der etwa 450 jüdischen Gotteshäuser, die um 1930 auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen bestanden. Neben der Dokumentation in Gestalt einer Buchpublikation in vier Bänden sowie einer digitalisierten Fassung der Dokumentation im Open Access wird auch das zugrundeliegende Material aus historischen Archiven digitalisiert und auf einer eigenen Website für die weitere Forschung zur Geschichte der Juden in Hessen und vor allem für pädagogische Projekte in Schulen, Erwachsenenbildung und an der Universität zugänglich gemacht werden. Ein besonderes Augenmerk liegt neben der historischen Rekonstruktion auf der gesellschaftlichen und erinnerungspolitischen Dimension des Projekts, der u. a. durch eine gezielte pädagogische Aufarbeitung des Materialbestandes sowie durch öffentliche Veranstaltungen wie Workshops, Tagungen und Symposien Rechnung getragen wird.

Das Projekt erforscht Ort für Ort und auf der Grundlage eingehender Archivrecherchen die Geschichte, Architektur und Ausstattung der Synagogen. Ebenso ausführlich wird die Geschichte der jüdischen Gemeinden und ihrer Einrichtungen wie Rabbinat, Mikwe, Schule und Friedhof von den Anfängen bis zur Gegenwart dokumentiert. In die Dokumentation einbezogen sind die aktiven jüdischen Gemeinden und ihre Kultusbauten. Besonderes Gewicht erhält dabei das Zusammenleben zwischen Juden und Christen, das durch Jahrhunderte von Ausgrenzung und Vertreibung, aber auch von friedlicher Koexistenz geprägt war. Es gilt zudem, die Ereignisse und Folgen der Reichspogromnacht für die einzelnen Orte adäquat aufzuarbeiten und das Schicksal der Synagogen nach 1938 und 1945 zu dokumentieren, aber auch Möglichkeiten des heutigen Umgangs mit der jüdischen Vergangenheit und den ehemaligen jüdischen Bauwerken aufzuzeigen. Weiterhin werden die innerjüdischen Diskurse um die religiöse Ausrichtung der Gemeinden sowie die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Moderne – soweit vorhanden – dokumentiert.

Die Synagogen-Gedenkbände werden nach streng wissenschaftlichen Kriterien erarbeitet, sollen aber durch gut lesbare, abwechslungsreiche Artikel und eine ansprechende grafische Gestaltung auch ein breites Publikum ansprechen. Bereits während der Laufzeit des Projekts wird das Material zur historischen Beschreibung der Gemeinden und ihrer Synagogen für die pädagogische Konzeption von Unterrichtsmaterial für Geschichts- und Religionsunterricht für Schüler*innen unterschiedlicher Altersstufen, aber auch für die Erwachsenenbildung und weitere Bildungskontexte erarbeitet und z. B. im Kontext von Fortbildungen für Lehrkräfte und Multiplikator*innen genutzt werden können.

Das Projekt wird unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff, Inhaberin des Lehrstuhls für Kirchengeschichte an der Augustana Hochschule und Direktorin des Instituts für christlich-jüdische Studien und Beziehungen, und Prof. Dr. Doron Kiesel, Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland, durchgeführt. Eine enge Kooperation wird mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, dem Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde, der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, sowie weiteren Partnern angestrebt.

Das Projekt befindet sich derzeit in der Vorbereitungsphase. Diese wird ermöglicht durch großzügige Förderungen des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie der Georg und Franziska Speyer‘schen Hochschulstiftung.

Kontakt:
PD Dr. Stefan Vogt (Projektkoordinator), Tel. 069-798-32032, Email: s.vogt@em.uni-frankfurt.de


Die ehemalige Synagoge in Hadamar

Foto: Oliver Abels (Creative Commons Attribution 2.5 Generic Lizenz)